Vorankündigung: BILDUNG IN DER DEMOKRATIE

Axel Bernd Kunze: Bildung in der Demokratie. Warum pädagogischer Eigensinn und Freiheit unverzichtbar sind

(Reihe „Pädagogik in Europa in Geschichte und Zukuunft“, Band 13), Bonn: Verlag für Kultur und Wissenschaft 2018, ca. 170 Seiten.

 

Pädagogik ist nicht selbst politisch, aber politisch relevant – durch das, was sie im Einzelnen lenkt. Indem Bildung zur Freiheit im Denken, Reden und Handeln befähigt, ist sie für Demokratie unverzichtbar. Umgekehrt wird sich nur ein demokratisch verfasster Staat politisch mündige Bürger wünschen und auch ertragen können.

Pädagogischer Widerspruch ist dort notwendig, wo Bildungspolitik die Bürger glauben machen will, sie wüsste schon im Voraus besser, wofür diese ihre Freiheit einsetzen sollten. Die Zukunft liegt nicht fertig vor uns, sondern muss erst noch entworfen werden – unter Herausforderungen, die wir heute noch nicht überblicken können. Den hierfür notwendigen Mut zur Freiheit wird nur eine Pädagogik wecken können, die sich ihren pädagogischen Eigensinn nicht rauben lässt und ihre eigene pädagogische Freiheit nicht unter Wert verkauft.

Ausgehend von einem solchen Bildungsverständnis, beleuchtet der Band aus pädagogischer und bildungsethischer Perspektive aktuelle Bildungsaufgaben, vor denen unser Gemeinwesen steht: von einer Erziehung zur Toleranz über gesellschaftliche Integration und Inklusion bis zum Umgang mit religiöser Vielfalt.

Der Verfasser ist promovierter Sozialethiker und habilitierter Erziehungswissenschaftler. Er leitet eine Fachschule für Sozialpädagogik und lehrt als Privatdozent am Bonner Zentrum für Lehrerbildung. Daneben ist er in München und Heilbronn als Lehrbeauftragter für (berufs-)ethische Fragen in der Sozialen Arbeit tätig.

Der Band erscheint voraussichtlch im ersten Halbjahr 2018. Vorbestellungen gern unter: Kunze-Bamberg@t-online.de

Schlaglicht: Individualität schreibt …

Tilman Allert bricht anlässlich des Internationalen Tages der Handschrift im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen vom 23. Januar 2018 die Lanze für ein bedrohtes Kulturgut. Brauchen wir im Zeitalter von Computer und Tastaturen, von Smartphone und SMS noch das Schreiben mit der Hand? Wäre es nicht besser, die Schüler würden ihre Zeit auf Wichtigeres verwenden als Schwungübungen und Schönschrift? Nicht wenige wissenschaftliche Stimmen empfehlen dies. Und tatsächlich befindet sich das Einüben der Handschrift in den Grundschulen schon seit Längerem auf dem Rückzug. Und wer in höheren Klassen unterrichtet, merkt, dass es Schülern zunehmend schwer fällt, Tafelbilder in Schreibschrift nachzuvollziehen. Kulturgüter, die nicht mehr gelehrt und gepflegt werden, sterben aus.

„Bedenken second“, hieß es im Wahlkampf gegenüber der Digitalisierung. Der Sozialpsychologe Allert lässt sich von diesem Trend der Debatte nicht einschüchtern und hält dagegen: „Das eigene Schreiben spiegelt dem Schreiber ein komplexes Erleben. Es erschließt den Sinn der Welt in eigener Fasson.“ Auch wenn kein Erwachsener mehr so schreibt, wie er es einst in der Grundschule gelernt hat, geht mit dem Aussterben der Handschrift mehr verloren, als eine beliebig austauschbare Technik, sich anderen mitzuteilen.

