Am Silvesterabend hat der Vatikan das geistige Testament von Papst em. Benedikt XVI., der am 31. Dezember 2022 verstorben ist, veröffentlicht:
Segenswünsche zum neuen Jahr
Ich bete darum, daß unser Land ein Land des Glaubens bleibt und bitte Euch, liebe Landsleute: Laßt euch nicht vom Glauben abbringen.
[…]
Was ich vorhin von meinen Landsleuten gesagt habe, sage ich nun zu allen, die meinem Dienst in der Kirche anvertraut waren: Steht fest im Glauben! Laßt euch nicht verwirren!
[…]
Jesus Christus ist wirklich der Weg, die Wahrheit und das Leben – und die Kirche ist in all ihren Mängeln wirklich Sein Leib.
(aus dem geistlichen Testament Benedikts XVI. +)

Juan de Roelas: Die Verehrung des Heiligsten Namens Jesu (ca. 1604)
CHRISTUS NATUS EST. ALLELUIA.
VENITE ADOREMUS. ALLELUIA.
Allen Lesern wünsche ich ein von Gott gesegnetes neues Jahr des Herrn 2023.
Herzlichen Dank für Ihre treue Verbundenheit. Ich freue mich auf den weiteren bildungsethischen Austausch in diesem Jahr.
Ihr Axel Bernd Kunze
Pressereaktionen: Pandemiepolitik. Freiheit unterm Rad?
Sandra Kostner/Tanya Lieske (Hgg.): Pandemiepolitik. Freiheit unterm Rad? Eine interdisziplinäre Essaysammlung (Klartext. Schriften zu Politik und Gesellschaft; 1), Stuttgart 2022.
Eine Auswahl an Pressestimmen aus diesem Jahr:
https://www.3sat.de/wissen/scobel/scobel-vormarsch-der-seuchen-100.html
https://multipolar-magazin.de/artikel/unaufgearbeitete-corona-politik
Nachruf: Studentenhistoriker würdigen Benedikt XVI.
Der Arbeitskreis der Studentenhistoriker würdigt den verstorbenen Papst em. Benedikt XVI.:
Der emeritierte Papst Bendikt XVI. ist verstorben. Sein bürgerlicher Name war Joseph Ratzinger; er lehrte als Theologe an mehreren deutschen Universitäten und trug die Ehrenbänder der K.D.St.V. Rupertia zu Regensburg, der Alcimonia Eichstätt sowie der KAV Capitolina Rom. Aktiv war er zu Studienzeiten beim vormaligen KStV Lichtenstein-Hohenheim zu Freising, heute verbandsfrei.
Zum Weiterlesen:
Wiedergelesen: Der Theologe auf dem Papstthron
In memoriam
Papst em. Benedikt XVI. + (1927 – 2022)
Der Theologe auf dem Papstthron
Der weltweit gute Ruf deutscher Theologie dürfte ein wichtiger Grund für die Wahl Ratzingers zum neuen Papst gewesen sein. Dieser hatte vor seiner Ernennung zum Erzbischof von München und Freising an fünf Hochschulen gelehrt: in Freising, Münster, Bonn, Tübingen und Regensburg. Der ehemalige Präfekt der römischen Glaubenskongregation gilt als scharfsinniger Denker, dessen theologische Qualitäten selbst Kritikern Respekt abverlangen. Als solcher hat Ratzinger stets die Zusammengehörigkeit von Glaube und Vernunft verteidigt.
Im Heimatland des neuen Papstes Benedikt XVI. ist der Theologie ihr guter Ruf jedoch keineswegs mehr so sicher. Ihre Fakultäten stehen unter ökonomischem Rechtfertigungszwang. Immer lauter wird von Bildungspolitikern, Rechnungshöfen oder Wissenschaftsfunktionären die kritische Frage gestellt, ob der Nutzen, den die Theologie für die säkularisierte Gesellschaft erbringt, den gegenwärtigen Stand an Ausstattung und Personal überhaupt noch rechtfertigt. Inzwischen halten auch die Bischöfe selbst, wie in Passau geschehen, die Schließung von Fakultäten angesichts sinkender Studierendenzahlen nicht mehr für unvermeidbar. Der Bolognaprozess, der das Erscheinungsbild und das Selbstverständnis der deutschen Hochschule einschneidend verändern wird, zwingt auch die Theologie zu einer Umstrukturierung der Studiengänge. Eine Absenkung des wissenschaftlichen Standards durch verminderte Sprachanforderungen oder die Einführung von Kurzstudiengängen ist dabei keinesfalls ausgeschlossen.
