Tagung: Frieden ist ein Werk der Gerechtigkeit

Auch in diesem Jahr veranstaltet der Kardinal-von-Galen-Kreis wieder eine theologische Tagung mit fachkundigen Referenten und interessanten Vorträgen. Eingebettet in die geistliche Atmosphäre des altehrwürdigen Klosters Maria Engelport unweit der Mosel befasst sich die Akademie in diesem Jahr mit einem Thema, das nicht zuletzt durch die tagespolitischen Ereignisse in aller Munde ist und das daher einmal eingehend aus kirchlich-theologischer Sicht beleuchtet werden soll:

Jahresakademie des Kardinal-von-Galen-Kreises im Kloster Maria Engelport, Treis-Karden/Mosel

Donnerstag, 18. September, bis Samstag, 20. September 2025

„Frieden ist ein Werk der Gerechtigkeit“

Richten Sie Ihre Anmeldung unter Nennung bitte direkt an den Kardinal-von-Galen-Kreis: Ingo Potthast (ingo@ipo-netz.de) oder Reinhard Dörner (reinhard.doerner@gmx.de)

Im Kloster ist wie gehabt für das leibliche Wohl ebenso gesorgt wie für die „geistige Nahrung“: Die Akademie ist ganz in den liturgischen Tagesablauf eingebettet. Es besteht die Möglichkeit zum täglichen Messbesuch, zur eucharistischen Anbetung, zur Beichte oder einfach zur persönlichen stillen Zeit in der Kirche. Auch ein Kreuzweg und eine Lourdes-Grotte gehören zum Kloster.

Tagung: Studentenhistoriker laden nach Marburg ein

Vom 17. bis 19. Oktober 2025 lädt der Arbeitskreis der Studentenhistoriker zur 85. deutschen Studentenhistorikertagung in die hessische Universitätsstadt Marburg an der Lahn ein. Reich ist Marburg auch studentischer Romantik und baulichen Schönheiten. Selten läßt sich ein spätmittelalterlichen Ensemble so schön erkennen wie hier, und alles ist seit rund 500 Jahren auf die Universität abgestellt und auf sie zugeschnitten. Wir sind in zwei sehr schönen Verbindungshäusern und einer höchst außergewöhnlichen Verbindungsburg zu Gast.

Weitere Informationen finden Sie hier:

Veranstaltung: Gedenken an Bamberger Widerstandskämpfer Willy Aron

Die Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e. V. erinnert an das öffentliche Gedenken an Willy Aron. Es findet am Dienstag, dem 3. Juni 2025, um 14:00 Uhr am Mahnmal für Widerstand und Zivilcourage (Harmoniegarten) in Bamberg statt. Gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern des Franz-Ludwig-Gymnasiums und der Maria-Ward-Realschule gestaltet der Verein die Gedenkveranstaltung an seinen Namensgeber.

Willy Aron wurde am 3. Juni 1907 in Bamberg geboren. Er war Schüler der Gangolfschule und des Neuen Gymnasiums in Bamberg, engagierte sich in der jüdischen Jugendarbeit und wurde Mitglied der Jugendorganisation der Sozialdemokraten bei. Als Student der Rechtswissenschaften trat er der Studentenverbindung „Wirceburgia“ bei und verteidigte zusammen mit Thomas Dehler als Vorstandsmitglied des Schutzbundes „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold“ in Bamberg die Weimarer Demokratie gegen demokratiefeindliche Angriffe. Als Referendar geriet er ins Visier der Nationalsozialisten und wurde als sofort nach Machtübernahme der NSDAP in Bayern mit weiteren Sozialdemokraten in Bamberg verhaftet, später in das KZ-Dachau überstellt und am 17. Mai 1933 als erster Bamberger im KZ-Dachau grausam zu Tode gequält.

Willy Aron wurde nur 26 Jahre alt.

Die Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e. V. freut sich über zahlreiche Teilnahme.

