Nachruf: Studentenhistoriker Prof. Harald Lönnecker verstorben

Nach kurzer, schwerer Krankheit ist der in Deutschland wohl bekannteste Studentenhistoriker, Professor Dr. Dr. habil. Harald Lönnecker, Professor an der Universität Chemnitz und Leiter des Archives der Deutschen Burschenschaft, verstorben. Ein Nachruf findet sich auf den Seiten des Arbeitskreises der Studentenhistoriker.

Der frühe Tod des Kollegen und Farbenbruders hinterlässt innerhalb der deutschsprachigen Studentengeschichte eine große Lücke. Wir gedenken seiner in Anerkennung und Dankbarkeit. Das Mitgefühl gilt seiner Familie.

R. I. P.

Neuerscheinung: Welchem Leitbild folgt eine Hochschule?

„Forschung & Lehre“, die Zeitschrift des Deutschen Hochschulverbandes, veröffentlicht in ihrer aktuellen Ausgabe 7/2022 eine von Klaus Morawetz besorgte Kurzfassung des Diskussionspapiers „Welchem Leitbild folgt eine Hochschule?“. Hintergrund ist die Forderung der Hochschulrektorenkonferenz nach einer fortdauernden FFP2-Maskenpflicht an Hochschulen. Die Langfassung ist einzusehen auf den Internetseiten der Autorengruppe und Wissenschaftlerinitiative „7 Argumente“:

Netzwerk Wissenschaftsfreiheit äußert sich besorgt über Lage an den Berliner Hochschulen

Eine Universitätsleitung sagt den wissenschaftlichen Vortrag einer jungen Wissenschaftlerin ab, weil deren Thesen angeblich dem Leitbild der Hochschule widersprechen. Im Hintergrund steht ein Offener Brief von Wissenschaftlern, welche die Berichterstattung der öffentlich-rechtilchen Medien zu Transgenderthemen kritisieren und der im Juni schon für reichlich Wirbel gesorgt hat. Der geschilderte Fall ist nicht der einzige, bei dem eine Berliner Hochschulleitung gegen Unterzeichner vorgeht. Das Pikante an der Absage des Vortrags geht allerdings über den konkreten Anlass hinaus: Die Universitätsleitung schützt Sicherheitsbedenken vor, man wolle die „Lange Nacht der Wissenschaft nicht gefährden“, und wirft der Wissenschaftlerin vor, gegen das Leitbild der Universität zu verstoßen – mit anderen Worten: Kollektive Beschlüsse werden über das individuelle Grundrecht auf Wissenschaftsfreiheit gestellt. Das Netzwerk Wissenschaftsfreiheit hat mit einer Pressemitteilung vom 3. Juli 2022 zu den Berliner Vorgängen Stellung genommen:

Netzwerk Wissenschaftsfreiheit zur Lage an den Berliner Hochschulen

Pressemitteilung, 3. Juli 2022

Mit großer Besorgnis müssen wir feststellen, dass die Wissenschaftsfreiheit an den Berliner Hochschulen und Universitäten immer häufiger missachtet wird. So werden Vorträge wie der von Marie-Luise Vollbrecht wegen angeblicher Transfeindlichkeit abgesagt, wobei der Vorwurf durch nichts gerechtfertigt ist; dies unter dem Vorwand von Sicherheitsbedenken, wodurch man Grundrechte in das Belieben von Gewalttätern stellt. Professoren werden durch Universitätsleitungen angegriffen, indem man versucht, ihnen Erklärungen unter ihrer Affiliation, welche allgemein üblich sind, zu verbieten. Gremien wie die Asten versuchen offen, Wissenschaftler aufgrund ihrer Auffassungen zu vertreiben und ihre Karriere zu beenden. Andere Wissenschaftler werden regelmäßig bedroht und beleidigt. Zahlreiche Fälle dieser Art sind in unserer Dokumentation aufgeführt und belegt. Diese Tendenzen stellen die Wissenschaftsfreiheit an Berliner Hochschulen und Universitäten nicht nur im Einzelfall, sondern grundsätzlich in Frage. Wir fordern die Senatsverwaltung auf, ihrer grundrechtlichen Schutzpflicht zugunsten der Wissenschaftsfreiheit nachzukommen und derartige Vorfälle künftig zu unterbinden.

