Der Arbeitskreis der Studentenhistoriker dokumentiert auf seinen Internetseiten die zehnte Bamberger Zivilcouragerede, die anlässlich des neunzigsten Todestages des Bamberger Widerstandskämpfers Willy Aron am 30. Juni 2023 im Bistumshaus St. Otto gehalten wurde. Veranstalter war die Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e. V. in Kooperation mit der Katholischen Erwachsenenbildung für die Stadt Bamberg. Festredner war der Bildungsethiker Axel Bernd Kunze, Gründungsmitglied der Willy-Aron-Gesellschaft:
Mariä Himmelfahrt: Im Blick auf Maria
War es Zufall, dass nach den Wirren des Dreißigjährigen Krieges, der ganze Landstriche entvölkert hatte, ein Motiv bei den Altarbildern besonders populär wurde? Zahlreiche Barockkirchen zeigen bis heute ein Bild der Aufnahme Mariens über dem Altar. Es scheint, als sollte nach den Schreckensjahren, die viele Menschenleben gekostet hatten, ein Gegenbild aufgerichtet werden: Maria geht als ganzer Mensch, mit Leib und Seele, ein in die Herrlichkeit des Himmels. Der Mensch darf nicht zugrundegehen. Er ist für ein ewiges Ziel berufen – gleich, wie schlimm und grausam die Zeitumstände auch wüten mögen.
Ähnliches geschah nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Welt stand noch ganz unter dem Eindruck des verheerenden Krieges sowie der Verbrechen des Nationalsozialismus und Stalinismus, als Papst Pius XII. am 1. November 1950 die Lehre der Kirche bekräftigte, dass „Maria nach Ablauf ihres irdischen Lebens mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen wurde.“ Die Antwort auf die menschenverachtenden Totalitarismen des zwanzigsten Jahrhunderts war eindeutig – und wurde unter den Bischöfen und Gläubigen damals auch so verstanden: Der einzelne Mensch hat einen unermessbaren Wert und eine unschätzbare Würde, die ihm vor Gott niemand rauben kann.
Wenn wir auf Maria blicken, erkennen wir, wozu der Mensch berufen ist: Er soll Gottes Verheißungen wählen. Er darf auf Gott vertrauen und kann dabei Großes erwarten. Er muss sich seine Hoffnung nicht kleinreden lassen. Denn Gott wirkt Großes an seinem Volk – auch durch Menschen, von denen wir es nach irdischen Maßstäben nicht erwarten.
Maria hat dies selbst an sich erfahren. Wir haben es im Evangelium gehört: Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat Großes an mir getan, und sein Name ist heilig. – Gott richtet sein Volk wieder auf, wenn auch vielleicht anders, als sich viele in Israel das damals vorgestellt haben.
Maria hat auf Gottes Verheißungen vertraut. Sie hat an der Seite ihres Sohnes gestanden, bis zuletzt. Nach seiner Auferstehung wurde sie zu einer wichtigen Stütze der Jerusalemer Gemeinde. Ihr Glaubensvorbild gab den frühen Christen Halt und Kraft. Und so ist es geblieben – bis heute. An vielen Orten werden sich heute Gläubige zu Umgängen oder Lichterprozessionen versammeln, um Maria zu ehren und der Gottesmutter ihre Sorgen und Nöte anzuvertrauen.
Zu allen Zeiten hat sich die Kirche an Maria orientiert und aufgerichtet. Was Maria uns vorgelebt hat, besitzt Gültigkeit für immer – das gilt auch für das Ende ihres irdischen Lebens. So wie Maria vom Beginn ihres Daseins an von Gott auserwählt und gesegnet worden war, rein vom Makel der Sünde und voll der Gnade, musste sie auch am Ende ihres Lebens gleich zur Fülle des ewigen Lebens gelangen.
Doch was Maria im Tod zu teil geworden ist, ist kein Vorrecht, das allein ihr vorbehalten wäre: Was an Maria geschehen ist, ist durch die Auferstehung Jesu allen Christen verheißen – so schreibt es der Apostel Paulus an die Gemeinde in Korinth: In Christus sollen alle lebendig gemacht werden. Christus ist der Erste der Auferstandenen, nicht der Einzige. Schließlich folgen alle, die zu ihm gehören. In besonderer Weise wird uns dies heute von Maria gesagt. Dann – am Ende der Zeiten – wird schließlich der Tod für immer vernichtet.
