Silbernes Abitur

Rund vierzig ehemalige Ratsgymnasiasten waren am 4. Juni aus Brüssel und München, Helgoland oder Stuttgart nach Peine gekommen, um ihr Silbernes Abitur zu feiern. Bevor am Abend in der „Strandperle“ am Eixer See gefeiert wurde, drückten alle am Vormittag noch einmal die Schulbank. Vieles hat sich verändert, wie sich gleich zu Beginn bei der Begrüßung in der Schulmensa zeigte, die es vor 25 Jahren noch nicht gab. Vieles hat sich in unserer schnelllebigen Zeit dann aber auch nicht geändert, wie mit Erstaunen festgestellt wurde: So fanden sich im Kunstraum und Treppenhaus noch Bilder, die man selbst gemalt hatte. Erinnerungsfotos vor dem eigenen Frühwerk durften natürlich nicht fehlen.

Frau Brennecke, die den Abiturjahrgang von 1991 früher selbst unterrichtet hatte, gab bereitwillig Auskunft, was sich am Ratsgymnasium in den zurückliegenden Jahren alles verändert hat: Musikalisch oder naturwissenschaftlich interessierte Schüler könnten heute zwischen eigenen Orchester- oder Forscherklassen wählen, einzelne Fächer würden bilingual unterricht. Spanisch sei als neue Fremdsprache, so war zu erfahren, inzwischen bei den Schülern äußerst beliebt. Und als offene Ganztagsschule biete das Ratsgymnasium mittlerweile zahlreiche Nachmittagsangebote mit Sportvereinen, der Musikschule oder anderen Kooperationspartnern an. Besichtigt werden konnten neue Naturwissenschaftsräume mit besseren Voraussetzungen für Schülerexperimente oder die Schülerbibliothek, die im ehemaligen Fahrschülerraum entstanden ist.

Fotos von Oberstufenfahrten machten am Abend die Runde, alte Klassenfotos wurden herumgereicht – mit einem gewissen Kopfschütteln über das, was damals Ende der Achtzigerjahre modisch so alles angesagt war. Nach 25 Jahren ging es weniger um die Frage, was machst Du inzwischen beruflich. Wichtiger war der Austausch darüber, was diejenigen heute bewegt, mit denen man die entscheidenden Jugendjahre gemeinsam verbracht hat. Die Gespräche zogen sich bis tief in die Nacht hinein hin. Alle waren sich einig, dass es ein besonderer Jahrgang gewesen sei und man sich in fünf Jahren auf jeden Fall wieder treffen wolle. Herzlichen Dank an Marcus Seelis und Stefan Grützner, die alles mit viel Engagement organisiert haben!

Widerstandsdenkmal in Bamberg wird eingeweiht

Mit einer Feier im benachbarten E.T.A.-Hoffmann-Theater wird am 25. Juni 2016 um 11 Uhr das Bamberger Widerstands-Denkmal eingeweiht und der Stadt Bamberg übergeben. Drei Bonzebüsten des örtlichen Bildhauers Albert Ultsch werden künftig im Harmoniegarten Bamberg zwischen Schönleins- und Schillerplatz an Willy Aron, Hans Wölfel und Claus Schenk Graf von Stauffenberg erinnern. Mit Willy Aron findet sich unter den Geehrten auch ein korporierter Sozialdemokrat.

Die Stelen der drei Büsten werden jeweils auf einer braunen Porphyrsteinplatte stehen:  „Die Farbe Braun verweist auf den Nationalsozialismus, aus dem die drei Protagonisten heraustraten. […] Zwei weitere Steinplatten rechts und links der Anordnung gehen in den Straßenbelag über und verweisen in die Gegenwart“, beschreibt die Willy-Aron-Geellschaft Bamberg e. V., von der die Initiative ausging, die künstlerische Idee des Denkmals. Die drei Namen stehen stellvertretend für alle Bürger der Stadt, die aus unterschiedlicher Motivation heraus dem Nationalsozialismus widerstanden haben. „Die Verknüpfung von politischem, militärischem und kirchlichem Widerstand in einem Mahnmal“ – so die Initiatoren – ist mutig und einzigartig in dieser Weise.“ Das Denkmal wolle keine „Heldenverehrung“ betreiben, sondern zum Denken anregen: Zum einen erinnert es an die lokalen Bezüge des Widerstands gegen den Nationsozialismus. Zum anderen mahnt es durch seine künstlerische Umsetzung, darüber nachzudenken, wie es heute gelingen kann, sich für Menschlichkeit, Recht und Demokratie einzusetzen.

