Ad multos annos: Eine Würdigung zum 80. Geburtstag von P. Georg Sporschill SJ

Gelebtes Christentum und dialogische Ethik: Zum 80. Geburtstag von Pater Georg Sporschill SJ

Ein persönlicher Glückwunsch von Dr. Hans-Michael Tappen

Wenn wir in der Bildungsethik über das dialogische Prinzip nachdenken, zitieren wir oft Martin Buber: „Alles wirkliche Leben ist Begegnung.“ Dass diese Haltung kein theoretisches Konstrukt bleiben muss, sondern radikale, menschenfreundliche Praxis sein kann, beweist ein Mann, dem ich seit über fünf Jahrzehnten freundschaftlich verbunden bin: Jesuitenpater Georg Sporschill SJ, der am 26. Juli seinen 80. Geburtstag feiert.

Unsere gemeinsamen Wege begannen im Jahr 1972 in einer Phase intensiver persönlicher und geistlicher Aufbrüche. Unsere Biografien im Jesuitenorden kreuzten sich auf besondere Weise: Georg hatte sein Noviziat gerade beendet, als ich meines erst begann. Es war diese frühe Zeit, die das Fundament für eine dauerhafte, tiefe Verbundenheit legte. Wer Georg kennt, weiß, wie viele Tausende wertvolle Mitarbeiter, Unterstützer und Weggefährten er im Laufe der Jahrzehnte in sein Herz geschlossen hat. Und doch besitzt er diese seltene, zutiefst priesterliche Gabe: Wann immer man ihm begegnet oder ihn braucht, hat man das Gefühl, er ist im selben Moment ganz exklusiv für einen „da“. Georg war für mich immer weit mehr als ein Ordensbruder; er war und ist ein authentischer Seelsorger, Priester und ein Jesuit im besten, also weltzugewandten Sinne.

Seine Großherzigkeit und sein Gespür für das Potenzial im Anderen durfte ich bereits 1978 ganz praktisch erfahren. Damals ermutigte er mich nicht nur, sondern ließ mich auch in der renommierten Zeitschrift „Entschluss“ veröffentlichen – ein prägender Impuls für meinen eigenen Weg.

Besonders intensiv durfte ich Georg in Wien „live“ in Aktion erleben. Ich war damals selbst als Bewährungshelfer tätig und stand an den Bruchkanten unserer Gesellschaft. Georg tat in Wien genau dasselbe, nur im großen, systemischen Stil: vom Aufbau der Obdachlosenversorgung im „Canisibus“ bis hin zum Beschäftigungsprojekt „Inigo“. Er sah meine Vita, verstand meine Erfahrungen mit den Gestrauchelten und Ausgegrenzten und gab mir den entscheidenden Anstoß: Georg ermutigte mich nachdrücklich, mich genau mit diesem Hintergrund als katholischer Religionslehrer einzubringen. Für ihn war Religionsunterricht kein theoretischer Katechismus, sondern die Vermittlung unserer tiefsten ethischen Wurzeln an die nächste Generation.

Dieser Geist prägte auch sein späteres Lebenswerk ab 1991. Als Georg nach Bukarest gesandt wurde, transformierte er den Begriff der Pädagogik. Mit den CONCORDIA Sozialprojekten und später mit dem Verein Elijah in Siebenbürgen schufen er und Ruth Zenkert Räume der Würde für Tausende von Straßen- und Roma-Kindern. In seinen Musikschulen und Sozialzentren geht es nie um sentimentale, kitschig-fromme Fürsorge. Es geht um eine Ethik der Tat, die dem Gegenüber bedingungslos auf Augenhöhe begegnet – ganz im Sinne unserer gemeinsamen jüdisch-christlichen Wurzeln und im Geiste Martin Bubers, für dessen dialogisches Lebenswerk Georg im Jahr 2024 folgerichtig auch mit der Martin-Buber-Plakette geehrt wurde.

Gerade für die heutige Generation angehender Erzieherinnen und Erzieher, für Pädagogen und alle, die sich auf helfende Berufe vorbereiten – wie sie auch an der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt ausgebildet werden –, kann und sollte Georg Sporschill ein ganz großes Vorbild sein. In unserer heutigen, von Pluralismus geprägten multi-ethnischen Gesellschaft zeigt sein Wirken exemplarisch, wie professionelle soziale Arbeit gelingt: Georg blickt nicht zuerst auf Herkunft, Status oder Konfession, sondern auf das Potenzial und die unveräußerliche Würde jedes einzelnen Menschen. Seine Pädagogik der Hoffnung ist eine Ermutigung, den Aufbruch in die Praxis mit Mut, Zutrauen und einer klaren ethischen Haltung zu wagen.

Lieber Georg, zu Deinem 80. Geburtstag gratuliere ich Dir von Herzen. Danke für Deine jahrzehntelange Freundschaft, Dein Zutrauen in meinen eigenen Weg und Dein unermüdliches Vorbild, das uns zeigt, wie gelebtes Christentum heute aussieht. Ad multos annos!

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