Rezension: 25 Berufe, die die Welt besser machen?

Berufliche Orientierung ist ein wichtiges Thema. Zumal in einer Welt an Ausbildungen und Studiengängen, die immer vielfältiger und unübersichtlicher werden. Und Berufsorientierung beginnt schon früh, etwa mit Bilderbüchern, die Kinder in die reale Welt der Berufe einführen. Auch der Rezensent hatte solche Bücher, wie er sich noch heute erinnert.

Der vorliegende Titel „Alle helfen“ führt möglicherweise in die „reale Welt“ ein – aber auf welche Weise? Weniger „ermutigend“, wie der Klappentext verspricht, sondern in hohem Grade wertend. Es wäre nichts dagegen zu sagen, helfende Berufe vorzustellen (wobei der Band mit Oma und Assistenzhündin durchaus liebenswert die Berufswelt im engeren Sinne überschreitet). Doch hier geht es um einseitige politische Wertungen. Feuerwehrmänner, Assistenzhunde, Bergretter und Hebammen kann man zu jenen – so der Untertitel – Berufen zählen, „die die Welt besser machen“ (über die  sprachlich unelegante Wortwiederholung schauen jetzt einmal hinweg). Doch wie ist es etwa mit Klimaaktivisten oder Seenotrettern (im Mittelmeer)? Hier werden Kinder politisch vereinnahmt. Die politische Debatte um Schleuserkriminalität oder die rechtliche Debatte um eine Abgrenzung zu Nötigung und Extremismus werden bewusst ausgeblendet. Entwicklungspsychologisch ist das verständlich. Aber gerade das macht den Band als Kinderbuch ungeeignet: Wo Kinder einseitig politisch vereinnahmt und mit Inhalten überfallen werden, die sie denkend (noch) gar nicht nachvollzogen werden, werden das pädagogische Überwältigungsverbot und das Kontroversitätsgebot verletzt.

Gutgemeint ist mitunter das Gegenteil von gut gemacht. Dies ist im vorliegenden Fall umso bedauerlicher, weil das Buch an sich ansprechend gestaltet ist und zum Entdecken und „Immer-wieder-zur-Hand-Nehmen“ einlädt. Doch: Lieber Finger weg von diesem Buch. Es gibt bessere, kindgerechtere Bilder- und Kinderbücher, welche die Welt der Berufe erschließen und Mündigkeit fördern – damit sich Kinder, wenn sie älter geworden sind, tatsächlich eine eigenständige politische Meinung bilden und sich informiert und selbstbestimmt für einen Beruf entscheiden können.

Rike Drust, Horst Klein: Alle helfen. 25 Berufe, die die Welt besser machen, Leipzig: Klett Kinderbuch 2023, 60 Seiten, 18 Euro.

Studentengeschichte: AKSt stellt Mahnmal für Bamberger Widerstand vor

Der Arbeitskreis der Studentenhistoriker stellt auf seinen Internetseiten das Mahnmal für den Bamberger Widerstand vor. Anlass ist die Neuerscheinung einer Buchpublikation zum Thema:

Neuerscheinung: Menschenwürde im Intensivstaat?

Ab 20. Dezember 2023 im Buchhandel:

Oleg Dik, Jan Dochhorn, Axel Bernd Kunze: Menschenwürde im Intensivstaat? Theologische Reflexionen zur Coronakrise (Philosophie interdisziplinär; 54, hg. v. Harald Schwaetzer und Henrieke Stahl), Regensburg: S. Roderer 2023, 258 Seiten.

mit folgenden Beiträgen:

  • Axel Bernd Kunze: Gesprächsstörungen. Eine sozial- und bildungsethische Ursachensuche im Angesicht der Coronakrise
  • Jan Dochhorn: Paradoxologia Theologica. Ansätze zu einer Gesellschaftskritik aus theologischer Sicht angesichts der Coronakrise
  • Oleg Dik: Die zerrissene Menschenwürde. Corona als Symptom einer theologischen Krise
  • Axel Bernd Kunze: Intensivstaat und zivilgesellschaftliche Staatsbedürftigkeit. Sozial- und freiheitsethische Betrachtungen zum Staatsverständnis (nicht nur) in Coronazeiten.