Die Handschrift bleibt ein unverwechselbarer Teil der eigenen Persönlichkeit. Was selbst geschrieben wurde, prägt sich besser ein. Aber mehr noch: Wer Heranwachsenden die Möglichkeit des individuellen Ausdrucks nimmt, verkauf ihre Individualität unter Wert, der reduziert den Menschen auf ein austauschbares Element im digitalen Netzwerk. Wer übt, mit der Hand zu schreiben, lernt, „Ich“ zu sagen. Noch einmal Allert: „Das eigene Selbst graphologisch ausweisen zu können lässt die ungeheure Kraft einer Geste erahnen, sich mit Geschriebenem Gehör zu verschaffen. Man ist mithin, selbst wenn man abwesend ist, anwesend.“ Was aber, wenn dies gar nicht mehr gewollt ist!? Wer Individualität und Kreativität, freien Geist und schöpferische Produktivität will, sollte die Handschrift fördern – diese Bedenken sollten wir uns leisten, sonst wären wir schnell bei einer Gesellschaft, die über Konvention und Plagiat nicht mehr hinauskommt.

Kommentar: Verbeamtete Lehrer – „Unfug“ oder Garanten eines handlungsfähigen Staates?

Das Bundesverfassungsgericht muss darüber entscheiden, ob verbeamtete Lehrer weiterhin einem Streikverbot unterliegen sollen. Im Hintergrund der Klage steht eine Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes – und damit die Frage, ob Deutschland sein Beamtenrecht im Zuge der europäischen Einigung anpassen muss. Die Kläger führen an, dass ein Streikverbot nur dann gelten dürfe, wenn Beamte – wie etwa Polizisten – im Namen des Staates Zwang anwendeten.

Einmal mehr zeigt sich, dass über die Frage, was eine hoheitliche Tätigkeit ist, keine Einigkeit besteht, weder juristisch noch politisch oder gesellschaftlich. Heike Göbel hat in der F.A.Z. vom 18. Januar 2018 der deutschen Tradition, Lehrer zu verbeamten, recht platt das Etikett „Unfug“ umgehängt, verbunden mit der Unterstellung, die Verbeamtung verhindere Motivation und Leistungsbereitschaft in der Lehrerschaft.

Wer den Staat nur noch als Agentur betrachtet, die private Bedürfnisse befriedigt und für ein glückliches Leben zu sorgen habe, mag sich vielleicht schwer vorstellen, dass Lehrer Aufgaben von hoheitlicher Qualität ausführen. Dies gilt erst recht für Deutschland, in dem das Bildungs- und Berechtigungswesen eng miteinander verflochten sind. Lehrer vergeben formale Bildungszertifikate. Zum einen nehmen sie damit nicht unerheblich Einfluss auf den Lebensweg des Einzelnen; dies wird schnell deutlich, wenn Eltern Leistungsbeurteilungen ihrer Sprösslinge mit dem Rechtsanwalt zu Fall bringen wollen. Zum anderen übernehmen sie Gewähr dafür, dass bestimmte Berufe nur von jenen ergriffen werden können, die auch die notwendige Qualifikation mitbringen. Lehrer können diese Aufgaben nur dann angemessen ausfüllen, wenn sie vor Einflussnahme von außen geschützt sind und ein hohes Maß an pädagogischer Freiheit genießen. Die Verbeamtung ist hier nicht der schlechteste Weg.

Immer häufiger, so auch in diesem Fall, sollen überkommene Traditionen ohne erkennbare Not über Bord geworfen werden. Die Frage nach einem handlungsfähigen Staat tritt in den Hintergrund. Wir sollten diese Frage nicht erst dann stellen, wenn angestellte Lehrer demnächst tatsächlich in Prüfungsphasen einmal streiken werden.

Schlaglicht: Universität Greifswald legt nun doch den Namen Ernst Moritz Arndt ab

Die Greifswalder Universität legt nun doch den Namen Ernst Moritz Arndt ab. Siebenundzwanzig von fünfunddreißig Senatoren der Hochschule stimmten für diesen Beschluss. Die Namensänderung war schon einmal im Januar 2017 beschlossen worden, war damals aber vom zuständigen Ministerium wegen formaler Mängel wieder kassiert worden. Der jetzige Beschluss sieht als Kompromiss vor, dass der Namenszusatz in bestimmten Fällen optional weiter verwendet werden darf. Der Fraktionsvorsitzende der Alternative für Deutschland im Schweriner Landtag, der Greifswalder Abgeordnete Leif Erik Holm, kritisierte die Entscheidung als „Bilderstürmerei“.

