Rezension: Unterwegs zum Geheimnis

Axel Bernd Kunze, Bildungs- und Sozialethiker an der Universität Bonn, rezensiert in der aktuellen, deutlich verspätet erschienenen Ausgabe 2/2023 (S. 154 f.) von „engagement. Zeitschrift für Erziehung und Schule“ das neue Handbuch der Liturgiepädagogik:

Michael Langer, Andreas Redtenbacher, Clauß Peter Sajak (Hgg.): Unterwegs zum Geheimnis. Handbuch der Liturgiepädagogik, Freiburg i. Brsg.: Herder 2022, 347 Seiten.

„Die Artikel sind kurz und prägnant gehalten. Das lädt dazu ein, den Band immer wieder zur Hand zu nehmen und sich immer wieder neu in das Thema einzulesen. Vielleicht könnte es auch sinnvoll sein, einzelne Themen als Impuls am Beginn einer religionspädagogischen Fachkonferenz anzusprechen.“

Neuerscheinung: Notwendige moralische Gemeinschaft

Die Erklärung der deutschen Bischöfe „Völkischer Nationalismus und Christentum sind unvereinbar“ ist wegen ihrer expliziten Festlegung, die AfD sei „nicht wählbar“, breit rezipiert worden. Die Bischöfe schreiben auch, es sei unchristlich und völkisch, das „Volk“ als „Ethnos“ zu denken. Doch ist das so? Widerspricht es der katholischen Lehre, sich unter „Volk“ eine Gemeinschaft ethnisch oder kulturell Ähnlicher vorzustellen? Ja, schreibt Peter Schallenberg. Nein, schreibt Axel Bernd Kunze.

Lesen Sie das Pro und Kontra in der Onlineausgabe der „Tagespost“:

https://www.die-tagespost.de/leben/aus-aller-welt/das-volk-als-ethnos-ist-das-unchristlich-art-251063

Rundfunkbeitrag: Glaube und Bildung

Aus dem LEHRERZIMMER im Kontrafunk:

https://kontrafunk.radio/de/sendung-nachhoeren/lebenswelten/lehrerzimmer/lehrerzimmer-gute-lehrer-bildungsnachrichten-bildung-und-glaube#id-article

„Unterrichten gleicht heute einer Sisyphusarbeit, meint der Lehrer und Lehrerausbilder an der Universität Augsburg Thomas Gottfried. Im Gespräch mit Camilla Hildebrandt erklärt er, wie den aktuellen Herausforderungen dennoch erfolgreich begegnet werden kann. Christina Rüdiger hat das Neueste aus Schule und Bildung zusammengestellt. Welche Rolle der christliche Glaube in der bundesdeutschen Bildungslandschaft spielt und welche Bedeutung er in der Bildung eines säkularen Staats einnimmt, bespricht Klaus Rüdiger mit dem Sozial- und Bildungsethiker Axel Bernd Kunze.“

Zwischenruf: Kulturstaatlicher Schutzauftrag oder staatlicher Übergriff?

Yvonne Dorf kritisiert in Forschung & Lehre 5/2024, der Zeitschrift des Deutschen Hochschulverbandes, staatliche Vorgaben, die sog. Gendersprache ausschließen, als übergriffig. Und sie empfiehlt den Gegnern des sprachlichen Genderns mehr Gelassenheit. Nein, ein Zwang hierzu bestehe nicht. Das ist reichlich naiv, die Realität sieht gerade in den Geistes- und Sozialwissenschaften mittlerweile faktisch anders aus. Wissenschaftler, die sich weigern, ihre Aufsätze zu gendern, finden immer weniger Publikationsmöglichkeiten. Zu Recht sieht das Netzwerk Wissenschaftsfreiheit darin eine Form von „Cancel Culture“. Anlässlich der Rechtschreibreform der 1990er Jahre hatte das Bundesverfassungsgericht von einer „grundrechtlich verbürgten Kommunikationsmöglichkeit“ gesprochen, die „im gesamten Sprachraum ein hohes Maß an Einheitlichkeit“ voraussetze. Unsere Sprache ist ein zentrales Identitätsmerkmal der Kulturnation. Das Gendern politisiert und emotionalisiert den Sprachgebrauch, beeinträchtigt die Verständlichkeit, führt zu fehlerhaften oder unklaren Konstruktionen und zerstört sprachliche Differenzierungsfähigkeit. Der öffentliche Raum, zu dem auch Universitäten gehören, darf nicht einseitig durch radikalkonstruktivistische Theorien besetzt werden. Hier besitzt der Kulturstaat einen Schutzauftrag, auch gegenüber dem Einzelnen, der sich regelwidrige Gendersprache nicht aufzwingen lassen will. Wenn sich Universitäten, wie in Frankfurt geschehen, über diesen stellen, sollten sie sich konsequenterweise privat und nicht über Steuermittel finanzieren.