Pressedienst: IDEA berichtet über Offenen Brief

Sechzehn Wissenschaftler haben sich, wie „Bildungsethik“ berichtete, mit einem Offenen Brief, der im Onlinemagazin „Tichys Einblick“ veröffentlicht wurde, gegen die Zensur eines coronapolitisch kritischen Bandes der Evangelischen Verlagsanstalt Leipzig durch das Gemeinschaft der Evangelischen Publizistik protestiert. Der Pressedienst der evangelischen Nachrichtenagentur IDEA berichtet nun in seiner Ausgabe Nr. 264 vom 15. Dezember 2023 über den Offenen Brief.

Rezension: Gelungener Einstieg in die Pflegeethik

Fachkräfte werden im Pflegebereich dringend gesucht. Mittlerweile entstehen neben der vor einigen Jahren generalisierten Ausbildung immer mehr Studiengänge für Pflegewissenschaft. Wie in anderen sozialen Dienstleistungsprofessionen auch stehen Pflegekräfte immer wieder vor der Herausforderungen, über ethische Wertkonflikte zu reflektieren und ihr Handeln sittlich zu reflektieren. Ein utb-Bändchen bietet einen ersten Einstieg in die Pflegeethik, gestaltet als Lehrbuch enthält das Werk Reflexionsfragen, Übungs- und Onlineaufgaben für das Selbststudium.

Der Band kann als gelungen bezeichnet werden und vermittelt einen kompakten Einstieg in das breite Feld einer Professionsethik für die Pflegewissenschaft und den Pflegebereich. Die ethischen Fragen, die angesprochen werden, reichen vo der professionsethischen Ebene im direkten Umgang mit dem Pflegepatienten über organisationsethische Fragen, etwa im Umgang mit begrenzten Ressourcen, bis zur sozialethischen Ebene. Trotz seiner Dichte ist der Band inhaltlich gut verständlich, allein der Umgang mit religiösen Bedürfnissen im Pflegealltag kommt zu kurz. Wer einen Einstieg in die Ethik der Pflege sucht, ist mit diesem Band gut beraten.

Andrea Schiff, Hans-Ulrich Dallmann: Ethik in der Pflege. Mit Online-Aufgaben (utb; 5587), München: Ernst Reinhardt 2021, 238 Seiten.

Zwischenruf: Was mit der Widerspruchslösung auf dem Spiel steht …

Was vor einigen Jahren im Bundestag scheiterte, soll jetzt über den Bundesrat kommen – jedenfalls wenn es nach dem Willen der Länderkammer geht: die Widerspruchslösung im Transplantationsgesetz. Jeder soll demnach als potentieller Organspender gelten – oder aber er hat bereits zu seinen Lebzeiten widersprochen, ersatzweise dann noch seine Hinterbliebenen. Die Beweislast wird umgekehrt. Wer seinen Widerspruch nicht rechtssicher dokumentiert hat, dem wird die Verfügung über den eigenen Körper und den eigenen Sterbeprozess entzogen.

Anders als bei der aggressiven Coronaimpfnötigungspolitik, die wir erlebt haben, kommt dieses Mal Widerspruch aus der katholischen Moraltheologie. Andreas Lob-Hüdepohl, der seinerzeit deutlich für eine mindestens moralische Impfpflicht plädiert hatte, meldete in einem Interview mit der Zeitschrift „Publik-Forum“ deutliche Bedenken an einer Widerspruchslösung an. Organspende müsse immer eine freiwillige Entscheidung bleiben, es gehe um die Entscheidung über den eigenen Sterbeprozess. Eine derart freiheitliche Position hätte man sich vom Mitglied des Deutschen Ethikrates auch schon zu Coronazeiten gewünscht, als es um nicht weniger als gravierende Eingriffe in die körperliche Unversehrtheit ging.

In beiden Fällen geht es um einen autoritären biopolitischen Neokollektivismus, bei dem der Staat sich Zugriff auf den innersten Kernbereich der Persönlichkeit, das Recht am eigenen Körper und am eigenen Sterbeprozess, anmaßt. Dahinter verbirgt sich ein mehr als verqueres Menschenbild: Der Staat will eine selbstbestimmte Entscheidung des Einzelnen erzwingen, indem er massiv in Grundrechte eingreift. Ein solches Machthandeln des Staates ist das Gegenteil von Selbstbestimmung. Schon in der Coronazeit wurde gegen Anstand und Logik gleichermaßen zu begründen versucht, dass Druck kein Zwang sei – selbst dann nicht, wenn die so zur Impfung Genötigten am Ende Arbeitsplatz, Bewegungsfreiheit und soziale Teilhabe verlieren sollten. Ein Staat, der so agiert, muss sich am Ende nicht wundern, wenn ihm kein Vertrauen mehr entgegebengebracht wird. Und wer Zwang sät, wird Entsolidarisierung ernten.

Organspende ist eine ehrenwerte Sache, für die es gute Argumente gibt, sie darf aber nicht erzwungen werden. Sie muss eine freie, selbstbestimmte moralische Entscheidung des Einzelnen bleiben. Der Zweck heiligt eben nicht jedes Mittel. Ein Rechtsstaat, der seine Bevölkerung zur Impfung mit einem allein notfallzugelassenen neuartigen Impfverfahren mit großer Eingriffstiefe, aber geringer Schutzwirkung zwingt, verliert seine Würde. Ein Rechtsstaat, der sich die freie Zustimmung der Einzelnen zu medizinischen Maßnahmen im Grenzbereich von Leben und Tod dadurch erschleicht, dass er Schweigen schon als eine solche deutet, ebenso.

Grundrechtsträger ist der Souverän, nicht der Untertan. Der freiheitliche Rechts- und Verfassungsstaat darf Anreize setzen, die Spendebereitschaft zu erhöhen, aber er darf nicht den freien Willen der Einzelnen außer Kraft setzen. Es verheißt nichts Gutes für künftige gesundheitspolitische Debatten, nicht zuletzt in den Grenzbereichen am Anfang und Ende des Lebens, wenn ein solches Staatsverständnis weiter um sich greift. Die bis heute nicht geheilte Spaltung der Gesellschaft durch eine freiheitsfeindliche, polarisierende Coronapolitik zeigt, was auf dem Spiel steht. Es geht um mehr als eine bloße Änderung des Transplantationsgesetzes. Es geht um unser Menschenbild und Staatsverständnis.

Rezension: Tagungsband der 82. deutschen Studentenhistorikertagung

ACTA STUDENTICA, die Zeitschrift des Österreichischen Vereins für Studentengeschichte, rezensiert in ihrer neuen Ausgabe (53. Jg., Dezember 2023, Folge 227, S. 21 f.) den Tagungsband der 82. deutschen Studentenhistorikertagung, die 2022 in Würzburg stattfand. Das Fazit der Besprechung: „Ein sehr interessanter Querschnitt durch die Studentengechichte!“

Weihnachtsgrüße

Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht,

und denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.“

(Jesaja 9, 1)

Giotto di Bondone: Anbetung der Könige, 1302

Liebe Leserinnen und Leser,

Christen erkennen dieses Licht im Stern von Bethlehem, der die Weisen zur Krippe führt. Jesus Christus ist der von Jesaja verheißene Friedensfürst. Bei seiner Geburt singen die Engel: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.“

Frieden – das ist auch die große Bitte an diesem Weihnachtsfest. Die ökumenische Jahreslosung für das neue Jahr 2024 lädt uns ein, selber zu Friedensbringern zu werden: Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe (1 Kor 16,14). Ein großes Wort. Und doch: Wir dürfen es wagen, die Aufgaben, die im neuen Jahr auf uns warten, in Liebe anzugehen und so diese Welt ein wenig friedvoller zu gestalten, weil Gott uns zuerst geliebt hat – im kleinen Kind von Bethlehem, dessen Geburt wir jetzt feiern.

