Neuerscheinung: Werkausgabe der pädagogischen Schriften Adolf Reichweins

Aus Anlass der Fertigstellung der fünfbändigen kommentierten Werkausgabe der pädagogischen Schriften Adolf Reichweins (1898 bis 1944) laden die Herausgeber, die Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung des Deutschen Instituts für internationale pädagogische Forschung (DIPF) und der Adolf-Reichwein-Verein, in Kooperation mit dem Museum Europäischer Kulturen und der Gedenkstätte Deutscher Widerstand am 7. November 2016 zu einer Präsentation der Edition ein.

Genauere Hinweise zur Veranstaltung sind auf den Seiten des DIPF zu finden:

http://bbf.dipf.de/aktuelles/tagungen/praesentation-reichweinedition

Die Anmeldung ist unter folgender Adresse möglich:

http://bbf.dipf.de/aktuelles/tagungen/anmeldung-praesentation-reichweinedition/

Eine Biographie des Pädagogen, Volkskundlers, Kulturpolitikers und Widerstandskämpfers Reichwein findet sich auf den Seiten des Lassalle-Kreises:

http://lassalle-kreis.de/content/adolf-reichwein

Nils Schmid erhält Band über korporierte Sozialdemokraten

Als Dank für seinen Vortrag auf der diesjährigen Jubiläumstagung des Lassallekreises korporierter Sozialdemokraten in Tübingen erhielt Nils Schmid ,MdL, Landesvorsitzender der baden-württembergischen SPD und ehemaliger stellvertretender Ministerpräsident des Landes, den Band „Rote Fahnen, bunte Bänder“ überreicht. Der Band versammelt Lebensbilder korporierter Genossen und reflektiert Entstehung wie Arbeit des Lassallekreises.

Ein Bericht mit Foto über die Veranstaltung in Tübingen findet sich auf den Seiten des Lassallekreises:

http://www.lassalle-kreis.de/node/1045

Leseprobe

Am 6. August 2016 wurde der neue Band „Rote Fahnen, bunte Bänder. Korporierte Sozialdemokraten von Lassalle bis heute“, herausgegeben von Manfred Blänkner und Axel Bernd Kunze, im Rahmen der Jubiläumstagung des Lassalle-Kreises feierlich vorgestellt.

Das „Schwäbische Tagblatt“ hat über die Tübinger Lassalletagung berichtet:

http://www.tagblatt.de/Nachrichten/Seit-2006-organisieren-sich-korporierte-Sozialdemokraten-im-Lassalle-Kreis-298572.html

Eine Leseprobe zum neuen Band findet sich auf den Seiten des Verlages J. H. W. Dietz Nachf.:

http://dietz-verlag.de/downloads/leseproben/0481.pdf

Zu lesen sind das Vorwort von Erhard Eppler, die Einleitung der beiden Herausgeber in Anliegen und Aufbau des Bandes sowie das Lebensbild des Begründers der deutschen Sozialdemokratie, Ferdinand Lassalle. In ihrer Einleitung schreiben Manfred Blänkner und Axel Bernd Kunze:

„Politische Parteien könnten von den Erfahrungen, dem Engagement und dem Orientierungswissen ihrer korporierten Mitglieder profitieren, dies gilt auch für die SPD. Überdies zeigen sich bei genauerem Hinsehen deutliche Parallelen zwischen Parteien und Korporationen. Die Mitgliederpartei vermittelt wichtige politische Sozialisationserfahrungen. Dabei geht es nicht nur um das Erlernen technischer und strategischer Politikfähigkeit, sondern auch um die Weitergabe gemeinsam geteilter Traditionen und politischer Werte. Diese bestimmen das sozialethische Urteilen und Handeln der Parteimitglieder. So garantieren Parteien dem politischen Prozess über den Weg kollektiver Selbstregulierung ein bestimmtes Maß an Wertebindung und die kontinuierliche Weitergabe kollektiv gespeicherter Erfahrungen. Dem kulturethischen Wissen, das die Parteien vermitteln, kommt eine nicht zu unterschätzende kulturstaatliche Orientierungsfunktion zu: Erst auf Basis einer solchen Wertgrundlage wird die Politik zu nachhaltigen Entscheidungen fähig und ist eine verlässliche Organisation des politischen Prozesses möglich.“ (S. 12 f.)

