Kommentar zum päpstlichen Schreiben „Amoris laetitia“: Haben sich die Erwartungen über einen Neuanfang in der kirchlichen Sexualethik erfüllt?

Mit Spannung erwartet, hat Papst Franziskus am 19. März 2016, dem Jahrestag seiner Amtseinführung, mit dem Apostolischen Schreiben „Amoris laetitia“ die Ergebnisse der vom 4. bis 25. Oktober 2015 tagenden Bischofssynode zur „Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt heute“ zusammengefasst und autorisiert. Nicht wenige erhofften sich, die Synode werde den Reformstau auflösen und einen Neuanfang in der Familien- und Sexualmoral ermöglichen. Haben sich diese Erwartungen erfüllt?

Papst Franziskus hat verschiedentlich geäußert, eine stärker „synodale Kirche“ zu wollen: Die Bischöfe sollten stärker in gesamtkirchliche Entscheidungen eingebunden werden. Und diese wiederum sollten sich stärker am Alltag der Menschen orientieren. Auf dieser Linie begann die Bischofssynode mit einer großen Überraschung: Die vorbereitende außerordentliche Generalversammlung „zu pastoralen Herausforderungen der Familie im Kontext der Evangelisierung“, die vom 5. bis 19. Oktober 2014 zusammentrat, wurde durch zwei Umfragen begleitet.

In Deutschland machte diese Fragebogenerhebung wenig überraschend deutlich, welch tiefe Kluft zwischen lehramtlichen Festlegungen und gelebter Praxis, zwischen kirchlicher Lehre und Lebenswirklichkeit im Bereich der katholischen Familien- und Sexualethik besteht. Mittlerweile sind die heftigen Kämpfe der unmittelbaren Nachkonzilszeit auch im inneren Zirkel der Gemeinden einem gepflegten Desinteresse gewichen. Für die katholische Kirche stellen die Diskrepanzen zwischen Lehramt und Gläubigen ein nicht zu unterschätzendes Glaubwürdigkeitsproblem dar. Süffisant, wie man es von ihm gewohnt ist, aber auch mit viel Sympathie für die spezifische Form katholisch gelebter Liberalität hat der Münsteraner Kirchenhistoriker Arnold Angenendt dieses am Beispiel seiner eigenen Lebensgeschichte in Worte gefasst: „Die Mutter des hier Schreibenden, die fast hundert Jahre alt geworden ist und jeden Tag den Rosenkranz betete, mußte ihrem geistlichen Sohn noch auf dem Sterbebett sagen: ‚Was die Pastöre früher den Frauen im Beichtstuhl gesagt haben, das war verkehrt‘“ (Ehe, Liebe und Sexualität im Christentum. Von den Anfängen bis heute, Münster 2016, 209).

Die Debatte hierzulande konzentriert sich vor allem auf drei Punkte, in denen eine Veränderung der kirchlichen Lehre eingefordert wird: das Verbot künstlicher Mittel der Empfängnisverhütung, den Ausschluss wiederverheiratet Geschiedener von der Kommunion sowie eine Ablehnung gleichgeschlechtlicher Lebensformen. Doch gehen die sexualethischen Vorstellungen, nicht zuletzt beim letztgenannten Thema, weltkirchlich weit auseinander. Entsprechend erbittert kämpften die kirchenpolitischen Lager im Umfeld der Synode darum, deren Verlauf zu beeinflussen. Der große Eklat blieb am Ende aus; die Synode verständigte sich auf einen Kompromiss, der zwar das Debattenklima entspannte, strukturell aber wenig veränderte. Was hat der Papst am Ende daraus gemacht?

Die geschilderten Konflikte könnten nicht einfach durch ein lehramtliches Machtwort entschieden werden – so Franziskus gleich zu Beginn seines Schreibens. Dem Papst geht es vorrangig um ein pastorales Anliegen: Sein Schreiben solle „den Familien in ihrem Einsatz und ihren Schwierigkeiten Ermutigung und Anregung bieten“ (Abs. 4). Als Herausforderungen, denen sich Familien heute gegenüber sehen, benennt er beispielsweise Fernsehsucht, Drogenabhängigkeit, Gewalt, Diskriminierung der Frauen oder neue Familienleitbilder: „In verschiedenen Ländern erleichtert die Gesetzgebung das Vordringen einer Vielfalt von Alternativen, so dass eine Ehe mit den Merkmalen der Ausschließlichkeit, der Unauflöslichkeit und der Offenheit für das Leben schließlich als ein veraltetes Angebot unter vielen anderen erscheint“ (Abs. 53). Mögliche pastorale Lösungen könnten sich nicht an allgemeinen Grundsätzen orientieren, sondern müssten örtliche Traditionen und kulturelle Unterschiede berücksichtigen.

