Rezension: Was ist des Kaisers? – Wiederentdeckung des Staates in der Theologie

Die aktuelle Ausgabe des Burschenschafters, der Verbandszeitschrift der Allgemeinen Deutschen Burschenschaft (ADB), hat den Band „Wiederentdeckung des Staates“ (von Alexander Dietz, Jan Dochhorn, Axel Bernd Kunze und Ludger Schwienhorst-Schönberger; Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt 2020) besprechen lassen:

Bernhard Grün (Rez.): Wiederentdeckung des Staates in der Theologie. Dietz, Dochhorn, Kunze, Schwienhorst-Schönberger. Rezension von Dr. Bernhard Grün – Markomannia Würzburg, Ferdinandea-Prag zu Heidelberg und Suebo-Danubia Ulm, in: Der Burschenschafter 4 (2020), H. 2, S. 92 f.

WAS IST DES KAISERS?

Fragen zur Zukunft des Nationalstaats, des Rechtsstaats, des Sozialstaats und der staatlichen Demokratie bestimmen derzeit die öffentlichen Debatten. Während Kirche und Theologie in der Vergangenheit dem Staat oft zu unkritisch gegenüberstanden, hat sich in den letzten Jahrzehnten eine theologische Staatsvergessenheit und teilweise sogar Staatsverachtung verfestigt. Dies entspricht aktuellen gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Trends. Vor dem Hintergrund dieser Krise des Staates ist kritisch zu erörtern, in welchem Verhältnis Staatlichkeit, partikulare Identität und das christliche Wirklichkeitsverständnis zueinander stehen. Dazu leisten die Autoren dieses Bandes Beiträge in exegetischer und ethischer Perspektive.

(aus der Verlagsankündigung)

Gesegnete Weihnachten

Video caelos apertos, et Iesum stantem a dextris virtutis Dei. Alleluia.

(aus der Liturgie am 26. Dezember)

Liebe Leser und Leserinnen meines Weblogs,

herzlichen Dank für alle Verbundenheit im zu Ende gehenden Jahr und für Ihre Interesse an meinem bildungsethischen Weblog. Ich freue mich, wenn wir die bildungsethische Debatte auch im neuen Jahr gemeinsam fortsetzen.

Dieses Mal möchte ich meinem Weihnachtsgruß einige Gedanken zum zweiten Weihnachtstag beifügen. Bereits seit dem vierten Jahrhundert feiert die Kirche an diesem Tag den heiligen Erzmärtyrer Stephanus. Weil sein Fest in die Weihnachtsoktav fällt, wird er auch als einer der „Begleiter Christi“ bezeichnet.

Gesegnete, friedvolle Weihnachtstage sowie alles Gute, Wohlergehen und Gottes Segen für das neue Jahr!

„Gerade einmal ein Tag und eine Nacht – und die Weihnachtsidylle ist wie weggeblasen. Ein neues Kapitel bricht in den heutigen Lesungen für das junge Christentum an: Die Steinigung des Stephanus ist Auftakt für die Verfolgung und Zerstreuung der Jerusalemer Urgemeinde.

Weitere Verfolgungen werden folgen, bis in unsere Tage. Papst Johannes Paul II. schrieb vor der Jahrtausendwende: „In unserem Jahrhundert sind die Märtyrer zurückgekehrt, häufig unbekannt, gleichsam ‚unbekannte Soldaten‘ der großen Sache Gottes.“ Ein Ende ist nicht abzusehen. Das Christentum sei die am stärksten verfolgte Religionsgemeinschaft weltweit, urteilen Nichtregierungsorganisationen. Das Hilfswerk „Open Doors“ spricht von rund 160 Millionen verfolgten Christen; in 69 Ländern seien sie Bedrohungen oder Benachteiligungen ausgesetzt.

Schon die Evangelien sprechen von Verfolgungen, mit denen die Anhänger Jesu zu rechnen haben. […] Nach der Apostelgeschichte war der Diakon Stephanus der erste, der seinen Glauben sogar mit dem Leben bezahlte. Was zunächst wie ein geordneter Prozess beginnt, gerät außer Kontrolle. Falsche Zeugen heizen die Stimmung an, bis zum Lynchmord.