Feierliche Zeugnisübergabe

Wer die Kinderpflege- oder Erzieherausbildung erfolgreich absolviert hat, darf den Titel „Staatlich anerkannte/r Kinderpfleger/in“ bzw. „Staatlich anerkannte/r Erzieher/in“ tragen. Beide Ausbildungen schließen mit einem einjährigen Berufspraktikum, das einen begleiteten Übergang in den neuen Beruf ermöglicht. An der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt gilt dies im zu Ende gehenden Schuljahr für 15 Absolventen der Berufsfachschule für Kinderpflege sowie 49 Absolventen der Fachschule für Sozialpädagogik. Am 14. Juli 2016 konnten die neuen pädagogischen Fachkräfte aus den Händen von Frau Geymann und der begleitenden Praxislehrkräfte im Rahmen einer Feierstunde ihre staatliche Anerkennung in Empfang nehmen. Der Abend begann mit einem Dankgottesdienst, musikalisch gestaltet vom Schulchor unter Leitung von Frau Dott.ssa Rossi und von Frau Fischer-Espey am Flügel. Pfarrer Dr. Wünsch wies in seiner Begrüßung darauf hin, dass die Absolventinnen und Absolventen auch nach ihrem Abschluss immer wieder an ihrer ehemaligen Fachschule herzlich willkommen seien; Fortbildungen, gemeinsame Feiern oder andere Veranstaltungen böten die Gelegenheit, weiterhin in Kontakt zu bleiben. Der stv. Schulleiter, Herr PD Dr. Kunze, betonte in seiner Festrede, welch wichtige Rolle Kinderpflegeren und Erzieher bei der religiösen Entwicklung und Identitätsbildung der ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen spielten. Am Ende der Feier wurde dann gemeinsam angestoßen: Bei einem Glas Sekt oder Orangensaft war Gelegenheit, Erinnerungen an die drei oder vier Ausbildungsjahre lebendig werden zu lassen.

Silbernes Abitur

Rund vierzig ehemalige Ratsgymnasiasten waren am 4. Juni aus Brüssel und München, Helgoland oder Stuttgart nach Peine gekommen, um ihr Silbernes Abitur zu feiern. Bevor am Abend in der „Strandperle“ am Eixer See gefeiert wurde, drückten alle am Vormittag noch einmal die Schulbank. Vieles hat sich verändert, wie sich gleich zu Beginn bei der Begrüßung in der Schulmensa zeigte, die es vor 25 Jahren noch nicht gab. Vieles hat sich in unserer schnelllebigen Zeit dann aber auch nicht geändert, wie mit Erstaunen festgestellt wurde: So fanden sich im Kunstraum und Treppenhaus noch Bilder, die man selbst gemalt hatte. Erinnerungsfotos vor dem eigenen Frühwerk durften natürlich nicht fehlen.

Frau Brennecke, die den Abiturjahrgang von 1991 früher selbst unterrichtet hatte, gab bereitwillig Auskunft, was sich am Ratsgymnasium in den zurückliegenden Jahren alles verändert hat: Musikalisch oder naturwissenschaftlich interessierte Schüler könnten heute zwischen eigenen Orchester- oder Forscherklassen wählen, einzelne Fächer würden bilingual unterricht. Spanisch sei als neue Fremdsprache, so war zu erfahren, inzwischen bei den Schülern äußerst beliebt. Und als offene Ganztagsschule biete das Ratsgymnasium mittlerweile zahlreiche Nachmittagsangebote mit Sportvereinen, der Musikschule oder anderen Kooperationspartnern an. Besichtigt werden konnten neue Naturwissenschaftsräume mit besseren Voraussetzungen für Schülerexperimente oder die Schülerbibliothek, die im ehemaligen Fahrschülerraum entstanden ist.