Lesen Sie hier einen früheren Kommentar zum Namensstreit an der Greifswalder Universität:

https://bildungsethik.wordpress.com/2017/04/06/veroeffentlichung-geschichtliches-erbe/

Neuerscheinung: Democracy Education in Teacher Training in Germany

Axel Bernd Kunze: Democracy Education in Teacher Training in Germany, in: Miriam Ben-Peretz, Sharon Feiman-Nemser (Eds.): Political Transformations and Teacher Education Programs, Lanham/Boulder/New York/London: Rowman and Littlefield 2018, pp. 1 – 16.

„The move from authoritarian to a more democratic ruling system expresses itself in chapter 1 […] by Axel Bernd Kunze. Kunze claims that ’students ought to experience Democracy in practice while they are in School in order to develop a habitual democratic disposition‘ (this volume, ch. 1). In order to achieve this Goal, schools should function as a democratic society. This approach calls for student teachers to participate actively in their own program. In the same spirit, Kunze quotes Behrmann, who wrote that ‚democracy needs to be lived, in order that it can be learned“ (1996, p. 121).“ (Introduction, p. ix)

Der Band ist an der Universität Haifa/Israel entstanden. Der Beitrag zur deutschen Lehrerbildung beleuchtet Chancen und Grenzen von „Service Learning“ und Menschenrechtsbildung in der Lehrerausbildung, u. a. auf Basis von Erfahrungen, die der Verfasser an der Universität Trier gesammelt hat.

Tagungsbericht: Flucht- Zuwanderung – Migration

Im aktuellen Jahrbuch für Christliche Sozialwissenschaften „Religion(en) in der Einwanderungsgesellschaft“, das in diesem Monat erschienen ist, berichtet Stephanie Steininger über das FORUM SOZIALETHIK 2016:

Stephanie Steininger: Flucht – Zuwanderung – Migration: Multidisziplinäre und normative Vergewisserungen zum Thema Migration. Bericht zum 26. Forum Sozialethik in der Katholischen Akademie Schwerte, in: Jahrbuch für Christliche Sozialwissenschaften 58 (2017), S. 319 – 325.

Aus bildungsethischer und pädagogischer Sicht fragte Axel Bernd Kunze im Rahmen der Tagung nach den Chancen und Grenzen von Integration in der Schule:

„Kontrovers diskutierten die Anwesenden über die Fragen, ob dazu der christliche Referenzrahmen aufgegeben werden soll, ein solcher heute überhaupt noch existiert, anstatt eines konfessionellen ein interreligiöser Unterricht angeboten werden soll und die Pädagogen und Pädagoginnen anstatt Theologie Religionswissenschaft studieren sollten.“ (S. Steininger, S. 322)

Der Beitrag wurde in diesem Jahr in der Zeitschrift „Katholische Bildung“ veröffentlicht:

Axel Bernd Kunze:  Chancen und Grenzen schulischer Integration, in: Katholische Bildung 118 (2017), H. 5/6, S. 116 – 125.

Neuerscheinung: Vielfalt als Normalfall?

Vielfalt als Normalfall?, fragt Axel Bernd Kunze in der aktuellen Ausgabe 12.2017 (66. Jahrgang, S. 457 – 463) von SOZIALE ARBEIT. Zeitschrift für soziale und sozialverwandte Gebiete. Seine Antwort: Inklusion – so der Untertitel des Beitrags – sei als interpretierendes Prinzip zu verstehen. Der Beitrag wurde in einer Double-Blind Peer Review begutachtet. Die Zeitschrift erscheint im Eigenverlag des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI).