Neuerscheinung: Erklärung oder Boykottaufruf?

Druckfrisch ist am 1. Mai 2024 ein Beitrag erschienen, der aus wissenschafts- und bibliotheksethischer Sicht den Boykottaufruf der AG Christliche Sozialethik gegen die sozialethische Fachzeitschrift „Die Neue Ordnung“, der auch den baden-württembergischen Landtag beschäftigte, aufarbeitet:

Axel Bernd Kunze: Erklärung oder Boykottaufruf? Zur Rolle von Fachgesellschaften am Beispiel des Streits um die Neue Ordnung,

in: Klaus Buchenau, Matthias Fechner (Hgg.): Verlorene Wissenschaft? Versuch einer Katharsis nach Corona, Stuttgart 2024, S. 289 – 307.

Das Netzwerk Wissenschaftsfreiheit führt den damaligen Boykottaufruf in seiner Onlinefallsammlung als einen Fall deutscher „Cancel Culture“ auf. Der Beitrag verdeutlicht zugleich, welche problematische Rolle Fachgesellschaften bei der Einschränkung von Wissenschaftsfreiheit einnehmen können.

Presseschau: Beitrag über „Cancel Culture“ in der Pädagogik in F.A.Z. zitiert

Eine Autorengruppe aus den pädagogischen Mitgliedern im Herausgeberbeirat des neuen Jahrbuches Wissenschaftsfreiheit hat in einer Zeitschriftenanalyse Folgen einer „Cancel Culture“ in der eigenen Disziplin untersucht:

Bernd Ahrbeck, Marion Felder, Axel Bernd Kunze und Tobias Reichardt:
Worüber wird in der Pädagogik publiziert? Welche Themen bleiben ausgespart? Eine Auswertung von vier Fachzeitschriften,
in: Jahrbuch Wissenschaftsfreiheit 1 (2024), S. 11 – 36.

Der Beitrag ist online verfügbar:

https://elibrary.duncker-humblot.com/article/73966/woruber-wird-in-der-padagogik-publiziert-welche-themen-bleiben-ausgespart

Der Beitrag wird auf der Seite „Bildungswelten“ in der F.A.Z. zitiert:

Bernd Ahrbeck: Selbstzensur bedroht die Wissenschaft. Nicht der Staat, sondern Universitäten und Forscher schränken die Freiheit ein, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 97/2024 v. 25. April 2024, S. 6.

Netzwerk Wissenschaftsfreiheit: „Cancel Culture“ bei AMOSinternational

Die internationale sozialethische Fachzeitschrift AMOSintenational zwingt ihre Autoren ausnahmslos zur Verwendung regelwidriger Sonderzeichen sog. Gendersprache. Autoren, die sich diesem Zwang widersetzen, werden von der Redaktion ausgeschlossen. Das Netzwerk Wissenschaftsfreiheit wertet dieses Vorgehen als Eingriff in die Wissenschaftsfreiheit der betroffenen Autoren und eine Form von „Cancel Culture“. Der Fall wurde in die Onlinedokumentation des Netzwerkes Wissenschaftsfreiheit aufgenommen:

https://www.netzwerk-wissenschaftsfreiheit.de/dokumentation

Allerdings ist die Darstellung, der Fall sei durch „mündliche Kommunikation“ dokumentiert fehlerhaft. Der Vorgang ist durch E-Mail-Kommunikation mit Herausgebern und Redaktion belegt.

Die Zeitschrift wird herausgegeben von Prälat Dr. Peter Klasvogt (Sozialinstitut Kommende, Dortmund), Prof. Dr. Christian Spieß (Katholische Privat-Universität Linz/Österreich), Jun.-Prof. Dr. Jonas Hagedorn (Ruhr-Universität Bochum) und Prof. Dr. Peter Schallenberg (Katholische Sozialwissenschaftliche Zentralstelle, Mönchengladbach) und erscheint im Münsteraner Aschendorff-Verlag. Die wissenschaftliche Fachzeitschrift ist –  neben dem „Jahrbuch für Christliche Sozialwissenschaften“ – die einzige, die innerhalb der deutschsprachigen katholischen Sozialethik in Printform erscheint und maßgeblich durch die zentrale Fachgesellschaft, die Arbeitsgemeinschaft Christliche Sozialethik, getragen wird. Der Zeitschrift fällt damit eine zentrale Rolle zu, wenn Autoren innerhalb ihres Faches publizieren und wahrgenommen werden wollen.