Immer stärker greift ein soziales Freiheitsverständnis Raum, das die Grundregel einer freiheitlichen Gesellschaft auf den Kopf zu stellen droht: Erlaubt ist nicht mehr alles, was nicht verboten ist, sondern vielmehr wird Freiheit zugeteilt. Interessant ist, dass heute in der WELT vom 17. Juli 2025 Plagiatsjäger Stefan Weber in einem Gastkommentar einen Zusammenhang zwischen den „Plagiatsvorwürfen“ gegen Frauke Brosius-Gersdorf und ihrer freiheitsfeindlichen Haltung in der Impffrage herstellt. Ich lasse jetzt mal außen vor, ob die Plagiatsvorwürfe entkräftet sind oder Herr Weber zu recht an seinem Vorwurf festhält – das ist eine andere Debatte. Ich lasse auch außen vor, ob die Plagiatsjäger immer lautere Motive haben. Stefan Weber schreibt in seinem Gastkommentar, dass die vorerst gescheiterte Richterkandidatin nicht nur eine freie Impfentscheidung angesichts unzureichend getesteter neuer Impfverfahren für rechtmäßig hielt, sondern auch noch forderte, dass ungeimpft Erkrankte eine finanzielle Strafe für ihr sozialfeindliches Verhalten zahlen sollten. Lassen wir mal außen vor, ob eine Erkrankung in diesem Fall wirklich durch Impfverweigerung wahrscheinlicher wird – hieran müssen Zweifel erlaubt sein. Am Ende jedenfalls schreibt Weber in seinem Kommentar: „Wichtiger ist, dass sich in den Schriften von Brosius-Gersdorf ein Menschenbild offenbart, das zumindest mir das Blut in den Adern gefrieren lässt.“ Weniger pathetisch ausgedrückt: Auch die Wissenschaft hätte guten Grund, ihre Ethik zu reflektieren und ihre Verfehlungen in der Coronazeit aufzuarbeiten. Aber auch das wird nicht passieren, so lange Kempen, Drosten und Co. als ehrenwerte Preisträger für Wissenschaftsfreiheitspreise und Hochschullehrerehrungen gelten. Wissenschaft ohne Ethik verkommt zur bloßen Technik. Wissenschaft ohne saubere Methodik verkommt zur Moralisierung. Wissenschaft braucht beides. Ich möchte mir meine Freiheit nicht nach Gutdünken und Zeitgeist zuteilen lassen – weder von Wissenschaftlern noch von Politikern.
Kommentar
Zwischenruf: Es geht nicht allein um Corona, sondern um unser Freiheitsverständnis
Die geplante Enquetekommission des Deutschen Bundestages zur Aufarbeitung der Coronapolitik wird an der einen oder anderen Stelle feststellen, dass Maßnahmen falsch waren, aber in der Gesamtbetrachtung wird man die Coronapolitik angesichts der „großen Herausforderungen“ durchwinken und erklären, man müsse daraus Schlüsse für künftige Großereignisse ableiten – die dann wieder in derselben Spur bleiben. Einen Willen zu echter Aufarbeitung und Aussöhnung ist nicht zu erkennen, wenn ja sich die Vorabstatements ansieht. Weder politisch noch gesellschaftlich. Dafür sitzen weiterhin die Verantwortlichen an den Schalthebeln der Macht. Dafür dürfen sich sich akademische Verfechter der Coronapolitik wie Herr Kempen, Herr Drosten oder die BioNTechgründer sich weiterhin ihrer Positivpreise für Wissenschaftsfreiheit oder ihrer Hochschullehrerpreise erfreuen.
