Gesellschaft für Bildung und Wissen: Neue Flugschrift

„Mittlerweile ist’s eine Binsenweisheit: Unterrichten wurde vielerorts über die Maßen anstrengend, die Ergebnisse der Bildungsprozedur sind immer öfter bescheiden. 

Anstatt aber die Hauptursachen der Misere anzupacken bzw. ihre Lösung einzufordern (mehr und besser ausgebildetes Personal, bessere Sprachintegration & Inklusion), gefallen sich immer mehr Stimmen (Aussteiger, Influencer, Bildungsunternehmer) darin, das System als Ganzes zu diffamieren: Man müsse in Schule einfach alles ganz anders machen, das alte Bildungssystem gehöre schlichtweg abgeräumt.

Ein junger Kollege und ich haben diesem Transformationsgerede mal auf den Zahn gefühlt. Angesichts der Tatsache, dass es der Slogan „Unterricht ist aller Übel Anfang“ bis in Talkshows schafft, schien es uns nötig klarzustellen, dass personaler und geordneter Unterricht eine kulturelle Errungenschaft ist, die entschieden verteidigt gehört.

Weiter’sagen“ erwünscht!“

(Michael Felten)

Ein Gedanke zu “Gesellschaft für Bildung und Wissen: Neue Flugschrift

  1. Unterricht: kein Übel, sondern Wohltat!

    Wider die schulische Transformationsrhetorik

    Ein Lob für den Mut zur klaren Führung bei Michael Felten und Michael Storch in GBW. Gesellschaft für Bildung und Wissen e.V., Forum für Schule, Ausbildung und Studium, Heft 5, 2026, Universität Köln.

    Die grassierende Euphorie um eine „neue Prüfungskultur“ an medial gefeierten Leuchtturm-Schulen bedarf dringend einer Erdung durch die klugen Analysen des Schulpraktikers Michael Felten. Wo die moderne Reformpädagogik unter dem Deckmantel von „Transformation“ bewährte Strukturen zertrümmert und Schüler in diffuse, permanente „Lernprozessbeobachtungen“ drängt, verteidigt Felten das klassische, sachliche Prüfungsformat als echten Schutzraum für das Kind. Seine methodische Nüchternheit bewertet das messbare Ergebnis, lässt aber die Persönlichkeit und Intimsphäre des Lernenden unantastbar.

    Feltens bleibendes Verdienst ist es zu zeigen, dass die Würde und die z.B. von meinem Lehrer Marian Heitger geforderte „Selbigkeit“ des Schülers nicht im weichen, ungebundenen Feedback-Nebel gedeihen. Auch die modische Inflationierung des Begriffs der „Neurodivergenz“ entlarvt er in ihrer Kehrseite: Sie dient der Politik allzu oft als billiges Alibi, um Kinder unter dem Banner der Inklusion in chronisch überfüllten Regelschulklassen sich selbst zu überlassen, statt ihnen die dringend benötigte, schützende Struktur zu bieten.

    Es ist ohnehin längst nicht mehr „kurz vor zwölf“ im deutschen Bildungssystem – es ist bereits fünf nach zwölf. Der bildungspolitische Kollaps ist durch Lehrkräftemangel und sinkende Basiskompetenzen unübersehbar Realität. Gerade deshalb ist Michael Felten zu verdanken, dass wir wieder begreifen: Wahre individuelle Förderung bedeutet nicht laissez-faire Selbstbespiegelung, sondern präsente pädagogische Führung und die fordernde Konfrontation mit der Sache. Wer die Einmaligkeit von Kindern im akuten Systemkollaps wirklich retten will, muss Feltens fundierten Realismus lesen – er schützt die pädagogische Substanz vor dem technokratischen Zeitgeist.

    Dr. Hans-Michael Tappen

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