Zwischenruf: Gefährlicher Tabubruch

Ludwig Spaenle wärmt in der Wochenzeitung „Die Tagespost“ vom 15. Juni 2023 (76. Jg., Nr. 24/2023, S. 4) einmal mehr die Forderung nach einem Familienwahlrecht auf und begeht damit einen gefährlichen Tabubruch: Das Wahlrecht darf nicht um bestimmter Ziele oder Inhalte willen manipuliert oder die Wählerschaft so zusammengesetzt werden, daß am Ende ein politisch erwünschtes Ergebnis herauskommt. Der Zweck heiligt hier keineswegs das Mittel, zumal es eine unbewiesene Behauptung bleibt, dass Eltern tatsächlich im Interesse ihrer Kinder abstimmen würden. Überdies werden mit einem Familienwahlrecht die in langen historischen Kämpfen errungenen Prinzipien gleicher und geheimer Wahl in Frage gestellt. Wer Familien politisch mehr Einfluss geben will, der sollte ihre politische Handlungsfähigkeit verbessern: über politische Interessenvertretung, eine Mitarbeit in Parteien oder die Stärkung zivilgesellschaftlicher Strukturen. Dieser Weg bleibt mühsam. Manipulationen am Wahlrecht dagegen sind entweder naiv oder sogar gefährlich.

Neuerscheinung: Fachlichkeit als Anspruch

… so der Titel des neuen Themenheftes der Zeitschrift PädagogikUNTERRICHT. Das Heft beschäftigt sich mit dem „Pädagogischen“, das die pädagogische Fachdidaktik und das Fach Pädagogik auszeichnet sowie mit dem Verhältnis des Pädagogikunterrichts zu seinen Nachbarfächern, insbesondere dem Psychologieunterricht. Ferner berichtet das Heft über den Abschied Elmar Wortmanns aus dem Vorstand des Verbands der Pädagogiklehrer und Pädagogiklehrerinnen. Schließlich wird auch das neue Sonderheft 2023 der Zeitschrift „Unterrichten an Fachschulen und Fachakademien für Sozialpädagogik“ (Redaktion: Carsten Püttmann, Axel Bernd Kunze) vorgestellt.

Fachlichkeit als Anspruch: Pädagogikunterricht. Die Fachzeitschrift für die pädaogische Fächergruppe, 43. Jg., Heft 2/3 vom Juli 2023.

https://www.vdp.org/materialien/zeitschrift-pu

Festschrift: „Erinnerung und Versöhnung“ ehrt Franz Jung

Prälat Franz Jung ist der letzte Großdechant. Nach ihm wird dieser Titel, der in der katholischen Weltkirche einmalig ist, nicht wieder verliehen. Der preußische Staat hatte seinerzeit versucht, unter diesem Titel die zum Erzbistum Prag gehörende Grafschaft Glatz aus diesem zu lösen und der schlesischen Diözese Breslau zuzuschlagen – was misslang. Nach der Vertreibung der Deutschen aus der Grafschaft Glatz blieb der Titel erhalten. Die Großdechanten machten es sich zur Aufgabe, die vertriebenen Priester und Gläubigen zu sammeln und zusammenzuhalten.

Der letzte Amtsinhaber ist auch derjenige mit der längsten Amtszeit. Anlässlich seines vierzigjährigen Amtsjubiläums wird Franz Jung mit einer Festschrift geehrt:

Manfred Spata (Hg.): Erinnerung und Versöhnung. Beiträge zum Wirken von Großdechant Franz Jung für die Vertriebenen aus der Grafschaft Glatz von 1983 bis 2023, Münster (Westf.): Aschendorff 2023.

http://www.grafschaft-glatz.de/organe/grosdech.htm

Zwischenruf: Paulskirche ohne Burschenschafter

Wer darf die Frankfurter Paulskirche nutzen, wer nicht? Im aktuellen Jubiläumsjahr wollten auch die Burschenschaften der Demokratiebewegung von 1848 mit einem Festakt an historischer Stätte gedenken – kein Wunder. Schließlich wird die Paulskirchenversammlung nicht ohne Grund auch als „Burschenschafterparlament“ bezeichnet. Die Stadt Frankfurt war mit diesem Ansinnen überfordert – und eierte herum. Am Ende fiel der burschenschaftliche Festakt der politischen Korrektheit zum Opfer und wurde abgesagt. Selbst die einstmals bürgerliche „Zeitung für Deutschland“ namens F.A.Z. hält das Verhalten der Stadt in diesem Fall für peinlich. Doch der Vorgang ist keinesfalls ein Einzelfall.

Unsere Staatsorgane haben schon in den zurückliegenden Jubiläumsjahren (2015: 200  Jahre Urburschenschaft, 2017: 200 Jahre Wartburgfest, 2022: 100 Jahre Lied der Deutschen als Nationalhymne) die burschenschaftlichen Wurzeln der deutschen Einigungsbestrebungen und Nationalstaatsgründung verleugnet. Das wiegt umso schwerer, als mit Flagge und Hymne sich mindestens zwei zentrale Staatssymbole diesen burschenschaftlichen Wurzeln verdanken. Aber es zeigt einmal mehr, wie wir mit Tradition, Geschichte und Identität unseres Staates umgehen. Es bleibt ein Trauerspiel. 

https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/frankfurt/praezise-regeln-fuer-vermietung-der-paulskirche-noetig-18963343.html

Rezension: Ist Wokeness der neue Tugendterror?