Quelle: www.netzwerk-wissenschaftsfreiheit.de

Rezension: Bildung und Religion

Zum Band „Bildung und Religion. Die geistigen Grundlagen des Kulturstaates“ ist die erste Rezension erschienen. Der Historiker, Publizist und Journalist Sebastian Sigler bespricht den Band auf den Internetseiten des Arbeitskreises der Studentenhistoriker – unter dem Titel: Grundlagen, die wir zwingend brauchen:

http://studentenhistoriker.eu/?p=4430

Zwischenruf: Wie steht es um das freie Gespräch im Deutschen Hochschulverband?

Ein Gastbeitrag von Jan Dochhorn

Der Deutsche Hochschulverband (DHV) hat Christian Drosten als den Hochschullehrer des Jahres 2021 augezeichnet. Kritik daran haben zahlreiche Mitglieder des DHV formuliert, die einen entsprechenden Leserbrief an das DHV-Mitgliedermagazin »Forschung und Lehre« geschickt haben. Der Leserbrtief wurde nicht abgedruckt. Abgedruckt wurde immerhin ein Leserbrief von Axel Bernd Kunze, der dieses Thema neben anderem erwähnte (in: Forschung & Lehre, 29. Jg., Heft 6/2022, S. 468). Die betreffenden Passagen wurden von der Redaktion gestrichen mit der Begründung, die Zeitschrift werde auch von Externen gelesen und es würden daher Bezüge zum DHV gestrichen. Es sieht so aus, als bevorzuge der DHV Zuschriften von begeisterten Mitgliedern (Danksagungen an den Vorstand, Einmütigkeit in allen Diskurslagen). Hoffen wir, daß der DHV sich zu mehr innerverbandlicher Pluralität aufrafft. Wissenschaft ist nicht Wissenschaft, wenn sie nicht offener Diskurs ist. Der DHV hat sich entschlossen, einen politiknahen Wissenschaftler auszuzeichnen. Das war ein kontroversieller Akt, und in einem offenen System (in gelingender Wissenschaft als einer Teilpraxis von offener Gesellschaft) muß man dann auch die Kontroverse aushalten. Tut man es nicht, versündigt man sich gegen den Geist der Wissenschaft. Ich ahne, wie schwierig solche Kontroversen durchzuhalten sind für einen Verband, der auch die gemeinsamen Standesinteressen zu vertreten hat, aber das kann man, wenn man geistige Spannkraft hat. Und vor allem: Eine unser wichtigsten Standesinteressen ist nun einmal das unverbrüchliche Recht auf freien Diskurs – auch und gerade in der Auseinandersetzung mit anderen Wissenschaftlern.

Diskussionsbeitrag: Welchem Leitbild folgt eine Hochschule?

Ein Diskussionsbeitrag von Wissenschaftlern setzt sich mit der Forderung der Hochschulrektorenkonferenz auseinander, die Maskenpflicht an Hochschulen fortzuführen. Dabei geht es zugleich um mehr: um das Verständnis, was Hochschulen sind und was sie auszeichnen sollte – kurz: Welchem Leitbild folgt eine Hochschule?

Netzwerk Wissenschaftsfreiheit: Offener Brief an den Queerbeauftragten der Bundesregierung

Am 14. Juni 2022 hat das Netzwerk Wissenschaftsfreiheit e. V. mit einem Offenen Brief an den Queerbeauftragten der Bundesregierung auf dessen Gastbeitrag in der WELT vom 7. Juni reagiert. Sven Lehmann, MdB, hatte die Kritik an der medialen Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Medien zur Transgenderthemen als „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ kritisiert. Das Netzwerk nimmt nun die betroffenen Kollegen vor diffamierenden Übergriffen durch einen Vertreter der Bundesregierung in Schutz und verlangt Aufklärung über die Haltung der Bundesregierung zum Grundrecht auf Wissenschaftsfreiheit. Wie das jüngste Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zum verfassungswidrigen Verhalten der ehemaligen Bundeskanzlerin bei der Wahl eines F.D.P.-Ministerpräsidenten in Thüringen gezeigt hat, ist es wichtig, dass die Bürger Flagge zeigen und beim Schutz der Verfassung aktiv werden.

Der Offene Brief ist über die Internetseiten des Netzwerkes Wissenschaftsfreiheit einsehbar:

Klicke, um auf Offener-Brief-an-Sven-Lehmann.pdf zuzugreifen