Stephanus verteidigt sich in einer glänzenden Rede, welche die Wut seiner Gegner nur noch mehr anstachelt. Ausgehend von den Patriarchen, zeigt er auf, wie die Heilsgeschichte Israels auf Jesus zuläuft. Nicht mehr Gesetz und Tempel sind entscheidend. Gottes Heiligkeit offenbart sich in einer Person, in der Gott selbst Mensch wurde. Immer wieder hat sich Israel gegen Gott aufgelehnt und sein Gesetz missachtet. Am Ende konnte selbst Jesus sich der Verwerfung nicht entziehen.

Hier zeigt sich das entscheidende Kennzeichen eines christlichen Martyriums: Es gründet in einer Beziehung. Der Märtyrer stirbt nicht für eine bestimmte Weltanschauung oder eine abstrakte Idee. Der Märtyrer stirbt für Jesus Christus, der schon vorweg für ihn gestorben ist. Das Martyrium ist die stärkste Form des Zeugnisses, die der Christ ablegen kann. Der Märtyrer gibt sich selbst und wird dadurch Christus ähnlich, der die Freiheit besaß, sich selbst ganz am Kreuz hingeben zu können – für das Heil der Menschen. Jesus ist in seinem Zeugen gegenwärtig. Sein Geist ist es, so sagt es Matthäus, der in der Stunde der Entscheidung aus dem Märtyrer spricht. 

Der heilige Augustinus nennt die Märtyrer „Fürsten des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe“. Das Martyrium bezeugt den Glauben an Gott, der die Kraft hat aus dem Tod zu retten. Wer in der Taufe mit Christus gestorben ist, weiß, dass er auch mit ihm auferstehen wird. Gegen die Gefahr, angesichts der Unausweichlichkeit von Gewalt zu resignieren, verkörpert der Blutzeuge die Hoffnung, dass Sünde und Gewalt nicht das letzte Wort in der Geschichte haben werden. Dem gewalttätigen Nein der Menschen stellt er den Tod Christi entgegen: So wie Christus am Kreuz übereignet er sich der offenbarenden Liebe Gottes und stellt Gott restlos sein Leben zur Verfügung.

Das Martyrium provoziert: nicht allein die Verfolger, die durch die Bereitschaft zur Ganzhingabe in Frage gestellt werden. Indem es den unbedingten Anspruch der Sache Jesu bezeugt, bleibt das Martyrium auch eine Anfrage an die Kirche und an jeden Einzelnen von uns.

Auch wir sind dazu berufen, treu zu Jesus Christus zu stehen und den Glauben an ihn zu bezeugen. […] Zeugnis beginnt im Alltag. Dort sollen wir Zeugnis ablegen von der Hoffnung, die uns erfüllt. Es liegt an uns, ob andere vom Evangelium erfahren oder ob wir den Schatz des Glaubens verstecken – aus der Angst heraus, aufzufallen, anzuecken, ausgelacht zu werden, als intolerant zu gelten oder auch als ewiggestrig.“

(Auszug aus: Axel Bernd Kunze, in: WortGottesFeiern an allen Sonn- und Feiertagen, 17. Jg., Heft 6/2020)

Rezension: Inklusion in der Pastoral

Axel Bernd Kunze rezensiert im aktuellen Themenheft „Viele Begabungen – eine Kirche für alle“ der Internationalen Zeitschrift für Theologie CONCILIUM folgende Titel:

Wolf Clüver: Religionssensible Assistenz. Professioneller Umgang mit Religion in der Heilerziehungspflege, Stuttgart: Kohlhammer 2020, 140 Seiten.

Michaela Geiger, Matthias Stracke-Bartholmai (Hg.): Inklusion denken. Theologisch, biblisch, ökumenisch, praktisch (Behinderung – Theologie – Kirche. Beiträge zu diakonisch-caritativen Disability Studies; Bd. 10), Stuttgart: Kohlhammer 2018, 310 Seiten.

Markus Schiefer Ferrari: Exklusive Angebote. Biblische Heilungsgeschichten inklusiv gelesen, Ostfildern: Matthias Grünewald 2017, 140 Seiten.