Neuerscheinung: Gedenkschrift für Harald Lönnecker (1963 – 2022)

2022 verstarb überraschend der Historiker, Archivar und Burschenschafter Professor Dr. Dr. Harald Lönnecker – und damit der wohl profilierteste Studentenhistoriker im deutschsprachigen Raum. Die ursprünglich zu seinem sechzigsten Geburtstag geplante Festschrift ist nun als Gedenkschrift erschienen. Sie soll am 14. Juni 2025 offiziell im Rahmen einer Gedenkfeier der Gesellschaft für burschenschaftliche Geschichtsforschung dediziert werden. In dem Band ist auch ein Beitrag aus bildungsethischer Perspektive enthalten:

Axel Bernd Kunze: „Die Jugend ist in Ehrfurcht vor Gott … zu erziehen.“ Oder: Braucht das öffentliche Leben noch Religion?, in: Christian Oppermann (Hg.): „Wahrheit, Muth und Kraft!“. Gedenkschrift für den Historiker, Archivar und Burschenschafter Professor Dr. Dr. Harald Lönnecker (Darstellungen und Quellen zur Geschichte der deutschen Einigungsbewegung im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert; XXIV), Heidelberg: Universitätsverlag Winter 2025, S. 677 – 696.

Have, pia anima!

Vortrag: Ist Deutschunterricht noch Sprachunterricht?

Claus Maas, Sprecher der AG „Lehrer gegen Gendern“ und Bereichsleiter Schule im Verein Deutsche Sprache, holt seinen Vortrag nach, der im Rahmen der diesjährigen Didacta krankheitsbedingt leider ausfallen musste:

Ist Deutschunterricht noch Sprachunterricht

Der Vortrag findet am Dienstag, dem 8. April 2025, ab 16 Uhr in einer Präsenzveranstaltung am Sprachhof in Kamen, dem Domizil des Vereins Deutsche Sprache, statt.

Claus Maas schreibt zu seinem Vortrag: „Ich werde meine Beobachtungen aus jahrzehntelanger Praxis als Deutschlehrer und meine Ansicht über m.E. schwerwiegende Fehlentwicklungen in der Fachdidaktik mitteilen.

Nun habe ich eine Anzahl solcher Beobachtungen in einem Fachvortrag zusammen-

gestellt, den ich eigentlich im Februar aus Anlass der diesjährigen Didacta in  Stuttgart halten wollte, der aber abgesagt werden musste, weil ich in dieser Zeit 

mit einem schweren Atemwegsinfekt erkrankt war.

Die Kernthese des Vortrags lautet, dass die immer schlechter werdenden Ergebnisse von Erhebungen zur Sprachkompetenz zwar auch mit der Entwicklung der Schülerklientel und mit äußeren Einflüssen zusammenhängen dürfte – dass aber die maßgebliche Ursache dafür vielmehr systemimmanent und durch den über Jahrzehnte andauernden Prozess der Aushöhlung elementarer Aspekte und Schwerpunktsetzungen der Sprachdidaktik begründet ist. (Schon zu meiner Studienzeit in den 70er Jahren scheuten die meisten Germanistikstudenten/Studierenden der Germanistik  die Beschäftigung mit der Linguistik als Schwerpunktbereich im Hauptstudium und beschränkten sich auf den Erwerb der wenigen obligatorischen ‚Scheine‘.) 

Diese These führe ich aus, indem ich im Groben Schritte und Phasen der Veränderung skizziere, welche die Auffassung von Sprach- und Grammatikunterricht seit den  1990er Jahren erfahren hat und indem ich an wenigen Beispielen die Auswirkungen dieses Wandels auf Unterrichtsinhalte und Methoden aufzeige. Der Vortrag soll aber keine Generalkritik sein. Ich mache darin den Versuch, den Blick dafür zu schärfen, wo Deutschunterricht mit einfachen Mitteln eine  Rückbesinnung auf das Ziel der Erweiterung aktiver individueller sprachlicher Fähigkeiten  vornehmen und  ohne großen Aufwand eine Sensibilisierung für Nuancen der Sprachentwicklung und für die Möglichkeiten sinnentsprechenden (und zugleich sensiblen) Formulierens mit Hilfe des riesigen Repertoires sprachlicher  Muster und Varianzen erzielen kann.