Den größeren Teil des Papiers machen theologische Reflexionen zur „Berufung der Familie“, zur „Liebe in der Ehe“ und deren Fruchtbarkeit aus. Ehe und Familie „empfangen von Christus durch die Kirche die notwendige Gnade, um Gottes Liebe zu bezeugen und ein gemeinsames Leben zu leben“ (Abs. 63). Mehrfach wird betont, wie wichtig Ehe und Familie für die Kirche und die Gesellschaft seien, nicht zuletzt als Ort der Erziehung. Hervorzuheben ist, dass der Papst die eheliche Fruchtbarkeit nicht allein auf Zeugung von Kindern begrenzt: Jede Familie habe auch soziale Pflichten und eine öffentliche Verantwortung für das gesellschaftliche Zusammenleben. So manches Ehe- oder Familienleben stünde vielleicht besser dar, wenn diese päpstliche Mahnung berücksichtigt würde und die Familienmitglieder nicht allein selbstbezogen um sich selbst kreisten.

Unangenehmes lässt man sich nur ungern sagen … So ist in der Rezeption hierzulande vielfach ausgeblendet worden, dass der Papst in der aktuellen Kontroverse um genderorientierte Erziehungspläne ein an Schärfe kaum zu überbietendes Urteil fällt: „Gender“ sei eine Ideologie und höhle die anthropologische Grundlage der Familie aus. Wer die biologische Verschiedenheit zwischen

Mann und Frau leugne, verfalle der Sünde, den Schöpfer ersetzen zu wollen.

Am Ende spricht der Papst praktische Fragen der Ehevorbereitung, Kindererziehung, Weitergabe des Glaubens in der Familie oder innerfamiliären Fürsorge an. Eine Gleichstellung homosexueller Lebensgemeinschaften mit der Ehe wird erwartungsgemäß abgelehnt. Ansonsten wiederholt der Papst wenig ambitioniert die bekannten Passagen des Weltkatechismus, wonach Homosexuellen mit Respekt zu begegnen sei. Im Umgang mit wiederverheiratet Geschiedenen verändert Franziskus die bestehenden Normen nicht, plädiert aber für eine „Logik der pastoralen Barmherzigkeit“. Im pastoralen Umgang könnten, eine kritische Selbstprüfung des eigenen Handelns und seiner Folgen vorausgesetzt, mildernde Umstände berücksichtigt werden. So seien pastorale Lösungen denkbar, die nicht verallgemeinerten, sondern darauf zielten, den Einzelnen in seiner Lebenssituation „zu verstehen, zu verzeihen, zu begleiten und vor allem einzugliedern“ (Abs. 312). Bleibt  am Ende die Frage: Ist das Glas nun halb voll oder halb leer?

Wie nicht anders zu erwarten, deckte das Echo auf „Amoris laetitia“ eine äußerst weite Bandbreite ab: Der Lesben- und Schwulenverband beklagte, dass nach dem Willen des Papstes für Schwule und Lesben die „Freude der Liebe“ weiterhin nicht gelte. Tatsächlich wird das innerkirchliche Reizthema Homosexualität in dem Papier weitgehend ausgespart. Konservative Stimmen in der Kirche beklagten, das päpstliche Schreiben breche mit der kirchlichen Tradition und lade dazu ein, praktizierten Missbrauch, z. B. zivile Wiederheirat ohne Annullierung der ersten Ehe, zu rechtfertigen oder durch eine nebulöse Barmherzigkeitsrhetorik zuzudecken. Die breite Masse der Bischöfe, Vertreter des Laienkatholizismus wie der Theologie betonte, dass „Amoris laetitia“ die kirchliche Lehre zwar nicht verändere, aber zu neuen pragmatischen Lösungen in der Seelsorge ermutige. Was die einen als Anzeichen für einen Klimawandel in der moraltheologischen Debatte werten, bleibt für die anderen theologisch unausgegoren, bewusst schwammig und analytisch unscharf. Statt belastbarer Kriterien oder klarer Begriffe, herrsche in diesem Pontifikat – so Christian Geyer in der F.A.Z. vom 9. Mai 2016 – ein Stil „okkasioneller Argumentationsmuster“ vor, aus denen jeder herauslesen könne, was er gern hören möchte. Die theologische Konsistenz päpstlicher Positionen löse sich durch Wohlfühlfloskeln zunehmend auf.

Wohlwollend interpretiert, kann man es so sagen: „Amoris laetitia“ verändert die herrschende Doktrin nicht, dies hat auch der Präfekt der römischen Glaubenskongegration, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, nach Erscheinen des nachsynodalen Schreibens betont. Aber der Papst setzt – mathematisch gesprochen – gleichsam ein anderes Vorzeichen vor die Klammer und verändert damit den gesamten Rechenweg. Auf diese Weise eröffnet der Papst neue Perspektiven für eine veränderte Beziehungsethik, die allerdings auch verantwortlich gelebte gleichgeschlechtliche Lebensformen einbeziehen müsste. Derweil wird diese Frage weiter vertagt. Es bleibt ein schaler Nachgeschmack, wenn die Kirche zwar Respekt gegenüber Homosexuellen einfordert, dies innerkirchlich, nicht zuletzt im Dienstrecht, aber folgenlos bleibt.

