CV-Verbandszeitschrift ACADEMIA zur Impfdebatte: „Der Riss durchzieht unsere Verbindungen“

Nachdem es zuvor schon kontroverse Auseinandersetzungen gab, hat die Chefredaktion der Verbandszeitschrift des katholischen Cartellverbandes, ACADEMIA, die Impfdebatte in Heft 1/2022 ausführlich aufgegriffen. Und das auf sehr beachtliche Weise (obwohl an anderen Stellen im Heft immer wieder ungute parteipolitische Ausgrenzungs- und Diffamierungsstrategien auffallen, mit denen sich der CV als Vorfeldorganisation der C-Parteien geriert). Das über mehrere Seiten gehende Sechserinterview des Chefredakteurs, Veit Neumann, zeigt, wie kontrovers, aber gleichzeitig sachlich und differenziert über die schwierigen politischen, medizinischen und ethischen Konflikte der Corona- und Impfpolitik gestritten werden kann – auch in Zeiten einer dramatischen Polarisierung. Das ist einmal couleurstudentische und akademische Debattenkultur mit Vorbildcharakter. Chapeau! Und es wäre viel gewonnen, wenn so auch an anderen Stellen diskutiert werden könnte. Der Namensbeitrag von Innenminister Joachim Herrmann zu Heftbeginn fällt dagegen im intellektuellen Diskursniveau deutlich nach unten ab.

Hervorragend ist auch Neumanns Beitrag „Rote Linie“. Der Farbenbruder kritisiert sachlich, aber deutlich eine auf Zwang setzende Impfpolitik und deren Folgen. Abweichende Stimmen aus dem Cartellverband werden allerdings in gesonderten Kurzbeiträgen parallel referiert, sodass sich der Leser eine eigene Meinung bilden kann. Neumann macht auch deutlich, welche Gefahren die repressiv-autoritäre Coronpolitik für Studentenverbindungen und den Zusammenhalt im Lebensbund bedeutet:

„Durch so gut wie alle Gemeinschaften geht ein hässlicher Riss: durch Familien, Freundschaften, Vereine, Betriebe, verdeckt auch durch die Kirche. Nicht immer ist die Spaltung sofort sichtbar, denn Bürger zweiter Klasse halten sich zurück, derart haben große Teile der Politik und manche Konformisten ihnen auf den Deckel gegeben. Der Riss durchzieht unsere Verbindungen. Unter den Cartellbrüdern gibt es viele Stille, die Ausgrenzung ertragen. Das kann für uns nicht gut sein. Das Prinzip Scientia soll uns warnen, allzu vertrauensbereit den großspurig vorgetragenen Gewissheitsversicherungen der Politiker und ausgewählter Fachleute zu folgen, zumal wenn das Hin und Her und das ‚Mal so, dann mal so‘ das weithin planlose Agieren decouvrieren (‚Niemand hat die Absicht, eine Impfpflicht einzuführen‘). Auch gilt es, an Amicitia und Cartellbrüderlichkeit zu denken. Wozu hätten wir sie sonst?“ (S. 47)

Literaturangaben:

Veit Neumann, Sigmund Bonk, Josef Dohrenbusch, Christoph J. Dorner, Guido Hermann, Andreas Kollmann, Wolfgang Walter, Zwischen Outlaw und Hängt-ihn-lieber-sofort-auf. Corona, Impfen, Impfpflicht: Cartellbrüder praktizieren Diskussionskurltur, in: ACADEMIA 115 (2022), H. 1, S. 36 – 45.

Veit Nemann: Rote Linie. New Booster, Bumper, Buster+: Nicht nur sprachlich verfehlt der Zwang zum guten Zweck die Wirkung, in: ebd., S. 46 – 49.

Joachim Herrmann: Wie wir es schaffen. Angebliche Gefahr Unfruchtbarkeit bei Impfung: Dem Gerücht wird begegnet, in: ebd., S. 7.

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