Schlaglicht: Kirche verliert ihren Vorsitzenden zu Beginn des Synodalen Weges

Für den Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, war Kardinal Marx geradezu ein Heilsbringer (vgl. z. B. Bischofskonferenz sucht neuen Vorsitzenden, in: F.A.Z. v. 12.02.2020, S. 1). Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der jetzt auf eine zweite Amtszeit verzichtet hat, habe der Kirche hierzulande Vertrauen, Glaubwürdigkeit und Hoffnung zurückgebracht. Politisch stützt diese Laudatio den gerade erst begonnenen Synodalen Weg. Die Wirklichkeit hingegen sieht prosaischer aus. Im Gedächtnis bleiben wird ein Erzbischof, der diplomatisch leise trat, wo ein deutliches Bekenntnis wichtig gewesen wäre, aber nach innen kräftig austeilte. Gerade in Jerusalem legte Marx sein Kreuz ab und produzierte damals ein fatales Bild zu Beginn des Reformationsjubiläums – Hand in Hand mit seinem evangelischen Amtsbruder. Eine Kirche, die sich nicht mehr zum Kern des Glaubens bekennen will, strahlt weder Glaubwürdigkeit noch Hoffnung aus. Die Migrationskrise hat Deutschland gespalten. Doch Marx suchte nicht nach einem neuen gesellschaftlichen Konsens. Er brachte die Kirche einseitig auf Regierungslinie. Wer eine andere Sicht vertrat, wurde als „Populist“ etikettiert und aus dem innerkirchlichen Gespräch ausgeschlossen. Allzu viel Selbstgewissheit in vorletzten Dingen schafft der Kirche kein Vertrauen, sondern verengt diese auf die Rolle einer partikularen Nichtregierungsorganisation. Was christliche Politik ist, formt sich erst im gemeinsamen Diskurs. Der deutschen Kirche ist ein Nachfolger zu wünschen, der den Mut zum Bekenntnis mit geistiger Weite und streitbarer Toleranz verbindet.

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