Sozialdemokratischer, kirchlicher und militärischer Widerstand vereint

Willy Aron (1907 – 1933) war das erste Opfer, das der nationalsozialistische Terror aus Bamberg forderte. Auch als Waffenstudent der paritätischen Studentenverbindung „Wirceburgia“, der Aron im Wintersemester 1925/26 beitrat, engagierte er sich weiterhin in der Sozialistischen Arbeiter-Jugend seiner Heimatstadt. Schon früh geriet der kämpferische Jungsozialist ins Visier der Nationalsozialisten. Als Justizreferendar hatte er im Prozess um eine von den Nationalsozialisten initiierte Massenschlägerei die Verteidigung mehrerer Sozialdemokraten übernommen. Ob seine Führungstätigkeit innerhalb des örtlichen Reichsbanners Scharz-Rot-Gold oder seine Äußerung, die neuen Machthaber hätten den Reichstag selbst in Brand gesteckt, den äußeren Anlass für seine frühe Verhaftung gab, ist bis heute umstritten. Im Konzentrationslager Dachau wurde er brutal misshandelt. Sein Sarg durfte bis zur Beisetzung am 22. Mai 1933 auf dem jüdischen Friedhof in Bamberg nicht mehr geöffnet werden.

Zum siebzigsten Todestag Arons wurde 2003 die Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e. V. gegründet, die seitdem in Bamberg unter anderem zahlreiche „Stolpersteine“ verlegen ließ oder in Zusammenarbeit mit örtlichen Schule Menschenrechtsbildung betreibt. Mit einer Gedenkfeier am Stolperstein für Willy Aron, der sich in der Bamberger Luitpoldstraße befindet, wurde 2011 die fränkische Regionalgruppe des Lassalle-Kreises ins Leben gerufen. Überdies erinnert im Landgericht Bamberg eine Ehrentafel an Willy Aron.

Hans Wölfel (1902 – 1944), Bamberger Rechtsanwalt und Vorsitzender des Ortskartells katholischer Vereine, trat nach anfänglichen Vorbehalten gegenüber der neuen Republik immer stärker für eine rechtsstaatliche und demokratische Ordnung auf Basis christlicher Werte ein. Als Rechtsanwalt setzte er sich für Opfer des nationalsozialistischem Regimes und gesellschaftlich Benachteiligte ein. Seine Kanzlei wurde von den neuen Machthabern geplündert, seine Akten am Tag der Bücherverbrennung den Flammen übergeben. Im Geheimen suchte er Verbündete, die sich für ein neues, friedvolles Deutschland einsetzen wollten. 1943 denunziert, wurde er durch den Volksgerichtshof wegen angeblicher Wehrkraftzersetzung verurteilt und am 3. Juli 1944 mit dem Fallbeil in Brandenburg-Görden hingerichtet.

Sein Name findet sich im kirchlichen Martyrologium des zwanzigsten Jahrhunderts, ein Seligsprechungsverfahren wird angestrebt. Hans Wölfel ist in einem Ehrengrab auf dem Bamberger Friedhof bestattet, vor allem der Förderkreis zur Pflege des Erinnerns an Hans Wölfel hält sein Gedächtnis bis heute lebendig.

Claus Schenk Graf von Stauffenberg (1907 – 1944), trat Ende der Zwanzigerjahre des zwanzigsten Jahrhunderts dem Kavallerieregiment der 17er Reiter in Bamberg bei. Im Laufe der Zeit erkannte Stauffenberg, dass die neuen Machthaber nichts mit seinen Ideen eines wieder erstarkten Deutschlands zu tun hatten. Er entschloss sich zu einem Attentat auf Adolf Hitler, obwohl  nur ein kleiner Teil des Militärs bereit war, den persönlichen Fahneneid auf den Führer zu brechen. Das Vorhaben misslang. Stauffenberg wurde noch am selben Tag, an dem er die Bombe im Führerhauptquartier gezündet hatte, dem 20. Juli 1944, in Berlin hingerichtet.

Eine Ehrentafel im Durchgang des Brückenrathauses erinnert in Bamberg an die Symbolfigur des gescheiterten Hitlerattentates.

Weitere Informationen zum Denkmal und zur Arbeit der Willy-Aron-Gesellschaft finden sich im Internet unter www.willy-aron.de oder www.willy-aron-gesellschaft.de.

Ein Portrait Willy Arons findet sich auch im aktuellen Sammelband des Lassalle-Kreises: Manfred Blänkner, Axel Bernd Kunze (Hgg.): Rote Fahnen, Bunte Bänder. Korporierte Sozialdemokraten von Lassalle bis heute, Bonn 2016.

Literatur zum Weiterlesen:

Willy Aron

Monika Bieber, Axel Bernd Kunze: Gedenkreden zum 70. Todestag Willy Arons am 15. Mai 2003 (Arbeitspapiere der Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e. V.; 3/2006), o. O. (Bamberg) 2006.

Andreas Dornheim, Thomas Schindler: Wilhelm Aron (1907 – 1933). Jude, NS-Gegner, Sozialdemokrat und Verbindungsstudent (Schriftenreihe des Historischen Vereins Bamberg; 40), Bamberg/Lichtenfels 2007.

