Gesellschaft für Bildung und Wissen: Digitalisierung in der Bildung erzeugt deutliche Nebenwirkungen

Pressemitteilung der Gesellschaft für Bildung und Wissen vom 22.11.2023

(Vorbemerkung der Redaktion: „Bildungsethik“ verwendet aus politischer, pädagogischer und ethischer Überzeugung keine Gendersprache; im Folgenden wird diese lediglich als Zitat aus der Pressemitteilung der Gesellschaft für Bildung und Wissen übernommen)

40 Wissenschaftler:innen fordern Moratorium für Digitalisierung an Schulen und Kitas!

Grund: Sinkende Lernleistung, negative gesundheitliche, psychische und soziale Nebenwirkungen

Frankfurt am Main, 22.11.2023: Über 40 führende Wissenschaftler:innen unterschiedlicher Disziplinen fordern zusammen mit Kinder- und Jugendärzten von den Kultusminister:innen der Länder ein Moratorium für die Digitalisierung an Schulen und vorschulischen Bildungseinrichtungen. Unter den Erstunterzeichnern sind führende Experten wie der Ordinarius für Schulpädagogik Prof. Klaus Zierer (Universität Augsburg), die Mediziner Prof. Manfred Spitzer (Universitätsklinik Ulm) und Prof. Thomas Fuchs (Jaspers-Lehrstuhl Universität Heidelberg) sowie der Medienpädagoge Prof. Ralf Lankau (Hochschule Offenburg).

„Wir fordern die Kultusminister:innen aller 16 Bundesländer auf, bei der Digitalisierung an Schulen und Kitas ein Moratorium zu erlassen“, sagt Prof. Ralf Lankau, einer der Initiatoren des Aufrufs. „Die wissenschaftliche Erkenntnis ist inzwischen, dass Unterricht mit Tablets und Laptops die Kinder bis zur 6. Klasse nicht schlauer, sondern dümmer macht. Hinzu kommen laut Studien negative gesundheitliche, psychische und soziale Wirkungen durch den vermehrten Einsatz digitaler Geräte im Unterricht. Jetzt ist der Zeitpunkt, dass die Schulpolitik auf die Pädagogen und Kinderärzte dieses Landes hört und den Versuch des digitalen Unterrichts abbricht! In Schweden ist es bereits so weit: Die schwedische Bildungsministerin stoppte den Tablet-Einsatz in der Primarstufe. Das können die Kultusminister:innen in den Ländern nun auch tun.“

Der Moratoriumsaufruf in voller Länge und mit allen Erstunterzeichnern: https://bildung-wissen.eu/fachbeitraege/wissenschaftler-fordern-moratorium-der-digitalisierung-in-kitas-und-schulen.html

Die skandinavischen Länder waren Vorreiter in der Digitalisierung von Bildungseinrichtungen. Doch die schwedische Regierung korrigierte 2023 die Entscheidung ihrer Vorgänger, bereits Vorschulen des Landes verpflichtend mit digitalen Geräten auszustatten. Der Grund für das Umdenken ist die Stellungnahme von fünf Professor:innen des renommierten Karolinska-Instituts (Stockholm), die die Strategie der Digitalisierung von Schulen in einem Gutachten als falsch kritisierten: Das Gutachten kommt zum Schluss, dass die behaupteten positiven Befunde nicht belegbar seien. Die Forschung habe stattdessen gezeigt, dass „die Digitalisierung der Schulen große negative Auswirkungen auf den Wissenserwerb der Schüler“ habe. Die Ziele (Bildungs- und Chancengerechtigkeit, Unterrichtsverbesserung, gesellschaftliche Teilhabe) würden nicht erreicht, im Gegenteil: „Es ist offensichtlich, dass Bildschirme große Nachteile für kleine Kinder haben. Sie behindern das Lernen und die Sprachentwicklung. Zu viel Bildschirmzeit kann zu Konzentrationsschwierigkeiten führen und die körperliche Aktivität verdrängen“ (Gutachten des Karolinska-Instituts von 2023, einer der besten medizinischen Forschungseinrichtungen der Welt).

Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) hat 2023 Leitlinien zur Prävention dysregulierten Bildschirmmediengebrauchs in Kindheit und Jugend herausgegeben, die von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) sowie von vielen Fachverbänden aus Medizin, Psychologie und Suchtprävention mitgetragen werden. Die wichtigste Empfehlung für alle Altersstufen: Reduktion der Bildschirmzeiten, keine eigenen Geräte für Kinder und keinen unkontrollierten, unbegleiteten Zugang zum Internet.

