Habemus Papam! Wie sich das neue Pontifikat entwickeln wird, ist mehr als ungewiss. Es kann ein langes werden, da Leo XIV. noch jung ist. Ich wage dennoch eine Prognose. Das erste Bild auf der Segensloggia – der Papst in Sommermozetta und klassischer Stola mit den vier Evangelisten und dem klassischen Friedensgruß – deutet auf eine stärkere Orientierung an der Tradition hin. Gehen wir mal von Leo XIII. aus.
Leo XIII., der Arbeiterpapst – der mit der katholischen Soziallehre ganz bewusst eine Antwort auf aktuelle Herausfordeurngen auf Basis der kirchlich-theologischen Tradition gesucht hat, Aktualisierung der scholastisch-mittelalterlichen Ausagen für die Gegenwart. Man kann dies „restaurativ“ nennen, ich würde es anders sagen: lebendige Tradition unter den aktuellen Herausforderungen zum Sprechen bringen.
Leo XIII. als theologischer Denker – kein Dogmenpapst, aber ein Weltmeister der Enzykliken, Förderung naturwissenchaftlicher und theologischer Forschung, Gründung katholischer Universitäten (gerade in den USA), Aufruf zum Bibelstudium.
Leo XIII. als Marien- und Herz-Jesu-Verehrer – vielleicht ist der erste Besuch des neuen Papstes bei der Mutter vom Guten Rat nach seiner Wahl eine erste Parallele.
Leo XIII. als Diplomat – klar in der Sache, aber diplomatisch im Auftreten. An der Notwendigkeit einer weltlichen Herrschaft des Papstes hat er unverrückbar festgehalten. Beim Kulturkampf war diese MIschung nicht erfolgreich, aber durchaus in anderen Ländern. Einerseits hat er Katholisken in Italien parlamentarische Mitwirkungen verboten, in Frankreich den Katholiken aber offene Hand bei ihrer Einschätzung der Dritten Republik gelassen.
Wenn Leo XIV. sich in diese Line stellt, könnte das heißen: ein Pontifikat, das sich wieder deutlicher an der Tradition orientiert, diese aber mit aktuellen Herausforderungen kompatibel macht. Mehr Berechenbarkeit und mehr theologische Stringenz. Mehr Diplomatie und mehr Gespür dafür, dass politische Aussagen des Papstes auch theologisch abgesichert sein müssen. In diesem Sinne: zunächst ein Vorschuss an Sympathie für das neue Pontifikat.