Die Debatte um „Wokeness“ und „Cancel Culture“ geht weiter – auch hierzulande. Sebastian Sigler, Journalist und Historiker, bespricht aktuell folgenden Titel:

Alexander Marguier, Ben Krischke: Die Wokeness-Illusion – Wenn Political Correctness die Freiheit gefährdet, Freiburg i. Brsg./Basel/Wien 2023, 127 S., geb., ISBN 978-3-451-39556-7, 16 Euro.

Die Rezension findet sich unter folgendem Link:

Zwischenruf: Achte Kirche in Münster profaniert

Die Klinikenkirche Maria – Heil der Kranken im westfälischen Münster ist am gestrigen Fronleichnamstag profaniert worden. Das „Christliche Forum“ berichtet über die Abschiedsmesse. Diese Nachricht liegt mir besonders am Herzen, da ich in der Kirche mehrere Jahre ministriert habe. Der Glaube hängt nicht allein an Kirchengebäuden, das ist richtig. Richtig ist aber auch: Kirchen sind steinerne Zeugen für den Glauben. Jede Kirche ist ein Verlust. Ein Akt wie in Münster zeigt, wie der Glaube in unserem Land immer mehr verdunstet. Freuen sollten wir uns nicht darüber, im Gegenteil.

Reaktion: CDU reagiert auf Publikation des Arbeitskreises „Stadt und Gesellschaft“

Im Auftrag des Parteivorsitzenden reagierte Monika Bendig-Krebs aus der Hauptabteilung Politik und Programm in der CDU-Bundesgeschäftsstelle auf die Veröffentlichung „Stadt und Gesellschaft“ gegenüber der KPV Mönchengladbach: „Die Broschüre ist ausgesprochen informativ und es freut mich sehr, dass es Ihnen damit gelungen, wieder Leben und frischen Wind in die Organisation zu bringen. Mit den beiden Diskussionsabenden ‚Political Correctness‘ und ‚Gendersprache‘ als auch mit dem Diskussionsabend ‚Was ist konservativ‘ haben Sie sich mit wichtigen Themen befasst, die den Markenkern der CDU berühren.“

BILDUNGSGERECHTIGKEIT berichtete über die Neuerscheinung:

Neuerscheinung: Bildungsethische Gedanken zu einer pädagogischen Ethik des Digitalen

„Bildungsethisch soll am Ende die Hoffnung stehen, dass die vorstehenden Elemente einer erneuerten Kultur in digitalen Zeiten politisch keineswegs folgenlos bleiben werden. Eine erneuerte Ethik, die sich an einem substantiellen Bildungsbegriff orientiert und auf die Selbstbestimmung des Einzelnen setzt, wird auch eine erneuerte Kultur politischer Auseinandersetzung fördern, eine Kultur der verbindlichen, präsenten, vertieften, am Subjekt orientierten Kultur des öffentlichen Diskurses – auch und gerade in digitalen Zeiten. Beginnen wir das Gespräch darüber.“

Auszug aus:

Axel Bernd Kunze: Die Tugend der Mäßigung – bildungsethische Gedanken zu einer pädagogischen Ethik des Digitalen, in: Glaube + Erziehung 75 (2023), H. 3, S. 6 f.

Rezension: Afrika – Perspektiven für Theologie und Kirche

Axel Bernd Kunze bespricht im neuen Themenheft „Afrika – Perspektiven für Theologie und Kirche“ der internationalen Fachzeitschrift CONCILIUM die folgenden zwei Bände:

  • Klaus Hock/Claudia Jahnel (Hgg.) Theologie(n) in Afrika. Ausgewählte Schlüsselbegriffe in einem umstrittenen Diskursfeld (Veröffentlichungen der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Theologie; 70), Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt 2022, 257 Seiten;
  • Marco Moerschbacher (Hg.): Afrika (Kirche und Katholizismus seit 1945), Paderborn: Ferdinand Schöningh 2021, 615 Seiten.

Axel Bernd Kunze (Rez.): Eine Art theologischer Landkarte, in: Concilium 59 (2023), H. 2, S. 249 – 253.

Diskussion um Selbstbestimmungsgesetz: Kritik an Forderung des deutschen Queerbeauftragten

Österreichisches Nachrichtenportal kritisiert Forderungen des deutschen Queerbeauftragten im Vorfeld des geplanten Selbstbestimmungsgesetzes: „Auch Familienmitglieder sollen künftig beim Verstoß gegen das Offenbarungsverbot Bußgelder zahlen müssen. In der bisherigen Fassung sind sie aufgrund eines ’schützenswerten Interesses‘ vom Offenbarungsverbot ausgenommen.“

https://exxpress.at/radikaler-verbotsplan-der-gruenen-kinder-duerfen-nicht-mehr-papa-sagen/