Zwischenruf: 50 Jahre Index Theologicus

Der Index Theologicus der Universitätsbibliothek Tübingen, der fünfzig Jahre alt geworden ist, bleibt eine wichtige Datenbank zur Recherche theologischer Fachliteratur. Doch das Instrument ist durch Politisierung schwer beschädigt worden. Wenn die Münsteraner Sozialethikerin Marianne Heimbach-Steins dieses im Festakt als einen „Leuchtturm international vernetzter, solidarischer Wissenschaft“ (Katholisches Sonntagsblatt 8/2026, S. 7) würdigte, bleiben deutliche Fragen. Unter ihrem Vorsitz hat die sozialethische Fachgesellschaft im deutschsprachigen Raum zum Boykott der „Neuen Ordnung“ durch Bibliotheken aufgerufen. Die Auswertung im Index Theologicus wurde darauf hin beendet, obwohl über sechzig Wissenschaftler in einem Offenen Brief die renommierte Fachzeitschrift als unverzichtbar für die sozialethische Disziplin verteidigt hatten. Solidarität unter Wissenschaftlern sollte anders aussehen. Der Vorgang beschäftigte auch den Petitionsausschuss im Landtag, wurde vom Netzwerk Wissenschaftsfreiheit als Fall deutcher „Cancel Culture“ eingestuft und im internationalen Wissenschaftsportal Academia als Form von akademischer Zensur verurteilt. Bibliotheken müssen die Bandbreite einer Disziplin unvoreingenommen abbilden und dürfen missliebige Meinungen nicht unsichtbar machen. Dies widerspicht auch zentralen bibliotheksethischen Kodizes.

Zum Weiterlesen:

Axel Bernd Kunze: Erklärung oder Boykottaufruf? Zur Rolle von Fachgesellschaften am Beispiel des Streits um die Neue Ordnung, in: Klaus Buchenau/Matthias Fechner (Hgg.): Die Verlorene Wissenschaft. Versuch einer Katharsis nach Corona (Klartext. Schriften zu Politik und Gesellschaft; 2), Stuttgart: ibidem 2024, S. 289 – 307.

Rezension: Zwischen Revolution und Rekonstitution

2024 hat der bekannte Studentenhistoriker Bernhard Grün, Autor der „Fuxenstunde“, den ersten Band seines „Opus magnum“ zur Geschichte der NS-Kameradschaften unter Ägide der Gemeinschaft für Deutsche Studentengeschichte vorgelegt. Die ersten beiden Teilbände sind jetzt im Jahrbuch „Preußenland“ besprochen worden:

Axel Bernd Kunze (Rez.): „Bernhard Grün: Zwischen Revolution und Rekonstitution. Die Kameradschaften des NSD-Studentenbundes und Altherrenschaften im NS-Altherrenbund an den deutschen Hoch- und höhren Fachschulen 1937 bis 1945 (Schriften des Instituts für Deutsche Studentengeschichte; 4), Teilband 4/I: Bereich Berlin, Teilband 4/II: Bereich Ostland, Marl: Gemeinschaft für Deutsche Studentengeschichte 2024, in: Preußenland Jahrbuch 16 (2025), S. 421 – 423.

Neuerscheinung: Zweites Alemannenjahrbuch erschienen

Der zweite Band des Jahrbuches der Leipziger Burschenschaft Alemannia zu Bamberg für dsa Studienjahr 2024/2025 ist erschienen. Dieses wird herausgegeben vom Verband Alter Herren der Leipziger Burschenschaft Alemannia zu Bamberg e. V. und dokumentiert das Verbindungsleben eines Studienjahres. Der neue Band enthält …

… Beiträge zum Stiftungsfest 2024: Die Thüringer Residenzenlandschaft in der Debatte um Weltkultur – Ein Kulturerbe des edlen Wettbewerbs in der Mitte Europa (Stiftungsfestrede von Prof. Dr. Helmut-Eberhard Paulus); Pressemitteilung und Grußwort des Verbands Alter Herren zur Segnung und Einweihung des sanierten Alemannenhauses (von PD Dr. Axel Bernd Kunze); Rückblick auf das 163. Stiftungsfest der B! Alemannia Leipzig (von Prof. Dr. Gunnar Auth).