Das ist das Größte, das Gott schaffen kann: In dieser Welt mag der Mensch der Vernichtung ausgesetzt sein. Wir haben im zwanzigsten Jahrhundert erlebt und erleben es bis heute, zu welchen Untaten Menschen gegenüber anderen Menschen fähig sein können. Vor Gott hingegen ist das Leben jedes Einzelnen wertvoll: so wertvoll, dass er seinen eigenen Sohn eingesetzt hat, um uns aus dem Tod zu retten.
Weil jeder Einzelne einen unendlichen Wert vor Gott hat, darf der Mensch niemals verzweckt werden: weder für politische noch für wirtschaftliche Zwecke, und auch nicht für kirchliche. Jeder Einzelne hat einen Wert an sich – einen unendlichen Wert, der ihm vor Gott und durch Gott zukommt. Dies erkennen wir, wenn wir auf das Bild der mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommenen Gottesmutter blicken.
(aus: WortGottesFeiern an allen Sonn- und Feiertagen 4/2017)

(Mariä Himmelfahrt, Tizian, um 1518)
Ich wünsche allen Lesern meines Weblogs einen gesegneten Feiertag Mariä Himmelfahrt.
Leserbrief: „Kita-Krise“
Unter der Überschrift „Kita-Krise“ hat die WELT am 14. August 2023 folgenden Leserbrief zum Interview „Die ganze Bildungsbiographie wird dadurch beeinträchtigt“ mit der Bildungsunternehmerin Ilse Wehrmann vom 9. August 2023 veröffentlicht:
„Für Ilse Wehrmann hat Deutschland Geld genug. Doch das wird sich ändern, wenn die wirtschaftliche Lage sich verschlechtert, Energie dauerhaft teuer bleibt, die Kreditwürdigkeit des Landes möglicherweise zurückgestuft wird sowie Finanzierungslücken bei Kommunen und Sozialversicherungen immer deutlicher werden. Dann trägt auch sprachliche Verschleierung nicht mehr: Denn Schulden sind Schulden, auch wenn man sie Sonder-„Vermögen“ nennt. Und diese muss die nachfolgende Generation schultern. Geld allein macht es nicht. Wo ausreichend qualifizierte Bewerber fehlen, nützt weder ein Ausbau an Ausbildungsplätzen, die in der Elementarbildung in der Tat ausgeweitet worden sind, noch eine Vollakademisierung, die geeignete Kräfte ohne Hochschulzugangsberechtigung aus dem Berufsfeld ausschließt. Wir brauchen in vielen Politikfeldern wieder eine nüchterne, realistische, an nationalen Interessen orientierte Politik – auch und gerade im Interesse der nachfolgenden Generation.“ (Axel Bernd Kunze, Waiblingen)
Auf fremden Seiten: Sonderschulden oder Sondervermögen?
Das Neusprechblog hat sich schon im März mit dem Euphemismus Sondervermögen beschäftigt.
Zwischenruf: Sondervermögen – das neue Zauberwort
Für Ilse Wehrmann, so im Interview mit der WELT am 9. August 2023 („Die ganze Bildungsbiografie wird dadurch beeinträchtigt“, im Interview mit Sabine Menkens, S. 5), hat Deutschland Geld genug. Doch das wird sich ändern, wenn die wirtschaftliche Lage sich verschlechtert, Energie dauerhaft teuer bleibt, die Kreditwürdigkeit des Landes möglicherweise zurückgestuft wird sowie Finanzierungslücken bei Kommunen und Sozialversicherungen immer deutlicher werden. Dann trägt auch sprachliche Verschleierung nicht mehr: Denn Schulden sind Schulden, auch wenn man sie Sonder-„Vermögen“ nennt. Und diese muss die nachfolgende Generation schultern.
Geld allein macht es nicht. Wo ausreichend qualifizierte Bewerber fehlen, nützt weder ein Ausbau an Ausbildungsplätzen, die in der Elementarbildung in der Tat – anders als Wehrmann, Autorin des Bandes „Der Kita-Kollaps“ glauben machen will – in den vergangenen zehn Jahren erheblich ausgeweitet worden sind, noch eine Vollakademisierung, die geeignete Kräfte ohne Hochschulzugangsberechtigung aus dem Berufsfeld ausschließt. Wir brauchen in vielen Politikfeldern wieder eine nüchterne, realistische, an nationalen Interessen orientierte Politik – auch und gerade im Interesse der nachfolgenden Generation.