Der U.S. Surgeon General (oberste Gesundheitsbehörde in den USA) hat 2023 eine Studie zur psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen herausgegeben. Sie zeigt detailliert auf, wie stark junge Menschen von digitalen Medien beeinflusst und abhängig werden. Die immer längere Nutzungsdauer und das immer frühere Einstiegsalter habe Folgen für die mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen: Körperunzufriedenheit, gestörtes Essverhalten, Schlaf- und Konzentrationsstörungen, geringes Selbstwertgefühl, Depression.

Gesellschaft für Bildung und Wissen e.V.

Die im Juni 2010 gegründete Gesellschaft für Bildung und Wissen dient der Auseinandersetzung mit den Grundzügen, Voraussetzungen und Folgen der gegenwärtigen umfassenden Bildungsreform von Schule und Hochschulen. Sie will Beiträge leisten zur öffentlichen Debatte über das Ziel, die Inhalte und Methoden dieser Reform.

Gesellschaft für Bildung und Wissen e.V.
Didaktik der Biowissenschaften
Riedberg / Biologicum / Flügel D
Max-von-Laue-Straße 13
60438 Frankfurt am Main
https://bildung-wissen.eu

Moratorium der Digitalisierung in Schulen und Elementarbildung: Erklärung kann mitgezeichnet werden

Über 40 führende Experten aus Pädagogik und Medizin fordern einen Stopp (Moratorium) der Digitalisierung an Schulen und Kitas, aus Sorge um die Zukunft der Kinder, als Reaktion auf den Digitalisierungshype und die Bildungskatastrophe. Dies ist ein bemerkenswerter Schritt:

Helfen Sie mit! Mailen Sie diesen Appell an ihre Freunde, Erzieher, Lehrer, Rektoren, Verbände, Entscheidungsträger. Wenn Sie im Erziehungs-, Medien,- oder Medizinbereich arbeiten und diesen Aufruf selbst unterzeichnen möchten, schicken Sie bitte eine E-Mail mit Ihrem Namen, Berufsbezeichnung und Ort an gbw-moratorium@bildung-wissen.eu, Betreff „GBW-Moratorium unterzeichnen“.

Neuerscheinung: Freundschaft und Lebensbund

Die Gedanken zum Zusammenhang von Freundschaft und Lebensbund aus der aktuellen Würzburger Tagungsdokumentation des Arbeitskreises der Studentenhistoriker (AKSt) ist online greifbar. Aus den Internetseiten des AKSt:

Im Oktober 2022 fand in Würzburg die 82. deutsche Studentenhistorikertagung statt. Auch hier auf dem Portal haben Bernhard Grün und wir vom AKSt in eigener Sache darüber berichtet. Hier folgt aus dem am 7. Oktober 2023 erschienenen Tagungsband eine Rede über die Freundschaft, so wie wir sie in der Art unserer Verbindungen verstehen, aus der Feder unseres Mitstreiters Axel Bernd Kunze.

Crowdfundingprojekt: AKSt sucht Unterstützer für Buchprojekt über jüdische Korporierte

DER ARBEITSKREIS DER STUDENTENHISTORIKER SCHREIBT:

Hiermit startet unser Crowdfunding-Buchprojekt zur 80. deutschen Studentenhistorikertagung, der Tagung des AKSt mit der HfJS sowie den Tagungen in Basel und Wien – Titel: MIT WORT UND WEHR FÜR JUDAS EHR‘: JÜDISCHE KORPORATIONEN, JÜDISCHE KORPORIERTE. Wir benötigen Ihre Hilfe bei unserem bereits seit langem angekündigten Buchprojekt.

In über 25 Beiträgen, und es kommen immer noch welche dazu, weil sie wichtig sind, wird das jüdische Verbindungswesen mit wissenschaftlichen Aufsätzen über die unterschiedlichsten jüdischen Verbindungen, die einzelnen Verbände sowie markante und bedeutende korporierte Persönlichkeiten jüdischen Glaubens beleuchtet. Ein einzigartiges Projekt, denn nie wurde der jüdischen Verbindungslandschaft so umfassend in einem Sammelband gedacht. Das Buch wird über 500 Seiten stark. Die Ausstattung wird ausgesprochen hochwertig – festgebunden, fadengeheftet und mit zwei Lesefäden in Blau und Weiß – ausgestattet.

Wir brauchen Ihre Unterstützung!

Eine Unterstützung für Layout und Druck, um die geplante Erstauflage von 1.200 Exemplaren realisieren zu können. Die reinen Sach- und Logistikkosten liegen bei etwa 28.000 €. Die Autoren und der Herausgeber arbeiten ehrenamtlich. Sichern Sie sich jetzt Ihre persönlichen Exemplare und ermöglichen Sie es, dass das eminent wichtige Buch MIT WORT UND WEHR FÜR JUDAS EHR‘: JÜDISCHE KORPORATIONEN, JÜDISCHE KORPORIERTEam regulären Buchmarkt erscheinen kann.