… Vorträge der Wissenschaftlichen Abende: Der Begriff „Unterrichtsinhalt“ – Eine musikpädagogische Terminologie auf dem Prüfstand (von Dr. Marcus Werber); Krone oder Katastrophe der Schöpfung? Warum Gott am Menschen festhält (von Domvikar Gerd Richard Neumeier).

… Beiträge aus der Alemannengeschichte: Brief der Alemannia an den Wingolf Halle – Ein Archivfund aus dem Jahr 1862 (von Prof. Dr. Gunnar Auth).

… Nachrufe: auf Kurt-Helge Paulus und Dr. Klaus Natzschka.

… Berichte aus dem Alemannenleben: Festrede und Bericht über das dreißigjährige Jubiläum des Cartells Christlicher Burschenschften (von PD Dr. Axel Bernd Kunze); Neujahrsansprache des Altherrenvorsitzenden (von Diplomwirtschaftsinformatiker Alexander Meier); Semesterericht der Aktivitas; Alemannenwanderwochenende (von Martin Albrecht); Rückblick auf den Neujahrsempfang (von Dr. Konstantin Hopf); Aktivenvorstellungen.

Neuerscheinung: Situation, Kompromiss, Gewissen – und rote Linien

Druckfrisch erschienen:

Axel Bernd Kunze: Situation, Kompromiss, Gewissen – und rote Linien. Sozialethische Überlegungen zur Bedeutung von Gewissensfragen im Vorfeld politischer Entscheidungen, in: Henrieke Stahl (Hg.): Die Aktualisierung des Gewissens: Einsichten und Lehren aus der Coronazeit (Philosophie interdisziplinär; Bd. 59), Regensburg: S. Roderer 2026, S. 367 – 386.

Der Band dokumentiert eine interdisziplinäre Tagung, die vom 15. bis 17. Dezember 2022 an der Universität Trier stattgefunden hat.

Gliederung des Bandes:

Traumata der Coronazeit

Gewissen in der Literatur

Zur Herkunft des Gewissens

Gewissen und Widerstand

Gewissen in der Gesellschaft



Studentengeschichte: SB-Archiv umgezogen

Das Archiv des Schwarzburgbundes (SB) ist vom Bundesarchiv Koblenz in das Institut für Deutsche Studentengeschichte (IDS) im Stadtarchiv Paderborn umgezogen. Das SB-Archiv ist nicht der erste Fall, bei dem ein Korporationsverband aufgrund einer veränderten Archivpolitik des Bundes seine Bestände aus Koblenz abgezogen hat.

Aus der neuen Ausgabe von „Neues aus dem Institut“ (IDS), Nr. 19, IV/2025, S. 6:

„Am 5. Dezember 2025 besuchte Prof. Dr. Dr. Helge Kleifeld, Leiter des Stadtarchivs Mönchengladbach und Archivar des Schwarzburgbundes, das Institut. Das Archiv des Schwarzburgbundes befindet sich seit dem Sommer im IDS (wir berichteten ausführlich). Dabei wurden seitens des SB die Erschließungsdaten für die drei Bestände in Form von drei Word-Dateien an Wilhelm Grabe, den Leiter des Stadt- und Kreisarchivs Paderborn, übergeben. Sie werden in die Archivdatenbank (Augias) überführt.“

Zwischenruf: Kulturauftrag des Staates

Unseren Verfassungsstaat prägt – neben Rechtsstaatsgarantie und Sozialstaatsgebot – auch eine genuin kulturverfassungsrechtliche Verantwortung. Unter Kultur können dabei alle strukturierenden Ausdrucksformen des Menschen verstanden werden, die ihm helfen, seine Lebenswelt zu gestalten und verstehbar zu machen.

Der Kulturauftrag des Staates, der sich im föderalen Staatsaufbau von der kommunalen bis zur bundesstaatlichen Ebene erstreckt, ergibt sich aus den geschützten Freiheitsrechten der Einzelnen, etwa aus dem Recht auf Bildung, dem Recht auf Wissenschaftsfreiheit, dem Zensurverbot oder der Kunstfreiheit, wobei die individuellen Grundrechte umgekehrt den staatlichen Auftrag begrenzend strukturieren. Im Wesentlichen umfasst der kulturstaatliche Auftrag die Sorge um Schule und Bildung, Hochschule und Wissenschaft, Kunst und Sprachpflege, Kulturpflege und Sicherung des kulturellen Gedächtnisses. Zu nennen sind hier etwa die Sorge um Museen, Denkmalschutz, der Schutz nationalen Kulturgutes vor Veräußerung ins Ausland, die Auslandskulturpflege oder das Archivwesen.

