Schlaglicht: Ist Gendersprache wirklich „gerecht“?

„Merz gegen Gender-Stern“, so die F.A.Z. in einem Beitrag am Samstag, 24. April 2021: In einem Gespräch mit dem „Spiegel“ fragt der CDU-Politiker, „wer gibt Nachrichtenmoderatorinnen und -moderatoren das Recht, in ihren Sendungen einfach mal so eben die Regeln zur Verwendung unserer Sprache zu verändern?“ Merz sieht den kulturellen Konsens in unserem Land in Gefahr und lobt das Beispiel Frankreichs: Die Franzosen hätten „ein besseres Feingefühl für den kulturellen Wert ihrer sehr schönen Sprache“. So weit so gut.

Lassen wir an dieser Stelle die Frage außen vor, ob es hier um Wahlkampfrhetorik geht, mit welcher wieder einmal der rechte Flügel eingefangen werden soll – nur damit am Ende in der Regierung die CDU dann doch nach der grünen Flöte tanzt. Immerhin war es einst Frau von der Leyen von der CDU, die Gendermainstreaming als Maxime der Bundesregierung durchsetzte. Irgendetwas von vornherein zum „Mainstream“ zu erklären, sollte dem demokratischen Diskurs widersprechen, da einer sorgfältigen und verantwortlichen Güterabwägung von vornherein der Boden entzogen ist. Denn das Ergebnis, was in einem ethischen Wertkonflikt vorrangig zu berücksichtigen ist, wird per Kabinettsordner vorab festgelegt.

Falsch ist von vornherein die Prämisse, der auch die F.A.Z. einmal mehr auf den Leim geht, aber nicht nur sie: Friedrich Merz „hat sich gegen die Verwendung geschlechtergerechter Formulierungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gewandt“, heißt es. Was heißt hier „gerecht“? Oder auch „inklusiv“ – wenn andernorts von „geschlechterinklusiver“ Sprache geredet wird? Gendersprache ist weder gerecht noch inklusiv, sondern übergriffig und exkludierend. Der öffentliche Raum wird einseitig durch eine radikalkonstruktivistische Theorie besetzt. Unser Kulturgut Sprache, das allen gehört, wird für politische Zwecke vereinnahmt. Wer widerspricht, wird als „ungerecht“ gebrandmarkt. Und wer es wagt, politisch anderer Meinung zu sein, wird ausgegrenzt. Und dies alles zulasten der Schönheit der Sprache, ihrer linguistischen Regeln und ihrer identitätsstiftenden Wirkung für die deutsche Kulturnation.

Das Diskriminierungsverbot der Verfassung gilt – keine Frage. Die Sprache ist aber der falsche Kampfplatz. Ich muss im Alltag meine Sprache nutzen können, ohne beständig Angst haben zu müssen, in ein politisches Minenfeld zu treten. Nicht Sprachkosmetik, sondern politische Maßnahmen mit Augenmaß, Klugheit und Verantwortungsbewusstsein sind zum Abbau von Diskriminierungen wichtig. Sprachpolitische Manipulationen, Sprachzerstörung und egalitaristische Rasuren an der Vielfalt grammatikalischer Ausdrucksformen (Studenten sind eben etwas anderes als Studierende) widersprechen dem Geist der Verfassung und schaffen keine Gerechtigkeit. Hierfür braucht es die Freiheit der Sprache und den angstfreien Diskurs. Und es braucht eine kraftvolle, schöne, differenzierte Sprache, die gern gesprochen, gelesen, gepflegt und an die nachfolgenden Generationen weitergegeben wird.

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