Rezension: #Education for Future

„Offen lassen die Antworten allerdings, wie nicht allein Bildung, sondern auch gute Ausbildung jenseits von Schule gelingen kann. Denn für eine gute Zukunft braucht es beides: Persönlichkeitsbildung und berufliche Fähigkeiten. Ein Bildungssystem, das nachhaltig sein will, muss beides zusammendenken.“

… Axel Bernd Kunze über das Buch #Education for Future von Gerald Hüther, Marcell Heinrich und Mitch Senf (Goldmann, 318 Seiten, 22 Euro) in Publik-Forum, Nr. 13 v. 10. Juli 2020, S. 57.

Schlaglicht: Kompetenz heißt noch nicht Mündigkeit

Ja, es gibt sie noch: die Kompetenzkritiker. Kompetenz führt zunächst einmal zu funktionalem Verhalten. Das brauchen wir auch – aber Mündigkeit ist damit noch nicht erreicht. Hieß der frühere Dreiklang eines umfassenden Bildungsprozesses „Wissen – Urteilen – Handeln“, sprechen Kompetenztheoretiker von „Wissen – Handeln – Urteilen“. Es geht nicht mehr darum, das Gelernte zu beurteilen, sondern zu beurteilen, ob das Handeln dem Erwarteten oder auch dem politisch Gewollten angemessen ist. Dies entspricht der politisch vielfach vorhandenen Überzeugung, in den Bildungsinstitutionen ließen sich Einstellungen und Verhaltensdispositionen der Bevölkerung steuern – etwa im Sinne eines gesellschaftspolitisch erwünschten Diskurses. Einem Kollegen entfuhr bei einer Fortbildung gegenüber dem Referenten: „Hören Sie mal, mit einem humanistischen Menschenbild hat das alles, was sie uns hier erzählen, nichts mehr zu tun.“ Und damit auch nicht mit einem humanistischen Lehrerethos. Aber es ist klar, dass sich die Kompetenzorientierung überall durchsetzen würde. Josef Kraus beschreibt die Folgen für das bayerische Abitur, das auch keine Insel bildungspolitischer Glückseligkeit mehr ist. Die Folgen spüren wir in einem schleichenden Verfall des öffentlichen Diskurses.

Amicitia – in philosophischer, politischer und religiöser Hinsicht

Grußwort am 9. Juli 2020 im Restaurant und Theater Friedenau in Stuttgart, gehalten auf Einladung von Peter Launer (Corps Germania Hohenheim):

„Miteinander reden und lachen;

sich gegenseitig Gefälligkeiten erweisen;

zusammen schöne Bücher lesen;

sich necken, dabei aber auch einander Achtung erweisen;

mitunter auch streiten,

freilich ohne Gehässigkeit,

wie man es wohl auch einmal mit sich selbst tut;

manchmal auch in den Meinungen auseinandergehen

und damit die Eintracht würzen;

einander belehren und voneinander lernen;

die Abwesenden schmerzlich vermissen

und die Ankommenden freudig begrüßen –

lauter Zeichen der Liebe und Gegenliebe,

die aus dem Herzen kommt,

sich äußern in Miene, Wort und tausend freundlichen Gesten

und wie Zunder den Geist in Gemeinsamkeit entflammen,

so daß aus den Vielen eine Einheit wird –“

Diese Worte sind tausendsechshundert Jahre alt. So umschreibt der abendländische Kirchenvater Augustinus in seinen „Confessiones“ (IV 8, 13) die Lebensform der Freundschaft: eine Lebensform, deren Feier uns auch heute Abend hier zusammengeführt hat. Jeder von uns mag die Worte mit eigenen Erinnerungen füllen. Unsere beiden designierten Zipfelbrüder, die heute ihre Freundschaft im Zipfeltausch besiegeln wollen, werden wissen, was sie am anderen, am Freund lieben, wie Augustinus dann fortfährt.