Axel Bernd Kunze (Rez.): Keine Privatsache, in: Concilium 56 (2020), H. 5, S. 597 – 602.

Leserbriefdebatte in der F.A.Z. zur Kultuspolitik in der Coronakrise

Der Feuilletonbeitrag des F.A.Z.-Herausgebers Jürgen Kaube „Kein Plan“ in der F.A.Z. vom 11. Dezember 2020 zur Kultuspolitik im Rahmen der Coronakrise dieses ersten Schulhalbjahres hat eine Leserbriefdebatte ausgelöst. Wer sich eine eigene Meinung bilden möchte, kann die Debatte online verfolgen: https://www.faz.net/aktuell/politik/briefe-an-die-herausgeber/briefe-an-die-herausgeber-vom-15-dezember-2020-17102129.html

Axel Bernd Kunze schreibt: „Krisen machen Fehlentwicklungen schmerzlich deutlich: Und so zeigt sich in diesen Tagen, wie sehr in der Politik mittlerweile der Betreuungs- den Bildungsauftrag an Schulen dominiert. Auf Dauer sinkt die Unterrichtsqualität, wenn sozialpolitische Anliegen oder kurative Aufgaben wichtiger werden als das schulische Kerngeschäft.

Schlaglicht: Kein Plan

Kein Plan! – Jürgen Kaube hat Recht (FAZ, 11.12.2020, S. 9): Die Kultuspolitik wollte die Schulen unbedingt offenhalten, hatte aber keinen Plan, was hierfür politisch hätte sichergestellt werden müssen. Wertvolle Zeit wurde verschlafen, wie allein ein Blick auf Baden-Württemberg zeigt: Erst Ende Oktober kam ein Lüftungskonzept, kurz vor den Weihnachtsferien FFP2-Schutzmasken. Bis dahin hatte man die Fürsorgepflicht für Lehrkräfte völlig vergessen. Bereits im Frühsommer hätte man die Schulen administrativ entlasten sollen, damit diese anspruchsvolle Modelle für Hybridunterricht hätten entwickeln können. Verordnungen aus dem Kultusministerin kommen nur scheibchenweise und ohne Planungsvorlauf. Der chaotische Weihnachtsferienerlass war dann nur noch die Krönung einer planlosen Kultuspolitik.

Zu Recht haben die Lehrerverbände auf den fehlenden Gesundheitsschutz an Schulen hingewiesen – das ist ihr gutes Recht und ihre berufspolitische Aufgabe. Ihnen fälschlich zu unterstellen, sie hätten dabei das Recht auf Unterricht vergessen, wie es vielfach in den Medien – auch in der FAZ – geschah, ist böswillig. Für den Untericht interessiert sich, wie Kaube zu Recht anmerkt, auch die wahlkämpfende Politik herzlich wenig. Krisen machen Fehlentwicklungen schmerzlich deutlich: Und so zeigt sich in diesen Tagen, wie sehr in der Politik mittlerweile der Betreuungs- den Bildungsauftrag an Schulen dominiert. Für die geistige Leistungsfähigkeit des Landes verheißt dies nichts Gutes, zumal wir viel intellektuelles Potential brauchen werden, um nach dieser wirtschaftlichen Krise, deren Ende noch keineswegs absehbar ist, wieder auf die Beine zu kommen.

Rezension: Staat und Theologie – zu einer neuen ökumenisch-sozialethischen Publikation

Eine weitere Rezension zum Band „Wiederentdeckung des Staates in der Theologie“ (verfasst von Alexander Dietz, Jan Dochhorn, Axel Bernd Kunze und Ludger Schwienhorst-Schönberger; Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt 2020) ist erschienen. Kollege Elmar Nass von der Wilhelm-Löhe-Hochschule in Fürth (Bay.) bespricht den Band in der aktuellen Ausgabe der „Neuen Ordnung“ (Jg. 74, H. 6/2020, S. 459 – 463). Die Rezension findet sich in der Onlineausgabe unter folgendem Link:

web.tuomi-media.de/dno2/Dateien/NO620-7.pdf

Rezension: „eine erfrischende Streitschrift“

Martin Frenkler hat in der Zeitschrift „Die Schwarzburg“ den Band Wiederentdeckung des Staates in der Theoogie von Alexander Dietz, Jan Dochhorn, Axel Bernd Kunze und Ludger Schwienhorst-Schönberger (Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt 2020) rezensiert:

Martin Frenkler (Rez.): Wiederentdeckung des Staates in der Theologie, in: Die Schwarzburg, 129. Jg., Heft 3/2020, S. 20.

Zu den bildungsethischen Beiträgen des Bandes schreibt der Rezensent: „In den anschließenden beiden Kapiteln beleuchtet der katholische Sozialethiker Axel Bernd Kunze sozial- und bildungsethische Fragen unserer Gesellschaft und unseres Staates. Die grundlegenden Abschnitte dieser beiden Kapitel seien jedem religionspädagogischen Seminar empfohlen.“ Frenklers Fazit am Ende lautet: „… eine erfrischende Streitschrift, zu der ein mindestens genauso fundierter Widerspruch sich lohnt.“

Onlinepetition zum Gesundheitsschutz an Schulen

Die Kultuspolitik hat ihre Fürsorgepflicht gegenüber Lehrkräften vergessen. Diese Vernachlässigung einer ganzen Berufsgruppe durch die politisch Verantwortlichen ist skandalös. Viel zu lange hat man den Gesundheitssschutz an Schulen vernachlässigt. Stattdessen hat man allein gebetsmühlenartig wiederholt, die Schulen müssten offen bleiben – auf Biegen und Brechen. Doch zum Recht auf Bildung gehört nicht allein ein Recht auf Unterricht, sondern auch der Arbeits- und Gesundheitsschutz für Lehrkräfte. Ein Blick in die Auslegungen des UN-Sozialpaktausschusses würde dies bestätigen.

Die neue Landesvorsitzende der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Baden-Württemberg schreibt dazu: „Aber auch die Möglichkeit nach CO² Ampeln und geeigneten Luftreinigungsgeräten werden von uns immer wieder klar kommuniziert, weil es eben nicht sein darf, dass mit alle 20 min Querlüften und Maskenpflicht ab Klasse 5 das Kultusministerium seinen Auftrag auf Fürsorge gegenüber den Beschäftigten in Schulen und Kitas abgegolten hat.“ Der Kreisverband Lörrach hat zu diesem Thema eine Onlinepetition gestartet:

https://www.openpetition.eu/petition/online/lueftungsanlagen-fuer-schulen-und-kitas

Bis Weihnachten sollen alle Schulen im Südwesten mit FFP2-Masken für Lehrkräfte ausgerüstet sein: ein Mininum an Fürsorge und Arbeitssicherheit für die Lehrkräfte, auf das Lehrerverbände schon seit dem Sommer hingewiesen hatten! Doch statt die Schulen in dieser schwierigen Situation administrativ zu entlasten, hat die Landesregierung in Baden-Württemberg auch noch ein beispielloses, überdies planloses und widersprüchliches Chaos bei der Umsetzung der Weihnachtsferienregelung veranstaltet. Hierzu noch einmal die GEW-Landesvorsitzende in einem Schreiben an die Mitglieder:

„Dass nun unsere Landesregierung vom Beschluss der Ministerpräsident*innen mit der Bundesregierung zurückgetreten ist und den vorgezogenen Beginn der Weihnachtsferien in einem beispiellosen Chaos-Kurs zurückgenommen hat, schlägt dem Fass nun noch den Boden aus. Der Streit der Landesregierung und der Wahlkampf wird auf dem Rücken der Schulen und der Kitas ausgetragen. Diejenigen Familien, die es sich leisten und organisieren können, werden ihre Kinder an den letzten beiden Schultagen zu Hause behalten können und dadurch entspannter in die Weihnachtspause oder die Pause zwischen den Jahren starten können. Alle anderen und auch Sie, besonders die Kolleg*innen der Grundschulen, der unteren Klassen und der Kitas, sollen durchhalten und sich dann erst in den letzten beiden Tagen vor Weihnachten so weit wie möglich schützen können. Durch die erneut sehr kurzfristige Kommunikation wurden viele Pläne von Ihnen über den Haufen geschmissen.“