Und damit sind wir bei einem weiteren Grund, warum die durch die Coronapolitik verursachte gesellschaftliche Spaltung weiter andauert: Wir brauchen eine Diskussion über unser Freiheitsverständnis. Die freiheitsfeindlichen Entscheidungen in der Coronapolitik sind die Spitze eines Eisbergs, der aus einem sozialen Freiheitsverständnis besteht. Die Freiheit wird politisch, wissenschaftlich und gesellschaftlich zunehmend sozial und institutionell gebunden umgedeutet. Nicht mehr die Integrität des Einzelnen steht im Vordergrund. Das Individuum wird zur Verfügungsmasse von Funktionären und Institutionen. Freiheit ist nicht mehr ursprünglich mit der Menschenwürde gegeben, sondern wird zugeteilt. Freiheit genießt, wer sich wohlverhält und anpasst. Freiheit wird zur Passgenauigkeit zwischen Individuum und Sozialstruktur, eine Widerständigkeit des Subjekts ist nicht mehr vorgesehen. Akademisch ist eine solche Umdeutung des Freiheitsverständnisses und der damit zusammenhängenden Grundrechte schon seit mehr als zwei Jahrzehnten zu beobachten. Mittlerweile hat es sich in den Parteien durchgesetzt.
Und die einzige Partei, die noch dagegen aufbegehrt, soll am besten verboten werden. Bleibt am Ende noch die Frage, wer eine solche Enquetekommission leiten und wer ihr angehören soll. Seien wir uns sicher: Man wird schon von vornherein dafür sorgen, dass die Kommission in der Spur des immer enger werdenden, noch zugelassenen Meinungskorridors der vermeintlich gesellschaftlichen Mitte bleiben wird.
Neuerscheinung: Gastkommentar zum Kirchenasyl
Der ehemalige SPD-Staatssekretär im Bundesjustizministerium, Christian Lange, ist wegen der Praxis des Kirchenasyls aus der evangelischen Kirche ausgetreten. Den Anstoß gaben Äußerungen des Flüchtlingsbeauftragten der Evangelischen Kirche in Deutschlans, Bischof Christian Stäblein, vom Juni dieses Jahres. Der Sozialethiker und Erziehungswissenschaftler nimmt in einem Gastkommentar für die katholische Wochenzeitung „Die Tagespost“ dazu Stellung:
Axel Bernd Kunze: Kirchenasyl: keine höhere Moral. Für Verantwortungs- statt Gesinnungsethik, in: Die Tagespost, 78. Jahrgang, Nr. 28 vom 10. Juli 2025, S. 8.
Leserbrief: „Keine Politik mit dem Evangelium“
Unter der Überschrift „Keine Politik mit dem Evangelium“ hat der Verbund der nord-, ost- und mitteldeutschen Kirchenzeitungen einen Leserbrief zum Kommentar Ulrich Waschkis mit dem Titel „Die Kirche Jesu ist politisch“ übernommen:
„Die Kirche Jesu ist politisch“, meint Ulrich Waschki (KirchenZeitung. Katholisches Magazin für das Bistum Hildesheim, 10/2025). Ja, der Glaube ist politisch relevant. Aber aus dem Evangelium lassen sich nicht einfach parteipolitische Forderungen ableiten. Doch genau dies machen die beiden Großkirchen in Deutschland immer offensiver und verspielen dadurch Vertrauen und Glaubwürdigkeit. Einzelne parteipolitische Forderungen werden als vermeintlich alternativlos gut dargestelt; wer anders denkt, wird ausgegrenzt. Moralisierung und Polarisierung des innerkirchlichen Diskurses sind die Folge, und dann auch leere Kirchenbänke. Die Kirche hat gerade keine Foren der parteipolitischen Programmbildung. Aus gutem Grund. Die Kirche ist dem Evangelium verpflichtet, nicht einem bestimmten politischen Programm. Wie Christen ihren Glauben und ihre Form der Nachfolge auch politisch verantwortlich leben, kennt vielfältige Formen. Und das ist auch gut so. Denn über die Frage, wie das Gemeinwohl ganz konkret am besten umgesetzt werden kann, müssen auch Christen untereinander streiten können; wenn es sein muss, auch sehr kontrovers.