Axel Bernd Kunze plädiert in seinem Aufsatz für eine Auffassung von Inklusion als interpretierendes Prinzip und nicht als Ideologie des Egalitarismus. Nur wenn sich Maßnahmen zur Inklusion an individuellen Fähigkeiten und Bedürfnissen orientieren, kann soziale Teilhabe gelingen. Der Autor beschreibt die Voraussetzungen für eine „Inklusion mit Augenmaß“. [Ankündigung der Redaktion]

Jubiläumsfeier: Fünf Jahre Forschen und Experimentieren in der Technik-Erzieher-Akademie

„Der Erzieher versucht, keinem der Kinder etwas aus der Hand zu nehmen, weil er weiß, dass das so nichts werden kann, sondern sie selbst begreifen zu lassen – im wörtlichen Sinne. Entscheidend ist dann, ob die Kinder nach dem Experiment noch mit dem Erzieher gemeinsam reflektieren, was sie getan haben und was sie beobachten konnten.“ – … so hat Heike Schmoll im August 2017 in der F.A.Z. beschrieben, wie Kinder durch Forschen und Experimentieren, durch Entdecken und Ausprobieren ihr Wissen über die Welt erweitern. Dies stärke, so die Bildungsjournalistin weiter, „nicht nur die Kenntnisse über Naturphänomene, sondern auch das Sprachvermögen.“ Der Lernerfolg setze „durchdachte Lerngelegenheiten“ voraus, die mit entsprechender Qualität und gewisser Regelmäßigkeit angeboten werden. Solche Lerngelegenheiten, setze wiederum Erzieherinnen und Erzieher voraus, die selber über ein Interesse an Alltagsphänomenen verfügten.

Selbstvertrauen im Umgang mit naturwissenschaftlichen Fragen

Nicht zuletzt, ein solches Interesse zu wecken und das notwendige Wissen über Alltagsphänomene zu vermitteln, ist das Anliegen des Profilbereiches Forschen und Experimentieren an unserer Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt. Der Unterricht bietet die Möglichkeit, über Naturphänomene zu reflektieren, denen wir im Alltag auf Schritt und Tritt begegnen. Wahrzunehmen, wie reich und vielfältig unsere Welt ist, wieviel es in ihr zu entdecken und zu bestaunen gibt, kann einen neuen Zugang zu naturwissenschaftlichen Phänomenen eröffnen.

Nur Pädagogische Fachkräfte, die das notwendige Selbstvertrauen im Umgang mit naturwissenschaftlichen Fragen mitbringen, werden Kinder anregen, naturwissenschaftliche Grunderfahrungen zu machen und selber auf Entdeckungsreise zu gehen. Neben Selbstvertrauen brauchen die Erzieherinnen und Erzieher zugleich eine gehörige Portion Gelassenheit, die Kinder frei experimentieren zu lassen, ohne zu befürchten, dass alles in einem chaotischen „Selbstlernen“ endet, das letztlich fruchtlos bleibt.

Klassen- und schulartübergreifende Profilfächer  

Wir haben den Wahlpflichtunterricht an unserer Fachschule zu klassen- und schulartübergreifenden Profilfächern ausgebaut, in denen sich die fachdidaktischen und pädagogischen Schwerpunkte zeigen, die uns in unserem Schulprofil als einer evangelischen Fachschule besonders am Herzen liegen. Die Zusammenarbeit mit externen Kooperationspartnern in den einzelnen Profilfächern bietet unseren Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, über den Rahmen der eigenen Klasse hinaus spezifische Interessen zu vertiefen und durch praxisorientierte Zusatzleistungen weitergehende Kompetenzen zu erwerben, die durch Zusatzzertifikate dokumentiert werden. Im Bereich Forschen und Experimentieren gelingt uns dies unter dem Dach der Technik-Erzieher-Akademie (TEA), die vom Arbeitgeberverband Südwestmetall in Kooperation mit dem baden-württembergischen Kultusministerium ins Leben gerufen wurde. Eine erste Vereinbarung für dieses Vorhaben wurde 2009 geschlossen, 2012 wurde dann der Lehrplan für das Wahlpflichtfach Forschen und Experimentieren in Kraft gesetzt – also vor fünf Jahren.

