Neuerscheinung: Kritik am Kompetenztaumel

Ende Oktober 2016 erscheint ein neuer Band, der im Umkreis der Gesellschaft für Bildung und Wissen entstanden ist:
Hans Peter Klein: Vom Streifenhörnchen zum Nadelstreifen. Das deutsche Bildungswesen im Kompetenztaumel, Springe a. D.: zu Klampen 2016.

Deutschlands Schüler werden immer schlauer. Jahr für Jahr steigt die Abiturientenquote und die Anzahl der Absolventen mit Bestnoten. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht absehbar. Wirscheinen uns in einer Phase der beschleunigten Evolution von Intelligenz zu befinden. Wie konnte es dazu kommen? Der Bildungsforscher Hans Peter Klein hat über Jahre die Anforderungen für das Abitur in verschiedenen Bundesländern unter die Lupe genommen. Ein Versuch, den er in diesem Rahmen durchführte, sorgte landesweit für Schlagzeilen: Den Schülern einer neunten Klasse legte er die Abituraufgaben im Fach Biologie vor, und die scheiterten nicht, sondern konnten sie erfolgreich lösen. Sie mussten lediglich die in einem Text enthaltenen Informationen richtig wiedergeben. Wenn nur noch »Kompetenzen«, keine auf selbständigem Denken basierenden Erkenntnisse eingefordert werden, können schulische Leistungen zwar scheinbar exponentiell steigen, aber um den Preis, dass die Schüler nur noch für ihr späteres Berufsleben zugerichtet werden. Hans Peter Klein stellt die Absurditäten der Bildungsreformen seit PISA und Bologna bloß und beschreibt Szenarien, die sich zuweilen wie Satire lesen, jedoch bittere Realität sind – mit einschneidenden Konsequenzen für den Bildungs-, Wissenschafts- und Wirtschaftstandort Deutschland.

Hans Peter Klein unterrichtete viele Jahre als Gymnasiallehrer und wurde 2001 auf den Lehrstuhl für Didaktik der Biowissenschaften an der Goethe Universität Frankfurt am Main berufen. Er ist Präsident der Gesellschaft für Didaktik der Biowissenschaften, Mitbegründer der Gesellschaft für Bildung und Wissen und Mitglied der Bildungskommission der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Ärzte. 2011/2012 war er als Gastprofessor am College of New Jersey in den USA tätig.
(aus der Verlagsinformation)

Rezension: Religion bildet

Das Göttinger Courant-Forschungszentrum „Bildung und Religion von der frühen römischen Kaiserzeit bis zur klassischen Epoche des Islam: Religiöse Traditionen, Intellektuelle Diskurse und Praktisches Wissen“ hat seine Forschungsergebnisse in vierundzwanzig Miniaturen nun einer breiteren Öffentlichkeit vorgelegt. Eine Rezension des Abschlussbandes findet sich in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Christ in der Gegenwart“:

Axel Bernd Kunze (Rez.): Religion bildet [Rezension zu: Reinhard Feldmeier, Monika Winet (Hgg.): Gottesgedanken. Erkenntnis, Eschatologie und Ethik in Religion der Spätantike und des frühen Mittelalters, Tübingen: Mohr Siebeck 2016, 221 Seiten], in: Christ in der Gegenwart 68 (2016), H. 44, S. 488.

Neuerscheinung: Festschrift zu Ehren von Elmar Wortmann

Eckehardt Knöpfel und Carsten Püttmann haben anlässlich des 65. Geburtstages eine Festschrift zu Ehren von Elmar Wortmann, Vorsitzender des Verbands der Pädagogiklehrer (VdP) herausgegeben. Geehrt werden die Verdienste des Jubilars um einen bildungstheoretisch fundierten, wissenschaftspropädeutischen Pädagogikunterricht.

Diesem Thema widmet sich insbesondere der Beitrag von Axel Bernd Kunze mit dem Titel:

Wissenschaftspropädeutik im Pädagogikunterricht. Eine Standortbestimmung in veränderter akademischer Landschaft mit begründender Absicht (S. 59 – 76).

