Jahresrückblick 2017

Nachdem auch die letzten Publikationsnachträge aus dem Vorjahr erschienen sind, ist der Jahresrückblick mit Veröffentlichungen, Vorträgen und Hinweisen zu meinen sonstigen pädagogischen und sozialethischen Tätigkeiten aus dem Jahr 2017 online. Sie finden diesen hier.

Für Anfragen oder Rückmeldungen stehe ich gern zur Verfügung. Ich freue mich, wenn Sie meine pädagogische und sozialethische Tätigkeit auch weiterhin interessiert begleiten.

Veranstaltungsbericht: Liberaler Bildungstag im Stuttgarter Landtag

Bildungsexperten aus Politik, Gesellschaft, Verbänden und Schulen diskutierten beim diesjährigen Liberalen Bildungstag im Stuttgarter Landtag über die Frage „Was tun, damit wir wieder spitze werden?“. Immer wieder wurde in den Vorträgen und Diskussionen betont, wie wichtig Wahlfreiheit und ein differenziertes Angebot im Bildungssystem seien. Wenn alle Kinder möglichst lange gemeinsam ein und dasselbe Angebot bekommen, bedeute das keinesfalls bessere Bildungschancen. Heranwachsende unterscheiden sich und brauchen daher differenzierte schulische Angebote – was gleich sei, sei das Recht eines jeden Kindes auf Bildung. Beifall gab es jedes Mal, wenn Referenten betonten, dass Leistung und Noten keinesfalls verteufelt werden dürften. Kinder und Jugendliche zu fordern, sei keine Kindesmisshandlung – sondern das Recht, über sich selbst hinauszuwachsen. Gerhard Brand, Landesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung, strich in seinem Statement die hohe Qualität der Erzieherausbildung in Baden-Württemberg heraus. Die Arbeit der Erzieherinnen und Erzieher sei ein wichtiger Garant für Bildungsqualität im Land, besonders wichtig sei nicht zuletzt eine gute Gestaltung des Übergangs vom Kindergarten in die Grundschule.

 

Engagement 4/2017

Internationalität Katholischer Schule – so der Titel des neuen Themenheftes 4/2017 der schulpädagogischen Zeitschrift ENGAGEMENT, das mit zeitlicher Verzögerung Mitte März 2018 erschienen ist. Im Rezensionsteil werden folgende Titel besprochen:

  • Arnold/Zierer: Die deutsche Didaktik-Tradition. Grundlagentexte zu den großen Modellen der Unterrichtsplanung (Rez.: Wilhelm Wittenbruch)
  • Thomas Söding: Das Christentum als Bildungsreligion. Der Impuls des Neuen Testaments (Rez.: Axel Bohemeyer)
  • Von Chossy/Bauer: Erziehen ohne Religion. Argumente und Anregungen für Eltern (Rez.: Matthias Bär)
  • Hilbert: Fromme Eltern – unfromme Kinder? Lebensgeschichten großer Zweifler (Rez.: Günther Klempnauer)
  • Brüning: Weltreligionen Klasse 1/2 (Rez.: Matthias Bär)
  • Haider Munske: Unsere Universität im Abstieg? Bologna, Bafög, Bachelor. Beobachtungen und Ratschläge (Rez.: Günter W. Zwanzig)
  • Diering/Timme: Sozialgesetzbuch X. Sozialverwaltungsverfahren und Sozialdatenschutz. Lehr- und Praxiskommentar (Rez.: Axel Bernd Kunze)
  • Gnisa: Das Ende der Gerechtigkeit. Ein Richter schlägt Alarm (Rez.: Axel Bernd Kunze)
  • Fesler: Lizzy Carbon und der Klub der Verlierer (Rez.: Astrid Frey)
  • Nicholls: Eine Insel für uns allein (Rez.: Anna Winkler-Benders)

Neuerscheinung: Erinnerung an Adolf Reichwein

Die Festrede zur feierlichen Zeugnisübergabe an die Berufspraktikantinnen und Berufspraktikanten, die Ende des Schuljahres 2016/17 an der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik ihre staatliche Anerkennung erhielten, erinnerte an den Kultuspolitiker, Reformpädagogen, Volkskundler und Widerstandskämpfer Adolf Reichwein. Reichwein entwickelte seine reformpädagogischen Ideen während der Zeit des Nationalsozialismus, er gilt als einer der Pioniere moderner Medienpädagogik. Am 20. Oktober 1944 wurde er in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Sein Geburtstag jährt sich in diesem Jahr zum zweihundertsten Mal. Sein pädagogisches Ethos hat auch für heutige Erzieherinnen und Erzieher nichts an Aktualität verloren, wie die Festrede deutlich machte.