Die Ausübung der kulturellen Freiheitsrechte bedarf keiner Begründung; ihre Beschränkung durch den Staat hingegen steht unter hohem Rechtfertigungszwang. Es geht umfassend um Freiheitsrechte des Einzelnen, der sich als wissenschaftlich und kulturell produktives Subjekt entwirft. Die Wissenschaftsfreiheit schützt daher keinesfalls allein institutionell betriebene Formen von Wissenschaft. Entscheidend ist die ernsthafte und planmäßige Suche nach Wahrheit, die von staatlicher Einflussnahme frei bleiben soll.

Dem Bildungs-, Wissenschafts- und Kulturbereich fällt eine wichtige Funktion im Rahmen kultureller und sozialer Identitätsbildung zu. Wissenschaft trägt zur Reproduktion und Innovation von Kultur bei. Aus der Wissenschaftsfreiheit erwachsen dem Staat bestimmte Schutz- und Leistungspflichten. Gleichzeitig wird dieses Individualgrundrecht aber nur dann umfänglich gesichert sein, wenn der Staat sich eine Distanz gegenüber der wissenschaftlichen Wahrheitssuche auferlegt. Werden individuelle Freiheit und gesellschaftliche Verantwortung im Bereich von Wissenschaft und Kultur zunehmend vom Staat dominiert oder sogar ausgeschaltet, so werden auf Dauer jene geistig-moralischen Ressourcen beschädigt, die der Staat nicht selbst hervorbringen kann, auf die er aber um seines eigenen Bestands, seiner Vitalität und Stabilität willen aber auch nicht verzichten kann. Die Leistungsfähigkeit unseres Gemeinwesens würde als Ganzes Schaden nehmen.

Wilhelm von Humboldt hat das Grundprinzip moderner Staatlichkeit in seiner Ideenschrift „Über die Grenzen der Wirksamkeit des Staates“ von 1792 auf eine Weise formuliert, die bis heute nicht übertroffen wurde: Größere Wirksamkeit und eine höhere Produktivität werde der Staat – so Humboldt – gerade dann erlangen, wenn seine einzelnen Glieder in der Lage sind, mannigfaltig miteinander zu handeln und zu kommunizieren, wenn das freie Spiel der kulturellen Kräfte nicht unterbunden und wenn die Freiheit der Bürger nicht vom Staat absorbiert wird. Denn überall dort, wo es darum gehe, geistig-sittliche Zwecke zu setzen, könne nur die Tätigkeit des Menschen selbst in diesem Sinne produktiv genannt werden.

Wer wissenschaftlich tätig ist, muss seine Rolle selbst auf Sinn hin auslegen, die Inhalte seiner Disziplin selbst durchdrungen und auf ihre Geltung hin befragt haben, sich die Fragen, Ziele und Methoden seiner Wahrheitssuche selber setzen und seine Ergebnisse ohne äußeren Zwang ausformulieren können. Die akademische Freiheit ist grundrechtlich geschützt, und zwar ausdrücklich in Form einer Autonomie des einzelnen Wissenschaftlers, nicht als Autonomie der Leitungsebene, der Institution oder anderer staatlicher Entscheidungsträger.

Neuerscheinung: Studenten-Kurier 4/2025

Kurz vor Weihnachten ist die neue Ausgabe 4/2025 des Studenten-Kuriers erschienen, herausgegeben von der Gemeinschaft für Deutsche Studentengeschichte. Als Mitglied im Beirat der Gesellschaft weise ich gern darauf hin. Die Zeitschrift für Studentengeschichte, Hochschule und Korporationen – so der Untertitel – setzt im neuesten Heft die beliebte Serie „Der studentische Baedeker“ fort: mit einem Blick auf Europas Norden. Weitere Themen sind u. a. der seinerzeitige Bundestagsausschuss zur „Spiegel“-Affäre oder die Heidelberger Studentenjagd.