Neue Kolumne: Wenn der Sozialstaat übergriffig wird …

Regelmäßig erscheint in der Wochenzeitschrift „Die Tagespost“ – in Kooperation mit der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle in Mönchengladbach – eine sozialethische Kolumne.  Deutschsprachige Sozialethiker nehmen meinungsstark zu aktuellen sozial- oder wirtschaftspolitischen Herausforderungen Stellenung.

In der aktuellen Ausgabe der „Tagespost“ hat Axel Bernd Kunze sozial- und bildungsethisch zur Feder gegriffen:

Kolumne (27. Juni 2018): Wenn der Sozialstaat übergriffig wird …

https://www.die-tagespost.de/politik/wi/Kolumne;art314,189908

Ist es ketzerisch, sich folgendes Gedankenexperiment vorzustellen!? Man ersetze „Vielfalt“, „Offenheit“ oder „Diversity“ in vielen Curricula und Modulhandbüchern durch „Marxismus-Leninismus“ … Historische Parallelen sind natürlich wie immer rein zufällig. In unserem Bildungssystem gilt doch immer noch der Beutelsbacher Konsens und steht Kritik an oberster Stelle – oder doch nicht mehr so ganz.

Laizismus und Neutralität werden verwechselt. Was dem Staat an Kulturpflege nicht mehr zugebilligt wird, kommt durch die Hintertür als Manipulationsmacht wieder herein. Das staatliche Toleranzgebot löst sich auf, der Staat steuert den gesellschaftlichen Diskurs.

Rezension: „Selbstkritische Position und kritische Reflexion“ – Festschrift für Werner Baur liefert starke Argumente für kirchliches Bildungshandeln

 

Carmen Rivuzumwami (Hg.) (o. J. [2018]): Gemeinsam: Leben Glauben Bilden. Festschrift für Werner Baur zum Eintritt in den Ruhestand, o. O. (Stuttgart): Evangelischer Oberkirchenrat, 225 Seiten.

 

Zwanzig Jahre war Werner Baur im Stuttgarter Oberkirchenrat für den Bereich Bildung der württembergischen Landeskirche zuständig. Wer den engagierten Lehrer und Schulleiter auf Tagungen oder Sitzungen erlebt hat, konnte spüren, dass Baur auch in kirchenleitender und administrativer Funktion stets ein Pädagoge mit Herzblut geblieben ist. Zu seinem Eintritt in den Ruhestand ist eine Festschrift im Eigenverlag des Evangelischen Oberkirchenrates in Stuttgart erschienen.

Der Band deckt die gesamte Bandbreite des landeskirchlichen Engagements im Bildungsbereich ab: von Kindertageseinrichtungen und Schulen über die Jugendarbeit bis zur Berufs- und Erwachsenenbildung. Die Autoren kommen aus beiden Landeskirchen Baden-Württembergs, aber auch aus der ökumenischen Nachbarschaft des Bistums Rottenburg-Stuttgart oder des Erzbistums Freiburg. Angesichts der Bandbreite der Themen kann hier nur eine kleine Auswahl der nahezu durchweg pädagogisch sehr engagiert geschriebenen Beiträge hervorgehoben werden.

Den Aufschlag macht ein sehr persönlich gehaltener Beitrag von Martin Schleske, Geigenbaumeister und Schalltechniker. Im Rückgriff auf seine eigene Bildungsbiographie beschreibt er sehr lebendig, anrührend und engagiert, wie wichtig das persönliche Vorbild, die fachliche Begeisterung des Lehrers und die Beziehung in der pädagogische Arbeit sind. Wir sollten das nicht vergessen in Zeiten wie diesen – und es sind die unsrigen –, in denen mal wieder technische Lösungen das – in diesem Fall – digitale Heil ins Tal der Bildung bringen sollen.

