Schlaglicht: Wertschätzung für Dialog wird zum Nichtdialog – Ansichten zur innerkirchlichen Lage

Unser Land ist gespalten. Hierzu ließe sich politisch vieles sagen, dazu ist hier nicht der Ort. Die Verwerfungen, welche die zu Ende gehende Kanzlerschaft hinterlassen hat, werden uns noch lange beschäftigen. Welche Kraft im Land wäre in der Lage, in dieser Situation so etwas wie eine gesellschaftliche Moderatorenrolle zu übernehmen? Auch die Kirche fällt aus. Sozialethisch hat sich die Kirche selbst zur Partei gemacht, die politische Kraft des Glaubens mit Parteipolitik verwechselt und kräftig an der gesellschaftlichen Spaltung mitgewirkt – bis heute. Mittlerweile steht die Kirche oft genug nur noch für eine gesinnungsethische Schrumpfform des Christentums. Ich bin fast geneigt, von einer Art „Dialog- und Vielfaltskult“ zu sprechen, dem die Kirche frönt. Vergessen ist die große Tradition katholischer Staatslehre. Stattdessen beteiligen sich die Kirchenleitungen im Land auf unverantwortliche Weise daran, den Staat zu schwächen, wo es nur geht. Nicht zuletzt in der Migrationskrise hat sich die Kirche auf beschämende Weise illoyal gegenüber dem eigenen Volk verhalten. Dem unnachahmlichen Wort des Neuen Testaments „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist“ entspricht dies nicht. Die Botschaft des Evangeliums ist politisch relevant, aber nicht parteipolitisch. Aus dem Evangelium lässt sich kein umfassendes politisches Gesetz ableiten. So wie das Wort einer Vergötzung des Staates wehrt, mahnt es umgekehrt die Kirche vor allzu viel Selbstgewissheit in vorletzten Fragen. Politik aus gläubiger Verantwortung gewinnt erst im politischen Diskurs Kontur. Und so können Christen auch zu ganz unterschiedlichen konkreten Antworten bei politischen Streitfragen finden, im demokratischen Spektrum links wie rechts der Mitte. Dies gilt es innerhalb der gläubigen Gemeinde auszuhalten. Einem Redakteur der Hildesheimer Kirchenzeitung scheint das nicht zu gelingen, wenn man sein Editorial in der Ausgabe vom 21. Oktober 2018 liest. Nun mag jeder eine Partei „widerlich“ finden oder nicht. Doch ist gerade von einem Journalisten zu erwarten, dass er die Bereitschaft aufbringt, das Selbstverständnis der anderen politischen Seite zunächst überhaupt erst einmal unvoreingenommen zur Kenntnis zu nehmen. Und dann wird er feststellen, dass diese Partei ihre Anhänger und Wähler auch unter den eigenen Kirchenmitgliedern findet. Politisch andersdenkende Mitchristen werden ausgrenzt und auf moralisierende Weise abqualifiziert. Dabei könnte gerade hier die Gelegenheit bestehen, mit dem Andersdenkenden ins Gespräch zu kommen – denn genau das fordert das Editorial in seinem zweiten Teil. Stattdessen verdoppeln wir die gesellschaftliche Spaltung auch noch innerkirchlich. Es gibt so etwas wie eine unbewusste Milieubindung, die unsere Sprache (auch in meinem Beruf bin ich davor nicht gefeit) eintönig, austauschbar und einseitig werden lässt. Wir reden von Dialog, Vielfalt und Toleranz – und finden selbst doch nicht die Kraft, dies innerkirchlich zu leben.

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