„Amoris laetitia“ ist ein erster Schritt, die traditionelle moraltheologische Engführung auf Fragen der Sexualität zu weiten. Dabei geht es nicht um Anpassung an den Zeitgeist. Christliche Ethik ist kein Kanon feststehender Normen. Christliche Nachfolge bedeutet, an Jesus Maß zu nehmen und immer wieder neu danach zu fragen, was es heißt, seinem Beispiel gemäß zu leben. Dabei sind humanwissenschaftliche Erkenntnisse als Quellen der Ethik ernst zu nehmen. Der Weg hin zu einer erneuerten Beziehungsethik und veränderten kirchlichen Praxis ist noch lang. Diesen Weg zu meistern, braucht die Kirche als Wegzehrung viel theologische Kraft, Freimut des Glaubens und auch den Mut zu strukturellen Veränderungen. Denn ungerechte Strukturen im Kirchenrecht oder in der kirchlichen Verwaltungspraxis beschränken konkret Lebenschancen von Gläubigen, die darunter leiden. Diese zu verändern, bleibt eine theologisch zu begründende, kirchenpolitische Aufgabe, die mehr verlangt als den Rekurs auf Barmherzigkeit. Gerechtigkeit ohne Barmherzigkeit wird grausam. Barmherzigkeit ohne Gerechtigkeit bleibt umgekehrt zufällig und letztlich unglaubwürdig.

Rom hat gesprochen. Beendet ist die Sache in diesem Fall aber nicht. Entscheidend wird sein, welche Rezeption „Amoris laetitia“ in der kirchlichen Öffentlichkeit sowie auf Seiten des Amtes erfährt.

Textausgabe

Nachsynodales Apostolisches Schreiben AMORIS LAETITIA des Heiligen Vaters Papst Franziskus über die Liebe in der Familie. 19. März 2016 (Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls; 204), hg. v. Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, Bonn 2016.

Veröffentlichung: Schule leiten im Team

Die Evangelische Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt wird seit diesem Schuljahr von einem vierköpfigen Schulleitungsteam geführt: ein innovates Leitungsmodell, das auf die schulischen wie gesellschaftlichen Veränderungen im Bereich der Kinderpflege- und Erzieherausbildung. Im Interview erläutert der Gesamtschulleiter der Fachschule, Privatdozent Dr. Kunze, welche Vorteile das neue Leitungsmodell bringt:

Wie genau stellt sich die Aufgabenverteilung dar? – „Unsere Fachschule für Sozialpädagogik ist in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen. Man kann mit unterschiedlichen Schulabschlüssen zu uns kommen: Wer einen Hauptschulabschluss besitzt, kann in die Berufsfachschule für Kinderpflege einsteigen. Wer von der Realschule kommt, beginnt die Erzieherausbildung zunächst mit dem einjährigen Berufskolleg. Wer das Abitur besitzt, kann direkt in den Unterkurs der Fachschule oder die Praxisintegrierte Ausbildung einsteigen. Nach der Kinderpflegeausbildung ist unter bestimmten Voraussetzungen ein Wechsel in die Erzieherausbildung möglich. Und wer nach seinem Erzieherabschluss weitermachen möchte, dem stehen verschiedene akademsiche Anschlussmöglichkeiten offen. Ab dem kommenden Schuljahr bieten wir beispielsweise in Kooperation mit der Evangelischen und der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg ein Integriertes Studienmodell an. Durch studienvorbereitende Lehrveranstaltungen im Oberkurs und ein Teilzeitstudium parallel zum Berufspraktikum verkürzt sich die Studiendauer sehr deutlich. Bereits drei Semester nach der staatlichen Anerkennung zum Erzieher kann so ein Bachelorabschluss in Kindheitspädagogik erworben werden.

Jede Schulart unter dem Dach unserer Fachschule stellt andere Anforderungen: So brauchen die angehenden Kinderpflegerinnen und Kinderpfleger in der Regel deutlich mehr individuelle Begleitung und Beratung. In der Praxisintegrierten Ausbildung stellt die enge Zusammenarbeit mit den Trägern eine besondere Herausforderung dar. Und in der Fachschule hat die Kooperation mit Hochschulen deutlich an Gewicht gewonnen. Das neue Leitungsmodell verteilt die Verantwortung auf unterschiedliche Schultern und bietet so die Möglichkeit, das spezifische Profil der einzelnen Schularten gezielter weiterzuentwickeln. Frau Geymann leitet die Berufsfachschule für Kinderpflege, Herr Mack das einjährige Berufskolleg und die klassische Erzieherfachschule, Frau Fischer-Espey die neue Form der Praxisintegrierten Ausbildung. Als Gesamtschulleiter vertrete ich schließlich die Fachschule nach innen und außen, hierzu gehört auch die Verantwortung für Personalführung und Wirtschaftsplan.