Norbert Collmar, Rektor der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg, zeichnet am Beispiel des protestantischen Württembergs nach, wie sich aus sozialen und diakonischen Initiativen des neunzehnten Jahrhunderts das bildungspolitische Engagement der Kirche im berufsbildenden Bereich entwickelt hat. Als Beispiel verweist er etwa auf die Gründung der Großheppacher Schwesternschaft durch Wilhelmine Canz. Sie sammelte junge Frauen um sich, die als Kleinkindpflegerinnen ausgebildet wurden. Dieses Engagement setzt sich bis heute fort, in Gestalt einer Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik.

Christoph Schneider-Harpprecht, Baurs Kollege aus dem badischen Oberkirchenrat in Karlsruhe, fragt, wozu ein eigener kirchlicher Bildungsgesamtplan sinnvoll ist. Gegen Kritik an diesem Instrument nennt er vielfache Aufgaben, die ein solcher Plan erfüllen kann: Er kann helfen, die Bildungslandschaft kirchlicher Träger weiterzuentwickeln, den Auftrag und die konstitutiven Merkmale evangelischer Bildungsangebote profilieren helfen, ein möglichst realistisches Bild der zu erreichenden Zielgruppen zeichnen, Chancen und Empfehlungen an die zuständigen Gremien geben. „Wenn der politische Wille vorhanden ist, so können jährlich oder im zweijährigen Rhythmus Zahlen, Daten und Fakten in standardisierter Form zusammengetragen und auch für die Haushaltsberatungen der Landessynode fruchtbar gemacht werden“ (S. 89).

Eckhard Geier, scheidender Geschäftsführer des Evangelischen Schulwerks Baden und Württemberg, unternimmt einen Parforceritt durch fünfhundert Jahre evangelische Schul- und Bildungsgeschichte. Instruktiv beleuchtet er das spannungsreiche Verhältnis zwischen Staat und Kirche im Bildungsbereich. Evangelische Schulen sind für Geier zum einen „zeitlos zeitgemäß“, weil sie zu allen Zeiten genuin evangelisch-christliche Antworten auf die pädagogischen und sozialen Herausforderungen ihrer jeweiligen Zeit formulierten. Sie sind aber zugleich immer auch „unzeitgemäß“, insofern sie nicht einfach dem bildungspolitischen Mainstream folgen, sondern pädagogische Reformen „gegen den Trend“ ins Werk setzten. Diesen Freiraum von Schulen in kirchlicher Trägerschaft gilt es aber zunehmend gegen eine staatliche Dienst- und Fachaufsicht zu verteidigen, die freie Träger auch in didaktisch-methodischer Hinsicht immer stärker zur Vergleichbarkeit mit staatlichen Schulen drängt.

Bemerkenswert ist schließlich noch der Schlussbeitrag des Bandes: Stefan Hermann, Direktor des Pädagogisch-Theologischen Zentrums der Landeskirche in Stuttgart-Birkach, hält ein engagiertes Plädoyer für einen weiterhin starken konfessionell geprägten Religionsunterricht, gut begründet, wenn auch im vorstehenden Sinne „unzeitgemäß“, insofern der Hauptstrom der zeitgenössischen Religionspädagogik deutlich in Richtung konfessioneller Kooperation fließt. Identitätsfragen stehen gegenwärtig weder in der pädagogischen noch politischen Debatte hoch im Kurs. Viele erhoffen sich durch eine stärkere Kooperation der Konfessionen beim Religionsunterricht eine Stärkung der christlichen Orientierung innerhalb einer zunehmend heterogener wie säkularer werdenden Schüler- und Elternschaft. Doch besteht die Gefahr, dass durch eine konfessionell-diffuse Lernumwelt die eigene religiöse Identitätsbildung eher erschwert als erleichtert wird – am Ende kennen die Schüler weder ihre eigene Herkunft noch die Konfession der anderen. Für Hermann gehören „perspektivische Positionalität“ und die Aufgabe „positioneller Perspektivität“ im Religionsunterricht eng zusammen. Wer sich der eigenen Konfession sicher ist, erfährt die Position der anderen nicht als Bedrohung. Daher kann gerade ein konfessioneller Religionsunterricht für Hermann zur Pluralitätsfähigkeit und zu starker Toleranz beitragen. Denn über Religion kann nicht distanziert gelehrt oder gelernt werden. Der Stuttgarter Religionspädagoge spricht in diesem Fall von Begegnungslernen, bei dem unweigerlich immer verschiedene Ebenen ineinander fließen und sich wechselseitig bedingen. Es kann keine neutrale Haltung gegenüber Religion geben, selbst eine religionsabstinente Haltung wäre eine Positionierung gegenüber Religion – und so ist Begegnungslernen über Religion immer auch bereits Begegnungslernen in Religion und durch Religion. Wichtig bleibt aber, dass Lehrkräfte bereit sind, zwischen religiöser Reden und Reden über Religion zu unterscheiden.

Wer freie Menschen will, muss auch für ein starkes freies Schulwesen und eine plurale Bildungslandschaft eintreten. Ein Staat, der für sich ein Bildungsmonopol beanspruchen wollte, wäre übergriffig auf den innersten Personkern. Und wenn Religion nicht zu etwas Bedrohlich-Fremden werden soll, gehört Religion in die Schulen und Bildungseinrichtungen. Hermanns Plädoyer am Ende seines Beitrags setzt einen starken Schlusspunkt für die gesamte Festschrift und ein deutliches Ausrufezeichen hinter das bildungspolitische Engagement des zu Ehrenden: „Gebildete Religion braucht selbstkritische Position und kritische Reflexion, zugleich aber auch das Bewusstsein eigener Perspektivität und Bruchstückhaftigkeit – wichtige Werte aufgeklärter Bildung, wie sie evangelischer Bildungstradition zugrunde liegen“ (S. 210).

 

Forscherfabrik Schorndorf eröffnet

Eine Marzipantorte in Form eines großen Schlüssels wurde symbolisch an Schorndorfer Kinder überreicht … Mit diesem Ritual eröffnete Matthias Klopfer, Oberbürgermeister der Daimlerstadt Schorndorf im S-Bahnbereich Stuttgarts, im Beisein der baden-württembergischen Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Anfang Februar die dortige neue Forscherfabrik. Das Erlebnismuseum versteht sich als Satellit der bekannten „Experimenta“ in Heilbronn und will deren Anliegen in die Breite des Landes tragen. Kindergarten- und Grundschulkinder werden in der Forscherwerkstatt künftig auf Forschungs- und Entdeckungsreise gehen und selbständig Experimente zu naturwissenschaftlichen und technischen Fragen durchführen können. Wie die Schirmherrin, Ministerin Hoffmeister-Kraut, vor den Festgästen betonte, würde sich ein großer Teil der heutigen Grundschulkinder beruflich später einmal mit Fragen beschäftigen, die wir heute noch gar nicht kennen; bereits früh das Interesse für Natur, Informatik und Technik zu wecken, sei daher für die wirtschaftliche Zukunft des Landes von nicht zu unterschätzender Bedeutung.

 

Veranstaltungsbericht: Singen mit Kindern

Sechs Schülerinnen aus dem Oberkurs der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt wurden zum Ende des Schuljahres als Expertinnen für das Singen mit Kindern ausgezeichnet. Im Rahmen ihrer Erzieherausbildung hatten die Sechs am Profilfach „Singen mit Kindern“ und am Schulchor teilgenommen. Die Abschlussprüfung nahmen Herr Kirchenmusikdirektor Prof. Bauer und Herr Musikdirektor Dreiling von der gleichnamigen Stiftung „Singen mit Kindern“ ab, mit der die Fachschule kooperiert. Im Rahmen einer kleinen Feierstunde wurden im Anschluss an die Prüfung die von der Stiftungsvorsitzenden und „First Lady Baden-Württembergs“, Frau Kretschmann, unterzeichneten Urkunden überreicht.  Prof. Bauer verwies in seiner Ansprache darauf, wie wichtig das Singen von klein auf für die gesamte Entwicklung des Menschen ist. Die sechs Schülerinnen sollten dieses Wissen im Rahmen ihrer künftigen Berufstätigkeit „ins Land hinaus tragen“. Herr Dreiling rief dazu auf, bei der musikalischen Arbeit im Kindergarten auch die Eltern einzubeziehen.

Weitere Informationen zur Stiftung „Singen mit Kindern“ finden sich hier: http://www.singen-mit-kindern.de/

Ludwigsburger Vorlesungspartnerschaft: Inklusion und Bildungsethik

Die Evangelische Hochschule Ludwigsburg und die Pädagogische Hochschule Ludwigsburg haben eine Vorlesungspartnerschaft ins Leben gerufen: zum Thema Menschenrechtsbildung. Im Mai 2017 fanden die ersten beiden Gastvorlesungen statt, die das Recht von Menschen mit Behinderungen auf Bildung in einem inklusiven System sowie die damit verbundene Verpflichtung zur Menschenrechtsbildung analysierten. Bei der ersten Veranstaltung am 18. Mai 2017 sprach Dr. Katja Neuhoff von der Fachhochschule Düsseldorf, am 30. Mai 2017 Privatdozent Dr. Axel Bernd Kunze, Erziehungswissenschaftler, Publizist und Schulleiter aus Waiblingen. Beide Referenten haben im früheren DFG-Projekt „Das Menschenrecht auf Bildung: Anthropologisch-ethische Grundlegung und Kriterien der politischen Umsetzung“ mitgearbeitet, das in Kooperation zwischen dem Bamberger Lehrstuhl für Christliche Soziallehre und Allgemeine Religionssoziologie sowie dem Forschungsinstitut für Philosophie durchgeführt worden war.
Der Vortrag am 30. Mai unter dem Titel „Inklusion und Bildungsethik“ fragte aus bildungsethischer Perspektive nach dem systematischen Stellenwert des Inklusionsprinzips und stellte anhand von zwei Praxisbeispielen dar, wie das Thema in der Ausbildung von Pädagoginnen und Pädagogen verankert werden kann. Bei den Praxisbeispielen handelte es sich um das Trierer Seminarformat „Erziehung für Menschenrechte, Demokratie und Zivilgesellschaft“ sowie ein selbst entwickeltes Fortbildungsmodul zur sozialpädagogischen Berufsethik, das in verschiedenen Fachschul- und Hochschulseminaren erprobt wurde. Das Fortbildungsmodul, bei dem eine ethische Fallbesprechung inszeniert wird, soll in Kürze auch in einem Beitrag für die kommende Ausgabe der fachdidaktischen Zeitschrift „Pädagogikunterricht“ vorgestellt werden.
Die Vorlesungspartnerschaft wird im nächsten Sommersemester fortgesetzt werden und soll dann auch publiziert werden.

Neuerscheinung: Christliche Bildungs- und Erziehungsverbände

In diesen Tagen ist der erste Band der neuen – achten, völlig neu bearbeiteten – Auflage des Staatslexikons der Görres-Gesellschaft und des Verlags Herder erschienen – mit folgendem bildungsethischen Beitrag:

Axel Bernd Kunze: Art. Christliche Bildungs- und Erziehungsverbände, in: Staatslexikon. Recht – Wirtschaft – Gesellschaft, 8. Aufl., Bd. 1 (2017), Sp. 1059 – 1066:

Bedeutung (1)

Bildungsethische Bedeutung für das freiheitliche Gemeinwesen (1.1)

Funktionen und Aufgaben (1.2)

Aktuelle Herausforderungen (1.3)

Ausgewählte Verbände (2)

Fachverbände (2.1)

Verbände und Laienvereinigungen (2.2)

Akademische Korporationsverbände (2.3)

Literatur

 

Sozialethischer Literaturbericht 2016

Die Katholische Sozialwissenschaftliche Zentralstelle und die Arbeitsgesmeinschaft der Sozialethiker des deutschsprachigen Raumes haben den neuen sozialethischen Literaturbericht für 2016 veröffentlicht. Die Aufstellung bietet einen thematisch geordneten Überblick über aktuelle Monographien, Sammelbänden und Aufsätze aus der Christlichen Sozialethik. Kapitel 8 listet Neuerscheinungen aus den Bereichen Bildungsethik, Wissensgesellschaft, Medienethik sowie Kunst und Kultur auf. Wie die Aufstellung für das vergangene Jahr zeigt, hat das Interesse an Themen der Bildungsethik mittlerweile deutlich abgenommen. Ferner liegt ein kumulierter Literaturbericht für die Jahre 2009 bis 2015 vor.

Erzieherausbildung ermöglicht viele Anschlussmöglichkeiten

Ein Informations- und Elternabend für die Klassen des ersten Ausbildungsjahres der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt machte deutlich, wie vielfältig die beruflichen und akademischen Anschluss- und Aufstiegsmöglichkeiten heute sind, die mit der Erzieherausbildung offenstehen. Wer staatlich anerkannter Erzieher/staatlich anerkannte Erzieherin werden möchte, dem stehen an der Fachschule nach dem Berufsorientierungsjahr im Berufskolleg zwei Wege offen: die zweijährige Fachschule mit einjährigem Berufspraktikum und die dreijährige Praxisintegrierte Ausbildung. Diese bieten …

  • verschiedene praxisnahe Profilfächer (Techniker-Erzieher-Akademie, Singen mit Kindern, Natur- und Umweltpädagogik, Kinder unter drei Jahren, Religionspädagogische Praxis …);
  • die Möglichkeit, das Berufspraktikum ganz oder teilweise im Ausland zu absolvieren;
  • eine theologische Zusatzqualifizierung;
  • Projekte mit regionalen Partnern, in denen die Schüler berufsnahe Zusatzkompetenzen erwerben können (beispielsweise das Projekt Ausbildungsbotschafter mit der Industrie- und Handelskammer in Waiblingen oder das „Fair-Play-Soccer-Turnier“ für Grundschulklassen, das die Schulsozialarbeit Weinstadt organisiert);
  • individuelle Lernbegleitung.

Begleitend besteht die Möglichkeit, die Fachhochschulreife zu erwerben. Diese ermöglicht eine akademische Weiterqualifizierung, beispielsweise für spätere Leitungs- oder Fachberateraufgaben. Wer im Anschluss an die Erzieherausbildung studieren möchte, kann in vielen Fällen aufgrund der an der Fachschule erworbenen Kompetenzen sein Studium in verkürzter Dauer absolvieren. Viele Arbeitgeber schätzen Bewerberinnen oder Bewerber, die sowohl eine praxisnahe Fachschulausbildung als auch ein kindheits­pädagogisches Studium mitbringen. Ganz neu wird in Weinstadt ab September ein Integriertes Studienmodell starten, das in Kooperation mit der Evangelischen und der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg angeboten wird. Durch gezielte Veranstaltungen im Oberkurs, die auf das Studium vorbereiten, und ein Teilzeitstudium parallel zum Berufspraktikum benötigen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an diesem Modell nach dem Erwerb der staatlichen Anerkennung nur noch drei Semester Vollzeitstudium bis zum Erwerb des Bachelorabschlusses in Kindheitspädagogik.

Veranstaltungsbericht: Didacta

In diesem Jahr fand die „Didacta“, wieder einmal vor den Toren Stuttgarts statt. Die „Didacta“ ist die größte Bildungsmesse in Deutschland, auf der vom Kindergarten bis zur Hochschule und Erwachsenenbildung alles vertreten ist. Die Klassen der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt nutzten die Gelegenheit. Gemeinsam mit ihren Klassenleitungen erkundeten die Schüler Mitte Februar im Rahmen Pädagogischer Exkursionen die Messe und informierten sich über aktuelle Entwicklungen aus den Bereichen frühkindliche Bildung und Schule. Neben den Ständen der Aussteller lockte ein umfangreiches Vortragsprogramm. Wenn man durch die Messehallen schlenderte, sah man zahlreiche Besucher mit großen Koffern durch die Hallen rollen. Viele nutzen die Gelegenheit, sich mit Katalogen, neuen Materialien zu Messepreisen oder Fachliteratur einzudecken. An den Werktagen ist die Messe nur für Fachpublikum geöffnet.