Wenn wir unser Gemeinwesen leistungs- und zukunftsfähig erhalten wollen, müssen politische Glaubenssätze auf den Prüfstand. Ein Mehr an Kinderbetreuung bedeutet keineswegs ein Mehr an Bildung. Immer mehr außerhäusliche Betreuung garantiert keineswegs eine immer bessere Förderung. Ungeregelte Zuwanderung belastet auf Dauer ein Bildungssystem, auch wenn darüber wie über den berühmten Elefanten im Raum nicht geredet werden soll. Solide Haushaltspolitik bleibt der beste Grund für eine krisenfeste Sozialpolitik. Die Wirtschaft läuft nicht von allein, sie braucht geeignete Rahmenbedingungen. Der Fachkräftemangel war absehbar, wurde aber verdrängt. Solide Frühförderung ist wichtig, keine Frage; aber ein Bildungssystem wird nicht besser, wenn Gelder einseitig, wie Wehrmann fordert, einseitig in den Kinderngarten umgelenkt werden – und dan an anderen Stellen im Bildungssystem fehlen werden.
Auf fremden Seiten: Kritik an Ständiger Impfkommission jetzt mit weiteren Anlagen
Der Brief, mit dem Tübinger Mediziner Kritik gegenüber der Ständigen Impfkomission formulieren, ist jetzt auch mit differenzierten Anlagen online.
Auf fremden Seiten: Medizinergruppe widerspricht Ständiger Impfkommission
„Anfang Juni hatte ich auf meiner Seite den Brandbrief einer Tübinger Ärztegruppe und Post-Vac-Selbsthilfegruppe an die Ständige Impfkommission (STIKO) veröffentlicht. Die Mediziner hatten darin die STIKO aufgefordert, die Impfempfehlung für die Covid-19-Impfstoffe auszusetzen, bis ihre Fragen vollständig geklärt sind. Zwischenzeitlich haben die Ärzte eine Antwort von STIKO-Chef Thomas Mertens erhalten. ‚Die Antworten von Herrn Mertens entsprechen in der Argumentation nicht dem wissenschaftlichen Forschungsstand und weisen logische, sachliche und methodische Fehler auf‘, beklagten die Mediziner nun: ‚Dies belegen wir in einem Antwortbrief mit Unterstützung der Professoren Cullen, Kuhbandner und Ullrich mit wissenschaftlich fundierten Ausführungen.‘ Weiter schreiben die Ärzte: ‚Wir sind überzeugt, dass unsere Ausführungen und insbesondere auch die Antworten von Herrn Mertens von größtem öffentlichen Interesse sind, deshalb bitten wir Sie, diese auf Ihrem Portal zu veröffentlichen.'“ (aus: http://www.reitschuster.de, 8. August 2023)
Der Brief der Medizinergruppe findet sich hier.
Es ist wichtig, die Debatte über das, was coronapolitisch geschehen ist, fortzuführen – auch gegen die bekannten Versuche, jetzt alles vom Tisch zu wischen, mit der lapidaren Bemerkung, es hätten eben alle Fehler gemacht. Aufklärung tut weiter not, zumal die gesundheits- und infektionsschutzpolitischen „Spielregeln“ eher verschärft als verbessert werden.
Weitere Informationen zum Thema: https://7argumente.de/
Tagung: Wissenskommunikation und Landessprache
Die Akademie für Politik und Zeitgeschichte sowie der Arbeitskreis Deutsch als Wissenschaftssprache laden im Oktober zu einer Tagung im Kloster Banz ein:
Wissenskommunikation und Landessprache.
Die gesamtgesellschaftliche Verantwortung von Forschung und Lehre
Weitere Informationen:
Neu auf „Bildungsethik“: Rezensionen
In der rechten Menüspalte findet sich eine neue Kategorie: Unter „Rezensionen“ sind künftig Onlinerezensionen zu bildungsethischen Titeln aus dem Umfeld von „Bildungsethik“ verlinkt.
Wir wünschen eine anregende Lektüre.
Veröffentlichungen: Studentengeschichtliches online
Das Magazin „tabularasa“, Zeitschrift für Gesellschaft und Kultur, hat online Beiträge des Arbeitskreises der Studentenhistoriker übernommen:
- zum einen einen Nachruf auf den verstorbenen Papst em. Benedikt XVI.,
- zum anderen einen Tagungsbericht über eine Tagung zu jüdischen Studentenverbindungen an der Heidelberger Hochschule für jüdische Studien,
- und schließlich eine Rezension zum Band „Wiederentdeckung des Staates in der Theologie“.