Ein Semester weitgehend ohne Semesterbetrieb liegt hinter uns. Schmerzlich haben wir in den vergangenen Wochen die Abwesenheit bundesbrüderlicher, freundschaftlicher Gemeinschaft vermisst. Umso wertvoller ist die heutige Stunde. Und ich danke meinem Zipfelbruder, Peter Launer, sehr herzlich für die Einladung, die heutige Bekundung des Freundschaftsbundes im Ritual des Zipfeltausches zu besiegeln.

Was macht den besonderen Wert der Freundschaft aus? Erlauben Sie mir drei kurze Anmerkungen.

  • Joachim Negel, Fundamentaltheologe an der Universität Freiburg im Uetland, umschreibt diese Lebensform folgendermaßen: „Freundschaft ist zunächst und vor allem Gespräch. Freunde sind im Gespräch miteinander, und je intensiver das Gespräch, umso größer der Raum, der sich zwischen ihnen eröffnet. In ihm wird die Welt bedeutsam; man hört, was die Dinge sagen wollen; man sieht (in) ihr Antlitz und gerät dadurch in eine Tiefe und Weite der eigenen Seele wie auch der Welt, die es vorher nicht gab“ (Freundschaft. Von der Vielfalt und Tiefe einer Lebensform, Freiburg i. Brsg. 2019, 51). Und so kann die Freundschaft auch als Geburt der Philosophie bezeichnet werden! Nicht umsonst haben unsere beiden Zipfelbrüder in spe als Zipfelspruch ein Wort Vergils ausgewählt. Dieser bedeutendste Vertreter der augusteischen Dichtung führte nicht allein die lateinische Sprache zu besonderer Blüte, was ihm bis heute einen Platz in der humanistischen Bildung sichert. Er setzte in seinem Epos Aeneis dem Freundespaar Euryalus und Nisus ein ewiges Denkmal. Das Ideal ihrer Freundschaft, das Vergil schildert, steht nicht allein für die Tugend römischer Tapferkeit, sondern verkörpert die seelische Größe der Hochherzigkeit, deren Verpflichtung letztlich selbst das Scheitern der Tat überstrahlt.
  • Da ich Burschenschafter bin, mag man es mir nicht verdenken, auf einen weiteren Aspekt der amicitia hinzuweisen: Diese ist nicht allein eine philosophische, sondern zugleich eminent politische Tugend. So schreibt Aristoteles in seiner Nikomachischen Ethik: „Die Erfahrung lehrt, daß Freundschaft die Polisgemeinden zusammenhält, denn die [politische] Eintracht hat offenbar eine gewisse Ähnlichkeit mit der Freundschaft.“ Man muss nicht allein an Auswüchse  der Stuttgarter „Party- und Eventszene“ denken, wie es wohl doch beschönigend hieß, um zu sehen, wie gefährdet ein solches Fundament unseres Zusammenlebens ist.Das gemeinsame Ethos unseres Gemeinwesens will gepflegt werden. Gerechtigkeit im Staat gründet im Kern auf der Tugend seiner Bürger. Der Mensch ist unhintergehbar ein „zoon politikon“. Eine zentrale Tugend hat Michel Foucault einmal so ausgedrückt: „Eintracht ist Freundschaft unter Bürgern.