Interesse an Naturwissenschaft beginnt im Kindergarten

Am 10. November 2017 war unsere Evangelische Fachschule für Sozialpädagogik Gastgeber für den Festakt, mit dem dieses Jubiläum gefeiert wurde. Dabei fügte es sich gut, dass die Veranstaltung am Tag der Freien Schulen stattfand, an dem sich die Schulen in freier Trägerschaft alljährlich im November mit ihren pädagogischen Konzepten und innovativen Ideen einer breiteren Öffentlichkeit vorstellen. Als Ehrengast konnten wir hierzu den Staatssekretär aus dem Stuttgarter Kultusministerium, Volker Schebesta, begrüßen. Er sprach sich in seinem Grußwort dazu aus, das Forschen und Experimentieren im Kindergartenalltag weiter zu fördern: „Naturwissenschaftlich-technische Bildung ist deshalb so bedeutsam, weil sie auf spielerische Weise das Verstehen von Phänomenen ins Zentrum stellt. Solche Ansätze sind besonders wirksam, wenn sie Kindern ermöglichen, selbst eigene Ideen auszuprobieren, Versuche aufzustellen und Hypothesen zu überprüfen.“

Stefan Küpper, Geschäftsführer Politik, Bildung und Arbeitsmarkt bei Südwestmetall, erläuterte in seiner Ansprache, warum sich sein Arbeitgeberverband in diesem Bereich engagiere: „Denn wenn wir mehr Schüler und insbesondere auch Schülerinnen später für naturwissenschaftlich-technische Berufe gewinnen wollen, müssen wir das Interesse schon im Kindergarten wecken.“

Anschließend erläuterte der komm. Schulleiter, Axel Bernd Kunze, wie die Kooperation mit der Technik-Erzieher-Akademie an unserer Fachschule in Beutelsbach umgesetzt wird. Und er gab einen Ausblick, was weiter geplant ist: Ende des vergangenen Schuljahres wurde der erste Schritt gesetzt, den Profilbereich Forschen und Experimentieren durch eine Kooperation mit dem renommierten Stuttgarter Institut Dr. Flad – Berufskolleg für Chemie, Pharmazie und Umwelt weiter auszubauen. Die künftige Kooperation, für die derzeit eine didaktisch-methodische Konzeption erarbeitet wird, soll unseren Schülerinnen und Schülern das Experimentieren in einem chemischen Labor ermöglichen. Umgekehrt sollen die „Fladianer“ bei uns Einblicke in didaktisch-methodische Grundlagen naturwissenschaftlicher Frühbildung erhalten – auch, um als Multiplikatoren wirken zu können.

Mitmachstationen für Groß und Klein

Im Profilfach Forschen und Experimentieren haben die angehenden Erzieherinnen und Erzieher die Möglichkeit, aufbauend auf dem Unterricht im Handlungsfeld „Bildung und Entwicklung fördern I“, praktische Erfahrungen in unterschiedlichen naturwissenschaftlichen Fachgebieten zu sammeln. Sie vertiefen durch entdeckendes Lernen ihr theoretisches und praktisches Wissen. Sie beschreiben Wege, wie Kinder alters- und entwicklungsangemessen in ihrer Neugierde und in ihrem Entdeckerdrang unterstützt werden können. Sie beschreiben, wie Kindern durch Forschen und Experimentieren ihre Kompetenzen erweitern. Und sie entwickeln ein eigenes Konzept, wie sie dieses Wissen und diese Erfahrungen in ihrer eigenen Arbeit mit Kindern praktisch umsetzen können.