Georg Grosch: Willy Aron, in: Gerhard C. Krischker: Bambergs unbequeme Bürger, Bamberg 1987, S. 25 – 28 (Quellenanhang: 29 f.).

Axel Bernd Kunze, Hendrik Leuker: Aufruf zur Zivilcourage. Ein Themenabend am 8. Mai 2008 (Arbeitspapiere der Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e. V.; 7/2008), o. O. (Bamberg) 2008.

Hans Wölfel

Mechthildis Bocksch: Hans Wölfel – Leben und Erinnerung: Ein Bamberger im Widerstand gegen den Nationalsozialismus, Bamberg 2004.

Mechthildis Bocksch: Hans Wölfel (1902 bis 1944) – ein Bamberger im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Vortrag am 11. Juni 2008 auf Einladung der Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e. V. (Arbeitspapiere der Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e. V.; 10/2008), o. O. (Bamberg) 2008.

Claus Schenk Graf von Stauffenberg

Nikolai Czugunow-Schmitt, Christiane Dillig, Gerhard Förch, Helmut Müller, Alwin Reindl: Gedenkfeier für Claus Schenk Graf von Stauffenberg am 20. Juli 2008, Ehrentafel im Durchgang des Alten Rathauses Bamberg (Arbeitspapiere der Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e. V.; 12/2008), o. O. (Bamberg) 2008.

Nikolai Czugunow-Schmitt, Gerhard Förch, Helmut Müller, Otfried Sperl: Gedenkmesse im Hohen Dom zu Bamberg. Zum 100. Geburtstag von Oberst i. G. Schenk Graf von Stauffenberg – zugleich im Gedächtnis an die weiteren Bamberger Opfer des Widerstands aus dem Regiment der 17er Reiter sowie im Gedenken an den 105. Geburtstag von Rechtsanwalt Hans Wölfel und den 100. Geburtstag von Rechtsreferendar Willy Aron. 15. November 2007, 18.00 Uhr (Arbeitspapiere der Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg; 1/2008), o. O. (Bamberg) 2008.

Nikolai Czugunow-Schmitt, Helmut Müller, Gerhard Rammel, Peter Sauerbruch, Reinhard Zintl: Stauffenberg-Gedenkveranstaltung. 20. Juli 2007,  Bamberg, Ehrentafel im Durchgang des Alten Rathauses (Arbeitspapiere der Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg; 1/2007), o. O. (Bamberg) 2007.

 

Die Onlineausgaben der Arbeitspapiere der Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg sind auf den Internetseiten der Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e. V. abrufbar: www.willy-aron-gesellschaft.de.

Ein satirisches Feuerwerk wider den politisch korrekten pädagogischen Zeitgeist

Harald Martensteins Kolumnen in der Wochenzeitung „Die Zeit“ oder im Berliner „Tagesspiegel“ gehören für viele Lehrer zur wöchentlichen Pflichtlektüre … Pointiert und scharfzüngig spießt Martenstein dabei auch immer wieder bildungspolitische Themen auf. Der Kolumnist kämpft für eine Schule, die zur Freiheit im Denken und Handeln erzieht, die den Einzelnen fördert, aber auch fordert und nicht jeder Mode des pädagogischen Zeitgeistes hinterher läuft. Dabei scheut Martenstein den Konflikt nicht; so legte er sich vor noch nicht allzu langer Zeit mit den Vertretern der Genderwissenschaften an. Sein Roman „Schwarzes Gold aus Warnemünde“ aus dem Vorjahr erzählt vordergründig die fiktive Geschichte einer DDR, die durch Ölfunde plötzlich reich geworden ist und dadurch überlebt hat; in Wirklichkeit aber handelt es sich um eine bitterböse Abrechnung mit Entwicklungen unserer freiheitlichen Gesellschaft, die zunehmend an Halt und Freigeist verliert.