Der Vortrag aus dem vergangenen Jahr ist nun in der schulpädagogischen Fachzeitschrift „Engagement“ veröffentlicht worden:

Axel Bernd Kunze, Vor hundertzwanzig Jahren geboren. Eine Erinnerung an den Reformpädagogen, Kultuspolitiker und Widerstandskämpfer Adolf Reichwein, in: Engagement 35 (2017), H. 4, S. 218 – 221.

Neuerscheinung: Lexikon der Schulsozialarbeit

„Als Standardwerk orientiert sich das Lexikon der Schulsozialarbeit an sozialen Problemen in der Schule und ihrem sozialräumlichen Umfeld. Rund 200 Autorinnen und Autoren aus Wissenschaft und Praxis der Schulsozialarbeit liefern in über 450 Stichworten eine sorgfältige Darstellung der Grundlagen und Rahmenbedingungen.

Das Lexikon

  • bündelt fachpraktische Hinweise, Erfahrungen und eine gezielte Auswahl von Best-practice-Beispielen,
  • trägt dem rasant wachsenden Bedeutungsgewinn der Schulsozialarbeit Rechnung,
  • leistet einen wichtigen Beitrag zur Professionalisierung des Berufsfeldes,
  • bietet mittels funktionaler Verbindungslinien und inhaltlicher Verknüpfungen eine hervorragende Orientierungs- und Entscheidungshilfe.“

Herbert Bassarak (Hg.): Lexikon der Schulsozialarbeit, Baden-Baden: Nomos 2018, 634 Seiten.

Bildungsethisch sind u. a. folgende Artikel interessant:

  • Axel Bernd Kunze: Berufsethik der Sozialen Arbeit (S. 64 ff.)
  • Ders.: Beteiligung – Beteiligungsgerechtigkeit (S. 73 f.)
  • Ders.: Bildung, Recht auf (S. 83 f.)
  • Ders.: Kurative Aufgaben der Schule (S. 315 f.)
  • Ders.: Menschenbild (S. 345 f.)
  • Ders.: Menschenrechtsbildung (S. 346 f.)

 

Vorankündigung: BILDUNG IN DER DEMOKRATIE

Axel Bernd Kunze: Bildung in der Demokratie. Warum pädagogischer Eigensinn und Freiheit unverzichtbar sind

(Reihe „Pädagogik in Europa in Geschichte und Zukuunft“, Band 13), Bonn: Verlag für Kultur und Wissenschaft 2018, ca. 170 Seiten.

 

Pädagogik ist nicht selbst politisch, aber politisch relevant – durch das, was sie im Einzelnen lenkt. Indem Bildung zur Freiheit im Denken, Reden und Handeln befähigt, ist sie für Demokratie unverzichtbar. Umgekehrt wird sich nur ein demokratisch verfasster Staat politisch mündige Bürger wünschen und auch ertragen können.

Pädagogischer Widerspruch ist dort notwendig, wo Bildungspolitik die Bürger glauben machen will, sie wüsste schon im Voraus besser, wofür diese ihre Freiheit einsetzen sollten. Die Zukunft liegt nicht fertig vor uns, sondern muss erst noch entworfen werden – unter Herausforderungen, die wir heute noch nicht überblicken können. Den hierfür notwendigen Mut zur Freiheit wird nur eine Pädagogik wecken können, die sich ihren pädagogischen Eigensinn nicht rauben lässt und ihre eigene pädagogische Freiheit nicht unter Wert verkauft.

Ausgehend von einem solchen Bildungsverständnis, beleuchtet der Band aus pädagogischer und bildungsethischer Perspektive aktuelle Bildungsaufgaben, vor denen unser Gemeinwesen steht: von einer Erziehung zur Toleranz über gesellschaftliche Integration und Inklusion bis zum Umgang mit religiöser Vielfalt.

Der Verfasser ist promovierter Sozialethiker und habilitierter Erziehungswissenschaftler. Er leitet eine Fachschule für Sozialpädagogik und lehrt als Privatdozent am Bonner Zentrum für Lehrerbildung. Daneben ist er in München und Heilbronn als Lehrbeauftragter für (berufs-)ethische Fragen in der Sozialen Arbeit tätig.

Der Band erscheint voraussichtlch im ersten Halbjahr 2018. Vorbestellungen gern unter: Kunze-Bamberg@t-online.de

„Nicht die Politik ist unser Schicksal, sondern die Wirtschaft“ – ein Grußwort

„Nicht die Politik ist unser Schicksal, sondern die Wirtschaft.“ Diese Einschätzung stammt aus dem Munde des Industriellen, Politikers und Schriftstellers Walther Rathenau. Wenn ich mir die Irrungen und Wirrungen der Bildungspolitik der letzten Jahre und die Auflagen der Schulaufsicht so anschaue, bin ich mir nicht immer sicher, ob dieses Zitat heute noch stimmt. Dass die Wirtschaft uns als Schule nicht zum Schicksal geworden ist, lag aber in den Händen des Kaufmännischen Vorstands. Und dafür gilt es heute Dank zu sagen.

Als Norddeutscher, den es zufällig nach Schwaben verschlagen hat, wollte ich etwas von Wilhelm Busch bringen, bin aber nicht so richtig fündig geworden. Daher sage ich es Berlinerisch -mit Heinrich Zille:

„Wie herrlich ist es, nichts zu tun und dann vom Nichtstun auszuruhn.“ Nun haben wir schon gehört, dass das nicht ganz so einfach werden wird, da es vom Stiftungsvorsitz in ein mittelständisches Familienunternehmen geht, wo schon eine Menge neuer Arbeit wartet. Für dann Fall aber, dass es dann doch einmal gilt, vom Nichtstun auszuruhn, haben wir uns etwas gedacht, das ein wenig dabei helfen will …

(Grußwort am 30. Januar 2018 bei der Verabschiedung des Kaufmännischen Vorstands des Schulträgers)

Rezension: Warum Glaube und Bildung zusammengehören …

Soll der Einzelne im Glauben mündig sein und die Heilige Schrift lesen können, bedarf er der Bildung. An verschiedenen Stellen seiner Schriften ruft Luther daher die weltliche Obrigkeit dazu auf, sich um die Bildung der Kinder und Jugendlichen zu kümmern: „Das Kind als solches stellt er in seiner Individualität und Würde als Adressat von Bildung und Erziehung in den Mittelpunkt. Dazu gehört auch, für Mädchen eine umfassendere Allgemeinbildung zu fordern“ – so der Kirchenhistoriker Stephan Mokry (S. 101) im Bändchen „Die Reformation – ein Bildungsgeschehen?“. Die Publikation ist im Rahmen des Projekts „2017: Neu hinsehen! Ein katholischer Blick auf Luther“ entstanden und somit eine Frucht des zu Ende gegangenen Jubiläumsjahres der Reformation. Diese war auch eine Bildungsbewegung und hat – nach den Klosterschulen des Mittelalters – der Bürgerschule zum Durchbruch verholfen, und dies nicht allein aus einem Interesse an gut ausgebildeten kirchlichen Amtsträgern heraus. Mokry zeigt auf, wie die Grunderkenntnis der Rechtfertigung allein aus Glauben zum Impuls für einen modernen Bildungsbegriff wurde: In seiner Ratsherrenschrift plädiert Luther dafür, „junge Menschen so zu erziehen, dass sie ihre Talente entdecken und rein theoretisch nun frei die weitere Entfaltung ihrer Persönlichkeit verfolgen können“ (S. 102). Nicht mehr der Stand, in den jemand hineingeboren wird, sondern die „durch gute Bildung und Erziehung freigelegten, von Gott geschenkten Grundanlagen“ (S. 102) sollen den Lebensweg bestimmen.