Fotos von Oberstufenfahrten machten am Abend die Runde, alte Klassenfotos wurden herumgereicht – mit einem gewissen Kopfschütteln über das, was damals Ende der Achtzigerjahre modisch so alles angesagt war. Nach 25 Jahren ging es weniger um die Frage, was machst Du inzwischen beruflich. Wichtiger war der Austausch darüber, was diejenigen heute bewegt, mit denen man die entscheidenden Jugendjahre gemeinsam verbracht hat. Die Gespräche zogen sich bis tief in die Nacht hinein hin. Alle waren sich einig, dass es ein besonderer Jahrgang gewesen sei und man sich in fünf Jahren auf jeden Fall wieder treffen wolle. Herzlichen Dank an Marcus Seelis und Stefan Grützner, die alles mit viel Engagement organisiert haben!

Widerstandsdenkmal in Bamberg wird eingeweiht

Mit einer Feier im benachbarten E.T.A.-Hoffmann-Theater wird am 25. Juni 2016 um 11 Uhr das Bamberger Widerstands-Denkmal eingeweiht und der Stadt Bamberg übergeben. Drei Bonzebüsten des örtlichen Bildhauers Albert Ultsch werden künftig im Harmoniegarten Bamberg zwischen Schönleins- und Schillerplatz an Willy Aron, Hans Wölfel und Claus Schenk Graf von Stauffenberg erinnern. Mit Willy Aron findet sich unter den Geehrten auch ein korporierter Sozialdemokrat.

Die Stelen der drei Büsten werden jeweils auf einer braunen Porphyrsteinplatte stehen:  „Die Farbe Braun verweist auf den Nationalsozialismus, aus dem die drei Protagonisten heraustraten. […] Zwei weitere Steinplatten rechts und links der Anordnung gehen in den Straßenbelag über und verweisen in die Gegenwart“, beschreibt die Willy-Aron-Geellschaft Bamberg e. V., von der die Initiative ausging, die künstlerische Idee des Denkmals. Die drei Namen stehen stellvertretend für alle Bürger der Stadt, die aus unterschiedlicher Motivation heraus dem Nationalsozialismus widerstanden haben. „Die Verknüpfung von politischem, militärischem und kirchlichem Widerstand in einem Mahnmal“ – so die Initiatoren – ist mutig und einzigartig in dieser Weise.“ Das Denkmal wolle keine „Heldenverehrung“ betreiben, sondern zum Denken anregen: Zum einen erinnert es an die lokalen Bezüge des Widerstands gegen den Nationsozialismus. Zum anderen mahnt es durch seine künstlerische Umsetzung, darüber nachzudenken, wie es heute gelingen kann, sich für Menschlichkeit, Recht und Demokratie einzusetzen.

Sozialdemokratischer, kirchlicher und militärischer Widerstand vereint

Willy Aron (1907 – 1933) war das erste Opfer, das der nationalsozialistische Terror aus Bamberg forderte. Auch als Waffenstudent der paritätischen Studentenverbindung „Wirceburgia“, der Aron im Wintersemester 1925/26 beitrat, engagierte er sich weiterhin in der Sozialistischen Arbeiter-Jugend seiner Heimatstadt. Schon früh geriet der kämpferische Jungsozialist ins Visier der Nationalsozialisten. Als Justizreferendar hatte er im Prozess um eine von den Nationalsozialisten initiierte Massenschlägerei die Verteidigung mehrerer Sozialdemokraten übernommen. Ob seine Führungstätigkeit innerhalb des örtlichen Reichsbanners Scharz-Rot-Gold oder seine Äußerung, die neuen Machthaber hätten den Reichstag selbst in Brand gesteckt, den äußeren Anlass für seine frühe Verhaftung gab, ist bis heute umstritten. Im Konzentrationslager Dachau wurde er brutal misshandelt. Sein Sarg durfte bis zur Beisetzung am 22. Mai 1933 auf dem jüdischen Friedhof in Bamberg nicht mehr geöffnet werden.