Wie nicht anders zu erwarten, war auch Martensteins Hauptvortrag auf dem bundesweiten Gymnasialtag des Deutschen Philologenverbandes, des Philologenverbandes Baden-Württemberg und des Verbandes Bildungsmedien Anfang März im Stuttgarter Haus der Wirtschaft ein satirisches Feuerwerk wider die politische Korrektheit in Schule und Lehrerbildung – sprachlich wie denkerisch ein Genuss. Wenn Bildungsforscher und Bildungsreformer von Bildung redeten, sei das mitunter so, als wenn Nordkorea mehr Meinungsfreiheit fordere – sprich: Viele Bildungsreformen liefen am Ende auf „weniger Bildung“ hinaus, nicht selten mit der Begründung, dies schaffe mehr soziale Gerechtigkeit und Gleichheit. Eine wundersame Vermehrung höherer Bildungsabschlüsse durch Niveauabsenkung im Abitur nütze am Ende weder dem Arbeitsmarkt noch dem Schüler. Der Kolumnist und Romanautor verteidigte das Sitzenbleiben und das gegliederte Schulsystem, verneinte das „Turboabitur“, das auf den minderjährigen Hochschulabsolventen zulaufe, beharrte darauf, dass Schule auch Leistung einfordern müsse, und er lobte die Lehrer: Dass er heute vom Schreiben leben könne und vieles mehr, habe er seinen Lehrern zu verdanken, und zwar sowohl denen, die er als Schüler geliebt, wie auch denen, die er gehasst habe. Schule dürfe sich, so Martensteins Plädoyer, nicht allzu einseitig an der Lebenswelt der Schüler orientieren: „Dann dürfte im Deutschunterricht des Gymnasiums nur noch das Buch ‚Die besten Flirt-Tipps für Jungs und Mädchen‘ gelesen werden.“ Schule sollte ihren Schülern vielmehr neue geistige Horizonte erschließen und sie über ihr momentanes Erleben hinausführen. Der langanhaltende Beifall zeigte, dass der Berliner Journalist dem Publikum aus der Seele gesprochen hatte.

Begleitet wurden die Vorträge und Workshops des Kongresses, zu dem ich als Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat des Deutschen Philologenverbandes eingeladen worden war, durch eine Bildungsmedienausstellung, auf der Verlage und andere Mediendienstleister ihre Neuheiten vorstellten. Beim Stehempfang in der Mittagspause gab es darüber hinaus zahlreiche Gelegenheiten, sich mit Kollegen und Verbandsvertretern über aktuelle bildungs- und schulpolitische Entwicklungen in Baden-Württemberg auszutauschen. So wurde beispielsweise darüber diskutiert, wie die Schule auf die aktuellen integrations- und damit verbundenen religionspolitischen Herausforderungen reagieren soll.

Neues berufsethisches Fortbildungsmodul

„Kindergarten Kunterbunt“ bietet mittags nur ein Schweinefleischgericht an, „Kindergarten Sonnenschein“ hingegen ein Gericht mit Putenfleisch und alternativ noch ein vegetarisches Gericht. – Engagiert diskutierten die Teilnehmerinnen der laufenden Fortbildung zur Nachqualifizierung Pädagogischer Fachkräfte nach Paragraph 7 Kindertagesbetreuungsgesetz an der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt über die beiden fiktiven Speisepläne. Schnell wurde deutlich: Hier geht es nicht nur um Fragen der Küchenorganisation. Hinter beiden Speiseplänen stecken Wertentscheidungen: Was ist einer Einrichtung wichtiger? Geht es in öffentlichen Kindergärten in erster Linie um Gleichheit oder um die Berücksichtigung unterschiedlicher Interessen? Und was fördert Integration besser?

Die Diskussion war Teil eines neuen Fortbildungsmoduls, das für die laufende Fortbildungsreihe unter der didaktischen Leitung von Herrn PD Dr. Kunze neu konzipiert und Ende Februar 2016 erstmals erprobt wurde. Herr Kunze ist habilitierter Bildungsethiker und stv. Schulleiter der Fachschule. Die Teilnehmer beschäftigten sich mit ethischen Konflikten im Berufsalltag und lernten einen Leitfaden kennen, mit dem sozialpädagogische Teams auch ohne größere ethische Fachkenntnisse eine ethische Fallbesprechung durchführen können. Schnell wurde klar, an wie vielen Stellen im Berufsalltag einer Kindertageseinrichtung ethische Konflikte auftreten können.

Berufsethische Fragen finden in der Sozialpädagogik zunehmend Beachtung. Die Evangelische Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt reagiert mit dem neu entwickelten Fortbildungsmodul auf diese Entwicklung und möchte dadurch zugleich das diakonische Profil ihrer Fortbildungsangebote schärfen.

Podiumsdiskussion zur Zukunft von Schule und Religion in Baden-Württemberg

„Wie viel Christentum braucht unser Land?“ – Unter dieser Frage stand die Tagung des Arbeitskreises der Religionslehrerverbände in Baden-Württemberg und des Landeselternbeirates Baden-Württemberg, die vom 11. bis 12. Februar 2016 im Tagungszentrum Hohenheim der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart stattfand. Die zentrale Podiumsdiskussion, in der es um die Zukunft von Schule und Religion in Baden-Württemberg ging, kann im Akademiekanal auf Youtube nachgehört werden:

www.youtube.com/watch?v=CO-NmLZXFBg

Auf dem Podium saßen:

  • Oberkirchenrat Werner Baur (Evangelische Landeskirche in Württemberg)
  • Leitender Pastor Steffen Beck (International Christian Fellowship in Karlsruhe, Vorsitzender der Evangelischen Allianz Karlsruhe)
  • Emina Corbo-Mesic (Lehrbeauftragte an der Pädaogischen Hochschule Ludwigsburg)
  • Privatdozent Dr. Axel Bernd Kunze (Privatdozent für Erziehungswissenschaft an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Christlicher Sozialethiker)
  • Dr. Carsten-Thomas Rees (Landeselternbeirat Baden-Württemberg)
  • Dr. Michael Schmidt-Salomon (Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung, freier Philosoph und Schriftsteller)
  • Kurt Wolfgang Schatz (Arbeitskreis der Religionslehrerverbände in Baden-Württemberg)
  • Ministerialrat Ernst Schüly (Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg)
  • Moderation: Dr. Stefan Meißner (Arbeitskreis der Religionslehrerverbände in Baden-Württemberg)

Wie viel Christentum braucht das Land?