Ihre Unterstützung kann im Silber-, Gold- oder Platinrang erfolgen.  Was Sie als Dank erwarten dürfen, haben wir im folgenden für Sie aufgeschrieben.

Verpassen Sie nicht die Chance, Ihr klares Bekenntnis gegen Antisemitismus und für die Toleranz als Teil dieses einzigartigen Erinnerungsprojekts wirksam und öffentlich zu plazieren!

Weitere Informationen auf den Internetseiten des AKSt:
https://studentenhistoriker.eu/juedische-korporierte-der-akst-benoetigt-ihre-unterstuetzung/

Erklärung: Wissenschaftler fordern Moratorium der Digitalisierung in KiTas und Schulen

Axel Bernd Kunze ist Mitunterzeichner einer Erklärung der Gesellschaft für Bildung und Wissen e. V., mit der Wissenschaftler ein Moratorium der Digitalisierung in KiTas und Schulen fordern:

Zusammenfassung

Digitalisierung gilt derzeit im Bildungsbereich für alle Altersstufen als zeitgemäße Lösung von Bildungsfragen. Tatsächlich sind die Wirkungen und Nebenwirkungen digitaler Medien auf Entwicklungs-, Lern- und Bildungsprozesse wissenschaftlich oft ungeklärt. Vielmehr verdichten sich die wissenschaftlichen Hinweise auf enorme Nachteile und Schäden für die Entwicklungs- und Bildungsprozesse von Kindern und Jugendlichen durch digitale Medien. Im Sinne der Fürsorgepflicht öffentlicher Bildungseinrichtungen fordern wir daher ein Moratorium der Digitalisierung insbesondere der frühen Bildung bis zum Ende der Unterstufe (Kl. 6): Es müssen zuerst die Folgen der digitalen Technologien abschätzbar sein, bevor weitere Versuche an schutzbefohlenen Kindern und Jugendlichen mit ungewissem Ausgang vorgenommen werden. Diese haben nur ein Leben, nur eine Bildungsbiografie und wir dürfen damit nicht sorglos umgehen.

Zu untersuchen sind insbesondere Fragen der medizinisch-psychologischen, der pädagogisch-didaktischen und der politisch-demokratietheoretischen Implikationen. Zu den wissenschaftlich fundierten Einsprüchen zählt etwa die Stellungnahme von fünf Professorinnen und Professoren des schwedischen Karolinska-Instituts. Sie warnen vor negativen Auswirkungen von Bildschirmmedien auf das Lernen und die Sprachentwicklung von Kindern. Der U.S. Surgeon General warnt vor den Folgen für die generelle mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen durch längere Nutzungsdauer und das immer frühere Einstiegsalter bei Bildschirmmedien. Das korrespondiert mit Untersuchungen der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin und Empfehlungen von Kinderärzten und Psychologen. Die UNESCO kritisiert im „2023 Global Education Monitor“ darüber hinaus, dass bei aktuellen IT-Konzepten für Bildungseinrichtungen nicht das Lernen und der pädagogische Nutzen im Mittelpunkt stünden, sondern wirtschaftliche Interessen. Dazu kommen immer mehr Datenverarbeitungssysteme, die als „Künstliche Intelligenz“ (KI) automatisiert beschulen und testen sollen, um fehlende Lehrkräfte zu ersetzen. Dabei hat zuletzt die Corona-Pandemie das Scheitern solcher Ersatzsysteme belegt. Der Deutsche Ethikrat warnt daher in seinen Empfehlungen zur „KI und Bildung“ explizit vor der Ersetzung der Lehrkräfte durch Computerprogramme, die UNESCO empfiehlt den Umgang mit KI erst ab 13 Jahren.

Es ist daher dringend notwendig, die einseitige Fixierung auf Digitaltechnik in KITAs und Schulen zu revidieren, um interdisziplinär und wissenschaftlich fundiert, mit Fokus auf Entwicklungs-, Lern- und Bildungsprozesse über IT und KI in Bildungseinrichtungen zu diskutieren. Bei Erziehung und Unterrichten muss das Wohl der Lernenden und die Wirksamkeit pädagogischen Handelns im Mittelpunkt stehen. Dazu fordern wir ein Moratorium und den öffentlichen Diskurs über die notwendigen pädagogischen Prämissen des Einsatzes digitaler Medien in Bildungseinrichtungen.