“ Unser gesellschaftliches Ethos, das für ein humanes und gerechtes Zusammenleben unabdingbar ist, „beruht auf der Vorzüglichkeit ihrer seelischen Veranlagung, auf der konzentrierten Pflege solcher Veranlagung im Austausch mit den Freunden sowie auf der daraus sich erbildenden vernünftigen Einsicht“ (Negel, 127). Wo dieses Ethos zerfällt, degeneriert der Staat zur Tyrannis, zur Ochlokratie oder zur Oligarchie. Insofern hat das, was wir in unseren Verbindungen auf Basis unserer von Bund zu Bund, von Dachverband zu Dachverband je eigenen Tradition pflegen, eine eminent politische Bedeutung, die wir nicht unterschätzen sollten – und dieses Pfund sollten wir nicht hinter den Mauern unserer Verbindungshäuser verstecken, sondern im akademischen Beruf und im Engagement für unser Gemeinwesen einsetzen, damit es reichen Zins bringt – mehr, als uns Banken heute geben können.
  • Und ein dritter Gedanke: „Nur am Du bildet sich ein Ich.“ Ohne liebendes Du kann es auch kein Ich geben – so hat es Martin Buber in seiner Dialogphilosophie stark gemacht. Dies mag der Grund sein, warum das Thema Freundschaft die Gemüter aller Epochen der abendländischen Geistesgeschichte immer wieder bewegt hat. Wo sich Menschen in Freundschaft verbinden, öffnen sich unverhoffte Möglichkeiten, erleben wir uns als beschenkt und können auch andere beschenken. Ich kann dem Leben trauen, weil ein anderer zu mir steht. Freundschaft bedeutet Treue und Trost – so heißt es schon in der alttestamentlichen Weisheitsliteratur. „Es gibt Gefährten, die gereichen zum Verderben. Mancher Freund aber ist anhänglicher als ein Bruder“ (Spr 18, 24), heißt es im Buch der Sprichwörter. Und „ein treuer Freund ist ein Trost im Leben; ihn findet, wer den Herrn fürchtet“ (Sir 6, 16), sagt der Weisheitslehrer Jesus Sirach. Trost und Treue – nicht umsonst wurde in der christlichen Tradition versucht, auch die innertrinitarische Beziehung in Freundschaftskategorien zu denken und die Beziehung zu Gott als Gottesfreundschaft zu deuten. Letztlich versprechen wir mit jeder Freundschaft mehr, als wir Menschen in unserer Sterblichkeit halten können. Mit der Treue, die wir einander versprechen, eröffnen sich existentielle Fragen religiöser Natur. Es geht um den Grund des Lebens, der mich trägt. In einer säkularen Gesellschaft wirken Fragen danach oft peinlich. Und auch in unseren Lebensbünden mag es oft nicht mehr leicht fallen, diese Fragen zu stellen. Und doch: Wir können ihnen am Ende nicht ausweichen. „Die Religion war mir seit langem zuwider, und trotzdem spürte ich auf einmal eine Sehnsucht, mich auf etwas beziehen zu können. Es war unerträglich, einzeln und mit sich allein zu sein.“ – so Peter Handke in seinem „Kurzen Brief zum langen Abschied“. Für Christen kann der tragende Grund des Lebens letztlich vom Menschen nicht selbst gemacht werden oder von ihm ausgesucht werden; er übersteigt das, was der Mensch sich selbst geben kann. Für Christen ist es ein ganz Anderer, der uns sagt: Du sollst sein. Theologen sprechen von Gnade. An ihr hat die Freundschaft Anteil. Und so öffnet uns die Freundschaft eine Tür in die Unendlichkeit, in die Ewigkeit.