„Wie viel Christentum braucht das Land?“ – Über diese Frage diskutierten evangelische und katholische Religionslehrer sowie Elternvertreter am 11. und 12. Februar 2016 im Tagungszentrum Hohenheim der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Eingeladen hatten der Arbeitskreis der Religionslehrerverbände in Baden-Württemberg sowie der Landeselternbeirat Baden-Württemberg.
Herr PD Dr. Kunze, stellvertretender Schulleiter unserer Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik, sprach zu Beginn der Tagung über aktuelle religionspolitische Herausforderungen im baden-württembergischen Bildungssystem. Anschließend stellte Herr Ernst Schüly, Ministerialrat im Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg, dar, wie der Umgang mit Religion in der baden-württembergischen Schule rechtlich, politisch und pädagogisch ausgestaltet ist.
Im folgenden Podiumsgespräch hob Oberkirchenrat Werner Baur, zuständig für Kirche und Bildung, die besondere Bedeutung des konfessionellen Religionsunterrichtes hervor: Wer als „konfessionelle“ Lehrkraft Religion unterrichte, „bekenne“ sich vor den Schülerinnen und Schülern zu einem ganz konkreten Sinnangebot und stehe dafür mit seiner Person ein. Dies sei für die religiöse Auseinandersetzung und Identitätsbildung der Heranwachsenden von ganz entscheidender Bedeutung.
Günter Veit, christlicher Unternehmer aus Landsberg am Lech, machte in seinem Vortrag deutlich, wie sehr Staat, Gesellschaft und Wirtschaft darauf angewiesen seien, dass christliche Werte aktiv gelebt werden.
Religiöse Erziehung in der Schule ist vielfältiger geworden. Hierfür braucht es veränderte pädagogische Konzepte. Im weiteren Verlauf der Tagung wurde nicht zuletzt über die Chancen und Grenzen des islamischen Religionsunterrichts in Baden-Württemberg diskutiert. Bevor die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagung ihre Vorstellungen zur „Zukunft von Schule und Religionsunterricht in Baden-Württemberg“ – so der Untertitel der Tagung – formulierten stellte Peter Schreiner, Leiter des evangelischen Comenius-Instituts in Münster, Erfahrungen aus anderen europäischen Ländern vor.
Die Beiträge der Tagung werden im Kanal der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart im Internetportal Youtube dokumentiert werden.

Hat das Gymnasium noch Zukunft?

Am 11. und 12. Oktober 2014 fand Konstanz das 55. Internationale Bodenseetreffen zum Thema „Das Gymnasium in der Diskussion um Bildungsgerechtigkeit“ mit Gymnasiallehrkräften aus Österreich, der Schweiz, Bayern und Baden-Württemberg statt. Einer der Tagungsbeiträge findet sich als Wiederabdruck im neuen Band „weniger ist weniger“, der die zivilgesellschaftliche wie bildungswissenschaftliche Diskussion um das achtjährige Gymnasium bündelt:

Axel Bernd Kunze:
Hat das Gymnasium in der bildungsethischen Debatte noch eine Zukunft?,
in: Volker Ladenthin, Anja Nostadt, Jochen Krautz (Hgg.): weniger ist weniger. G8 und die Kollateralschäden. Analysen und Materialien (Pädagogik in Europa in Geschichte und Gegenwart; 11), Bonn 2016, S. 19 – 47.

In der damaligen Pressemitteilung zum Internationalen Bodenseetreffen 2014 hieß es:

„Den Veranstaltern war es gelungen, hochkarätige Referenten zu gewinnen: Prof. Dr. Peter J. Brenner, Technische Universität München, sprach zum Thema „Wohin mit den guten Schülern? Konzepte der Elitebildung in Deutschland und Frankreich“, Privatdozent Dr. Axel Bernd Kunze, Universität Bonn, beleuchtete die Frage „Bildungsgerechtigkeit, Recht auf Bildung, Inklusion … – Hat das Gymnasium in der bildungsethischen Diskussion noch Zukunft?“ und Akademischer Rat Dr. Matthias Burchardt, Universität Köln, referierte über ‚Die Ökonomisierung unseres Bildungswesens – Folgen und Auswirkungen für das Gymnasium.‘ Prof. Brenner führte aus, dass es in Frankreich ungeachtet eines zunächst äußerlich auf Gleichheit (‚égalité‘) ausgerichteten sekundären Bildungsbereichs ein ausgeprägtes Elitebildungssystem gebe, aus dem sich der Nachwuchs der gesellschaftlichen Funktionseliten rekrutiert. Durch das ‚collège unique‘, einer Gesamtschule, hätten die Ungleichheiten in der Gesellschaft eher zu als abgenommen, denn es sei ein stark ausgeprägter teurer Privatschulbereich entstanden. Die Aufnahme in die französischen Elite-Universitäten sei mit enormem Leistungs- und Auslesedruck verbunden. In Deutschland gebe es demgegenüber kein Elitesystem dieser Prägung. Die Geschichte des Gymnasiums könne seit seiner Entstehung als eine sich fortschreibende Geschichte der Öffnung für aufstiegsorientierte Schichten gelesen werden.
Dr. Kunze verwies auf den spezifischen kulturbildenden und wissenschaftspropädeutischen Auftrag des Gymnasiums. Er stellte fest, dass es letztlich der Prozess gesellschaftlicher wie institutioneller Ausdifferenzierung gewesen sei, der in der Moderne immense Fortschritte in Kultur und Technik hervorgebracht hat, auch im Bildungssystem. Die Forderung nach Bildungsgerechtigkeit müsse vor dem Ziel eines insgesamt pluralistischen, durchlässigen und korrekturoffenen Schulsystems diskutiert werden.
Dr. Burchardt sieht in der zunehmenden Ökonomisierung unseres Bildungswesens eine gefährliche Verkürzung des Bildungsbegriffs, der unsere abendländische Tradition seit Jahrhunderten prägte. Die OECD reduziere Bildung auf funktionale Minimalkompetenzen. So beinhalte Bildung eben mehr als die Abfrage von Kompetenzen und mehr als das, was die PISA-Tests abfragen. Das ‚human capital‘-Menschenbild der OECD widerspreche unserem christlich-abendländischen, humanistischen Menschenbild, das den Menschen nicht auf einen reinen Wirtschaftsfaktor reduziert. Das Ziel des Gymnasiums sei von jeher, neben der Wissenschaftspropädeutik, die vertiefte Allgemeinbildung und eine umfassende Persönlichkeitsbildung gewesen. Das Gymnasium und das spezifisch Gymnasiale erforderten den akademisch gebildeten Pädagogen, der nicht durch einen bloßen Lernbegleiter abgelöst werden dürfe, was letztlich vom Lerner als einem Autodidakten ausgehe.
Die Vorsitzenden der veranstaltenden Gymnasiallehrerverbände Bernd Saur, Philologenverband Baden-Württemberg (PhV BW), Max Schmidt, Bayerischer Philologenverband (bpv), und Gerhard Riegler, Österreichische Professoren Union (ÖPU), zogen das Fazit: ‚Um echte Bildungsgerechtigkeit gewährleisten zu können, ist ein differenziertes Bildungswesen unabdingbar, in dem auch das Gymnasium und vor allem das spezifisch Gymnasiale bewahrt bleibt.‘“

(Pressemitteilung der Gymnasiallehrerverbände in Österreich, Bayern und Baden-Württemberg vom 28. Oktober 2014)

Das Thema „Bildung“ im Rahmen der Ökumenischen Sozialinitiative

„Im Dienst an einer gerechten Gesellschaft“ – Unter diesem Titel haben die Deutsche Bischofskonferenz und die Evangelische Kirche in Deutschland nun eine Dokumentation der Diskussionsphase im Rahmen der Ökumenischen Sozialinitiative der Kirchen vorgelegt, die am 28. Februar 2014 gestartet worden war:

Im Dienst an einer gerechten Gesellschaft. Dokumentation der Diskussionsphase und Gemeinsame Feststellung zur Ökumenischen Sozialinitiative (Gemeinsame Texte; 23), hg. v. d. Evangelischen Kirche in Deutschland u. v. Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, o. O. (Hannover/Bonn) 2015.

Das Heft umfasst neben einer Auswertung der Beiträge auf der Homepage http://www.sozialinitiative-kirchen.de und der Reaktionen in Printmedien die Gemeinsame Feststellung der Kirchen vom 2. Oktober 2015 sowie zwei Statements des Vorsitzenden des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland und des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz.