Und zu allem Übel signalisieren die unter Finanznot leidenden Bistümer, dass sie an gut ausgebildeten Theologen mittelfristig keinen Bedarf mehr haben. Immer mehr Bistümer schließen Neueinstellungen auf Jahre hinaus aus. Einer ganzen Generation engagierter junger Theologinnen und Theologen wird die Chance genommen, jemals in ihrem angestrebten Beruf arbeiten zu können – selbst bei herausragenden theologischen Qualifikationen. Ohne Zukunftsperspektive und Wohlwollen seitens der Kirche wird das Interesse am Theologiestudium dramatisch zurückgehen. Sehr viel Motivation, theologisches Potential und Engagement wird den Kirchen dadurch verloren gehen, so steht zu befürchten.
Innerkirchlich gefragt sind – so hat man den Eindruck – heute eher niedrigschwellige und eingängige Seelsorgsangebote. Auf theologisches Denken, das auch den sperrigen Fragen des Lebens nachgeht, meint man vielfach leichthin verzichten zu können. Auf Dauer läuft die Kirche Gefahr, dadurch ihre Seele zu verlieren sowie an Orientierungskraft und geistiger Ausstrahlung einzubüßen. Hinter der gegenwärtigen Krise des Glaubens in den westlichen Ländern steckt auch ein Verlust an theologischer Tiefe. Die Effizienz pastoraler Arbeit lässt sich nicht beliebig steigern, indem Gemeinden vergrößert und Aufgaben rationalisiert werden.
Ohne regelmäßige theologische Fortbildung, ohne die Zeit zu gründlicher Lektüre oder ohne Muße für Kultur und Spiritualität verflacht das theologische Denken und Handeln. Wenn kirchliche Mitarbeiter nicht mehr die Zeit finden, ein anspruchsvolles Geistesleben zu pflegen und ihren Verstand zu nähren, leidet darunter auf Dauer ihre Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft. Ein kurzatmiger Aktionismus, belanglose Predigten oder triviale Seelsorgsangebote statt ernsthafter Sinnsuche, überzeugender Verkündigung und geistlicher Anregung können leicht die Folge sein.
Darüber hinaus verliert eine Gesellschaft, die ihre geistigen Traditionen verachtet und auf theologische Forschung meint verzichten zu können an Humanität, Kreativität und Vitalität. Die Geisteswissenschaften sind kein überflüssiges Glasperlenspiel, sondern unverzichtbar für ein tieferes Verständnis der Gegenwart und eine nachhaltige, über einen tagesaktuellen Pragmatismus hinausreichende Bewältigung der Zukunft. Die aktuellen Hochschulreformen lassen für die künftige geistige Leistungsfähigkeit unserer Gesellschaft leider nichts Gutes erahnen; deren negative Auswirkungen werden sich jedoch – sollten sich die Befürchtungen bestätigen – erst langfristig zeigen.
Der neue Papst sollte deutlich machen, dass die Kirche, aber auch die Gesellschaft insgesamt auf theologische Anstrengung nicht verzichten können, ohne auf Dauer ihre Identität, ihre geistige Spannkraft und ihre Zukunftsfähigkeit zu verlieren. Ein Verschanzen hinter Konkordaten oder der bloße Verweis auf die lange Tradition deutscher Universitätstheologie, wie es einige Bischöfe gegenwärtig praktizieren, reichen nicht mehr aus. Der inner- und außerkirchliche Wert der Theologie muss vielmehr offensiv verteidigt werden.
Es wäre zu wünschen, dass der ehemalige Konzilstheologe dies zu einem Anliegen seines Pontifikats macht. Der Theologe auf dem Papstthron könnte für die Theologie auf diese Weise zu einer großen Chance werden. Gute Theologie braucht aber einen Vertrauensvorschuss: Nicht ängstliche lehramtliche Kontrolle, sondern die Selbstregulierung durch den wissenschaftlichen Diskurs macht diese stark und glaubwürdig. An dieser Stelle wäre dem früheren Glaubenshüter deshalb auch unbedingt Lernfähigkeit im neuen Amt zu wünschen.
Erstveröffentlichung:
Axel Bernd Kunze: Der Theologe auf dem Papstthron. Gedanken über Chancen für die universitäre Theologie von Axel Bernd Kunze, in: Basis-Post. Zeitschrift für die Theologiestudierenden in Deutschland (2006), Heft 1, S. 16 f.
Trauer um Papst em. Benedikt XVI.
Tod und Vergehen waltet in allem,
steht über Menschen, Pflanzen und Tieren,
Sternbild der Zeit.
