Zwischenruf: Hochschullehrer kritisieren geplantes Hochschulsicherheitsrecht in NRW

Mit einem Appell, der von weiteren Professoren mitgetragen wird, wenden sich Verfassungsrechtler an die Wissenschaftsministerin in Nordrhein-Westfalen, Ina Brandes (CDU). Die Hochschullehrer fordern von der Ministerin, die Pläne für eine Hochschulsicherheitsrecht zurück zu ziehen. Befürchtet werden deutliche Eingriffe in die Wissenschaftsfreiheit. Veröffentlicht wurde der Appell im Verfassungsblog:

Ferner hat Julian Krüper im Verfassungsblog die Gründe, die politischen Pläne abzulehnen, in einem eigenen Beitrag zusammengefasst:

Ganz sicher: Das geplante Vorhaben ist ein Irrweg. Aber wenn ich mir einige der Namen unter dem Aufruf ansehe, kann ich mich nicht dagegen wehren, dass mir ein Zitat aus anderem Kontext in den Sinn kommt: Die Revolution frisst ihre Kinder. Aus der Theologie entdecke ich Unterzeichner, die selber kräftig an jenem Diskrimierungs-, Freiheits- und Menschenrechtsverständnis mitgestrickt haben, das dem Gesetzentwurf zugrundeliegt. Der Gesetzentwurf zeigt, wohin es führt, wenn wir Freiheit vorrangig sozial definieren. Er zeigt, wie übergriffig ein aktuelles Menschenrechtsverständnis ist, dass nicht mehr den Staat adressiert, sondern diesen vielmehr im Namen überzogener Menschenrechte in die Pflicht nimmt, immer größere Bereiche der Gesellshaft seiner Steuerung zu unterwerfen.

Die Hochschullehrer sollten sich deutlich gegen diesen Gesetzentwurf wehren. Aber sie sollten sich auch selbst fragen, auf welche Weise sie den geistig-ideologischen Unterbau gelegt haben, der dann einen solchen Gesetzentwurf hervorbringt. Eine eigene Hochschulpolizei – das klingt ja fast nach einer Rückkehr des alten Karzers, nur nicht in Form der alten Burschenherrlichkeit, sondern in der Form eines technokratischen Staatswesens, das immer weniger Achtung vor der Freiheit (und damit auch Widerständigkeit) des Subjekts hat. Freie Hochschulen brauchen anderes: eine Rückbesinnung auf den Kerngehalt individueller Wissenschaftsfreiheit.

Heiliges Jahr 2025 hat begonnen

Zum Weihnachtsfest hat Papst Franziskus in Rom das Heilige Jahr 2025 eröffnet. Dieses steht unter dem Motto „Pilger der Hoffnung“.

Vater im Himmel,
der Glaube, den du uns in deinem Sohn
Jesus Christus, unserem Bruder, geschenkt hast,
und die Flamme der Nächstenliebe,
die der Heilige Geist in unsere Herzen gießt,
erwecke in uns die selige Hoffnung
für die Ankunft deines Reiches.

Möge deine Gnade uns zu
fleißigen Säleuten des Samens des Evangeliums verwandeln,
mögen die Menschheit und der Kosmos auferstehen
in zuversichtlicher Erwartung
des neuen Himmels und der neuen Erde,
wenn die Mächte des Bösen besiegt sein werden
und deine Herrlichkeit für immer offenbart werden wird.

Möge die Gnade des Jubiläums
in uns Pilgern der Hoffnung
die Sehnsucht nach den himmlischen Gütern erwecken
und über die ganze Welt
die Freude und den Frieden
unseres Erlösers gießen.

Gepriesen bist du, barmherziger Gott,
heute und in Ewigkeit.

Amen.

(Gebet von Papst Franziskus zum Heiligen Jahr 2025)

Wir wünschen allen ein gesegnetes, hoffnungsfrohes, den Frieden stärkendes Heiliges Jahr 2025.