Die neunte These der Ökumenischen Sozialinitiative wurde im Januar 2015 in der Kolumnereihe der „Tagespost“ kommentiert:

„Axel Bernd Kunze (Erziehungswissenschaftler und Sozialethiker) thematisiert in seinem Beitrag die Bildung. Bildung sollte auch unverzweckt betrachtet werden und besonders zu Selbstbewusstseinerziehen. Er stimmt der Sozialinitiative zu, die die Familie als ersten Bildungsort begreift. Zugleich kritisiert er die Aussage, es werde zu viel in die Elite und zu wenig in die Breite investiert (angesichts stetig steigender Studierendenzahlen und mangelnder Ausstattung der Hochschulen). Auch die konstatierte mangelnde Durchlässigkeit sieht Kunze nicht. Er betont, es brauche zielgenaue Förderangebote und die Förderung herausragender Bildungsleistungen. Diese sollten nicht gegeneinander ausgespielt und aufgerechnet werden.“ (Im Dienst an einer gerechten Gesellschaft, S. 206)

Die überwiegend zustimmenden Beiträge zu den bildungsbezogenen Passagen der Sozialinitiative werden wie folgt zusammengefasst:

„Die Kirchlich-Gewerkschaftliche Initiative Bayern lobt, dass Bildung im Sozialwort ‚erfreulich weit‘ und nicht nur im Sinne von ‚Beschäftigungsfähigkeit‘ definiert werde. Auch sei es richtig, wenn frühkindliche Bildung im Sozialwort als Schlüsselfrage für gesellschaftliche Teilhabe thematisiert werde. Küppers hingegen unterstützt, dass Bildungspolitik im Sozialwort vor allem als vorsorgende Sozialpolitik verstanden werde, die ‚eine gute soziale Rendite‘ verspreche. Deor hebt vor allem die Forderung nach lebenslanger Bildung insbesondere für diejenigen, die ‚bereits abgehängt‘ wurden, lobend hervor. Sie vertritt die Auffassung, dass an dieser Stelle längst etwas hätte geschehen sollen, ‚im Sinne einer Wiedergutmachung bzw. Anerkennung für Lebensleistungen in Arbeitsprozessen, die weggebrochen bzw. (…) disqualifiziert und herabgewürdigt worden sind‘. Auch Kruip stimmt den Ausführungen des Sozialwortes zum Thema Bildung weitestgehend zu. Er kritisiert allerdings, dass die Forderung nach einem kostenlosen Kindergartenplatz nicht in das Sozialwort aufgenommen worden sei.“ (Im Dienst an einer gerechten Gesellschaft, S. 142)

Es folgt eine Zusammenfassung der Beiträge, die sich eher kritisch mit den Bildungsaussagen der Sozialinitiative befassen:

Silke Westphal lobt, „dass Bildungspolitik im Sozialwort als wichtiger Teil einer vorsorgenden Sozialpolitik begriffen werde, kritisiert allerdings, dass die ‚weiteren Ausführungen an der Oberfläche‘ hängenbleiben würden.“ Die evangelische Unternehmerin kritisisiert nicht zuletzt, „dass Bildung im Sozialwort ‚vor allem unter dem Gesichtspunkt der Beschäftigungsfähigkeit und der volkswirtschaftlichen Effizienz‘ diskutiert werde.“ Westphal glaubt, „dass gerade die Kirchen und ihre Wohlfahrtsverbände Arbeitgeber sein könnten, die lebenslanges Lernen ermöglichen und fördern.“
Axel Bernd Kunze „sieht es kritisch, wenn Bildung in den Kontext der vorsorgenden Sozialpolitik gerückt werde, weil auf diese Weise eine Rhetorik der Anpassung gefördert werden könne. Bildung solle im Gegensatz dazu zunächst einmal danach ausgerichtet werden, Freiheit im Denken und Handeln zu ermöglichen: ‚Dieses Potenzial geht verloren, wenn Bildung auf ein Instrument wirtschafts- oder sozialpolitischer Steuerung reduziert wird.‘“
„Auch der Ausschuss für Gesellschaftliche Verantwortung der Evangelischen Kirche von Westfalen kritisiert, dass die Formulierungen des Sozialwortes Gefahr liefen, ‚Bildung auf ihre Dienlichkeit für den Arbeitsmarkt zu verengen‘.“ Ähnlich äußert sich auch das Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.
Klaus Hubert, Geschäftsführer der Aktionsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Bayern, „hält es für widersprüchlich, wenn im Sozialwort einerseits darauf hingewiesen werde, Bildung sei mehr als die Vermittlung von Wissen und Fähigkeiten, andererseits aber werde sie, ‚angefangen von der frühkindlichen Bildung, unter die Vorgaben der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes gestellt‘.
Der Vorsitzende des Bildungswerks Bamberg der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung, Siegfried Ecker, wiederum bemängelt, „dass das Sozialwort unausgesprochen dem Bildungsbegriff des Bologna-Prozesses und der Pisa-Studien folge, der vorwiegend auf wirtschaftlich verwertbare berufliche Bildung ausgerichtet sei. Nicht erwähnt werde im Text, dass sich nicht nur der Einzelne durch Bildung an sich verändernde Bedingungen anzupassen habe, sondern dass Bildung auch stets emanzipatorische Ziele verfolge und sich gesellschaftliche Rahmenbedingungen gerade durch Bildung ändern könnten.“ Auch fehlt nach Ansicht Eckers ein Wort zur notwendigen Herzens- und Gewissensbildung: „Wie wollen die Kirchen Einfluss auf die Bürger haben, wenn von Herzensbildung keine Rede ist?“ (alle vorangegangenen Zitate: Im Dienst an einer gerechten Gesellschaft, S. 143 f.)