Es bliebt zu hoffen, dass die Lehrerverbände in ihrem Druck gegenüber der Politik nicht nachlassen. Besser wäre es natürlich, die Schulen würden administrativ effektiv entlastet und wirksam unterstützt, damit sie in schwierigen Zeiten anspruchsvolle pädagogische Konzepte umsetzen könnten – aber hieran scheint die Kultuspolitik wenig Interesse zu haben. Es geht eher darum, die politische Verantwortung abzuwälzen, Konflikte mit Eltern zu vermeiden und die Lehrer als Betreuungskräfte zweckentfremdet einzusetzen. Krisen machen Fehlentwicklungen schmerzlich deutlich: Und so zeigt sich in diesen Tagen, wie sehr in der Politik mittlerweile der Betreuungsauftrag den Bildungsauftrag an Schulen dominiert. Für die geistige Leistungsfähigkeit des Landes verheißt dies nichts Gutes, zumal wir viel geistig-intellektuelles Potential brauchen werden, um nach dieser wirtschaftlichen Krise, deren Ende noch keineswegs absehbar ist, wieder auf die Beine zu kommen.

Schlaglicht: Öffentlicher Diskurs muss informiert geführt werden – nicht nur bei Corona

Mittlerweile ist die Kolumne „Verantwortete Freiheit und Corona“ auch in der Onlineausgabe der „Tagespost“ erschienen:

https://www.die-tagespost.de/politik/wirtschaft/kolumne-verantwortete-freiheit-und-corona;art314,213953

Und es verdichten sich Befürchtungen vor unfreiheitlichen Grenzüberschreitungen nicht gänzlich aus der Luft gegriffen sind. Die überhastete Impfstoffzulassung im Vereinigten Königreich ist mehr als fragwürdig und weckt kein Vertrauen. Noch ist sicher, ob den Beteuerungen deutscher Spitzenpolitiker, es werde keine Impfpflicht geben, zu trauen ist oder die Regierung einknicken wird. Eine solche Impflicht wäre angesichts der Unwägbarkeiten der neuen mRNA-Technologie ein unvergleichlicher Tabubruch des Staates, nach den Beschlüssen des Bundestages beim Bevölkerungsschutzgesetz aber keinesfalls ausgeschlossen. Der zweite Tabubruch, der schon bei der Masernimpfpflicht in Kauf genommen wurde und jetzt erneut, wird vollends von den politisch Verantwortlichen totgeschwiegen: Durch die Verwendung menschlicher Bestandteile aus Abtreibungen wird der Mensch für die Pharmaforschung verzweckt. Allein die katholische Kirche hat  meiner Wahrnehmung nach durch wenig Einzelstimmen hierzu überhaupt Stellung genommen.

Leider informiert die Mehrzahl der Zeitungen nur äußerst einseitig über diese Hintergründe. Da geht es dann auch eher um eine herzanrührende Geschichte über einen Unternehmer mit Migrationshintergrund, der es „in Deutschland geschafft hat“. Der Hinweis auf das genbasierte Impfstoffverfahren ist oftmals nur ein dürrer Satz, versteckt am Ende. Damit ist noch keineswegs gesagt, wie am Ende ethisch, rechtlich und politisch zu urteilen ist: Aber der öffentliche Diskurs, die öffentliche Willensbildung und Entscheidungsfindung müssen informiert geführt werden – und das leisten unsere gegenüber der Regierung sehr handzahm gewordene Medien immr weniger. Die Polarisierung des Landes die Merkels Amtszeit prägt, zeigt sich an vielen Stellen, nicht allein in der Migrationspolitik. Und mehr oder weniger alle öffentlichen Akteure sind darin verstrickt. Momentan ist kein politischer Wille zur nationalen Versöhnung erkennbar, selbst nicht beim Bundespräsidenten. Und die Polarisierung wird weitergehen, wenn stattdessen versucht wird, legitime Opposition zu unterdrücken. Wenn der Advent auch eine Zeit der Umkehr sein soll, hätten wir politisch mehr als allen Grund dazu, diesen Advent im Stillstand für eine kollektive Selbstbesinnung in unserem Vaterland zu nutzen. Aber das wird ein frommer Wunsch bleiben …