Gespräch und Hochherzigkeit, Eintracht und vernünftige Einsicht, Treue und Trost – ich wünsche uns allen, dass wir das immer wieder in unseren Verbindungen erfahren. Ich wünsche unseren beiden neuen Zipfelbrüdern, dass sie dies immer wieder erfahren in ihrem Freundschaftsbund, der heute besiegelt werden soll. Und ich wünsche uns, dass wir auch immer wieder damit beschenkt werden – im Kreis des Lebensbundes, in dieser Runde und darüber hinaus.

Ja, dies dürfen wir auch immer wieder unseren Kritikern entgegenhalten: Wir sind hier versammelt zu löblichem Tun.

In diesem Sinne: Herzliche Glück- und Segenswünsche zum heutigen Zipfeltausch, der hiermit beglaubigt werden soll! Und ein Hoch auf Bundesbrüderlichkeit, couleurstudentische Verbundenheit und die Freundschaft!

Schlaglicht: Ernüchternde Zahlen

Die jüngste Kirchenstatistik ist ernüchternd. Geht das Glaubensleben dramatisch zurück, steht nicht allein für die Kirche einiges auf dem Spiel, sondern auch für das gesellschaftliche Klima und die Orientierungswerte, die unser Land prägen. Bischof Wilmer verdient Anerkennung, wenn er um ehrliche Antworten auf diese Krise ringt. Aber auch kritische Gegenfragen müssen erlaubt sein.

1. Ist eine katholisch-muslimische Kindertagesstätte in Gifhorn, in denen Gottesdienste mit Bibelversen, Koransuren und Vaterunser gefeiert werden, wirklich das richtige „Kraftzentrum“? Wird ein religionspädagogischer Synkretismus dem Auftrag, das Evangelium zu verkünden, tatsächlich gerecht?

2. Sind „verrückte Ideen“ liturgisch tragfähig? Ich möchte nicht jeden Sonntag von den Vorlieben irgendeiner Vorbereitungsgruppe überrascht werden. Warum pflegt die Kirche nicht stärker die Stundenliturgie, wenn Eucharistiefeiern schwinden? Hier gibt es eine Tradition, die würdig und tragfähig wäre, gerade auch an priesterlosen Tagen.

3. Dass die Kirche ihren Beitrag zum Infektionsschutz leistet, lässt sich theologisch begründen. Dass sie ihre Sakramente selber kleinredet, hat der Staat nicht gefordert. Die Coronahinweise aus dem Hildesheimer Generalvikariat wirkten sozial kalt und wenig pastoral. Beim Spargelessen an Fronleichnam sagte ein Freund bitter: Wenn man sich in der Gastwirtschaft mehr willkommen und wertgeschätzt fühlt als in der Kirche, könne man auch gleich mit dem Frühschoppen beginnen. Das Verhalten vieler Kirchenleitungen in der Coronakrise hat engagierte Gläubige vor den Kopf gestoßen. Leider gilt dies auch für das Deutschlandfunkinterview von Bischof Wilmer an Ostern.

Neue Petition: Nein zum Gender-Deutsch!

Nein zum Gender-Deutsch bei Medien, Behörden, Bildungseinrichtungen und Kirchen!

„Bürgerinnen und Bürger“, „Politikerinnen und Politiker“, „Lehrerinnen und Lehrer“, „Schülerinnen und Schüler“: Die politisch korrekte Ausdrucksweise, bei der ganz bewußt beide Geschlechter angesprochen werden, damit sich niemand diskriminiert fühlt, nimmt seit Jahren immer ausuferndere Formen an. Mittlerweile gibt es Anreden wie Profex (gendergerecht für Professor) oder durch eine kurze Pause mitgesprochene Gender-Sternchen für Personen, die sich zu keinem der beiden Geschlechter zugehörig fühlen.

Unter dem Vorwand der „Geschlechtergerechtigkeit“ setzen Medien, Behörden, Bildungseinrichtungen und Kirchen immer öfter „lächerliche Sprachgebilde“ (Wolf Schneider, Autor von „Deutsch für Profis“) des Gender-Sprechs durch, mit dem ein ideologischer Umerziehungsauftrag verbunden ist. So begrüßte Anne Will jüngst in ihrer Gesprächssendung in der ARD den Präsidenten des „Bundes der Steuerzahler (Pause) innen“. Vorwurfsvoll fragte sie den Verbandsvertreter, weshalb er seinen Verein noch nicht „gendergerecht“ umbenannt habe.

Beim ZDF-„heute journal“ wurden kürzlich die Wehrbeauftragten der vergangenen Jahre abgebildet (alles Männer) mit der Bildunterschrift „Werbeauftragte*r“. Moderator Claus Kleber sprach in seiner Sendung in einem Beitrag von „Künstler (Pause) innen“ – eine verbale Verneigung vor dem Gender-Sternchen.