Des Weiteren finden sich auch unter dem Stichwort Familienpolitik Aussagen zum Thema Bildung:

Kunze äußert ferner die „Auffassung, dass im Sozialwort eine Verzwecklichung der Familie durchscheine. Diese werde vornehmlich als Dienstleister für Wirtschaft oder Sozialstaat gesehen. Dabei gerate aus dem Blick, dass Familienfunktionen nicht einfach durch öffentliche Erziehung ersetzt werden könne – denn zu Recht weise das Sozialwort selbst darauf hin, dass die Familie der erste Bildungsort sei.“ (Im Dienst an einer gerechten Gesellschaft, S. 142)

Freie Bürger brauchen ein starkes freies Schulwesen

„(Freie) Bildung in bewegten Zeiten“ – unter diesem Motto hatte die Arbeitsgemeinschaft für Freie Schulen in Baden-Württemberg (AGFS) die Spitzenkandidaten der vier Landtagsparteien während des beginnenden Wahlkampfes in das Evangelische Bildungszentrum Hospitalhof in Stuttgart eingeladen. Die Veranstaltung ist Teil der Kampagne „Hand hoch für Freie Schulen“ (www.hand-hoch-bw.de).
„Wir sind gleichwertig, aber nicht gleichartig“, machte der Vorsitzende der AGFS, Andreas Büchler, in seiner Eröffnungsrede deutlich. Wer mündige und freie Bürger wolle, brauche auch ein starkes freies Schulwesen. Zugleich wies Büchler daraufhin, dass es gerade Freie Schulen seien, die in Berufen mit Fachkräftemangel ausbildeten –  z. B. Fachschulen für Sozialpädagogik, Altenpflege oder Physiotherapie.
Gleich, wer die Landtagswahl Mitte März gewinnen wird … – eines ist schon heute sicher: Die Privatschulfinanzierung in Baden-Württemberg muss nach einem Urteil des Staatsgerichtshofes im Interesse einer gleichwertigen Finanzierung von freien und öffentlichen Schulen nachgebessert werden. Mehrfach wurde im Verlauf der Podiumsdiskussion die Forderung erhoben, dass die hierfür notwendigen Verhandlungen zwischen Politik und Freien Schulen „auf Augenhöhe“ geführt werden müssten. Eine Forderung, die vom Publikum mit starkem Applaus bedacht wurde.

Museumsdidaktik im Lindenmuseum

Ein Museumsbesuch muss nicht trocken und langweilig sein. Das machte eine museumsdidaktische Exkursion der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt deutlich. Gemeinsam mit den beiden Klassenlehrern, Herrn PD Dr. Kunze und Herrn Kienle, besichtigten die Schülerinnen des ersten Erzieherausbildungsjahres das staatliche Völkerkundemuseum in Stuttgart.
Das nach seinem Mäzen, Graf Karl von Linden, benannte Lindenmuseum bietet sich durch kindgerechte Führungen und andere museumspädagogische Angebote für Ausflüge mit Kindergarten- oder Hortgruppen als interessantes Ziel an. Die Beschäftigung mit den Traditionen, Werten und Praktiken anderer Völker lässt auch die eigene Lebensweise in einem anderen Licht erscheinen.
Nach einer kurzen Einführung in die Museumspädagogik gingen die Schülerinnen auf Entdeckungsreise durch die vier Abteilungen des Museums: von Afrika über die islamische Welt und Südasien bis Ostasien. In der Ausstellung über Afrika wird u. a. gezeigt, wie Materialien, die bei uns als Abfall gelten, beispielsweise Getränkedosen, Altreifen oder Draht, andernorts zu Koffern, Sandalen oder Spielzeug weiterverarbeitet werden. Besonderes Staunen riefen Spielzeugmodelle eines Fahrrads, Motorrads oder Flugzeugs hervor, die mit großer Präzision von afrikanischen Kindern aus Draht hergestellt worden sind. Um die eigene Wahrnehmung zu schulen und ein genaues Hinsehen einzuüben, fertigten die Schülerinnen eigene Bleistiftskizzen von ausgestellten Masken an. Im Lindenmuseum findet sich eine Bazarstraße aus Afghanistan, die originalgetreu wieder aufgebaut wurde. Auch zu dieser fertigten die Schülerinnen unter Anleitung von Herrn Kienle eigene Skizzen der dargestellten Verkaufsstände an. Am Ende waren alle erstaunt, wie schnell die Zeit vergangen war.