Daneben haben alle Mitglieder des Leitungsteams noch weitere Aufgaben inne: Frau Geymann ist für die Bewerbungsverfahren und die Schülerwerbung verantwortlich, Frau Fischer-Espey trägt Mitverantwortung für die Deputats- und Stundenplanung der Lehrkräfte. Herr Mack leitet das Wohnheim und baut ein neues Alumninetzwerk auf. Ich kümmere mich um die Kontakte zu den Hochschulen und den Fortbildungsbereich unserer Fachschule.“

Was macht Ihnen am meisten Spaß an Ihrer neuen Aufgabe? – „Das Wichtigste ist für mich, junge Menschen auf dem Weg in einen pädagogischen Beruf begleiten zu können … – ob als Lehrer oder Schulleiter. Die Schulleitung umfasst viele schulrechtliche Anforderungen und Verwaltungsfragen, gar keine Frage. Daneben aber gibt es viele Möglichkeiten der konzeptionellen Gestaltung: durch Entwicklung eigener Profilbereiche, z. B. zusammen mit der Technik-Erzieher-Akademie oder der Stiftung Singen mit Kindern; durch die Vernetzung mit umliegenden Hochschulen oder die Zusammenarbeit mit regionalen Partner. Das Fairplay-Soccer-Turnier in Zusammenarbeit mit der Weinstädter Schulsozialarbeit etwa hat mittlerweile schon so etwas wie Tradition. Wenn unsere Fachschule zukunftsfähig bleiben will, muss sie nach außen gehen und Netzwerke knüpfen. Besonders wichtig ist uns dabei der intensive Austausch mit den Trägern und Praxiseinrichtungen sowie die enge Verzahnung der beiden Lernorte Praxis und Unterricht. Daneben wollen wir auch ein Alumninetzwerk aufbauen: Wer bei uns seine Ausbildung absolviert hat, soll immer wieder gern nach Beutelsbach zurückkommen: zu gemeinsamen Festen oder Fachtagen. All diese Kontakte und die verschiedenen Profilbereiche können wir im Team jetzt besser ausbauen und pflegen. Jeder von uns vier kann dabei seine eigenen Stärken, Interessen und Fähigkeiten einbringen.“

Das vollständige Interview findet sich imEckstein. Mitteilungen aus der Stiftung Großheppacher Schwesternschaft“, Nr. 46 (März 2017), S. 7 – 9.

Rezension: Wer war Sokrates?

Tino Landmann (2011): Wer war Sokrates? Eine Studie zum sokratischen Problem, München: AVM – Akademische Verlagsgemeinschaft München, 103 Seiten.

Sokrates steht für das Bemühen, auf philosophische Fragen, die Menschen bis heute beschäftigen, allgemeingültige Antworten zu finden. So wichtig Sokrates für die abendländische Geistesgeschichte geworden ist, so unsicher ist unser historischen Wissen über ihn. Tino Landmann, Fachdidaktiker für Philosophie, geht es um eine Wertung der Quellenlage: Inwiefern können die keineswegs wenigen Quellen und die daraus entwickelten Persönlichkeitsbilder des Sokrates in qualitativer wie quantitativer Hinsicht „eine endgültige Antwort auf die wahre Gestalt des historischen Sokrates geben“  (S. 17)? Landmann entwirft eine systematisch klar angelegte wie sprachlich ansprechende biographische Charakterstudie, die Rückschlüsse auf den Gehalt und die Bedeutung der jeweiligen Quellen ermöglicht. Kein Philosophieunterricht wird an Sokrates vorbeikommen, das vorliegende Werk ist als didaktische Sachanalyse sehr empfehlenswert. Vom Verfasser ist im selben Verlag ein weiteres Werk mit fachdidaktischen Anregungen für eine Unterrichtsreihe zur sokratischen Philosophie erschienen.

Der Band geht in drei Schritten vor. Zunächst werden der philosophie- und zeitgeschichtliche Horizont der Blüte griechischer Philosophie beleuchtet: Sokrates steht für eine anthropologische Wende, für eine Philosophie, die sich dem Menschen zuwendet, in das öffentliche Leben eingreift und dieses prägt.

Als zweites folgt eine Diskussion der vorliegenden Quellen; vorangestellt ist eine knappe Darstellung des Forschungsstandes. Im Laufe der Forschungsgeschichte sei der literarisch-fiktive Charakter der Sokratesüberlieferung immer stärker hervorgetreten. Ein einfacher Zugriff auf den historischen Sokrates mithilfe üblicher philosophiegeschichtlicher Erkenntnis sei nicht möglich. Die biographische Charakterstudie, die dann folgt, ordnet Sokrates nicht irgendeiner bestimmten Regierungsform zu. Ihm sei es darum gegangen, ein übergeordnetes Recht zu wahren und hierin ein praktisches Beispiel zu geben – bis hin zum Giftbecher. Anschließend verknüpft Landmann seine Rekonstruktion des griechischen Philosophen kenntnisreich und gelungen mit den Grundfragen seiner Philosophie. Das Gute zu erkennen, ist für Sokrates Voraussetzung vernünftigen Handelns. Die Wirkung des Sokrates und seiner Elenktik haben sich in zahlreichen Quellen niedergeschlagen. Auch wenn die gesicherten historischen Daten nicht konsistent sind und in vielem spekulativ bleiben müssen, lassen sich Leben und Denken des historischen Sokrates nach dem Prinzip des Ausschlussverfahrens doch allgemeingültig rekonstruieren.