Immer mehr Kommunen, Universitäten, Schulen, aber auch die Kirchen gehen dazu über, das „Gendern“ der Sprache in ihren Verlautbarungen verpflichtend zu erzwingen. Und dies ohne jede demokratische Legitimation, allein unter dem permanenten Druck linker Lobbygruppen.

Der Sprachwissenschaftler Prof. Peter Eisenberg kritisiert diese „gendersensiblen“ Formulierungen scharf als eine Gefahr für die deutsche Sprache. Als Beispiel griff Eisenberg eine jüngste Richtlinie der Stadt Hannover an: „Die Empfehlung für eine geschlechtergerechte Verwaltungssprache der Stadt Hannover ruiniert die Sprache“, stellte der ehemalige Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Sprachwissenschaft in einem Zeitungsgespräch fest. Das reguläre Deutsche habe „alle Möglichkeiten zur Sichtbarmachung von Frauen“, ohne auf krude „Gender“-Formen zurückgreifen zu müssen.

Wir fordern von den Redaktionen der öffentlich-rechtlichen Sender, den Behörden, Bildungseinrichtungen und Kirchen, umgehend auf „Gender-Sprech“ zu verzichten und zum bewährten Deutsch zurückzukehren!

Die Unterschriften der Petition werden wir an die Intendanten von ARD und ZDF, den Deutschen Städtetag, die Bundesbildungsministerin, den Ratsvorsitzenden der EKD und den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz weiterleiten.

Wie immer gilt: Sapere aude! Ich meine aber, dass es hier um ein wichtiges Anliegen geht, die Freiheit des Wortes und des öffentlichen Diskurses, die Schönheit der Sprache und ihre Ideologiefreiheit zu verteidigen. Wer die Petition unterstützen möchte, kann diese hier zeichnen: https://petitionfuerdemokratie.de/nein-zum-gender-deutsch/

Rezension zu: Bildung. Konzepte und Unterrichtsbeispiele zur Einführung in einen pädagogischen Grundbegriff

Axel Bernd Kunze geht von einer ›didaktischen‹ Sachanalyse
des Bildungsbegriffs aus, ebenfalls – wie Küls – vor dem Hintergrund der Erzieherausbildung.
Sein Zugang zum Thema ist von der Bildungsethik geprägt:
»Jedermann hat das Recht auf Bildung.« (S. 291) Moralische und rechtliche
Aspekte stehen im Zentrum seiner Ausführungen. Für den Unterricht in der
Fachschule für Sozialpädagogik sieht er konsequent den Zusammenhang
zwischen der Auseinandersetzung der Schüler mit bildungsethischen Fragen
in der Elementarbildung einerseits und der Entsprechung im Unterricht der
Fachschule andererseits.

Hermann Vortmann in einer Rezension zu: „Püttmann, Carsten (Hg.) (2019): Bildung. Konzepte und Unterrichtsbeispiele zur Einführung in einen pädagogischen Grundbegriff (Didactica Nova; Bd. 29), Baltmannsweiler: Schneider-Verlag Hohengehren, 319 Seiten“ in der Vierteljahrsschrift für wissenschaftliche Pädagogik 96 (2020), S. 165 – 178, hier: 176.