Auf fremden Seiten: CCC kritisiert elektronische Patientenakte

„Mit der Umstellung von Opt-In auf Opt-Out kommt nun die Patientenakte ‚für alle‘: Gesundheitsdaten von über 70 Millionen Versicherten werden ohne deren Zutun über Praxis- und Krankenhausgrenzen hinweg in einer zentralen Datenbank zusammengeführt. Doch auch die ‚ePA für alle‘ kann ihre Sicherheitsversprechen nicht halten“, so der Chaos Computer Club am 27. Dezember 2024 auf seiner Internetseite. Zu den kritisierten Sicherheitsmängeln finden sich hier weitere Informationen:

https://www.ccc.de/de/updates/2024/ende-der-epa-experimente

Zum selben Thema sei auch auf die folgende Rezension verwiesen:

Neuerscheinung: 11. Zivilcourage-Rede

Kurz vor Weihnachten ist das neue Arbeitspapier der Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e. V. – Ausgabe 5/2024 – erschienen (Herausgeber: Mechthildis Bocksch, Andrea Wolff, Andreas Ullmann, Raimund Roth; Redaktion: Mechthildisch Bocksch, Axel Bernd Kunze). Es dokumentiert die elfte Zivilcouragerede, die 2024 in Erinnerung an den Bamberger Widerstandskämpfer Willy Aron gehalten wurde – unter dem Titel: Zivilcourage – Und ICH? Und DU? Gedenkrednerin war die Politikwissenschaftlerin Jutta Lange-Quasowski von der Ernst-Strassmann-Stiftung.

Weitere Informationen über die Arbeit der Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e. V. unter www.willy-aron.de.

Festschrift: 50 Jahre Gemeinschaft für Deutsche Studentengeschichte

Kurz vor Weihnachten ist die neue Ausgabe 4/2024 des STUDENTEN-KURIERS erschienen. Die Zeitschrift für Studentengeschichte, Hochschulen und Korporationen berichtet u. a. über das fünfzigjährige Jubiläum der Herausgeberin, der Gemeinschaft für deutsche Studentengeschichte, das im November in Würzburg gefeiert wurde.

Zugleich mit dem Studenten-Kurier wurde die Festschrift, die anlässlich des Goldenen Jubiläums von Matthias Asche im Auftrag des Vorstands der Gesellschaft und der Stiftung Deutsche Studentengeschichte herasugegeben wurde, versandt.

Als Mitglied im Beirat gratuliere ich zum fünfzigjährigen Jubiläum der Gemeinschaft für deutsche Studentengeschichte und wünsche weiterhin eine erfolgreiche Arbeit: Ad multos annos!

Weitere Informationen über die Gemeinschaft für deutsche Studentengeschichte finden Sie hier:

Rezension: Comment-iert!

Axel Bernd Kunze kommentiert in den aktuellen Burschenschaftlichen Blättern, die sich im Thementeil mit der gegenwärtigen Krise des Parteiensystems beschäftigen, eine Neuerscheinung des Studentenhistorikers Bernhard Grün:

Axel Bernd Kunze (Rez.): Mit Band & Mütze, Stil und Profil. Ein akademisches Lesevergnügen rund um den couleurstudentischen Comment, in: Burschenschaftliche Blätter 139 (2024), H. 4, S. 178 f.

Rezension zu: Bernhard Grün: Comment-iert! 111 Korporationsstudentische Miniaturen, Bad Buchau 2024, 248 Seiten, 19,80 Euro.

Zwischenruf: Netzwerk Wissenschaftsfreiheit kritisiert dbv-Satzungsänderung – aber nur halbherzig

Das Netzwerk Wissenschaftsfreiheit e. V. sieht in einer Stellungnahme vom 18. Dezember 2024 die Wissenschaftsfreiheit durch eine Satzungsänderung des Deutschen Bibliotheksverbandes (dbv) gefährdet. Diese verpflichtet Mitgliedsbibliotheken auf einen aktiven Einsatz für Vielfalt, Integration und Antidiskriminierung.

https://www.netzwerk-wissenschaftsfreiheit.de/wp-content/uploads/2024/12/20241218_Stellungnahme_dbv.html

Die Stellungnahme des Netzwerkes bleibt allerdings einseitig und weich. Zum einen wird nur darauf abgehoben, dass der dbv einseitig Politik im Sinne der Partei Bündnis 90/Die Grünen mache. Doch die Ergänzung der Satzung betrifft im Kern alle Bundestagsparteien von schwarz bis rot. Verwunderlich ist die Beschränkung der Kritik auf eine zu große Nähe zu grüner Politik allerdings nicht, da das Netzwerk Wissenschaftsfreiheit, wiewohl es satzungsgemäß parteipolitisch neutral sein, eine Nähe zur CDU/FDP zeigt. Ein Gründungsmitglied und die Vorsitzende selbst sind etwa Akteure der Denkfabrik R21 in Berlin, die sich als Denkfabrik christdemokratischer und liberaler Ideen versteht.

Zum anderen wird am Ende lediglich eine Klarstellung vonseiten des dbv gefordert, keine Rücknahme der Satzungsänderung. Hier zeigt sich die alte Angst, nicht ins falsche Fahrwasser zu geraten. Aber so kämpft man nur mit angezogener Handbremse. Die Satzungsänderung in der vorliegenden Form bleibt ein probates Mittel, missliebige Mitglieder zu kujonieren. Die Stellungnahme eines amtierenden Vorstands kann keine Satzungsänderung neutralisieren.

PS: Wer sich für bibliotheksethische Fragen weiter interessiert, dem sei der folgende Aufsatz empfohlen:

Axel Bernd Kunze: Erklärung oder Boykottaufruf? Zur Rolle von Fachgesellschaft am Beispiel des Streits um die Neue Ordnung, in: Klaus Buchenau/Matthias Fechner (Hgg.): Die Verlorene Wissenschaft. Versuch einer Katharsis nach Corona, Stuttgart 2024, S. 289 – 307.

https://www.academia.edu/119231488/Erkl%C3%A4rung_oder_Boykottaufruf_Zur_Rolle_von_Fachgesellschaften_am_Beispiel_des_Streits_um_die_Neue_Ordnung.

Zwischenruf: Grundrechte und Gewissen

Chrupalla: Ich habe die große Befürchtung, dass die Bundesregierung das Grundrecht auf Kriegsdienstverweigerung aussetzen könnte. Während der Corona-Krise haben wir alle erlebt, wie die Politik mit Grundrechten umgegangen ist.“ – so äußerte sich der Parteivorsitzende der AfD am 18. Dezember 2024 in einem Interview mit der WELT.

https://www.welt.de/politik/deutschland/plus254748196/AfD-Chef-Chrupalla-im-Interview-Russland-hat-diesen-Krieg-gewonnen.html

Wir haben Wahlkampf – und nicht jede Befürchtung im Wahlkampf muss zutreffen. Andererseits war es Merz, Kanzlerkandidat der CDU/CSU und möglicherweise im kommenden Jahr Bundeskanzler, der in der Coronadebatte im Bundestag seinerzeit bei der Frage nach einer allgemeinen Impfpflicht – im Einklang mit der Mehrheit seiner Fraktion, wie er ausdrücklich sagte – erst gar keine Gewissensfrage erkennen wollte. So lassen sich auch weitere Grundrechte schnell abräumen, nicht allein das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit. Jedenfalls gilt es, auch im komemnden Jahr sehr wachsam zu bleiben, wie die Fraktionen mit Gewissensfragen und Grundrechten umgehen.

Gesegnete Weihnachten

Michael Rieser: Am Abend vor Christi Geburt (1869)

Es kommt ein Schiff, geladen

bis an sein‘ höchsten Bord,

trägt Gottes Sohn voll Gnaden,

des Vaters ewigs Wort.

(Gotteslob 236)

Liebe Leserinnen und Leser,

Advent – die Tage werden kürzer, die Nächte länger. Doch Weihnachten wendet das Blatt. Langsam nimmt das Tageslicht wieder zu. Das kreisende Jahr lässt uns erleben, was wir im Glauben bekennen: Jede Nacht kennt ein Ende. Keine Dunkelheit dieser Erde ist vollkommen. Seit Jesus Christus als das Licht in unsere Welt gekommen ist.

Weihnachten erreicht das Schiff, das hier besungen wird, seinen Hafen – so heißt es in dem Lied weiter:

„Der Anker haft’ auf Erden, / da ist das Schiff am Land. /

Das Wort will Fleisch uns werden, / der Sohn ist uns gesandt.“

Im Sohn Gottes, im rettenden Wort des Vaters will der Himmel in uns ankern. 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen glückselige Weihnachten sowie Zuversicht, Hoffnung und Gottes Geleit für 2025. Meinen Gruß verbinde ich mit einem herzlichen Dank für alle Verbundenheit, allen Austausch und Ihr Interesse an bildungsethischen Fragen im vergangenen Jahr. Wir werden diesen Dialog auch im neuen Jahr fortsetzen – weiterhin mit der Perspektive einer Verortung bildungsethischer Fragen in einem weiten theologischen, pädagogischen und gesellschaftlichen Rahmen. Ich freue mich auf den weiteren Austausch mit Ihnen.

Von Herzen weihnachtliche Grüße, Ihr Axel Bernd Kunze