Axel Bernd Kunze: Keine Politik mit dem Evangelium, in: aus.sicht. Aus Kirche und Gesellschaft – Verlagsgruppe Bistumspresse GmbH [Tag des Herrn. Zeitschrift für die ostdeutschen Bistümer; neue KirchenZeitung. Katholisches Magazin für das Erzbistum Hamburg; Kirchenbote. Katholisches Magazin für das Bistum Osnabrück; Der Sonntag. Katholisches Magazin für das Bistum Limburg; Glaube und Leben; Bonifatiusbote. Katholisches Magazin für das Bistum Fulda; KirchenZeitung. Katholisches Magazin für das Bistum Hildesheim] (2025), H. 12 v. 8. Juni 2025, S. 9 (Leserbrief).
Zwischenruf: Pervertierte Selbstbestimmung
Es war damit zu rechnen … – in einem Land, das sich immer mehr von einem individuellen Freiheitsverständnis verabschiedet. In der neuen Legislaturperiode soll wiederum versucht werden, eine Widerspruchslösung bei der Organspende durchzusetzen:
https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/organspende-antrag-bundestag-102.html
Mit einer Wiedervorlage dieses Themas war auch unter einer unionsgeführten Bundesregierung zu rechnen. Auch die C-Parteien haben sich schon lange von einem christlichen Personalismus abgewandt. Der Einzelne wird kollektiviert, bis in den innersten Kernbereich seiner leiblichen Integrität – und perverserweise nennt man das dann auch noch Selbstbestimmung. Aber eine selbstbestimmte Entscheidung, bei der das Ziel der Entscheidung politisch schon determiniert ist, ist eine Perversion von Selbstbestimmung.
Weiteres zum Thema:
Neuerscheinung: Politisch relevant, nicht parteipolitisch
Das „Christliche Forum“ übernimmt Beitrag aus „Bildungsethik“:
Zwischenruf: Politisch, nicht parteipolitisch
„Die Kirche Jesu ist politisch“, meint Ulrich Waschki (KirchenZeitung. Katholisches Magazin für das Bistum Hildesheim, 10/2025). Ja, der Glaube ist politisch relevant. Aber aus dem Evangelium lassen sich nicht einfach parteipolitische Forderungen ableiten. Doch genau dies machen die beiden Großkirchen in Deutschland immer offensiver und verspielen dadurch Vertrauen und Glaubwürdigkeit. Einzelne parteipolitische Forderungen werden als vermeintlich alternativlos gut dargestelt; wer anders denkt, wird ausgegrenzt. Moralisierung und Polarisierung des innerkirchlichen Diskurses sind die Folge, und dann auch leere Kirchenbänke. Die Kirche hat gerade keine Foren der parteipolitischen Programmbildung. Aus gutem Grund. Die Kirche ist dem Evangelium verpflichtet, nicht einem bestimmten politischen Programm. Wie Christen ihren Glauben und ihre Form der Nachfolge auch politisch verantwortlich leben, kennt vielfältige Formen. Und das ist auch gut so. Denn über die Frage, wie das Gemeinwohl ganz konkret am besten umgesetzt werden kann, müssen auch Christen untereinander streiten können; wenn es sein muss, auch sehr kontrovers.
Zwischenruf: Was ist vom neuen Pontifikat zu erwarten?
Habemus Papam! Wie sich das neue Pontifikat entwickeln wird, ist mehr als ungewiss. Es kann ein langes werden, da Leo XIV. noch jung ist. Ich wage dennoch eine Prognose. Das erste Bild auf der Segensloggia – der Papst in Sommermozetta und klassischer Stola mit den vier Evangelisten und dem klassischen Friedensgruß – deutet auf eine stärkere Orientierung an der Tradition hin. Gehen wir mal von Leo XIII. aus.
Leo XIII., der Arbeiterpapst – der mit der katholischen Soziallehre ganz bewusst eine Antwort auf aktuelle Herausfordeurngen auf Basis der kirchlich-theologischen Tradition gesucht hat, Aktualisierung der scholastisch-mittelalterlichen Ausagen für die Gegenwart. Man kann dies „restaurativ“ nennen, ich würde es anders sagen: lebendige Tradition unter den aktuellen Herausforderungen zum Sprechen bringen.