Wie dies konkret gelingen kann, demonstrierten die Schülerinnen und Schüler aus den Unter- und Oberkursen, die in diesem Schuljahr am Profilfach Forschen und Experimentieren unter Leitung von Herrn Grühn teilnehmen, durch zahlreiche Mitmachstationen zu den Elementen Feuer – Wasser – Luft. Die bewusste Auseinandersetzung mit diesen Elementen übt nicht allein auf Kinder eine große Faszination aus, wie die anwesenden Festgäste, an der Spitze der Kultusstaatssekretär und der Geschäftsführer von Südwestmetall, nach den Ansprachen unter Beweis stellten.

Die Schülerinnen und Schüler hatten Experimente mit leicht erhältlichen Materialien ausgewählt, die in jedem Haushalt zu finden sind. Schon Kinder im Vorschulalter können diese eigenständig durchführen. Abgegrenzte Experimentierfelder fokussieren die Aufmerksamkeit der Kinder. Sogenannte „Bildrezepte“ bieten auch Kindern, die noch nicht lesen und schreiben können, die Möglichkeit, die Experimente selbständig umzusetzen. Durch das eigene Handeln und die sinnliche Wahrnehmung soll die natürliche Neugier der Kinder geweckt werden. Dabei sollen die Kinder ermutigt werden, selbst Ideen und Vermutungen zu entwickeln und diese dann durch eigenes Experimentieren und Ausprobieren zu überprüfen. Mit großem Engagement leiteten die Schülerinnen und Schüler die einzelnen Experimente an und standen auch für naturwissenschaftliche Erläuterungen kompetent Rede und Antwort.

Auszuprobieren gab es beispielsweise „Teebeutelraketen“ und einfache „Kohlendioxidfeuerlöscher“, die auf Basis von Backpulver und Essig arbeiten. Aus Wasser, Pflanzenöl, Lebensmittelfarbe und Salz konnten die kleinen und großen Forscher eine „Lavalampe“ bauen. Zwei miteinander verbundene Mineralwasserflaschen veranschaulichten, wie ein Wasserstrudel entsteht und welche Sogwirkung dieser entfaltet. Das Luft nicht einfach nichts ist, wurde durch ein gefülltes Wasserglas und ein Blatt Papier demonstriert: Das mit dem Papier abgedeckte Glas bleibt dicht, auch wenn man es umdreht. Und beim Lungenvolumentest, für den man allein ein großes Glas, eine Schüssel mit Wasser und Strohhalme benötigt, testeten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, allen voran der Staatssekretär, der Vertreter von Südwestmetall und der örtliche Landtagsabgeordnete Claus Paal, der gleichfalls gekommen war, ihre Leistungsfähigkeit.

Wer wird Baumeister oder Baumeisterin?

Nach ihrer „Forscherreise“ waren Staatssekretär Schebesta und der Vertreter von Südwestmetall, Herr Küpper, gefragt, ihre Talente als Baumeister unter Beweis zu stellen. Unter Leitung von Frau Geymann, Koordinatorin unserer Berufsfachschule für Kinderpflege und Leiterin des Profilbereiches Natur- und Bewegungspädagogik, traten sie im Rahmen der von ihr entwickelten Baumeister-Challenge gegen zwei Schülerinnen an. Aus naturbelassenen Buchenholzklötzchen, Pappröhren in verschiedenen Längen, Steinen in verschiedenen Formen, Holzplatten, Rohrstücken, Blechdosen oder Baumscheiben galt es, ein möglichst hohes Bauwerk zu erschaffen.

Das Entwerfen, Bauen und Konstruieren mit variantenreichem Baumaterial ermöglicht Kindern vielfältige technische Grunderfahrungen sowie die Vertiefung ihres technischen Verständnisses. Mit der gestellten Aufgabe werden die Kinder beispielsweise mit den Phänomenen Gewicht und Dichte, Gleichgewicht, Reibung, Hebel, schiefe Ebene und Statik konfrontiert. Darüber hinaus werden Kreativität, Teamfähigkeit, Problemlösekompetenzen, motorische und kommunikative Fertigkeiten gestärkt.

Die Festgäste, Schwestern, Lehrkräfte und Schüler feuerten beide Teams kräftig an. Am Ende hatten die zwei Schülerinnen schließlich die Nase vorn, deren Turm zwar nicht höher war, sich jedoch als standfester erwies.

