Surrexit Christus, spes mea. Alleluja!

Allen Lesern und Leserinnen meines Weblogs wünsche ich gute, gesegnete Ostertage. Vielleicht können die folgenden Gedanken ein paar Akzente für die Osterzeit setzen. Herlichen Dank, dass Sie mein Weblog regelmäßig verfolgen. Bleiben Sie wohlbehütet in dieser herausfordernden Zeit. Ihr Axel Bernd Kunze

Petrus und Johannes am leeren Grab (Joh 20, 1 – 9)

Wir kennen diese Bilder, wenn Gerichtsprozesse mediale Aufmerksamkeit auf sich ziehen: Der Angeklagte will nicht erkannt werden. Er zieht sich die Jacke über den Kopf. Oder sein Anwalt hält dem Angeklagten einen aufgeschlagenen Aktenordner vors Gesicht.

Wer sein Gesicht zeigt, macht sich angreifbar. Wer etwas zu verbergen hat, muss sich verhüllen – sei es aus Scham oder Angst, aus Unsicherheit oder Verletzbarkeit. Auch das noch so schönste Kleid oder Gewand dient letztlich doch nur dazu, unsere Blöße zu bedecken.

Vor diesem Hintergrund lässt ein Detail im Osterevangelium aufmerken.

Was an Weihnachten geschehen ist, lässt sich leicht in Szene setzen: sei es als Krippendarstellung oder Weihnachtsspiel. Das kleine Kind in der Krippe, liebevoll betrachtet von Maria und Josef, Ochs und Esel daneben, umgeben von Schafen und den frommen Hirten – dieses Weihnachtsbild rührt immer wieder neu unser Herz.

Was an Ostern geschehen ist, lässt sich weniger gut darstellen. Das leere Grab wirkt nicht so reizvoll wie eine Krippenlandschaft. Und es trifft auch gar nicht den Kern des Ostergeschehens.

Denn Ostern ist kein bloßer Moment der Weltgeschichte, der sich so einfach abbilden ließe. Wenn wir dem Zeugnis des Neuen Testaments trauen, geht es an Ostern um eine neue Wirklichkeit, die in unsere Welt einbricht. Es geht um starke subjektive Erfahrungen, die nach und nach das Neue und Unfassbare zur Überzeugung haben werden lassen: Jesus lebt!

Die Ostergeschichten der Evangelien sind nicht mit einer Fotographie zu vergleichen. Vielmehr lassen sie die neue Wirklichkeit lebendig werden wie ein Künstler, der ein gutes, vielschichtiges Gemälde gestaltet.

Heute geht es um die frühen Erfahrungen dreier Osterzeugen: Da ist Maria von Magdala; und da sind Petrus und der Lieblingsjünger Jesu, Johannes. Die beiden Apostel laufen zum Grab, als Maria ihnen ganz aufgeregt berichtet, der Leichnam Jesu sei verschwunden. Und was sehen sie, als sie beim Grab ankommen?

Die Antwort des Evangelisten mag uns vielleicht erstaunen: Beschrieben werden die Leinenbinden und das Schweißtuch, in welche der Leichnam eingewickelt worden war. Sie sind nur ein kleines, scheinbar unbedeutendes Detail im vielschichtigen Ostergemälde. Und doch sagen sie eine Menge darüber aus, was an Ostern geschehen ist.

Der Mensch ist verletzbar, er muss seinen Körper schützen – nicht allein vor Kälte oder äußeren Gefahren, sondern auch vor den zudringlichen Blicken anderer. Wir haben es zu Beginn gehört.

Wo die Hülle fällt, die uns umgibt, sind wir bloßgestellt, dem Zugriff der anderen schonungslos preisgegeben. Die Tradition des Kreuzwegs widmet diesem Teil der Passion sogar eine eigene Station: Jesus wird seiner Kleider beraubt. Endgültig wird er zum Gespött der Vorüberziehenden.

Aus Pietät schützen wir selbst den Leichnam noch vor den Blicken anderer und hüllen ihn in das Totenhemd. So geschieht es auch bei Jesus. Der seiner Kleider Beraubte und am Kreuz Gemarterte hat ausgelitten. Sein geschundener Leichnam wird von seinen Getreuen geborgen, in Tücher gehüllt und ins Grab gelegt.

Doch jetzt ist es anders. Die zurückgelassenen Leinenbinden und Tücher zeigen eine neue Wirklichkeit an, die mit Ostern in unsere Welt einbricht. Petrus und Johannes gehören zu den ersten, die das am Ostermorgen erfahren. Das Grab konnte den Gekreuzigten nicht festhalten. Er ist auferstanden in eine ganz neue Wirklichkeit, die alle irdischen Vorstellungen sprengt.

Der Auferstandene hat die Verletzbarkeit irdischer Existenz hinter sich gelassen. Der verklärte, von Osterherrlichkeit erfüllte Leib benötigt keinen Schutz mehr. Er bedarf nicht mehr der Verhüllung. Ostern lässt alle Hüllen fallen. Gottes Herrlichkeit strahlt auf und bricht in unsere Zeit.

Der Jesuit und Kirchenlieddichter Friedrich Spee hat mit seinem Lied Ist das der Leib, Herr Jesu Christ die Herrlichkeit und Unverletzbarkeit des verklärten Auferstehungsleibes poetisch beschrieben:

Der Leib empfindet nimmer Leid,

bleibt unverletzt in Ewigkeit,

gleichwie so viele tausend Jahr

die Sonne leuchtet eben klar.

Petrus und Johannes spüren etwas von dieser neuen Wirklichkeit an diesem Morgen. In der nächsten Zeit begreifen sie nach und nach immer stärker, was an Ostern geschehen ist. Ihr Bild von Ostern wird vielschichtiger und konkreter. Maria von Magdala, die als erste den Auferstandenen sehen darf, hat das Ihrige dazu beigetragen. Schließlich kann Petrus an Pfingsten öffentlich bekennen, wie wir aus der Apostelgeschichte gehört haben: Gott aber hat ihn am dritten Tag auferweckt und hat ihn erscheinen lassen.

Der Kreis der Apostel war alles andere als eine „Supermannschaft“. Immer wieder musste Jesus die Jünger belehren, tadeln, ermahnen, zurechtweisen. Am Ende werden sie zu wichtigen Zeugen der Osterbotschaft – weil sie sich berühren ließen von dieser neuen Wirklichkeit und sich führen ließen vom Geist Gottes.

Lassen auch wir uns von dieser neuen Wirklichkeit ergreifen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Euch allen frohe und gesegnete Ostern.

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