Leo XIII. als theologischer Denker – kein Dogmenpapst, aber ein Weltmeister der Enzykliken, Förderung naturwissenchaftlicher und theologischer Forschung, Gründung katholischer Universitäten (gerade in den USA), Aufruf zum Bibelstudium.
Leo XIII. als Marien- und Herz-Jesu-Verehrer – vielleicht ist der erste Besuch des neuen Papstes bei der Mutter vom Guten Rat nach seiner Wahl eine erste Parallele.
Leo XIII. als Diplomat – klar in der Sache, aber diplomatisch im Auftreten. An der Notwendigkeit einer weltlichen Herrschaft des Papstes hat er unverrückbar festgehalten. Beim Kulturkampf war diese MIschung nicht erfolgreich, aber durchaus in anderen Ländern. Einerseits hat er Katholisken in Italien parlamentarische Mitwirkungen verboten, in Frankreich den Katholiken aber offene Hand bei ihrer Einschätzung der Dritten Republik gelassen.
Wenn Leo XIV. sich in diese Line stellt, könnte das heißen: ein Pontifikat, das sich wieder deutlicher an der Tradition orientiert, diese aber mit aktuellen Herausforderungen kompatibel macht. Mehr Berechenbarkeit und mehr theologische Stringenz. Mehr Diplomatie und mehr Gespür dafür, dass politische Aussagen des Papstes auch theologisch abgesichert sein müssen. In diesem Sinne: zunächst ein Vorschuss an Sympathie für das neue Pontifikat.
Gastbeitrag: Wissenschaftsfreiheit unter staatlichem Druck
Leserbrief vom April 2025 an die Redaktion der Zeitschrift „Forschung&Lehre“ (hrsg. im Auftrag des Präsidiums des Deutschen Hochschulverbandes) zu Heft 4 mit dem Schwerpunktthema „Freiheit unter Druck“ (der Leserbrief wurde nicht veröffentlicht):
Wissenschaftsfreiheit unter staatlichem Druck
Heft 4/25 ist dem Schwerpunktthema „Freiheit unter Druck“ gewidmet. Freiheit bedeutet das Ausbleiben staatlicher Übergriffe und, in schwerwiegenden Fällen, staatlichen Schutz gegen private Übergriffe. Insofern hätte es nahe gelegen, die immer größeren Repressionen zu thematisieren, denen kritische Wissenschaftler durch Behörden und Aktivisten ausgesetzt sind. Aktuelles Beispiel ist die Diffamierungskampagne gegen die Historiker Benjamin Hasselhorn und Peter Hoeres. Das Netzwerk Wissenschaftsfreiheit, das sich nicht ohne Grund 2021 als Verein mit inzwischen über 700 Mitgliedern gegründet hat und dessen Vorstand Hoeres angehört, sieht sich bemüßigt, der Leitung der Universität Würzburg in einer Pressemitteilung vorzuwerfen, in diesem Fall „jede Fairness in verfahrensrechtlicher Hinsicht vermissen“ zu lassen. Weitere Beispiele für sich kritisch exponierende Hochschullehrer, die es mit Diffamierungen, amtlichen „Distanzierungen“, Disziplinar- und Strafverfahren, Hausdurchsuchungen oder Kündigungen zu tun bekamen, sind Sucharit Bhakdi, Ulrike Guérot, Stefan Hockertz, Stefan Homburg, Ulrike Kämmerer, Christof Kuhbandner, Michael Meyen, Andreas Sönnichsen und Martin Wagener – jeweils offiziell aus anderen Gründen, aber doch mit erkennbarem Muster (s. auch Egner/Uhlenwinkel, Ordnung der Wissenschaft 2021, 173 ff.). Ende März hat der aufgelöste Bundestag quasi „über Nacht“ das Schlagwort der „Klimaneutralität“ und damit eine allgemein verbreitete, aber keineswegs unumstrittene Wissenschaftsmeinung im Grundgesetz (Art. 143h) verankert. Es ist die Durchsetzung des Prinzips der Alternativlosigkeit in seiner extremsten Form.