Rezension: Das NGO-Spiel

Nichtregierungsorganisationen genießen einen guten Ruf. Sie stehen dafür, Konflikte mit zivilen Mitteln zu lösen, die Stimme der Gesellschaft zu Gehör zu bringen und die Politik der Regierungen kritisch zu hinterfragen. Bei Lichte betrachtet, können Nichtregierungsorganisationen ein gewaltiger Machtfaktor sein. Bei alldem arbeiten Nichtregierungsorganisationen gar nicht so uneigennützig, wie sie gern vorgeben; sie verfolgen eigene Interessen und versuchen, für ihre eigenen Ziele mitunter keineswegs unbeträchtliche Ressourcen an Land zu ziehen. Die politische Kontrolle wird ihrem nicht geringen Einfluss oftmals keinesfalls gerecht: Grund genug, einmal etwas genauer hinzuschauen, wie Patrice C. McMahon es tut. Die Politikwissenschaftlerin will aufdecken, nach welchen durchaus problematischen Spielregeln Nichtregierungsorganisationen die Entwicklung in einzelnen Ländern mit gewaltsamer Konfliktgeschichte beeinflussen. Als Beispiele dienen ihr dabei die Transformationsprozesse im ehemaligen Jugoslawien.

(Axel Bernd Kunze, Rez., in: Socialnet.de)

Axel Bernd Kunze. Rezension vom 02.07.2020 zu: Patrice C. McMahon: Das NGO-Spiel. Zur ambivalenten Rolle von Hilfsorganisationen in Postkonfliktländern. Hamburger Edition (Hamburg) 2019. ISBN 978-3-86854-331-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26108.php

Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e. V.: Neue Arbeitspapiere online

Mittlerweile sind die neuen Arbeitspapiere der Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e. V. online:

Sich erinnern: woran, warum und wozu? Texte und Zitate zu Erinnerung, Demokratie und Zivilität (Arbeitspapiere der Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e. V.; 3/2020). In Kürze online auf den Seiten der Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e. V.

Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus 2020. Vier Gedenkveranstaltungen am 27. und 28. Januar 2020 (Arbeitspapiere der Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e. V.; 2/2020). In Kürze online auf den Seiten der Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e. V.

Vorankündigung: Wiederentdeckung des Staates in der Theologie

Alexander Dietz | Jan Dochhorn | Axel Bernd Kunze | Ludger Schwienhorst-Schönberger:

Wiederentdeckung des Staates in der Theologie,

Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt 2020, 258 Seiten.

Fragen zur Zukunft des Nationalstaats, des Rechtsstaats, des Sozialstaats und des demokratischen Staats bestimmen derzeit die öffentlichen Debatten. Während Kirche und Theologie in der Vergangenheit dem Staat oft zu unkritisch gegenüberstanden, hat sich in den letzten Jahrzehnten eine theologische Staatsvergessenheit und teilweise sogar Staatsverachtung verfestigt. Dies entspricht aktuellen gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Trends. Vor dem Hintergrund dieser Krise des Staates ist kritisch zu erörtern, in welchem Verhältnis Staatlichkeit, partikulare Identität und das christliche Wirklichkeitsverständnis zueinander stehen. Dazu leisten die Autoren dieses Bandes Beiträge in exegetischer und ethischer Perspektive.

Der Band erscheint voraussichtlich im September 2020 und kann vorbestellt werden.

Rediscovering State in Theology: Questions prevalent in modern political debate have more to do with state than generally estimated: Democracy, welfare, rule of law and national sovereignty are to a large degree interdependent, and all these themes are related to statehood. In the remote past, church and theology have been comparably uncritical towards statehood. However, this attitude has changed dramatically in the last decennia leading to distance, negligence and even disdain of the state. Theology here follows predominant trends in research and societal debate. In the present crisis of state, however, there are good reasons to reorientate. Theo-logy has to consider critically, how statehood, particular identity and a Christian world-view can be related to each other. In the present volume, authors from different denomina-tional background and different fields of research (mainly Biblical studies and Christian ethics) open up the field for discussion.