Vor dem Hintergrund einer sehr behutsamen Rückbesinnung auch der Sprachwissenschaft auf die Auswirkungen didaktischer Konzepte, wie sie etwa in den Aufsätzen von Herrn Feilke („Die Sprache des Lernens – Praktiken Und Formen der Bildungssprache“ in: Die Bedeutung der Bildungssprache Deutsch in der Schule, Klinkhardt 2024  – sowie bereits vorher: Die Sprache in den Schulen – eine Sprache im Werden, Dritter Bericht zur Lage der deutschen Sprache, Darmstadt 2021) und anderen zum Ausdruck kommt und angesichts der dort beschriebenen Forderung nach mehr „konzeptioneller Schriftlichkeit“ hoffe ich zudem, dass diese Diskussion bald Fahrt aufnimmt.“

Im Hinblick auf die Tatsache, dass natürlich nicht jeder, der sich dafür interessiert, auch jederzeit den Weg nach Kamen auf sich nehmen kann, wird der Vortrag auch online zu verfolgen sein und darüber hinaus anschließend auf der VDS-Internetseite unter  vds-ev.de/vds-schule bzw. vds-ev.de/arbeitsgruppen/deutsch-in-der-schule eingestellt.

Jubiläum: 50 Jahre Evangelisches Schulwerk in Württemberg

… und dieses Jubiläum wurde am 18. März 2025 im Rahmen des diesjährigen Konvents des Evangelischen Schulwerks Baden und Württemberg in schwindelnder Höhe gebührend gefeiert: mit einem Panoramdinner auf dem Stuttgarter Fernsehturm – und dies bei bester Sicher und wenig Wind. Das Evangelische Schulwerk Baden und Württemberg vertritt rund sechshundertvierzig evangelische allgemeinbildende und beruliche Schulen im Südwesten. Ad multos annos!

Veröffentlichungen zu Korporation und Widerstand

Der Brücklmeierverein e. V. widmet sich der Forschung zu Korporationen und Widerstand. Dort finden sich etwa Beiträge über den Bamberger Waffenstudenten und Widerstandskämpfer Willy Aron oder eien Rezension des Bandes „Rote Fahnen, bunte Bänder“:

https://bruecklmeierverein.de/?s=Axel+Bernd+Kunze

Buchvorstellung: Die pädagogische Wende

Am Mittwoch, dem 30. Oktober 2024, stellt Prof. Dr. phil. Ralf Lankau  sein neues Buch vor:

Die pädagogische Wende

Über die notwendige Besinnung auf das Erziehen und Unterrichten

Buchvorstellung, Vortrag und Diskussion

Die Ergebnisse der jüngsten Pisa-Studie sind für das deutsche Bildungssystem, vor allem aber für die Zukunft junger Menschen, verheerend. Negativrekorde sind eine stabile Tendenz aller Leistungsvergleiche seit 2012. Daher müssen wir in einem gemeinsamen Akt der Besinnung auf die Bedeutung von Schule und Unterricht wieder den Menschen als Lernenden und Lehrenden in den Mittelpunkt von Bildungsprozessen stellen. Wir brauchen einen Humanpakt Bildung statt der einseitigen Fixierung auf Digitaltechnik.