Herzlichen Dank für die gemeinsame bildungsethische Debatte in diesem Jahr und Ihre Verbundenheit mit „Bildungsethik“. Von Herzen wünsche ich Ihnen und Ihren Angehörigen ein lichtvolles Weihnachtsfest sowie ein friedvolles, gesegnetes neues Jahr 2024.

Ihr Axel Bernd Kunze

Wissenschaftsfreiheit: Netzwerk Wissenschaftsfreiheit kritisiert „Frankfurter Rundschau“

Pressemitteilung des Netzwerkes Wissenschaftsfreiheit vom 11.12.2023:

Netzwerk Wissenschaftsfreiheit weist Diffamierungen der Konferenz „Antisemitismus in der islamischen Welt und Deutschland“ in der Frankfurter Rundschau zurück

Am 8.12. fand in Frankfurt am Main die Konferenz „Antisemitismus in der islamischen Welt und Deutschland“ statt. Die Konferenz wurde organsiert vom Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam, das von Prof. Susanne Schröter geleitet wird. Anlässlich der Konferenz warf ein Mitglied des Asta-Vorstands der Universität Frankfurt Prof. Schröter in der Frankfurter Rundschau vor, „rechtspopulistische […], rassistische […] und antisemitische […] Aussagen“ zu verbreiten. Das Netzwerk Wissenschaftsfreiheit verurteilt diese Diffamierungen auf das Schärfste. Schwer erträglich ist, dass AStA-Mitglieder die Grenze von sachlicher Kritik – im wissenschaftlichen Diskus zulässig und unentbehrlich – in Richtung auf persönliche Diffamierung so deutlich überschreiten.

Die jüdische Podiumsteilnehmerin berichtete auf der Konferenz von ihrem jüngsten Besuch in Israel und klagte die Hamas an, am 7. Oktober 10 Jugendliche in einem mobilen Luftschutzbunker ermordet zu haben, den ihre Organisation zum Schutz der Einwohner aus der Luft gespendet hatte. An das weibliche Publikum in Frankfurt gerichtet warnte sie vor der manifesten Frauenfeindlichkeit der Hamas. Ihr wirft ein AStA-Mitglied laut FR Nähe zu Reichsbürgern und Antifeminismus vor. Wer angebliche Äußerungen zu völlig anderen Themen in den sozialen Medien zum Grund nimmt, eine jüdische Frau derart zu diskreditieren, legt aus Sicht des Netzwerks Zweifel an der eigenen kulturwissenschaftlichen Kompetenz, vielleicht sogar an der eigenen politischen Lauterkeit nahe.

Für enttäuschend hält es das Netzwerk Wissenschaftsfreiheit weiterhin, dass die Frankfurter Rundschau anlässlich der Tagung die Falschinformation weiterverbreitete, der Tübinger Oberbürgermeister Palmer habe sich bei einer anderen vom Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam ausgerichteten Tagung rassistisch und holocaustrelativierend geäußert. Wer Definitionen von Rassismus und Holocaustrelativierung anwendet, die bis zur völligen Unkenntlichkeit verzerrt sind, tut weder dem Kampf gegen den Rassismus noch dem Kampf gegen den Antisemitismus einen Gefallen.

„Leider scheint in Teilen der publizierenden Öffentlichkeit und der kritischen Studierendenschaft die Ungeheuerlichkeit der aktuellen antisemitischen und anti-israelischen Angriffe noch nicht angekommen zu sein,“ bedauert die Vorsitzende des Netzwerks Wissenschaftsfreiheit, Prof. Sandra Kostner. „Debatten um Antisemitismus in der muslimischen Welt und in Deutschland – wie jetzt in Frankfurt – müssen geführt und dürfen nicht diskreditiert werden!“ so Kostner abschließend. Dies gebiete ein umfassender Begriff von Wissenschaftsfreiheit.

Quelle: http://www.netzwerk-wissenschaftsfreiheit.de