»Nun sag, wie hast du’s mit dem Staat?« Während Kirche und Theologie in der Vergangenheit dem Staat oft zu unkritisch gegenüberstanden, hat sich in den letzten Jahrzehn-ten auch theologisch eine gewisse Staatsvergessenheit verfestigt. Man hofft auf die »Vereinigten Staaten von Europa« oder gar den Weltstaat. Aber sind nicht alle Wohlfahrtsgesellschaften als Nationalstaaten organisiert? Brauchen Wohlfahrt, Sicherheit und Recht nicht klar definierte Geltungs- und Verantwortungsbereiche? Wäre eine grenzenlose Gesellschaft überhaupt noch eine Gesellschaft oder doch nur die Ansamm-lung von Individuen im Kampf jeder gegen jeden? Solchen und sehr vielen anderen Fragen widmen sich Alexander Dietz, Jan Dochhorn, Axel Bernd Kunze und Ludger Schwienhorst-Schönberger in ihrem Buch »Wiederentdeckung des Staates in der Theologie« (…). Dabei geht es nicht um einen Rückzug auf den Nationalstaat, sondern im Gegenteil darum, demokratisch legitimierte Einheiten als Grundlage multinationaler Zusammenarbeit aufrechtzuerhalten und zu verbessern, ohne die Eingriffsmöglichkeiten des »Vorsorgestaates« in bürgerliche Freiheitsrechte zu überdehnen. (Annette Weidhas, Programm- und Verlagsleiterin der Evangelischen Verlagsanstalt Leipzig)

Zu den Autoren:

Alexander Dietz, Dr theol, Jahrgang 1976, studierte Theologie, Philosophie und Betriebswirtschaftslehre Er ist Professor für Systematische Theologie und Diakoniewissenschaft an der Hochschule Hannover und erhielt u. a. den John Templeton Award for theological Promise (2007) und den Henning-Schröer-Förderpreis für verständliche Theologie (2007).

Jan Dochhorn, Dr theol (Dk), Jahrgang 1968, studierte evangelische Theologie Er ist Associate Professor für Neues Testament an der Universität Durham.

Axel Bernd Kunze, Dr theol, Jahrgang 1972, studierte Katholische Theologie und Pädagogik an der Universität Münster, Promotion in Christlicher Sozialethik an der Universität Bamberg Er ist Privatdozent für Erziehungswissenschaft an der Universität Bonn, Lehrbeauftragter in der Sozialen Arbeit und Kindheitspädagogik und tätig als Schulleiter.

Ludger Schwienhorst-Schönberger, Dr theol,Jahrgang 1957, studierte Philosophie und Theologie in München, Münster und Jerusalem Er ist Univ.-Professor für Alttestamentliche Bibelwissenschaft an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien.

Jubiläumsausgabe der Fachzeitschrift „Pädagogikunterricht“

„Fragen, Argumentieren, Urteilen – Bildungsprozesse ermöglichen“ – So der Titel der neuen Ausgabe der Fachzeitschrift „Pädagogikunterricht“. Gewidmet ist das Heft dem Vorsitzenden des Verbandes der Pädagogiklehrer und Pädagogiklehrerinnen, Dr. Carsten Püttmann, zu seinem fünfzigsten Geburtstag. Die Beiträge des Thementeils stammen von Thomas Rucker, Thomas Mikhail, Volker Ladenthin, Elmar Wortmann und Oliver Maria Uerlings.

Der Verband der Pädagogiklehrer und Pädagogiklehrerinnen wird in diesem Jahr vierzig Jahre alt. Der Münsteraner Fachdidaktiker Jörn Schützenmeister untersucht im offenen Teil des Heftes, wie sich der Verband in den vergangenen vier Jahrzehnten entwickelt hat und wie sich die Rolle des Pädagogikunterrichts in diesem Zeitraum verändert hat.

Dem Wissenschaftlichen Beirat des Verbandes gehören an: Prof. Dr. U. Bauer (Univ. Bielefeld), Prof. Dr. Klaus Beyer (Univ. Köln), Prof. Dr. A. Bernhard (Univ. Duisburg-Essen), Jun.-Prof. Dr. K. G. Gather (Univ. Paderborn) und PD Dr. A. B. Kunze (Univ. Bonn).