Die Festschrift besteht aus drei Hauptteilen:

  1. Zur Dialektik von Bildungstheorie und Fachdidaktik
  2. Zur Dialektik von schulischer und universitärer Realität
  3. Zur Dialektik von Lehrplänen und Unterrichtsrealität

Ferner enthält der Band eine Bibliographie Elmar Wortmann sowie einen „sehr persönlichen Epilog“ aus der Feder Theo Güldenbergs.

Eckehardt Knöpfel, Carsten Püttmann (Hgg.): Bildungstheorie und Schulwirklichkeit. Arbeiten zur Theorie und Praxis pädagogischer Bildung im allgemein- und berufsbildenden Schulwesen (Didactica nova; 25), Festschrift für Elmar Wortmann, Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren 2016, 408 Seiten.

Neuerscheinung: Gebet – ein Thema für die Pädagogik?

Gebet – ein Thema für die Pädagogik?

… mit dieser Frage beschäftigt sich ein Beitrag von Axel Bernd Kunze im neuen Handbuch Gebet, das in diesem Herbst im Verlag Herder erschienen ist:

Matthias Arnold, Philipp Thull (Hgg.): Theologie und Spiritualität des Betens. Handbuch Gebet, Freiburg i. Brsg.: Herder 2016, S. 306 – 316.

Neuerscheinung: Werkausgabe der pädagogischen Schriften Adolf Reichweins

Aus Anlass der Fertigstellung der fünfbändigen kommentierten Werkausgabe der pädagogischen Schriften Adolf Reichweins (1898 bis 1944) laden die Herausgeber, die Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung des Deutschen Instituts für internationale pädagogische Forschung (DIPF) und der Adolf-Reichwein-Verein, in Kooperation mit dem Museum Europäischer Kulturen und der Gedenkstätte Deutscher Widerstand am 7. November 2016 zu einer Präsentation der Edition ein.

Genauere Hinweise zur Veranstaltung sind auf den Seiten des DIPF zu finden:

http://bbf.dipf.de/aktuelles/tagungen/praesentation-reichweinedition

Die Anmeldung ist unter folgender Adresse möglich:

http://bbf.dipf.de/aktuelles/tagungen/anmeldung-praesentation-reichweinedition/

Eine Biographie des Pädagogen, Volkskundlers, Kulturpolitikers und Widerstandskämpfers Reichwein findet sich auf den Seiten des Lassalle-Kreises:

http://lassalle-kreis.de/content/adolf-reichwein

Neuerscheinung: Beitrag aus PROFIL – Zur Diskussion, 07/08-2016 online

Wenn das Akademische verloren geht …

Professoren, die lieber Lehrer sein möchten, und Studenten, die lieber Schüler bleiben wollen …

Der Beitrag aus dem Magazin des Deutschen Philologenverbandes, PROFIL,  ist auf den Internetseiten der Gesellschaft für Bildung und Wissen jetzt auch online zu lesen.

Heft 7/8-2016 – Zur Diskussion:

http://bildung-wissen.eu/wp-content/uploads/2016/06/7_8_2016_Kunze.pdf

Grundlagen und Aufgaben theologischer Bildungsethik

„Bildungsgerechtigkeit in religionspädagogischer Perspektive“ lautete der Titel einer internationalen religionspädagogischen Expertentagung, die im Herbst 2014 in der Katholischen Akademie Schwerte stattfand. In diesen Tagen ist innerhalb der Reihe „Religionspädagogik innovativ“ die Tagungsdokumentation erschienen. Monika Bobbert (Universität Münster) und Axel Bernd Kunze (Universität Bonn) vertreten in diesem Band die Perspektive der theologischen Sozialethik:

 

Axel Bernd Kunze: Bildung und Nachfolge – Zu den Aufgaben einer christlichen Bildungsethik,

in: Bernhard Grümme, Thomas Schlag (Hgg.): Gerechter Religionsunterricht. Religionspädagogische, pädagogische und sozialethische Orientierungen (Religionspädagogik innovativ; 11), Stuttgart: Kohlhammer 2016, S. 245 – 259.

 

Zusammenfassende Thesen des Beitrags:

Bildung gehört zu den fundamentalen Dimensionen des Menschseins, ohne welche das in der Menschenwürde sich ausdrückende Vermögen zum Vernunft-, Freiheits- und Sprachgebrauch nicht zur Entfaltung kommen könnte und ist daher als eigenständiges Menschenrecht geschützt.

Als säkulares Recht bleiben die Menschenrechte auf ein sie stützendes Ethos angewiesen, das außerhalb ihrer selbst liegt; Aufgabe theologischer Ethik ist es, sich um eine eigenständige Begründung der Menschenrechte zu mühen.

Christliche Nachfolge bedeutet nicht, das Vorbild Jesu einfach nachzuahmen, sondern bei der sittlichen Urteilsbildung an seiner Person Maß zu nehmen und sein Beispiel in einem eigenständigen Lebensentwurf zu realisieren; dies setzt Bildung, verstanden als Befähigung zur Selbstbestimmung, unabdingbar voraus.

Christliche Bildungsethik fragt, welche pädagogischen Handlungen die Anerkennung menschlicher Freiheit zum Ausdruck bringen können und wie diese bildungspolitisch sowie institutionell abgesichert werden können.

Zugleich muss theologische Ethik fragen, wie die Liebe zur Gerechtigkeit als bleibendes Fundament und notwendiges Korrektiv jeder Gerechtigkeit geweckt werden kann.

Weiterführende Arbeitsfragen am Schluss des Beitrags:

Wie sollten Religionspädagogik und Katechese gestaltet sein, wenn ein auf Freiheit fußendes, umfassendes Verständnis christlicher Nachfolge ernstgenommen werden soll?

Wie kann die Bestimmung des Einzelnen zur Freiheit (religions-)pädagogisch gefördert werden?

Was können die Kirchen als wichtige Bildungsträger dazu beitragen, dass ein Recht auf Bildung gesichert ist und zunehmend voller verwirklicht wird?

Welchen Beitrag kann religiöse Bildung dabei leisten, jenes Ethos zu sichern, auf das die Menschenrechte um ihrer Wirksamkeit willen angewiesen bleiben und das rechtlich allein nicht garantiert werden kann?

Welche Folgerungen ergeben sich aus Perspektive einer christlichen Bildungsethik für die Gestaltung eines Bildungssystems, das der Freiheit des Einzelnen gerecht wird und seine Selbstbestimmung fördert?

Frühkindliche Bildung und Neurowissenschaften

Neuer Artikel im Onlinehandbuch zur Kindergartenpädagogik:

Axel Bernd Kunze: Wie lernen Kinder? Frühkindliche Bildung im Licht neuropsychologischer Forschung, in:

Martin R. Textor (Hg.): Das Kita-Handbuch (Würzburg, 4. August 2016),

http://www.kindergartenpaedagogik.de/2364.html

Inhaltsübersicht:

  1. Wie lernen Kinder?
  2. Wie sollten Lernprozesse gestaltet sein?
  3. Was macht Kinder widerstandsfähig?
  4. Wie kann die Widerstandsfähigkeit in Kindertageseinrichtungen gefördert werden?

PROFIL-Titelgeschichte: Wenn das Akademische verloren geht …

Der Beitrag Wenn das Akademische verloren geht … Professoren, die lieber Lehrer sein möchten, und Studenten, die lieber Schüler bleiben wollen …, erstmals erschienen in den Burschenschaftlichen Mitteilungen 1/2016 (Bamberg/Leipzig 2016), ist als Titelgeschichte der aktuellen Doppelausgabe von PROFIL, der Verbandszeitschrift des Deutschen Philologenverbandes, nun einem größeren Leserpublikum zugänglich:

Axel Bernd Kunze: Wenn das Akademische verloren geht …, in: Profil. Das Magazin für Gymnasium und Gesellschaft (2016), H. 7-8, S. 22 – 37.