Zum siebzigsten Todestag Arons wurde 2003 die Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e. V. gegründet, die seitdem in Bamberg unter anderem zahlreiche „Stolpersteine“ verlegen ließ oder in Zusammenarbeit mit örtlichen Schule Menschenrechtsbildung betreibt. Mit einer Gedenkfeier am Stolperstein für Willy Aron, der sich in der Bamberger Luitpoldstraße befindet, wurde 2011 die fränkische Regionalgruppe des Lassalle-Kreises ins Leben gerufen. Überdies erinnert im Landgericht Bamberg eine Ehrentafel an Willy Aron.

Hans Wölfel (1902 – 1944), Bamberger Rechtsanwalt und Vorsitzender des Ortskartells katholischer Vereine, trat nach anfänglichen Vorbehalten gegenüber der neuen Republik immer stärker für eine rechtsstaatliche und demokratische Ordnung auf Basis christlicher Werte ein. Als Rechtsanwalt setzte er sich für Opfer des nationalsozialistischem Regimes und gesellschaftlich Benachteiligte ein. Seine Kanzlei wurde von den neuen Machthabern geplündert, seine Akten am Tag der Bücherverbrennung den Flammen übergeben. Im Geheimen suchte er Verbündete, die sich für ein neues, friedvolles Deutschland einsetzen wollten. 1943 denunziert, wurde er durch den Volksgerichtshof wegen angeblicher Wehrkraftzersetzung verurteilt und am 3. Juli 1944 mit dem Fallbeil in Brandenburg-Görden hingerichtet.

Sein Name findet sich im kirchlichen Martyrologium des zwanzigsten Jahrhunderts, ein Seligsprechungsverfahren wird angestrebt. Hans Wölfel ist in einem Ehrengrab auf dem Bamberger Friedhof bestattet, vor allem der Förderkreis zur Pflege des Erinnerns an Hans Wölfel hält sein Gedächtnis bis heute lebendig.

Claus Schenk Graf von Stauffenberg (1907 – 1944), trat Ende der Zwanzigerjahre des zwanzigsten Jahrhunderts dem Kavallerieregiment der 17er Reiter in Bamberg bei. Im Laufe der Zeit erkannte Stauffenberg, dass die neuen Machthaber nichts mit seinen Ideen eines wieder erstarkten Deutschlands zu tun hatten. Er entschloss sich zu einem Attentat auf Adolf Hitler, obwohl  nur ein kleiner Teil des Militärs bereit war, den persönlichen Fahneneid auf den Führer zu brechen. Das Vorhaben misslang. Stauffenberg wurde noch am selben Tag, an dem er die Bombe im Führerhauptquartier gezündet hatte, dem 20. Juli 1944, in Berlin hingerichtet.

Eine Ehrentafel im Durchgang des Brückenrathauses erinnert in Bamberg an die Symbolfigur des gescheiterten Hitlerattentates.

Weitere Informationen zum Denkmal und zur Arbeit der Willy-Aron-Gesellschaft finden sich im Internet unter www.willy-aron.de oder www.willy-aron-gesellschaft.de.

Ein Portrait Willy Arons findet sich auch im aktuellen Sammelband des Lassalle-Kreises: Manfred Blänkner, Axel Bernd Kunze (Hgg.): Rote Fahnen, Bunte Bänder. Korporierte Sozialdemokraten von Lassalle bis heute, Bonn 2016.

Literatur zum Weiterlesen:

Willy Aron

Monika Bieber, Axel Bernd Kunze: Gedenkreden zum 70. Todestag Willy Arons am 15. Mai 2003 (Arbeitspapiere der Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e. V.; 3/2006), o. O. (Bamberg) 2006.

Andreas Dornheim, Thomas Schindler: Wilhelm Aron (1907 – 1933). Jude, NS-Gegner, Sozialdemokrat und Verbindungsstudent (Schriftenreihe des Historischen Vereins Bamberg; 40), Bamberg/Lichtenfels 2007.

Georg Grosch: Willy Aron, in: Gerhard C. Krischker: Bambergs unbequeme Bürger, Bamberg 1987, S. 25 – 28 (Quellenanhang: 29 f.).

Axel Bernd Kunze, Hendrik Leuker: Aufruf zur Zivilcourage. Ein Themenabend am 8. Mai 2008 (Arbeitspapiere der Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e. V.; 7/2008), o. O. (Bamberg) 2008.