Tobias Licht, Stephan Mokry (Hgg.): Die Reformation – ein Bildungsgeschehen? Historische Einordnung und ökumenische Ausblicke, Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt; Paderborn: Bonifatius 2017, 125 Seiten.

Neuerscheinung: Herausforderndes Verhalten von Kindern

Verschiedene Fachschulen und Kindertageseinrichtungen – darunter auch die Evangelische Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt – waren im Rahmen des Transferverbundes Kindheitspädagogik unter Leitung der Evangelischen Hochschule Freiburg (Prof. Dr. Klaus Fröhlich-Gildhoff) am Forschungsprojekt „Herausforderndes Verhalten von Kindern“ (HeVeKi) beteiligt gewesen. Ziel des Projektes war es, ein Curriculum für die Weiterbildung Pädagogischer Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen zu erarbeiten und unterrichtspraktisch zu erproben. Inzwischen liegen die Projektergebnisse in gedruckter Form vor:

Klaus Fröhlich-Gildhoff, Maike Rönnau-Böse und Claudia Tinius: Herausforderndes Verhalten von Kindern professionell bewältigen. Ein Curriculum für die Weiterbildung pädagogischer Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen (Materialien zur Frühpädagogik; 20), o. O. (Freiburg i. Brsg.) 2017.

Schlaglicht: Individualität schreibt …

Tilman Allert bricht anlässlich des Internationalen Tages der Handschrift im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen vom 23. Januar 2018 die Lanze für ein bedrohtes Kulturgut. Brauchen wir im Zeitalter von Computer und Tastaturen, von Smartphone und SMS noch das Schreiben mit der Hand? Wäre es nicht besser, die Schüler würden ihre Zeit auf Wichtigeres verwenden als Schwungübungen und Schönschrift? Nicht wenige wissenschaftliche Stimmen empfehlen dies. Und tatsächlich befindet sich das Einüben der Handschrift in den Grundschulen schon seit Längerem auf dem Rückzug. Und wer in höheren Klassen unterrichtet, merkt, dass es Schülern zunehmend schwer fällt, Tafelbilder in Schreibschrift nachzuvollziehen. Kulturgüter, die nicht mehr gelehrt und gepflegt werden, sterben aus.

„Bedenken second“, hieß es im Wahlkampf gegenüber der Digitalisierung. Der Sozialpsychologe Allert lässt sich von diesem Trend der Debatte nicht einschüchtern und hält dagegen: „Das eigene Schreiben spiegelt dem Schreiber ein komplexes Erleben. Es erschließt den Sinn der Welt in eigener Fasson.“ Auch wenn kein Erwachsener mehr so schreibt, wie er es einst in der Grundschule gelernt hat, geht mit dem Aussterben der Handschrift mehr verloren, als eine beliebig austauschbare Technik, sich anderen mitzuteilen.

Die Handschrift bleibt ein unverwechselbarer Teil der eigenen Persönlichkeit. Was selbst geschrieben wurde, prägt sich besser ein. Aber mehr noch: Wer Heranwachsenden die Möglichkeit des individuellen Ausdrucks nimmt, verkauf ihre Individualität unter Wert, der reduziert den Menschen auf ein austauschbares Element im digitalen Netzwerk. Wer übt, mit der Hand zu schreiben, lernt, „Ich“ zu sagen. Noch einmal Allert: „Das eigene Selbst graphologisch ausweisen zu können lässt die ungeheure Kraft einer Geste erahnen, sich mit Geschriebenem Gehör zu verschaffen. Man ist mithin, selbst wenn man abwesend ist, anwesend.“ Was aber, wenn dies gar nicht mehr gewollt ist!? Wer Individualität und Kreativität, freien Geist und schöpferische Produktivität will, sollte die Handschrift fördern – diese Bedenken sollten wir uns leisten, sonst wären wir schnell bei einer Gesellschaft, die über Konvention und Plagiat nicht mehr hinauskommt.