Quelle: https://bildung-wissen.eu/fachbeitraege/wissenschaftler-fordern-moratorium-der-digitalisierung-in-kitas-und-schulen.html

Dort finden Sie auch eine Langfassung der Forderungen und eine Liste der Erstunterzeichner.

Buchvorstellung: Mahnmal Bamberger Widerstand

Die Katholische Erwachsenenbildung in der Stadt Bamberg und die Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg stellen am 27. November 2023 um 19 Uhr in der Katholischen Hochschulgemeinde Bamberg (Friedrichstraße 2) den neuen Titel Von der Erinnung zur Verantwortung. Demokratie und Menschlichkeit leben vor (104 Seiten, 15 Euro, beziehbar über den Buchhandel). Der von Mechthildis Bocksch vorgestellte Band beleuchtet Entstehung, Idee und Wirkung des Mahnmales Bamberger Widerstand. Claus Schenk Graf von Stauffenberg steht für den militärischen, Hans Wölfel für den christlichen und der jüdische Waffenstudent und Justizreferendar Willy Aron für den sozialdemokratischen Widerstand. Das Mahnmal sollte ursprünglich vor der Universität stehen. Widerstand aus den Reihen der Universität, die drei Formen des Widerstands gemeinsam zu ehren, hat dies verhindert. Der Streit wurde seinerzeit in der Bamberger Lokalpresse ausgetragen. Der Oberbürgermeister hat dann den städtischen Harmoniegarten als Standort zur Verfügung gestellt.

Neue Publikationsreihe: Pädagogik kontrovers

… herausgegeben wird die neue Reihe im Stuttgarter Verlag W. Kohlhammer von Bernd Ahrbeck, Karl-Heinz Dammer, Marion Felder und Anne Kirschner. Den Auftakt macht ein Band zum „Pädagogischen Neuspreche, herausgegeben von Karl-Heinz Dammer und Anne Kirschner. Behandelt werden folgende „Modebegriffe“: Individualisierung, Selbststeuerung, Kompetenz, Gender/Geschlecht, Resonanz, Achtsamkeit, Vielfalt/Diversität, Resilienz, Nachhaltigkeit und Evidenzbasierung. Es geht um die politisch gesteuerte Umformung der pädagogischen Sprache: „die in ihr aufbewahrte Vergangenheit [soll] dem Vergessen anheimgegeben, also unsagbar gemacht werden“. Eine Rezension in der Zeitschrift „Profil. Magazin für Gymnasium und Gesellschaft“ ist in Vorbereitung.

Lektürehinweis: Thüringer Residenzenlandschaft bald Weltkulturerbe?

Neuerscheinung (aus der Verlagsinformation):

Thüringen verfügt über eine außergewöhnlich hohe Zahl ehemaliger fürstlicher Residenzen auf engem Raum, die bis zum Ende der Monarchie 1918 in Funktion blieben. Sie sind Zeugen der nur hier über 1806 hinaus erhaltenen kleinteiligen Struktur des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation. Mit diesem Schatz hat sich Thüringen 2021 auf den Weg zum UNESCO-Welterbe gemacht.

Im Auftrag der Thüringischen Staatskanzlei erarbeitete die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten den Antrag „Thüringische Residenzenlandschaft“ mit neun Residenzanlagen in acht Städten. Im Oktober 2021 wurde der Antrag für das Bewerbungsverfahren zur deutschen Tentativliste für das UNESCO-Welterbe eingereicht. Die vorliegende Publikation beinhaltet den Antraginhalt sowie die Beiträge eines wissenschaftlichen Kolloquiums. Im Mittelpunkt stehen der Vergleich mit bereits eingetragenen Welterbestätten und die daraus abgeleitete Definition eines möglichen außergewöhnlichen universellen Wertes sowie der historische Hintergrund der „Thüringischen Residenzenlandschaft“ im Kontext des Heiligen Römischen Reichs. Hinzu kommen Beiträge zu Hintergründen und methodischen Fragen rund um das Welterbe.

Einer der Initiatoren des Projekts ist Prof. Dr. Helmut Eberhard Paulus, ehemaliger Direktor der Thüringer Schlösser und Gärten. Im kommenden Jahr wird er zu diesem Thema die Festrede zum Stiftungsfest seiner Leipziger Burschenschaft Alemannia zu Bamberg halten.

Der Antrag liegt nun in gedruckter Form vor:

Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten (Hg.): Die Thüringische Residenzenlandschaft auf dem Weg zum UNESCO-Welterbe. Der erste Schritt zur deutschen Kandidatenliste, Regensburg: Verlag Schnell + Steiner 2023, 19,95 Euro.

Weitere Informationen: