Neue Rezensionen: Warum die „römische“ Kirche Europa retten muss …

Vor Ostern sind neue Rezensionen zum Band Wiederentdeckung des Staates in der Theologie (Alexander Dietz, Jan Dochhorn, Axel Bernd Kunze, Ludger Schwienhorst-Schönberger, Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt Leipzig 2020) erschienen

  • in der Schweizer Wochenzeitung Weltwoche, Nr. 13/2021, 1. April 2021, S. 63.

Interessant ist die Lesart des Rezensenten in der „Weltwoche“, dass gerade die Kirche als Erbin des römischen Rechtsdenkens die Aufgabe hat, ein starkes Fundament für ein humanes und gerechtes Zusammenleben zu sichern. Dieses wird aber möglicherweise in unserem Land und in Europa gerade an vielen Stellen verspielt, indem staatliche Institutionen gering geschätzt und in ihrer Bedeutung verkannt werden. Beispiele aus verschiedenen Politikbereichen, nicht allein aus der Migrationspolitik, welche diese Thesen belegen könnten, fallen einem ein, aber auch der neuere, plakative Stil päpstlicher Sozialverkündigung. Wenn etwa der bayerische Ministerpräsident Ärzte dazu aufruft, Impfstoffe auch gegen Bedenken der zuständigen Zulassungsbehörden zu verimpfen, leistet er damit nicht allein einen Aufruf zu einer strafbaren Handlung, sondern beschädigt er damit auch das Vertrauen in verlässliche, rechtsstaatliche, rational arbeitende staatliche Institutionen.

Sebastian Sigler in der Weltwoche 13/2021:

Auf den Punkt kommt Kunze mit seiner These Nummer 30: «Wo staatliche Ordnungspolitik durch einen moralischen Individualismus in Frage gestellt wird, nimmt auf Dauer auch der humanitäre Rechtsschutz Schaden. Denn ein moralischer Impetus, der sich über Recht und Gesetz hinwegsetzt, verhindert notwendige Differenzierungen in der Anwendung bestehenden Rechts.» Laut Kunze «eröffnet das Evangelium den Raum für eine Politik aus christlicher Verantwortung, die im politischen Diskurs Kontur gewinnt und eine Verschiedenheit säkularer Gesetze zulässt». Das Christentum als Mutter der Toleranz – voilà! […]

Wirkmächtig wird dagegen erklärt, warum es die traditionelle, die konservativ verstandene christliche Kirche sein muss, die Europa davor rettet, nicht mehr «römisch» – und damit nicht mehr existent! – zu sein. Ein Standardwerk haben die vier Autoren geschaffen. Zunächst irritiert zwar, dass dieses inhaltlich so gewichtige Werk im Taschenbuchformat erschienen ist. Aber das ist vielleicht gerade ein Vorteil – dieses Buch gehört in jede Manteltasche, gehört in jede Aktentasche, sollte immer griffbereit sein.

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