Schließlich zeigt Landmann auf, welche Wirkung Sokrates auf die Aufklärung und die Philosophie Kants entfaltet habe. Die sokratische Aufklärung habe das „Scheinwissen des Guten“, das im Individualismus und Wertrelativismus der Sophisten zu finden sei, entlarven wollen. Ziel sei es gewesen, dem Zusammenleben der Menschen eine tragfähige Grundlage zu geben: durch das Streben nach wahrer Erkenntnis und durch die Ermöglichung tugendhaften, vernünftigen Handelns. Wenn Kant über das Wissen aufklären und die Aufklärung selbst durch eine „reflektierte Metaphysik der Aufklärung“ davor bewahren wolle, sich auf Dauer wiederum in eine unreflektierte Anhäufung von Wissen aufzulösen, beruft er sich für den Verfasser zu Recht auf Sokrates.

Es wäre spannend herauszuarbeiten, was eine solche sokratische Aufklärung zu den heutigen Debatten in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik zu sagen hätte. Landmann deutet dies am Ende nur an. Hier könnte ein Ansatzpunkt liegen, das sokratische Problem im Unterricht mit Schülern weiterzudenken: nicht im Sinne einer plumpen Aktualisierung, sondern als Selbsterkenntnis über unser Wissen unter den politischen Bedingungen unserer Zeit – die sich möglicherweise in manchem gar nicht so sehr von denen des damaligen Athens unterscheiden. – Axel Bernd Kunze (Rez.)

(Rezension aus den Burschenschaftlichen Mitteilungen, 2/2016)

Veröffentlichung: „Geschichtliches Erbe“

An der Universität Greifswald soll nach einem Beschluss des Akademischen Senats vom 18. Januar 2017 Ernst Moritz Arndt aus dem Universitätsnamen getilgt werden. Dieser wurde seit 1954 wieder verwendet, nachdem das Staatssekretariat für Hochschulwesen in der DDR den früheren Namen amtlich bestätigt hatte. Jetzt will der Senat zum Namen Universität Greifswald zurückkehren, den die Einrichtung schon einmal zwischen 1945 und 1954 trug. Begründet wird die Namensänderung reichlich naiv mit der internationalen Ausrichtung der Universität als einem „Ort fortschrittlicher Wissenschaft“.  Vom Ideal der Freiheit und der Verpflichtung der Wissenschaft zur „vor-urteilsfreien“ Wahrheitssuche ist keine Rede mehr. Ähnlichkeiten zum Sprachgebrauch nichtdemokratischer Zeiten an der Universität Greifswald sind selbstverständlich rein zufällig.

Gewiss: Ernst Moritz Arndt ist kein „einfacher Patron“. Die zweimalige Verleihung seines Patronats 1933 und 1954 ist überdies beide Male unter diktatorischen Vorzeichen erfolgt. Und dennoch: Ernst Moritz Arndt steht für das Streben Deutschlands nach nationaler Einheit, innerer Freiheit und Demokratie. Arndts Urerlebnis war die Aufhebung der Leibeigenschaft in Pommern. Seitdem stritt er für akademische und bürgerliche Freiheit, auch um den Preis, dass er als Demagoge seinen Lehrstuhl in Bonn zeitweise verlor. Später gehörte er zu den Mitgliedern des Paulskirchenparlaments. Hierin ist er Vorbild bis heute, so ambivalent seine Person auch gewesen sein mag.

Geschichte lässt sich nicht im Nachhinein korrigieren. Wir können uns an geschichtlichen Vorbildern reiben. Auf sie gänzlich zu verzichten, wie Michael Hartmer vorschlägt, ist nicht aufgeklärt, sondern entweder überheblich oder dumm. Ein Volk, das sein geschichtliches Erbe tilgt, schafft sich selbst ab. Eine Universität, die zur gesichtslosen Wissensproduktionsstätte verkommt, fördert nicht mehr gesellschaftliche Orientierungswerte und gedankliche Auseinandersetzung, sondern biegsame Anpassung an den wechselnden Zeitgeist. Ernst Moritz Arndt hätte hierfür mit der für ihn typischen Polemik schon die passenden Worte gefunden.

Axel Bernd Kunze

(Leserbrief aus: Forschung und Lehre, 24. Jahrgang, Heft 4, S. 328)

Rezension: Denkmäler bilden Identität

Norbert Borrmann: Identität & Gedächtnis. Denkmäler und politische Architektur von 1800 bis zur Gegenwart, Graz: Ares 2016, 215 Seiten.