 Prof. Dr. Ralf Lankau, Fakultät Medien, HS Offenburg

Inhaltsverzeichnis: Lankau: Die Pädagogische_Wende

Link zum Beltz-Verlag:

Die pädagogische Wende. Über die notwendige (Rück-)Besinnung auf das Unterrichten

Termin und Ort:
Mittwoch, 30. Oktober 2024, Offenburg
KiK Offenburg, Weingartenstr. 34c, D.77654 Offenburg. 20.00 Uhr

Jubiläum: 30 Jahre CCB – Festkneipe am 19.10.2024 in Bonn

Gott – Freiheit – Vaterland: Dieser Dreiklang ist typisch für den christlichen Teil der burschenschaftlichen Bewegung. Christliche Burschenschaften sind nichtschlagend und lehnen seit ihrer Gründung aufgrund des christlichen Selbstverständnisses Duell und Mensur ab. Besonderes Kennzeichen christlicher Burschenschaften ist das Christianum. Dieses verlangt vom Einzelnen kein konfessionelles Bekenntnis, wohl aber die Bereitschaft, sich mit dem Christentum und seiner Ethik auseinanderzusetzen. Das Ziel christlich-deutscher Gesinnung verbindet unter Berufung auf die Urburschenschft das geistige Erbe abendländischer Kultur mit dem Streben nach nationaler Einheit.

Pflege urburschenschaftlicher Tradition

Vor dreißig Jahren schlossen sich drei Burschenschaften innerhalb des Schwarzburgbundes (SB) zum Cartell Bayerischer Burschenschaften zusammen: die Burschenschaft Teutonia Nürnberg (To), die Burschenschaft Ostmark-Breslau zu Regensburg (Om) und die Leipziger Burschenschaft Alemannia zu Bamberg (ALE); die letzten beiden sind heute verbandsfrei. Ziel war es, die burschenschaftliche Ausrichtung innerhalb des SB zu stärken. Damit war der Grundstein für das heutige Cartell Christlicher Burschenschaften (CCB) gelegt, dessen rundes Jubiläum vom 18. bis 20. Oktober 2024 in Bonn gefeiert wurde. Höhepunkt war am Abend des 19. Oktober eine klangvolle Festkneipe auf Haus der Burschenschaft Rheno-Germania Bonn (RhG). Von Anfang an war das Cartell darum bemüht, die burschenschaftliche Tradition zu pflegen und zu erneuern, ohne in einen falschen Traditionalismus auf der einen oder eine Beliebigkeit auf der anderen Seite zu verfallen. Und so ist es bis heute geblieben.

Die Namensänderung erfolgte 1999, als die Bonner Rheno-Germania dazustieß. Seit 2012 können sich auch Burschenschaften außerhalb des SB dem Cartell anschließen. Jüngstes Mitglied ist die verbandsfreie Burschenschaft Alemannia Leipzig (Ale).

Freundschaftsbund

„Der Zweck des Cartells ist die Pflege des urburschenschaftlichen Gedankengutes christlicher Prägung, die Verbreitung dieser Ideale in der Öffentlichkeit und die Erhaltung des deutschen Verbindungsstudententums in seiner urburschenschaftlichen Ausprägung einschließlich der damit verbundenen Traditionspflege. Weiterer Zweck ist, zu einer aktiven Betätigung in Staat und Gesellschaft anzuhalten.“ – so heißt es in der Satzung. Das Cartell bekennt sich zum Männerbund und pflegt das Farbentragen. Und es will ein lebendiger Freundschaftsbund sei. „Heimat ist, wo ich mich nicht erklären muss“, sagte ein Teilnehmer der Festkneipe in seinem Grußwort. Dieses Wort Herders ist Programm.Jeder Cartellbruder soll sich bei den anderen Cartellburschenschaften genauso zuhause fühlen wie im eigenen Bund.

Daher lag es nahe, dass sich auch die Festrede dem Thema Freundschaft widmete. Festredner war der Bildungsethiker und Erziehungwissenschaftler Axel Bernd Kunze (ALE, RhG, Ale). Er erinnerte daran, dass schon Aristoteles die politische Eintracht in Freundschaftskategorien gedeutet habe und mahnte: „Nicht allein angesichts aktueller Debatten um Gewalt im öffentlichen Raum sehen wir, wie gefährdet ein solches Fundament unseres Zusammenlebens ist. Das gemeinsame Ethos unseres Gemeinwesens will gepflegt werden.“ Insofern hat das, was die christlichen Burschenschaften auf Basis ihrer Tradition pflegen, eine eminent politische Bedeutung, die nicht unterschätzt werden sollte – und dieses Pfund sollte nicht hinter den Mauern der Verbindungshäuser versteckt, sondern im akademischen Beruf und im Engagement für das Gemeinwesen eingesetzt werden, damit es reichen Zins bringt – mehr, als uns Banken heute geben können.

Angereichert wurde die Festkneipe durch persönliche Erinnerungen aus der Festcorona, die zeigten, was gelebte Cartellbrüderlichkeit bedeutet.

Weitere Programmpunkte der Jubiläumsfeier in Bonn waren der traditionelle Begrüßungsabend, ein Ausflug nach Rhöndorf mit Führung durch das Wohnhaus Konrad Adenauers und anschließende Einkehr in einem Weingut sowie eine Bierverkostung unter Anleitung des Bamberger Biersommeliers Dominik Maldoner (ALE). Der historische Ausflug in die Anfänge der Bonner Republik und die Rheinromantik, die im während des Zweiten Weltkriegs unzerstörten Rhöndorf – am Fuße des Drachenfelsen – besonders greifbar wird, setzten historische Schlaglichter. Gerade die interessante Führung durch das Adenauerhaus und das angeschlossene Museum ließen lebendig werden, wie sich das politische Geschäft von Adenauers Zeiten bis zur Berliner Republik heute verändert hat, vermutlich nicht immer zum Besten.

Frei und unerschütterlich

Als Symbol trägt das Cartell Christlicher Burschenschaften seit 2010 eine silberne Eiche: „Zeichen für ein bodenständiges Volk und ein stetig blühendes und gedeihendes, auf den Wurzeln unseres freiheitlichen Grundgesetzes stehenden Vaterlandes, das sich nicht von den Stürmen der Zeit beeindrucken lässt“, wie es auf den Internetseiten des Cartells heißt.

Selbstverständlich erklang zum Ende der Festkneipe in Bonn im kräftigen Männerchor auch das Lied des Cartells, passend zum gewählten Symbol der Eiche: „Frei und unerschütterlich / wachsen unsere Eichen / ihre Wurzeln in die Erd / tief hinunter reichen. / Mit dem Schmuck der grünen Blätter / stehn sie fest in Sturm und Wetter, / wanken nicht noch weichen.“ Der Text geht auf August Heinrich Hoffmann von Fallersleben zurück. Die Melodie schrieb der Bamberger Alemanne Andreas Schertel eigens für das CCB.

Pflege der christlichen Grundlagen unseres Verfassungsstaates

Aber ein solches Selbstverständnis muss immer wieder gepflegt werden, wie der Festredner mahnte: „Welchen Beitrag können christliche Burschenschaften in den zivilreligiösen Diskurs einspeisen? Welchen Beitrag können sie zur kulturethischen Pflege christlicher Traditionen in einer pluralen Gesellschaft beitragen? Wie können sie ihr spezifisches Profil bewahren, wenn selbst im eigenen Nachwuchs mit einer schwächer werdenden religiösen Sozialisation zu rechnen ist?  Wir werden diese Debatten führen müssen. Und das ist auch gut so.“

Religion und Politik brauchen einander, soll sich nicht jeweils eine Seite absolut setzen – was in der Geschichte noch nie gut ausgegangen ist. In der zivilreligiösen Fragestellung zeigt sich, wie religiöse und politische Fragen miteinander verwoben sind. Denn die politisch denkenden Bürger sind zugleich Träger religiöser Haltungen im weitesten Sinne – und umgekehrt. Daher wird es keine Zivilreligion ohne Bezug zur verfassten Religion geben können, wie umgekehrt die verfasste Religion stets auf politische Rahmenbedingungen trifft. Bildung und Wissenschaft sind Orte, das Ineinander religiöser und politischer Fragestellungen reflexiv zu bearbeiten. Der akademische Anspruch wie die kulturethische Überzeugung im Cartell Christlicher Burschenschaften sollten die einzelnen Cartellbrüder dazu verpflichten, sich aktiv an dieser Debatte zu beteiligen – aus einer doppelten Verantwortung heraus.

