Schlaglicht: Und was kommt als nächstes?

Heute ist es wieder soweit: An vielen Orten werden sich wieder Schüler zu „Willensbekundungen“ versammeln, huldvoll begrüßt durch die Vorsitzende des Staatsrates. Selbstverständlich alles ganz eine Sache der Basis, in keiner Weise von politischen Interessen oder Geldgebern gesteuert. Endlich macht die Jugend Druck. Warum ist nur vorher keiner auf die Lösung gekommen!? Man muss doch nur den Kohleausstieg vorziehen. Sachliche Probleme – ach, was. Der gute Wille zählt. Die parlamentarische Abwägung mit anderen politischen Zielen, die gleichfalls Geltung beanspruchen – ach, was. Wer wollte denn so kleinlich sein, wenn die Jugend endlich einmal aktiv wird – zur Freude der Politik. Halt, Moment! War das nicht mal anders gedacht? Eigentlich richten sich Demonstrationen, über deren Ziele man in einer pluralen Gesellschaftl mit unterschiedlichen Interessen immer trefflich streiten kann, an die Politiker als Adressaten. Doch in der Postdemokratie sind Politiker die größten Unterstützer von Demonstrationen – froh und erleichtert darüber, dass die Jugend nun endlich die Lösung vorgibt. Es geht um Haltung, nicht um Bildung – denn die werden wir brauchen, wenn wir technische Lösungen für die Energiefrage der Zukunft finden wollen.

Irgendwann läuft sich jedes Thema tot. Die Methode verspricht aber bleibenden Erfolg. So kann man sich weitere Demos vorstellen, und es gibt ja auch noch weitere Tage mit lästiger Schulpflicht. Abschaffung der Bundeswehr? Wer könnte ernsthaft etwas dagegen haben. Das Recht auf einen Hochschulabschluss für alle? Wunderbar, dann wäre die Frage der Bildungsgerechtigkeit endlich gelöst. Kostenloses Bahnfahren im ganzen Land? Klingt auch gut, denn nachhaltiger geht es nicht. Weitere schöne Forderungen sind denkbar. Die Politiker werden sich freuen, dass die Schüler endlich die Lösung gefunden haben. Man wird allseits Beifall klatschen … Auf Dauer könnten wir uns dann auch die kostenintensiven Wahlkämpfe sparen.

Wer es noch nicht gemerkt hat: Vorsicht, Satire! Fragt sich nur, wann uns die Realität wieder einholen wird. Nach den Osterferien? Das jedenfalls hofft zumindest die Kultusministerin in Baden-Württemberg – und traut sich vorher nichts gegen die sonnige Stimmung im Land zu sagen.

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