Beim abschließenden Empfang lud Herr Paal, der beim letztjährigen Tag der Freien Schulen eine Unterrichtsstunde für unsere angehenden Kinderpflegerinnen und Kinderpfleger gehalten hatte, alle interessierten Lehrkräfte zur Eröffnung der neuen Forscherwerkstatt am 5. Februar 2018 in Schorndorf ein. Die Forscherwerkstatten, die gegenwärtig entstehen, richten sich an jüngere Kinder und wollen das Angebot der Heilbronner Experimenta, die auch schon häufiger Ziel von Exkursionen unserer Fachschule war, in die Breite tragen.

Wir freuen uns darauf, die fruchtbare Kooperation mit Südwestmetall auch künftig fortsetzen zu können, und gratulieren zum fünfjährigen Jubiläum der Technik-Erzieher-Akademie sehr herzlich. Im Sommer 2018 wird ein weiterer Jahrgang unserer Fachschule das entsprechende Zusatzzertifikat aus den Händen von Frau Nägele, Mitarbeiterin der TEA-Servicestelle in Göppingen, und Herrn Grühn in Empfang nehmen können.

(PD Dr. Axel Bernd Kunze, komm. Schulleiter, Evgl. Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt)

Fakultät Soziale Arbeit, Gesundheit und Pflege der Hochschule Esslingen feiert Jubiläum

Die Wurzeln der Fakultät Soziale Arbeit, Gesundheit und Pflege der Esslinger Hochschule liegen in der Sozialen Frauenschule des Schwäbischen Frauenvereins e. V., die 1917 in Stuttgart gegründet wurde. An dieses Ereignis vor hundert Jahren erinnerte die Fakultät am 20. Oktober 2017 mit einem Festakt „100 Jahre Lehre und Forschung für Soziale Berufe“. Im Mittelpunkt der Festreden werden die Fragen stehen: „Nach 100 Jahren – Wo wir heute stehen“ und „Wie werden wir leben? Soziologische Perspektiven auf Konflikte und Kooperationen“. Privatdozent Dr. Axel Bernd Kunze, Schulleiter der benachbarten Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik in Weinstadt, hält regelmäßig im Sommersemester an der Fakultät Gastvorträge, um Studenten der Kindheitspädagogik das Lehren in der Erzieherausbildung als mögliches Arbeitsfeld vorzustellen.

Herzlichen Glückwunsch an die Fakultät Soziale Arbeit, Gesundheit und Pflege der Hochschule Esslingen zu ihrem hundertjährigen Bestehen! Wir freuen uns weiterhin auf eine gute Kooperation.

Neue Publikationsreihe: Bildung und Unterricht an Bekenntnisschulen

In der Christlichen Verlagsgesellschaft mbH in Dillenburg ist jetzt eine neue Publikationsreihe eröffnet worden, die sich grundlegenden Themen über Bildung und Unterricht an Bekenntnisschulen widmet:

Evangelische Bekenntnisschulen in Bildungsverantwortung

Private Schulen, die ein klar erkennbares pädagogisches Profil besitzen und eine verlässliche Werterziehung garantieren, stehen bei Eltern hoch im Kurs. Sie  sind ein wichtiger Garant der Freiheit im Bildungssystem sowie der pädagogischen Wahlfreiheit der Eltern und Lernenden. Bildungspolitisch und bildungswissenschaftlich weht ihnen aber durchaus ein starker Wind ins Gesicht, laufen sie dem allgemeinen Trend zu einem Egalitarismus in Bildungsfragen entgegen. Umso wichtiger ist es, das eigene Profil zu schärfen und wissenschaftlich auszuweisen. Beides versucht der erste Band der Reihe:

VEBS-Akademie (Hg.): Profil schärfen. Grundlegende Gedanken zu einem christlichen Bildungsverständnis (Evangelische Bekenntnisschulen in Bildungsverantwortung; 1), Dillenburg: Christliche Verlagsgesellschaft 2017.