Hans Wölfel

Mechthildis Bocksch: Hans Wölfel – Leben und Erinnerung: Ein Bamberger im Widerstand gegen den Nationalsozialismus, Bamberg 2004.

Mechthildis Bocksch: Hans Wölfel (1902 bis 1944) – ein Bamberger im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Vortrag am 11. Juni 2008 auf Einladung der Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e. V. (Arbeitspapiere der Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e. V.; 10/2008), o. O. (Bamberg) 2008.

Claus Schenk Graf von Stauffenberg

Nikolai Czugunow-Schmitt, Christiane Dillig, Gerhard Förch, Helmut Müller, Alwin Reindl: Gedenkfeier für Claus Schenk Graf von Stauffenberg am 20. Juli 2008, Ehrentafel im Durchgang des Alten Rathauses Bamberg (Arbeitspapiere der Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e. V.; 12/2008), o. O. (Bamberg) 2008.

Nikolai Czugunow-Schmitt, Gerhard Förch, Helmut Müller, Otfried Sperl: Gedenkmesse im Hohen Dom zu Bamberg. Zum 100. Geburtstag von Oberst i. G. Schenk Graf von Stauffenberg – zugleich im Gedächtnis an die weiteren Bamberger Opfer des Widerstands aus dem Regiment der 17er Reiter sowie im Gedenken an den 105. Geburtstag von Rechtsanwalt Hans Wölfel und den 100. Geburtstag von Rechtsreferendar Willy Aron. 15. November 2007, 18.00 Uhr (Arbeitspapiere der Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg; 1/2008), o. O. (Bamberg) 2008.

Nikolai Czugunow-Schmitt, Helmut Müller, Gerhard Rammel, Peter Sauerbruch, Reinhard Zintl: Stauffenberg-Gedenkveranstaltung. 20. Juli 2007,  Bamberg, Ehrentafel im Durchgang des Alten Rathauses (Arbeitspapiere der Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg; 1/2007), o. O. (Bamberg) 2007.

 

Die Onlineausgaben der Arbeitspapiere der Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg sind auf den Internetseiten der Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e. V. abrufbar: www.willy-aron-gesellschaft.de.

Ein satirisches Feuerwerk wider den politisch korrekten pädagogischen Zeitgeist

Harald Martensteins Kolumnen in der Wochenzeitung „Die Zeit“ oder im Berliner „Tagesspiegel“ gehören für viele Lehrer zur wöchentlichen Pflichtlektüre … Pointiert und scharfzüngig spießt Martenstein dabei auch immer wieder bildungspolitische Themen auf. Der Kolumnist kämpft für eine Schule, die zur Freiheit im Denken und Handeln erzieht, die den Einzelnen fördert, aber auch fordert und nicht jeder Mode des pädagogischen Zeitgeistes hinterher läuft. Dabei scheut Martenstein den Konflikt nicht; so legte er sich vor noch nicht allzu langer Zeit mit den Vertretern der Genderwissenschaften an. Sein Roman „Schwarzes Gold aus Warnemünde“ aus dem Vorjahr erzählt vordergründig die fiktive Geschichte einer DDR, die durch Ölfunde plötzlich reich geworden ist und dadurch überlebt hat; in Wirklichkeit aber handelt es sich um eine bitterböse Abrechnung mit Entwicklungen unserer freiheitlichen Gesellschaft, die zunehmend an Halt und Freigeist verliert.