Der einzige Beitrag im Themenheft, der die Wissenschaftsfreiheit ernsthaft adressiert, stammt vom Philosophen Gosepath. Während der Corona-Pandemie hätten die einen die politische Interpretation wissenschaftlicher Fragestellungen und Ergebnisse „als längst fällige Übernahme von Verantwortung“ gesehen, die anderen sie aber „als Einschränkung der Wissenschaftsfreiheit und als zunehmenden Bekenntniszwang“ wahrgenommen. Immerhin eine Andeutung, aber das war es dann auch.
Die übrigen drei Autoren, der Politikwissenschaftler und DHV-Vizepräsident Korte, der Jurist Gädertz und die Medienwissenschaftlerin Elmer schreiben von der Gefährdung der geltenden Ordnung durch vorgebliche „Feinde“ der Freiheit und Demokratie, namentlich die politische Opposition und Desinformanten. Der „Kampf gegen Desinformation“, prominent etabliert durch den Digital Service Act (DSA) der EU, ist ein Code für die Beschränkung (bisher noch) erlaubter Äußerungen. Obwohl die künftigen Koalitionäre aus CDU und SPD ihn gemäß dem durchgestochenen Sondierungspapier „entschiedener denn je“ führen wollen, ist der daraus resultierende „Druck“ auf die Freiheit, auch diejenige der Wissenschaft, im „Schwerpunkt“ des Hefts 4/25 kein Thema. Diejenigen, die noch die vergangenen Themenschwerpunkte „Verantwortung“ (Heft 4/2024) und „Wissenschaft und Politik“ (Heft 5/2023) als vertane Chancen in Erinnerung haben, sehen sich in ihrer Einschätzung des Hochschulverbandes und seiner Zeitschrift als herrschaftsnahe Institutionen bestätigt.
Professor Dr. jur. Günter Reiner, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg
Wir danken Herrn Kollegen Günter Reiner für die freundliche Genehmigung zum Wiederabdruck. Erstveröffentlichung auf der Internetseite des Autors: https://gunterreiner.de/reiner_leserbriefe.htm
Zwischenruf: Sozialethische Bilanz zum Ende eines Pontifikats
Johanna Rahner zieht im Interview (Katholisches Sonntagsblatt, 18/2025, S. 31) eine Bilanz des zu Ende gegangenen Pontifikats. Bleibende Früchte erkennt die Tübinger Theologin in einer Wiederentdeckung der katholischen Soziallehre und des politischen Engagements der Kirche. Offen lässt Rahner, warum überhaupt von einer Wiederentdeckung zu sprechen ist. Gerade der Vorgänger, Papst Benedikt XVI., hat mit seiner tiefgehenden Sozialenzyklika „Caritas in veritate“ einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der Soziallehre geleistet, indem er Liebe als unverzichtbaren, motivierenden, der Humanität dienenden Ermöglichungsgrund für Gerechtigkeit herausgestrichen hat. Papst Franziskus hingegen hat vertieftes sozialethisches Nachdenken vielfach durch politischen Aktivismus oder Moralisierung eretzt; hierzu zählte auch der von Rahner erwähnte Besuch auf Lampedusa. Papst Franziskus hat der starken Tradition katholischen Staatsdenkens dadurch viel an Kraft genommen, etwa in der Migrationsethik. Wo die Sicherung der staatlichen Fundamente kleingeredet wird, setzen über kurz oder lang Verteilungskämpfe ein. Kirche leistet dann einen wichtigen Beitrag politischer Diakonie, wenn sie den linken Zeitgeist nicht einfach verstärkt, sondern die eigenen Orientierungswerte überzeugend, wohlbegründet und theologisch-philosophisch fundiert in aktuelle Debatten einbringt.