Neuerscheinung: Studentengeschichtlicher Beitrag zum Verhältnis von politischen Parteien und studentischen Korporationen

Studentenverbindungen passen für viele Zeitgenossen nicht mehr zur spätmodernen Demokratie. Als gesellschaftliche Kräfte spielen Korporationen kaum noch eine Rolle – und sind damit für Parteien auch immer weniger interessant als gesellschaftlicher Resonanzraum für die eigenen politischen Ziele. Im Gegenteil: Das Verhältnis zwischen Parteien und studentischen Korporationen ist auch bei anderen politischen Schattierungen – neben der SPD – allzu oft belastet. Allzu schnell steht der Pauschalverdacht im Raum, letztere seien „irgendwie rechts“ – ein Verdacht, der keinen Raum für eine vorurteilsfreie Diskussion lässt. Hinzu kommt, dass politisches Engagement wie universitäres Studium heute oft so verdichtet sind, dass ein gleichzeitiges parteipolitisches wie couleurstudentisches Engagement kaum noch vereinbar ist. Die Rhythmen der Politik scheinen sich von anderen gesellschaftlichen Feldern immer mehr abzukoppeln.

Alles in allem kann gefragt werden: Was fangen Parteien noch mit Verbindungen an? Was mit ihren korporierten Mitgliedern? Sind Verbindungen eher lästig, weil durchweg „rechts“ oder zumindest „konservativ“ – was immer man unter solchen Zuschreibungen auch verstehen will?

Aber auch umgekehrt kann gefragt werden: Was fangen die studentischen Verbindungen noch mit den Parteien an? Diese Frage stellt sich nicht zuletzt bei Burschenschaften – … wollen diese doch ihre Mitglieder zu politischem Denken und Handeln erziehen, wenn auch nicht im parteipolitischen Sinne. Wie viele Mitglieder in Studentenverbindungen haben noch ein Parteibuch? Wer von den eigenen Bundesbrüdern engagiert sich noch in einer Partei? Wie groß ist die parteipolitische Bandbreite in den einzelnen Bünden? … Die Bereitschaft zum Eintritt in eine Partei hat deutlich abgenommen.


Zum Weiterlesen:

Axel Bernd Kunze Unvereinbar? Korporierte Sozialdemokraten – Überlegungen zum Verhältnis von Parteien und Studentenverbindungen am Beispiel der SPD, in: Sebastian Sigler (Hg.): Die Vorträge der 79. deutschen Studentenhistorikertagung Jena 2019 zugleich Festschrift anlässlich des 90. Geburtstages von Klaus Gerstein (Beiträge zur deutschen Studentengeschichte; 36), München: Akademischer Verlag München 2020, S. 173 – 220.

Der Beitrag basiert auf einem Vortrag der auf der deutschen Studentenhistorikertagung 2018 im Museum König in Bonn gehalten wurde. Eine Onlinefassung wurde auf den Seiten des Lassalle-Kreises veröffentlicht.

Neuerscheinung: Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, / Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben. –

Es gibt Gedichtzeilen, die so oft zitiert werden, dass sie irgendwann zu geflügelten Worten werden. Und dann vielleicht auch ihr eigentlicher Sinn verloren geht. So ist es auch mit diesen Zeilen aus Hermann Hesses philosophischem Gedicht „Stufen“, entstanden nach langer Krankheit am 4. Mai 1941. Hesse betrachtet das Leben als einen fortwährenden Prozess: Ist ein Lebensabschnitt durchschritten, folgt der nächste. Der Mensch solle sich nicht an einer bestimmten Lebensstufe festhalten; er solle vielmehr mit Tapferkeit und Heiterkeit zugleich voranschreiten. Versuche sich der Mensch auf einer Lebensstufe einzurichten, drohe er zu erschlaffen und matt zu werden. Für Hesse gibt es keine Heimat im Leben, in der wir uns einrichten könnten. Und auch der Tod ist für ihn letztlich nur Abschied von einer Lebensstufe hin zu einer anderen.

Wie oft haben wir die Zeile vom „Zauber des Anfangs“ schon gehört!? … bei Hochzeiten oder Taufen, bei Verabschiedungen und Amtseinführungen. Doch Hesses Gedicht ist weit davon entfernt, solche Ereignisse zu romantisieren. Wer einmal das ganze Gedicht liest, spürt eine andere Stimmung: Es geht um Aufbrüche – ja. Aber Aufbrüche sind nicht allein befreiend, sie kennen immer auch eine andere Seite: Aufbrüche und Neuanfänge erwachsen im menschlichen Leben aus schmerzlicher Veränderung.

Beginn eines Predigtvorschlags zum Ersten Fastensontag 2021 – den folgenden Text finden Sie in der Zeitschrift der „Prediger und Katechet“:

Axel Bernd Kunze: Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne (Mk 1, 12 – 15), in: Der Prediger und Katechet. Praktische katholische Zeitschrift für die Verkündigung des Glaubens 160 (2021), H. 2, S. 211 – 214.

Neue Rezensionen zum Band „Wiederentdeckung des Staates in der Theologie“

Der Studentenhistoriker Bernhard Grün („Die Fuxenstunde“, „Der Comment“) hat im aktuellen „Burschenschafter“ der Allgemeinen Deutschen Burschenschaft den Band „Wiederentdeckung des Staates in der Theologie“ von Alexander Dietz, Jan Dochhorn, Axel Bernd Kunze und Ludger Schwienhorst-Schönberger (Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt 2020) gewürdigt (Jg. 4, H. 2/2020, S. 92 f.) Ein gekürzter Wiederabdruck findet sich in den Wingolfsblättern (Jg. 139, H. 4/2020, S. 290 – 292) – ein kurzer Auszug hieraus:

„Die Volks-, Kultur- und Willens als natürlicher Bezugsrahmen dürfe keinesfalls übergangen werden, denn: ‚Die Freiheitsbewegung des 19. Jahrhunderts wusste, wie das ‚Lied der Deutschen‘ aus der Feder Hoffmanns von Fallersleben zeigt, um den Zusammenhang von Einigkeit und Recht und Freiheit.‘ Die egalitäre ‚Zivilgesellschaft‘ sei nicht in der Lage, den Menschen in seiner Komplexität, die sich auch in gemeinsamer Herkunft, Sprache, Kultur und Werten manifestiere, abzubilden.“