„Schwieriges Gedenken“ lautete Mitte März ein Diskussionsbeitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Der Autor, Claus-Peter Clostermeyer, wagte es, ein Thema aufzugreifen, dass politisch leicht für Kontroversen sorgt: Nationale Erinnerung komme in Deutschland vor allem als mahnendes Gedenken daher. Was aber fehle, sei ein nationaler Gedenktag, der an die freiheitlichen Traditionen Deutschlands erinnere. Vorgeschlagen wird ein nationaler Gedenktag am 18. März, der nicht nur an die Märzrevolution von 1848, sondern auch an den Tag der ersten freien Volkskammerwahl 1990 erinnert.

Wie schwierig sich unser Land mit seinem kulturellen Gedächtnis tut, zeigt sich auch an seiner Denkmalkultur. Wer hierfür einen Beleg sucht, sollte sich beispielsweise einmal anschauen, wie ungepflegt das 34,3 Meter große Bismarckdenkmal in Hamburg ausschaut. Unser Land steht aufgrund der politischen Entscheidungen, die in der Migrationskrise gefällt wurden, vor ungeheuren Herausforderungen. Diese sollen hier nicht im Detail diskutiert werden. Doch setzt gelingende Integration eine verbindlich gelebte Kultur voraus, in die hinein Integration überhaupt möglich ist. Integration wird nicht allein über rationale Zustimmung zu einem Konzept formaler Sittlichkeit gelingen, wie dies mit dem Modell eines Verfassungspatriotismus versucht wird – so richtig und wichtig die Sicherung verbindlicher Verfassungswerte auch ist. Identifikation mit einem Land, seinen Werten und Traditionen wird nur gelingen, wenn auch der emotionalen Seite politisch-gesellschaftlicher Integration Beachtung geschenkt wird.

Diese drückt sich unter anderem in Denkmälern und Erinnerungsorten aus. Ein Bildband von Norbert Borrmann beleuchtet unvoreingenommen und ohne den besserwisserischen Zeigefinger, der heute bei politischer Literatur so oft üblich geworden ist, Licht und Schatten der politischen Architektur Deutschlands (am Rande auch Österreichs) von 1800 bis zur Gegenwart: von den Erinnerungsorten der Befreiungskriege über die politische Architektur des Kaiserreiches und der Weimarer Republik bis zur Stein gewordenen Diktatur des Nationalsozialismus. Es ist eine faszinierende Zeitreise durch zweihundert Jahre deutscher Kulturgeschichte, auf die der studierte Architekt, Kunstgeschichtler und Historiker seine Leser mitnimmt. Deutlich wird, wie Geschichte im Sinne herrschender Zeitannahmen, Moden und politischer Sehnsüchte „gemacht“ wird.

Allerdings sollten wir uns nicht allzu erhaben dünken: Formen und Inhalte mögen sich geändert haben, doch auch heute noch soll Architektur bestimmte Haltungen fördern. Ging es früher etwa um die Förderung nationaler Einheit und Stärke, wird heute von „zeitgemäßer“ oder „postnationaler“ Architektur gesprochen. Wir müssen gar nicht allein auf die „großen“ Denkmäler bundesdeutscher Nachkriegsarchitektur schauen, ein eher unscheinbares Beispiel liegt direkt vor den Toren Bambergs in der „fränkischen Toskana“: Das Dorf Geisfeld hat in den Sechzigerjahren seine Dorfkirche durch einen modernen Neubau in Betonbauweise ersetzt – weil, wie es in der Grundsteinurkunde hieß, der Mensch des Atomzeitalters auch neue, zeitgemäße Kirchen brauche. Zum Glück hat man, bevor sich der politische Wind in den späten Siebzigern wieder drehte, nicht alle alten Dorfkirchen abgerissen.

Selbstverständlich behandelt Borrmann auch das zum Jubiläum der Schlacht vom Oktober 1813  errichtete Völkerschlachtdenkmal in Leipzig, „das größte deutsche Nationaldenkmal und zugleich das letzte, das in der Zeitspanne des Zweiten Reiches errichtet wurde“ (S. 96). Der Verfasser würdigt die Werte, für welche das Denkmal steht, tut sich aber zwischen den Zeilen doch ein wenig schwer mit dessen Aussehen: In diesem „Vorzeitkoloß“, wie Borrmann das Leipziger Denkmal nennt, kündigt sich bereits etwas von den Massenschlachten an, die den Ersten Weltkrieg ein Jahr später bestimmen sollen. Gleichwohl würdigt der Verfasser die „enge Synthese von Architektur und Skulptur“ (S. 100), die den Innenraum prägt: „Streng, schwer, mythisch und erhaben wirken so nicht nur die Figuren, sondern das Bauwerk als Ganzes“ (ebd.). Hart ins Gericht geht der Autor hingegen mit dem unwürdigen Umgang, der dem Denkmal heute entgegen gebracht werde (und den so noch nicht einmal die DDR zu Wege gebracht habe): „Größe, Opferbereitschaft, Heroismus, Volkskraft, die Totenehrung von Soldaten – das sind Werte, die das Völkerschlachtdenkmal symbolisiert, und genau diese Werte sind der BRD vollkommen fremd. […] so dominiert hier längst eine lärmende Trivialkultur, die alles Große ins Kleine zieht“ (S. 102). Als traurigen Höhepunkt dieser Trivialisierung verweist der Denkmalpfleger auf das „Badewannenrennen“, dass  im „Tränensee“ stattgefunden hat.