Du hast ins Leben alles gerufen.
Herr, deine Schöpfung neigt sich zum Tode:
Hole sie heim.
Schenke im Ende auch die Vollendung.
Nicht in die Leere falle die Vielfalt
irdischen Seins.
Herr, deine Pläne bleiben uns dunkel. –
Doch singen Lob wir dir, dem dreieinen,
weigen Gott.
Amen.
(aus dem Totenoffizium)
Am 31. Dezember 2022 ist Seine Heiligkeit Papst em. Benedikt XVI. (1927 bis 2022) verstorben. Der in Marktl am Inn in Bayern geborene und von 2005 bis 2013 regierende Papst war einer der bedeutendsten Theologen des zwanzigsten Jahrhunderts.
Der traditionell gute Ruf deutscher Theologie dürfte ein wichtiger Grund für die Wahl Ratzingers zum neuen Papst gewesen sein. Dieser hatte vor seiner Ernennung zum Erzbischof von München und Freising an fünf Hochschulen gelehrt: in Freising, Münster, Bonn, Tübingen und Regensburg. Der vormalige Präfekt der römischen Glaubenskongregation gilt als scharfsinniger Denker, dessen theologische Qualitäten selbst Kritikern Respekt abverlangen. Als solcher hat Benedikt XVI. stets die Zusammengehörigkeit von Glaube und Vernunft verteidigt. Mit ihm verliert die katholische Kirche einen der bedeutendsten Theologen des zwanzigsten Jahrhunderts. Seine Jesustrilogie habe ich mit großem Gewinn gelesen. Sein Wirken als Papst, seine Reisen zum Weltjugendtag und in seine bayerische Heimat, seine Enzyklika „Deus caritas est“ und vieles mehr bleiben unvergessen. In seinen theologischen Schriften wird er weiterhin wirken. Dankbar für sein Wirken schließe ich Papst em. Benedikt XVI. in mein Gebet ein. Herr, gib ihm die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihm. Amen.
R. I. P.
„Der silberne und der goldene Schlüssel: Glaube und Liebe, das sind die Schlüssel zum lebendigen Gott. Bitten wir den Herrn an diesem Tag, dass er uns schenkt, diese Schlüssel nicht zu verlieren und dass er uns hilft, sie anderen in die Hand zu drücken, damit wir alle bei unserem Vater im Himmel einmal die Türen offen finden.“ (Papst Benedikt XVI. im Juni 2000 in einer Predigt im Petersdom)
Christliches Forum: Preisverleihungen des DHV sind politisch motiviert
Das CHRISTLICHE FORUM übernimmt Kommentar zur Preispolitik des Deutschen Hochschulverbandes:
Ausschreibung: Ferdinand-Friedensburg-Preis 2023
Die Ferdinand-Friedensburg-Stiftung für Bildung, Wissenschaft und Völkerverständigung hat erneut einen Preis für hervorragende wissenschaftliche Leistungen in den den Bereichen Politik, Bildung und Völkerverständnigung ausgelobt. Die Preisausschreibung findet sich hier:
Segenswünsche zum neuen Jahr

Beschneidung Jesu (gefeiert am 1. Januar), Brabanter Flügelretabel, um 1480.
Liebe Leser und Leserinnen,
Freiheit im Denken, Reden und Handeln bildet das entscheidende Zentrum eines intellektuell vitalen, geistig lebendigen, leistungsfähigen Kulturstaates.
Zur Freiheit zu befähigen, bleibt die vornehmste Aufgabe aller Bildungsprozesse. Dabei sollte das pädagogische Tun Anwalt einer Humanität sein, die sich im Prozess notwendiger Differenzierung und entlastender Arbeitsteilung gegen mögliche funktionale Einseitigkeiten und Reduktionen zur Wehr setzt. Dies kann beispielsweise dort notwendig sein, wo Sinn- und Wertfragen einseitig gemeinschaftsbezogen diskutiert werden, sodass dem Einzelnen die Freiheit zur subjektiven Selbstbeschreibung genommen wird. Oder dort, wo Prozesse der Kontrolle, Regulierung oder Angleichung es dem Einzelnen unmöglich machen, die ihm offenstehenden Bildungschancen in Freiheit zu nutzen.
Ohne Bildung kann es auch keine ethische Urteilsfähigkeit geben. Und diese zu erhalten, bleibt eine beständige Aufgabe. Allzu leicht kann sich erweisen, dass die moralische Schicht unseres Zusammenlebens nicht mehr als ein dünner Firnis ist. Gesellschaften können moralisch in die Tiefe fallen.
Kann es sein, dass wir solches mit der Coronapolitik des zu Ende gehenden Jahres erlebt haben? Es wurden Grundrechtseingriffe und soziale Ausgrenzunsstrategien praktiziert, die viele vor Corona für unvorstellbar gehalten hätten. Mit der aggressiven Impfnötigungspolitik standen nicht partikulare Alternativen des Guten zur Diskussion, die im Rahmen des Richtigen hätten nebeneinander stehen können. Es ging um mehr. Zur Bilanz dieses Jahres gehört: Der Weg nationaler Aussöhnung, der notwendig sein wird, die politisch verursachte Spaltung und Polarisierung des Landes aufzuarbeiten, wird lange dauern.
Hier ist nicht der Ort, über die impf- und infektionsschutzpolitischen Weichenstellungen in Deutschland oder eine angemessene Krisenvorsorge- und Katastrophenpolitik, nicht zuletzt angesichts biopolitischer Gefährdungslagen, zu diskutieren. Kulturstaatlich und gesellschaftlich fällt allerdings auf, wie wenig die gravierenden Wertkonflikte, die mit diesen Fragen verbunden sind, überhaupt noch als solche erkannt wurden.
Vor Jahren haben alle gerufen, Bildung sei das Wichtigste – und alles musste sich dem Thema Bildungsgerechtigkeit unterordnen. Und jetzt ist auf einmal Gesundheit das Allerwichtigste – und alles muss dem Gesundheitsschutz untergeordnet werden. Und morgen …!? In einer politischen Debatte, die für einzelne Themen immer gleich einen absoluten Vorrang postuliert, bleibt kein Spielraum für differenzierte Abwägungsprozesse. Wo zunehmend moralisierend diskutiert wird (Haltungswissenschaft, Haltungsjournalismus, Haltung zeigen gegen …), da muss man keine ethischen Vorzugsregeln anwenden: Da gibt es nur noch Schwarz und Weiß, absolut Gut und absolut Böse. Die Folgen sind deutlich spürbar: Die Fähigkeit zur differenzierten ethischen Güter- und Übelabwägung kommt abhanden.
Dies hat auch pädagogisch Folgen. Die vielbeschworene Erziehung zu Menschenrechten, Demokratie und Zivilgesellschaft erweist sich in der Krise vielfach als aufgesetzt. Man diskutiert über die Themen, stellt aber in Lehr- oder Bildungsveranstaltungen keinen Zusammenhang zu den aktuellen Fragen und Konflikten her. Es wird pflichtschuldigst nachgebetet, was Dozent und Disziplin vermeintlich hören wollen, aber es berührt nicht. Es bleibt äußerlich.
Wo liegen die Ursachen der gegenwärtigen Krise und des zu beobachtenden politischen Vertrauensverlustes? Der Gründe sind sicherlich viele. Doch wenn wir später einmal die Frage stellen sollten, wie es so weit kommen konnte, werden wir tiefergehender fragen müssen. Eine Ursache könnte darin liegen, dass das Leistungsprinzip in unserer Gesellschaft schon lange einen schweren Stand hat. Mittlerweile kann man mit einem aberkannten Doktortitel selbst ohne Schamfrist gleich wieder eine Landesregierung führen.
Wo das Leistungsprinzip verkommt und Bildung nur noch auf ihre äußere soziale Seite und damit auf eine soziologisch beschreibbare Anpassungsleistung reduziert wird, regieren am Ende Dummheit und Rohheit.
Und noch etwas kommt hinzu: Wo in postmodernen Zeiten Geltungsansprüche nicht mehr zugelassen werden, ersetzt Aktion die Reflexion. Die rationale Abwägung wird durch Aktivismus ersetzt. Ein solcher schlägt schnell in Gewalt um, da gehandelt, aber das Handeln nicht mehr als begründet ausgewiesen wird. Und am Ende geht die Achtung vor dem freien Subjekt verloren. Dies zeigt, was mit einem stabilen, leistungsfähigen Kulturstaat auf dem Spiel steht.
Die streitbare bildungsethische Debatte muss weitergehen, eingebettet in einen weiten politischen und gesellschaftlichen Kontext. Ich hoffe auch im neuen Jahr hierfür auf Ihr Interesse.
Herzlichen Dank für alle Verbundenheit und allen Austausch in diesem Jahr. Ich wünsche Ihnen einen guten Beschluss dieses Jahres sowie alles Gute, Zuversicht und Gottes Segen für 2023.
In pädagogischer Verbundenheit, Ihr Axel Bernd Kunze
