Interview: Begräbnisfeierlichkeiten für den verstorbenen Papst em. Benedikt XVI.

Heute, am 5. Januar 2023, ist der am Silvestertag verstorbenen Papst emeritus Benedikt XVI. im Petersdom beigesetzt worden. Zuvor war der Leichnam im Petersdom aufgebahrt worden. Die Aufbewahrung ist keinesfalls bedeutenden Persönlichkeiten vorbehalten, doch hat sie in diesem Fall noch einmal eine besondere Bedeutung.

Die Aufbahrung legitimiert den Amtswechsel. Diese Funktion spielt im gegenwärtigen Fall eine geringe Rolle, da Benedikt XVI. wider Erwarten schon vor Jahren als Papst zurückgetreten war. Eine feierliche und öffentliche Aufbahrung stellt Kontinuität und Autorität der Institution dar. Der Papst ist zudem sichtbarer Ausdruck der Einheit der Kirche, die er geleitet hat. Im Falle eines verstorbenen Papstes, der für viele Gläubige eine geistliche Vater- und Führungsfigur war, besteht allerdings auch ein großes geistliches Bedürfnis, auf diese Weise Abschied nehmen zu können. Wir wissen überhaupt, wie wichtig es für einen Trauerprozess ist, den Verstorbenen noch einmal sehen zu können.

Für die Aufbahrung wird der Leichnam vorbereitet. Wir dürfen hier durchaus an die Salbung Jesu in Betanien kurz vor seinem Tod denken oder an die Frauen, die am Ostermorgen zum Grab gehen, um den Leichnam zu salben. Im Christentum wird der Leib besonders geehrt: Christen glauben an die Auferstehung des Fleisches. Der Leib wird als Tempel des Heiligen Geistes geehrt, der in Taufe und Firmung gegeben wird. Ein Leichnam, der einbalsamiert wird, stellt überdies die Schönheit der Heiligen dar, die in Gott vollendet sind.

Es ist erst das zweite Mal in der Kirchengeschichte, dass ein Papst zurückgetreten ist, also nicht im Amt verstorben ist. Dass am Silvestertag ein emeritierter, nicht mehr regierender Papst gestorben ist, wurde bei den Trauerzeremonien durchaus deutlich gemacht. An Silvester fehlte das große Sterbegeläut von St. Peter, die Überführung vom Vatikankloster in den Petersdom erfolgte ohne Weihrauch oder Leuchter. Benedikt XVI. trug bei der Aufbahrung kein Pallium, das aktiven Amtsträgern vorbehalten ist, auch nicht den päpstlichen Kreuzstab. Aber auch Papst Benedikt wurde im roten Messgewand, also in der päpstlichen Trauerfarbe, aufgebahrt und dann auch bestattet. Das Begräbnis erfolgte durch den amtierenden Papst selbst.

Das Christentum ist weltweit die größte Weltreligion. Die weltweite Anteilnahme an päpstlichen Großereignissen zeigt, dass unsere Welt doch weniger säkular ist, als viele gern behaupten. Es besteht auch weiterhin ein großes Bedürfnis nach geistlicher Führung und Orientierung in einer unübersichtlichen Welt, angesichts der Kontingenz menschlichen Lebens.

Bewahren wir dem verstorbenen Papst Benedikt XVI. ein ehrendes Gedenken, das nicht zuletzt in Auseinandersetzung mit seinem bleibenden theologischen Werk lebendigen Ausdruck finden wird.

Zum Nachhören ein Rundfunkinterview zu den Begräbnisfeierlichkeiten in Rom:

https://kontrafunk.radio/de/sendung-nachhoeren/kontrafunk-aktuell/kontrafunk-aktuell-vom-5-januar-2023

Im heutigen Kontrafunk aktuell spricht Benjamin Gollme mit dem christlichen Sozialethiker Axel Bernd Kunze über die Bedeutung und die Beisetzung von Benedikt XVI. Die Autorin Sabine Beppler-Spahl erklärt die Mechanismen der Cancel Culture und weist auf die Gefahren für Freiheit und Gesellschaft hin. Der Philosoph Prof. Christoph Lütge gibt einen Einblick in die Welt der Ethikräte, und die Medienschau dreht sich um Twitter und den neuen Inhaber Elon Musk.

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