Nach 1945 bemüht sich die Architektur im Westen vor allem darum, Weltoffenheit, Transparenz sowie den Verzicht auf Hierarchie zu symbolisieren. Der Band zeigt etwa den Bonner Kanzlerbungalow oder die Bauten von Günter Behnisch, das Münchner Olympiastadion oder den neuen Bonner Plenarsaal. Allerdings atmet auch diese Architektur, anders als die Kapitelüberschrift suggeriert, eine Menge „Symbolkraft“ – allerdings Symbolkraft, die oft wenig überzeugend wirkt. Borrmann spricht von „ethischem Pathos“ und „missionarischem Eifer“. Der Machtanspruch, der dahinter steckt, ist nicht geringer als in früheren Zeiten: „denn wer nicht mit ihnen ist, vertritt nicht einfach nur eine andere Meinung, sondern ist statt modern reaktionär, statt ehrlich verlogen, statt vernünftig unvernünftig, statt Lichtbringer nur ein Statthalter von Hinterhalt und Finsternis“ (S. 196). Man flieht vor binären Zuschreibungen und reproduziert diese unfreiwillig wie am Fließband.

Nach der Wiedervereinigung kommen noch zwei neue Trends politischer Architektur hinzu, die Borrmann gleichfalls aufgreift. Am Ende des Bandes steht die Rekonstruktionsbewegung, gezeigt werden das Berliner Stadtschloss, die Dresdner Frauenkirche und der umliegende Neumarkt. Damit ist die Geschichte politischer Architektur aber noch nicht ganz zu Ende: Was folgt, ist noch ein Exkurs „Moschee statt Kirche“. Die Bindekraft des Christentums hat hierzulande erheblich nachgelassen. Als ungewollte Mahnmale stehen hierfür die inzwischen profanierten und umgenutzten Kirchen. Wo das Christentum als gelebte Religion schwindet, wird irgendwann auch die kulturethische Prägekraft des Christentums schwinden. Die Folgen werden wir noch zu spüren bekommen durch einen schleichenden Wandel gesellschaftlicher Orientierungswerte.

Wir sollten uns unseres kulturellen Besitzstandes nicht allzu sicher sein, dieser will gepflegt werden – und hierzu trägt auch eine ästhetisch ansprechende, nachhaltige, wertbezogene wie verbindlich gepflegte Denkmalkultur bei. Angesichts der im Band vorgestellten Beispiele (wobei auch Irrungen deutscher Denkmalgeschichte nicht verschwiegen werden) bleibt mehr als fraglich, ob die „Einheitswippe“, über die derzeit politisch gestritten wird, selbst in einer inklusiven Bauweise dies zu leisten vermag. Wenn Berlin überhaupt ein Einheitsdenkmal bekommt, wird sich aber vermutlich eher dieser Denkmalklamauk als eine Rekonstruktion des wilhelminischen Nationaldenkmals am Spreeufer durchsetzen.

Neuerscheinung: Bildung bedarf der Muße – Gedanken zum Sonntag

Bildung bedarf der Muße. Diese ist – nicht zuletzt angesichts permanenter digitaler Vernetzung und mobiler Erreichbarkeit – ein bedrohtes Gut. Umso wichtiger ist es, an den Sonntag und seine kulturelle Bedeutung zu erinnern. Ein Gottesdienstmodell für den Weißen Sonntag, den Sonntag nach Ostern, in der Zeitschrift „WortGottesFeiern“ (Nr. 3/2017, S. 377 – 392) stellt die Bedeutung des Sonntags in den Vordergrund – unter dem Titel: Der erste und der achte Tag. Anlass ist das Evangelium vom sog. ungläubigen Thomas: Acht Tage nach Ostern erscheint Jesus wiederum seinen Jüngern und würdigt den Apostel Thomas, der bei der ersten Erscheinung des Auferstandenen am Osterabend nicht dabei war, einer eigenen Ostererscheinung. Ein Auszug aus dem Predigtvorschlag:

„An beides erinnert der Sonntag Woche für Woche: zunächst an den ersten Tag von Gottes Neuschöpfung, an jenen Ostertag, an dem Gott seinen Sohn nicht im Tod gelassen, sondern zu neuem Leben auferweckt hat. Dann ist der Sonntag aber auch der achte Tag der Woche, der die Erinnerung an Gottes größere Verheißungen wach hält. […]

Wir dürfen einander am Ende einer Arbeitswoche ein ‚gutes Wochenende‘ wünschen, solange wir uns den Sonntag dadurch nicht nehmen lassen. Verkaufen wir den Sonntag nicht unter Wert, als bloßen Ausklang des Wochenendes. Wir würden damit auch unser eigenes Leben, unsere Sehnsucht und unsere Hoffnung unter Wert verkaufen. Denn als Christen leben wir in der Gewissheit, dass unser Leben nicht einfach in den bloßen Mitteln der Daseinserhaltung aufgeht. Wir haben eine Hoffnung, die weiter reicht, unendlich weiter – bis in Gottes Ewigkeit.“

In diesem Sinne: Ihnen allen einen gesegneten Sonntag!