Wie nicht anders zu erwarten, war auch Martensteins Hauptvortrag auf dem bundesweiten Gymnasialtag des Deutschen Philologenverbandes, des Philologenverbandes Baden-Württemberg und des Verbandes Bildungsmedien Anfang März im Stuttgarter Haus der Wirtschaft ein satirisches Feuerwerk wider die politische Korrektheit in Schule und Lehrerbildung – sprachlich wie denkerisch ein Genuss. Wenn Bildungsforscher und Bildungsreformer von Bildung redeten, sei das mitunter so, als wenn Nordkorea mehr Meinungsfreiheit fordere – sprich: Viele Bildungsreformen liefen am Ende auf „weniger Bildung“ hinaus, nicht selten mit der Begründung, dies schaffe mehr soziale Gerechtigkeit und Gleichheit. Eine wundersame Vermehrung höherer Bildungsabschlüsse durch Niveauabsenkung im Abitur nütze am Ende weder dem Arbeitsmarkt noch dem Schüler. Der Kolumnist und Romanautor verteidigte das Sitzenbleiben und das gegliederte Schulsystem, verneinte das „Turboabitur“, das auf den minderjährigen Hochschulabsolventen zulaufe, beharrte darauf, dass Schule auch Leistung einfordern müsse, und er lobte die Lehrer: Dass er heute vom Schreiben leben könne und vieles mehr, habe er seinen Lehrern zu verdanken, und zwar sowohl denen, die er als Schüler geliebt, wie auch denen, die er gehasst habe. Schule dürfe sich, so Martensteins Plädoyer, nicht allzu einseitig an der Lebenswelt der Schüler orientieren: „Dann dürfte im Deutschunterricht des Gymnasiums nur noch das Buch ‚Die besten Flirt-Tipps für Jungs und Mädchen‘ gelesen werden.“ Schule sollte ihren Schülern vielmehr neue geistige Horizonte erschließen und sie über ihr momentanes Erleben hinausführen. Der langanhaltende Beifall zeigte, dass der Berliner Journalist dem Publikum aus der Seele gesprochen hatte.

Begleitet wurden die Vorträge und Workshops des Kongresses, zu dem ich als Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat des Deutschen Philologenverbandes eingeladen worden war, durch eine Bildungsmedienausstellung, auf der Verlage und andere Mediendienstleister ihre Neuheiten vorstellten. Beim Stehempfang in der Mittagspause gab es darüber hinaus zahlreiche Gelegenheiten, sich mit Kollegen und Verbandsvertretern über aktuelle bildungs- und schulpolitische Entwicklungen in Baden-Württemberg auszutauschen. So wurde beispielsweise darüber diskutiert, wie die Schule auf die aktuellen integrations- und damit verbundenen religionspolitischen Herausforderungen reagieren soll.

Neues berufsethisches Fortbildungsmodul

„Kindergarten Kunterbunt“ bietet mittags nur ein Schweinefleischgericht an, „Kindergarten Sonnenschein“ hingegen ein Gericht mit Putenfleisch und alternativ noch ein vegetarisches Gericht. – Engagiert diskutierten die Teilnehmerinnen der laufenden Fortbildung zur Nachqualifizierung Pädagogischer Fachkräfte nach Paragraph 7 Kindertagesbetreuungsgesetz an der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt über die beiden fiktiven Speisepläne. Schnell wurde deutlich: Hier geht es nicht nur um Fragen der Küchenorganisation. Hinter beiden Speiseplänen stecken Wertentscheidungen: Was ist einer Einrichtung wichtiger? Geht es in öffentlichen Kindergärten in erster Linie um Gleichheit oder um die Berücksichtigung unterschiedlicher Interessen? Und was fördert Integration besser?

Die Diskussion war Teil eines neuen Fortbildungsmoduls, das für die laufende Fortbildungsreihe unter der didaktischen Leitung von Herrn PD Dr. Kunze neu konzipiert und Ende Februar 2016 erstmals erprobt wurde. Herr Kunze ist habilitierter Bildungsethiker und stv. Schulleiter der Fachschule. Die Teilnehmer beschäftigten sich mit ethischen Konflikten im Berufsalltag und lernten einen Leitfaden kennen, mit dem sozialpädagogische Teams auch ohne größere ethische Fachkenntnisse eine ethische Fallbesprechung durchführen können. Schnell wurde klar, an wie vielen Stellen im Berufsalltag einer Kindertageseinrichtung ethische Konflikte auftreten können.

Berufsethische Fragen finden in der Sozialpädagogik zunehmend Beachtung. Die Evangelische Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt reagiert mit dem neu entwickelten Fortbildungsmodul auf diese Entwicklung und möchte dadurch zugleich das diakonische Profil ihrer Fortbildungsangebote schärfen.