Zum einen besitzen Bildung und Religion auch unter den Bedingungen gesellschaftlicher Plu­ralität unverzichtbare Bedeutung für einen freiheitlichen, vitalen und tragfähigen Kultur­staat. Wo die Sorge um seine geistigen Grundlagen erlahmt, werden über kurz oder lang kulturelle und soziale Verteilungskämpfe ein­setzen.

Zum anderen tragen wir eine soziale Verantwortung für Werte und Normen, Ethos und Tradition, Sprache und Wissenschaft, Kunst und Kultur oder Religion, die weit über unsere eigene Gegenwart hinausreicht. Die Pflege christlich-abendländischer Tradition in den einzelen Lebensbünden lebt mehr oder weniger bewusst aus dem Wissen um diese Verantwortung. Denn wie künftige Generationen leben, denken und handeln werden, wird wiederum davon beeinflusst werden, wie wir heute leben, denken und handeln. Auch der weltanschaulich neutrale Verfassungs- und Kulturstaat, der sich zu seinen christlichen Wurzeln bekentn, darf Flagge und Kreuz gleichermaßen tragen, sofern er den Einzelnen nicht zu einem bestimmten Bekenntis zwing. Doch wird das kulturethische Fundament unserer Verfassungsordung auf Dauer nur dann tragen, wenn auch ein praktiziertes christliches Bekenntnis in unserem Land lebendig bleibt. Es liegt an jedem Einzelnen, den formalen Gottesbezug der Verfassung durch eine konkrete christliche Praxis zu füllen.

Und so endete die Festrede mit einem deutlichen Aufruf: „Sich am öffentlichen Gespräch – auch über die öffentliche Bedeutung von Religion –  zu beteiligen, ist und bleibt zentraler Bestandteil gelebter burschenschaftlicher Verantwortung. Der Freundschafts- und Lebensbund bildet hierfür das notwendige Fundament. Übernehmen wir Verantwortung, beteiligen wir uns aktiv an der politisch-gesellschaftlichen Debatte und bringen wir dabei unsere burschenschaftlichen Orientierungswerte ein – in der Politik, in der Öffentlichkeit, im Beruf, an unseren Universitäten und im akademischen Leben. Bekennen wir uns selbstbewusst zu unseren Prinzipien, auch wenn der Wind gegenüber Verbindungen rauer werden mag: Gott – Freiheit – Vaterland. Hängen wir unsere Prunkfahnen hoch – und nicht in den Wind, wie es leider in Politik und auch Kirchen nur allzuoft geschieht.“

Erfreulich ist, dass das CCB mit Beginn seines vierten Jahrzehnts immer stärker wahrgenommen wird. Ausdruck hierfür ist etwa ein Beitrag in ACADEMIA, der Verbandszeitschrift des Cartellverbandes Katholischer Deutscher Studentenverbindungen (CV), in Heft 5/2024, der sich dem Thema christliche Burschenschaften und dem Cartelljubiläum widmete. Ab der kommenden Ausgabe soll das Cartell auch in der „Fuxenstunde“ des bekannten Studentenhistorikers Bernhard Grün mit einem eigenen Eintrag vertreten sein, wie jetzt schon beispielsweise das Süddeutsche Cartell.

In diesem Sinne: Burschenschaft Alemannia Leipzig, Burschenschaft Ostmark-Breslau zu Regensburg, Burschenshaft Rheno-Germnia Bonn, Burschenschaft Teutonia Nürnberg et Leipziger Burschenschaft Alemannia zu Bamberg – vivant, crescant, floreant. Cartell Christlicher Burschenschaften – ad multos annos!

Weitere Informationen: https://www.cartell.org/