Rezension: Umstrittene Religionsfreiheit

Thomas Brose, Philipp W. Hildmann (Hgg.): Umstrittene Religionsfreiheit. Zur Diskussion um ein Menschenrecht, Frankfurt am Main: Peter Lang 2016, 249 Seiten.

„Die von Thomas Brose und Philipp Hildmann gesammelten Beiträge gehen auf eine Berliner Expertentagung der Hanns-Seidel-Stiftung und der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste zurück. Die Beiträge vermitteln einen ausgezeichneten Überblick über die aktuellen Konflikte um das individuelle Recht auf Religionsfreiheit, mitunter mit einem verstörenden Blick – so etwa, wenn Tomás Halík, bekennt ‚Warum ich nicht Charlie bin‘. Der Prager Soziologieprofessor würdigt das Anliegen, sich mit ‚Charlie‘ gegen Fanatismus und Fundamentalismus zu solidarisieren, warnt aber davor, einen Zustand, dem nichts mehr heilig ist, selbst zur Religion zu erheben. Ein derartiger Zynismus verschlinge am Ende die freie Gesellschaft, ja sogar sich selbst.

Die Religionen rücken in einer ‚kleiner‘ gewordenen Welt näher zusammen, was keineswegs konfliktfrei vonstatten geht. Die Diskussion um Religionsfreiheit muss weitergehen, damit dieses zentrale Freiheitsrecht nicht zerrieben wird zwischen der Forderung nach einem Ehrschutz für einzelne Religionen auf der einen und einer Art Staatssäkularismus als Schutz vor religiösen Konflikten auf der anderen Seite. Dieser Forderung aus der Einleitung der beiden Herausgeber ist zuzustimmen.“

(aus einer Rezension von Axel Bernd Kunze in den „Stimmen der Zeit“, Heft 4/2017, S. 286 f.)

Veranstaltungsbericht: Liberaler Bildungstag in Stuttgart

Frühkindliche Bildung sei mehr als vorschulische Bildung, der Erziehungsauftrag von Krippen und Kindergärten reiche weiter. Integration in Kindertageseinrichtungen bedürfe nicht allein individueller Sprachförderung, sondern auch strukturell-institutioneller Unterstützung. Dies machte Dr. Ursula Wollasch, Geschäftsführerin des Landesverbandes katholischer Kindertageseinrichtungen, auf dem diesjährigen Liberalen Bildungstag im Stuttgarter Landtag deutlich. Der baden-württembergische Orientierungsplan berge ein großes Integrationspotential, so Wollasch weiter – nicht zuletzt durch sei Bildungs- und Entwicklungsfeld „Sinn, Werte, Religion“. Denn Erzieherinnen und Erzieher sollten wichtige Akteure kultureller Integration sein und gesellschaftliche Toleranz fördern.

Onlineveröffentlichung: Universität als Kompetenztrainingsanstalt

Gesellschaft für Bildung und Wissen hat einen kritischen Gastbeitrag von Hans-Jürgen Bandelt, Professor für Mathematik an der Universität Hamburg, und Axel Bernd Kunze, Privatdozent für Erziehungswissenschaft an der Universität Bonn sowie Gesamtschulleiter einer Fachschule für Sozialpädagogik, zum „Kompetenzmodell Hochschullehre“ veröffentlicht:

https://bildung-wissen.eu/fachbeitraege/universitaet-als-kompetenztrainingsanstalt.html

Der Beitrag ist in überarbeiteter Form am 1. März 2017 in der Rubrik „Forschung und Lehre“ der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erschienen.

Neuerscheinung: Braucht die Universität noch Wissenschaftler?

Hans-Jürgen Bandelt, Professor für Mathematik an der Universität Hamburg, und Axel Bernd Kunze, Privatdozent für Erziehungswissenschaft an der Universität Bonn sowie Gesamtschulleiter der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt, nehmen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 1. März 2017 die kompetenzorientierten Hochschulreformen, die das Gesicht der Universität radikal verändert haben, kritisch in den Blick und fragen:

Hans-Jürgen Bandelt, Axel Bernd Kunze:

Wie man Wissensdefizite kompetent einordnet. Im Studium sind Kompetenzen statt Wissen gefragt. Braucht man in der Lehre dann noch Wissenschaftler?,

in: Frankfurter Allgemeine Zeitung (Forschung und Lehre), Nr. 51/2017, 1. März 2017, S. N4.

Beide Autoren schreiben:

„Professoren und Dozenten sind nach dieser Bildungsvorstellung nur noch denkbar als Akquisiteure von Forschungsgeldern, als Bereitsteller von MOOCs, als Koordinatoren virtueller Tutoren und als Wahlkommission für die künftig hochselektiven Masterstudiengänge. Alles Aufgaben, für die man eigentlich kein wissenschaftliches Studium mehr braucht.“