Podiumsdiskussion zur Zukunft von Schule und Religion in Baden-Württemberg

„Wie viel Christentum braucht unser Land?“ – Unter dieser Frage stand die Tagung des Arbeitskreises der Religionslehrerverbände in Baden-Württemberg und des Landeselternbeirates Baden-Württemberg, die vom 11. bis 12. Februar 2016 im Tagungszentrum Hohenheim der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart stattfand. Die zentrale Podiumsdiskussion, in der es um die Zukunft von Schule und Religion in Baden-Württemberg ging, kann im Akademiekanal auf Youtube nachgehört werden:

www.youtube.com/watch?v=CO-NmLZXFBg

Auf dem Podium saßen:

  • Oberkirchenrat Werner Baur (Evangelische Landeskirche in Württemberg)
  • Leitender Pastor Steffen Beck (International Christian Fellowship in Karlsruhe, Vorsitzender der Evangelischen Allianz Karlsruhe)
  • Emina Corbo-Mesic (Lehrbeauftragte an der Pädaogischen Hochschule Ludwigsburg)
  • Privatdozent Dr. Axel Bernd Kunze (Privatdozent für Erziehungswissenschaft an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Christlicher Sozialethiker)
  • Dr. Carsten-Thomas Rees (Landeselternbeirat Baden-Württemberg)
  • Dr. Michael Schmidt-Salomon (Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung, freier Philosoph und Schriftsteller)
  • Kurt Wolfgang Schatz (Arbeitskreis der Religionslehrerverbände in Baden-Württemberg)
  • Ministerialrat Ernst Schüly (Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg)
  • Moderation: Dr. Stefan Meißner (Arbeitskreis der Religionslehrerverbände in Baden-Württemberg)

Wie viel Christentum braucht das Land?

„Wie viel Christentum braucht das Land?“ – Über diese Frage diskutierten evangelische und katholische Religionslehrer sowie Elternvertreter am 11. und 12. Februar 2016 im Tagungszentrum Hohenheim der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Eingeladen hatten der Arbeitskreis der Religionslehrerverbände in Baden-Württemberg sowie der Landeselternbeirat Baden-Württemberg.
Herr PD Dr. Kunze, stellvertretender Schulleiter unserer Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik, sprach zu Beginn der Tagung über aktuelle religionspolitische Herausforderungen im baden-württembergischen Bildungssystem. Anschließend stellte Herr Ernst Schüly, Ministerialrat im Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg, dar, wie der Umgang mit Religion in der baden-württembergischen Schule rechtlich, politisch und pädagogisch ausgestaltet ist.
Im folgenden Podiumsgespräch hob Oberkirchenrat Werner Baur, zuständig für Kirche und Bildung, die besondere Bedeutung des konfessionellen Religionsunterrichtes hervor: Wer als „konfessionelle“ Lehrkraft Religion unterrichte, „bekenne“ sich vor den Schülerinnen und Schülern zu einem ganz konkreten Sinnangebot und stehe dafür mit seiner Person ein. Dies sei für die religiöse Auseinandersetzung und Identitätsbildung der Heranwachsenden von ganz entscheidender Bedeutung.
Günter Veit, christlicher Unternehmer aus Landsberg am Lech, machte in seinem Vortrag deutlich, wie sehr Staat, Gesellschaft und Wirtschaft darauf angewiesen seien, dass christliche Werte aktiv gelebt werden.
Religiöse Erziehung in der Schule ist vielfältiger geworden. Hierfür braucht es veränderte pädagogische Konzepte. Im weiteren Verlauf der Tagung wurde nicht zuletzt über die Chancen und Grenzen des islamischen Religionsunterrichts in Baden-Württemberg diskutiert. Bevor die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagung ihre Vorstellungen zur „Zukunft von Schule und Religionsunterricht in Baden-Württemberg“ – so der Untertitel der Tagung – formulierten stellte Peter Schreiner, Leiter des evangelischen Comenius-Instituts in Münster, Erfahrungen aus anderen europäischen Ländern vor.
Die Beiträge der Tagung werden im Kanal der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart im Internetportal Youtube dokumentiert werden.