Nachgespräche zeigten allerdings, dass die Zeit großer (oder zumindest groß angepriesener) Neuheiten vorbei zu sein scheint. Es gab Weiterentwicklungen, Anpassungen (z. B. an die Auswirkungen der Migrations- und Flüchtlingskrise), Neuauflagen … – aber keine wirklichen Neuheiten, auch nicht im Bereich der digitalen Medien. Einige Aussteller aus früheren Jahren suchte man vergebens, die Hallen zeigten noch einiges an Freifläche. Und noch etwas fiel auf: Die Farben im Bildungsbereich werden wieder matter. Dominierten vor einigen Jahren noch intensive Signalfarben, kehren die Schulausstatter nun zu Pastelltönen zurück. Eine Ausstellerin erklärte dies als Reaktion auf eine abnehmende wirtschaftliche Entwicklungen. Werden die Zeiten schlechter, werden die Farben beruhigender. Man mag diese Farbpsychologie sehen, wie man will. Vielleicht, so der Eindruck am Ende des Messetages, ist die Zeit großer Bildungsinnovationen, die mit einem riesigen Anspruch daherkommen, vorbei. Vielleicht brauchen Bildung und Erziehung wieder mehr Ruhe. Vielleicht ist die pädagogische Beziehung am Ende doch wichtiger als der Glaube an immer neue Methoden und Medien, die, bei Lichte besehen, oft mehr versprochen haben, als sie halten konnten.

Neuerscheinung: Festschrift 160 Jahre Großheppacher Schwesternschaft

Die aktuelle Ausgabe der Reihe GRUSS DER GROSSHEPPACHER SCHWESTERNSCHAFT 2016/2017 (= Kind und Schwester, 58. Jahrgang, Nr. 125, November 2016) steht unter dem Titel:

160 Jahre in Gemeinschaft. leben – lernen – arbeiten – beheimaten

Die Festschrift begleitet den Wandlungsprozess der Stiftung von einer Schwesternschaft zur diakonischen Auftragsgemeinschaft. Weitere Informationen zur Stiftung Großheppacher Schwesternschaft finden Sie hier.

Autoren der Festschrift sind Norbert Friedrich (Fliedner-Kultur-Stiftung, Kaiserswerth), Pfr. Dr. Reinhold lanz (Verbandsdirektor des Kaiserswerther Verbandes a. D.), Magdalene Simpfendörfer-Autenrieth (Stiftung Großheppacher Schwesternschaft), Diakonisse Rose Pfund (Stiftung Großheppacher Schwesternschaft, Weinstadt), Carmen Treffinger (Evangelische Diakonissenanstalt Stuttgart), Professor Dr. Volker Ladenthin (Bonner Zentrum für Lehrerbildung), Privatdozent Dr. Axel Bernd Kunze (Evangelische Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt), Ruth Herb (Evangelische Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt), Dunja Hummel (Kinderhaus am Sonnenhang, Weinstadt), Professor Dr. Arnold Pracht (Hochschule Eßlingen), Pfr. Frieder Grau (Stiftungsrat der Großheppacher Schwesternschaft), Renate Fischer-Espey (Evangelische Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt), Stephanie Geymann (Evangelische Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt), Wolfgang Mack (Evangelische Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt), Jonas Naumann (Mathilde-Planck-Schule, Ludwigsburg) und Peter Schmaderer (Stiftung Großheppacher Schwesternschaft, Weinstadt).

Axel Bernd Kunze, Gesamtschulleiter der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt, beschäftigt sich im Beitrag Eine Vorschule des Glaubens mit der Bedeutung gemeinschaftlicher Rituale im Schulalltag (S. 32 – 37): Erfahrungsmöglichkeiten schaffen – Freiräume eröffnen – Nach Bedeutung fragen – Begegnung mit gelebter Religion ermöglichen.