Fachbeitrag zur Entwicklung der Universität auf www.bildung-wissen.eu

Der Fachbeitrag „Wenn das Akademische verloren geht …“ ist inzwischen auch online auf den Seiten der Gesellschaft für Bildung und Wissen e. V. zu finden. Der Beitrag entstand im Anschluss an eine Tagung zur Debatte um einen „Akademisierungswahn“:

Zwei Stimmen, die gleichsam zweihundert Jahre deutscher Bildungsgeschichte rahmen, sollen am Anfang stehen. Die erste stammt aus dem Jahr 1815, und zwar von Ernst Moritz Arndt, Professor in Greifswald und Bonn: „Überhaupt bin ich […] der Meinung, dass für die Freiheit, welche akademische Freiheit heißt, fast gar keine Gesetze gegeben werden müssen, sondern dass die Jugend, welche bestimmt ist, einmal die Geister zu führen, durch das freieste Gesetz der Meinung und dadurch der freiesten Meister, durch den Geist beherrscht werden muss. […] Ja, wir müssen es aller Welt sagen, dass unsere Universitäten, dass die akademische Freiheit und der akademische Geist, der wie ein frischer Samen der Tugend und Ehre über das ganze Vaterland ausgesät wurde, unser Vaterland von Sklaverei errettet habe“ (Arndt 1921, S. 41. 47).

Arndt, dessen Bildungslehre wenig rezipiert wurde, unterscheidet noch nicht systematisch zwischen Allgemein- und Fachbildung. Doch ist die Reihenfolge für ihn klar: „Nur im Amtskleide, nur im Amts- und Berufsgeschäfte müßte man den Bürger sehen, weil er da gilt, bei allen anderen Dingen sollte der Mensch immer vorscheinen, das Große vor dem Kleinen“ (Arndt 1904, S. 176). Arndt fragt nicht, was der Einzelne im Detail an Kenntnissen und Fertigkeiten für seinen Beruf braucht. Der gebildete Mensch werde sich leicht, mit geschärftem Sinn und mit eigenem Urteil in die Bürgerpflichten einfinden. In der Studentenzeit – so Arndt – werde „eine neue akademische Ritterlichkeit in Tat und Gesinnung“ (Arndt 1921, S. 45) geschaffen.

Machen wir einen Zeitsprung in die Gegenwart: „Philosophie ist das einsame und freie Denken. Aber sie war natürlich immer auch schon institutionalisiert, eingebettet in Paradigmen, gebunden an Denkstile. Heute präsentiert sie sich zumeist universitär, d. h. als Sache von Beamten und ein Department der Wissenschaften. Dazu passt die antiphilosophische Signatur unserer Bildungsanstalten, die gar nicht mehr bilden, sondern unterweisen wollen. Studienpläne sanieren den Geist und bringen das Denken in Stromlinienform. Gerade an Universitäten bekommt man den Eindruck, dass Philosophie genau das ist, was die europäischen Strategen der Bildungsproduktion als Flausen aus den Köpfen der Studenten auszutreiben versuchen“ (Bolz 2012, S. 9).

Es ist der Berliner Medienwissenschaftler Norbert Bolz, der hier ein hartes Urteil über die gegenwärtige Universität fällt. Der Professor sei nicht mehr ein Geist, der in Einsamkeit und Freiheit seinen Anteil zur Selbstaufklärung der Menschheit durch Wissenschaft und zur schöpferischen Aneignung von Kultur beitrage – und seine Studenten an der dahinterstehenden Bildungsidee gleichberechtigt teilhaben lasse. Aus dem Professor sei ein Hochschullehrer geworden, der beständige Kooperation als soziale Tugend betrachte und selbst die eigenen Gesten akademischer Nonkonformität noch widerspruchslos in eigenes Funktionieren übersetze. Aus der Selbstverwaltung sei Bürokratie, aus der Freiheit akademischer Bildung verschulte Berufsausbildung geworden. Gewinner seien dabei jene „Professoren, die lieber Lehrer sein möchten, und die Studenten, die lieber Schüler bleiben wollen. Verklärt werde das Ganze durch die konsumistische Rhetorik vom Studenten als Kunden“ (Bolz 2012, S. 12).

Ist es angesichts einer derartigen Diagnose überhaupt richtig, von einem „Akademisierungswahn“ zu sprechen? Erscheinen akademische Abschlüsse möglicherweise gegenwärtig gerade deshalb nahezu beliebig vermehrbar, weil sich das Akademische der Universität längst verflüchtigt hat?  Und wenn ja, welche Folgen sind damit verbunden? Was verliert unsere Gesellschaft durch diese Entwicklung?

Den vollständigen Beitrag finden Sie hier.