Rezension: Krieg und Frieden

Vom gerechten zum ganzheitlichen Frieden – unter dieser Überschrift würdigt Axel Bernd Kunze im Themenheft „Krieg und Frieden“ der Zeitschrift Concilium (60. Jg., 2024, H. 1, S. 105 – 111) folgende Titel:

Rose Marie Berger/Ken Butiganz/Judy Coode/Marie Dennis (Hgg.): Gewaltfreiheit und Gerechten Frieden in Kirche und Welt fördern. Biblische Theologie, ethische, pastorale und strategische Dimensionen der Gewaltfreiheit, Ostfildern: Matthias Grünewald 2024, 320 Seiten;

Alexander Deeg/Christian Lehnert (Hgg.): Krieg und Frieden. Metaphern der Gewalt und der Versöhnung im christlichen Gottesdienst (Beiträge zu Liturgie und Spiritualität), Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt 2022, 182 Seiten.

Rezension: Der gläserne Patient bezahlt mit seinen Daten

Andreas Meißner: Die elektronische Patientenakte – Das Ende der Schweigepflicht. Für Risiken und Nebenwirkungen übernimmt niemand die Verantwortung. Mit einem Vorwort von Bernd Hontschik, Neu-Isenburg: Westend 2024, 112 Seiten.

Die Gesundheitspolitik wird zunehmend zum Kampfplatz um grundlegende Freiheitsrechte. Dies zeigt sich an der Auseinandersetzung  um einen WHO-Pandemievertrag, der die Einschränkung zentraler Grundrechte dem natioalen Souverän entzieht. Dies gilt für die elektronische Patientenakte. Die wenigsten wissen, dass Patienten dieser aktiv widersprechen müssen. Denn schließlich sei ja alles nur zu ihrem Bestem. Ein Schelm, der angesichts dieser Widerspruchslösung Böses dabei denkt. Wer widerspricht, sieht sich – wie schon zu Coronazeiten – dem Verdacht ausgesetzt, er habe nur irgendetwas nicht richtig verstanden, sei begriffsstutzig, müsse zu seinem eigenen Vorteil besser an die Hand genommen und belehrt werden. Oder sollten wir besser sagen: bevormundet werden?

Andreas Meißner klärt auf, warum über die elektronische Patientenakte geredet werden muss. Neben massiven Datenschutzbedenken, die allesamt politisch kleingeredet wurden, ist es der fragliche Nutzen, den der Münchner Psychiater anführt: „Es geht um Wirtschaft und Märkte, nicht um Gesundheit“, ist Meißner überzeugt. Die elektronische Patientenakte werde weder die medizinische Versorgung noch die Forschung verbessern – im Gegenteil. Nicht fehlende Daten oder Datenschutzbedenken seien ein Forschungsproblem, sondern Fehlanreize und Fehllenkungen im Wissenschaftssystem. Und gerade letztere würden durch „Big Data“ noch verstärkt.

Andreas Meißner klärt auf – im besten Sinne des Wortes (wobei sein Buch ohne Gendersprache noch besser zu lesen gewesen wäre). Seinem Werk ist weite Verbreitung zu wünschen. Vor allem bei denen, die sich noch nicht näher mit der elektronischen Patientenakte beschäftigt haben oder noch gar nicht um ihr Widerspruchsrecht wissen. Eine freiheitliche Demokratie braucht mündige Patienten. Daher gebührt Meißner nicht allein ein medizinethisches, sondern auch demokratiepolitisches Lob für seinen – so der Klappentext – „Warnruf aus ärztlicher Praxis“.

Rezension: Ein Prozess mit möglicher Präzedenzwirkung

Gabriele Gysi (Hg.): Der Fall Ulrike Guérot. Versuche einer öffentlichen Hinrichtung, Neu-Isenburg: Westend 2023, 95 Seiten.

Auf hoher See und vor Gericht … Wir kennen das bekannte Sprichwort. Die Bonner Politikwissenschaftlerin Ulrike Guérot hat in erster Instanz ihr arbeitsrechtliches Verfahren gegen ihre Universität verloren. Diese hatte aufgrund von Plagiatsvorwürfen eine Kündigung ausgesprochen. Ein solcher Schritt stellt ein Novum universitärer Plagiatsverfahren dar. Mit dem vorliegenden Band stellt sich der Hausverlag der Angeklagten schützend vor seine Autorin. Herausgeberin und Autorenteam des vorliegenden Bandes erkennen im Vorgehen der Bonner Universität einen Angriff auf die Wissenschaftsfreiheit. Heike Egner schreibt: „Es mag sein, dass wir gerade Zeugen eines Prozesses werden, in dem Wissenschaft sich ingesamt zu etwas wandelt, das durch und durch von Politik gestaltet wird“ (S. 27).

Getroffen werden soll eine Wissenschaftlerin, die sich nicht scheute, deutliche Worte gegenüber einer freiheitsfeindlichen Coronapolitik zu finden. Schon früh hatte Guérot in der WELT im September 2020 ihr Unbehagen an dieser mit deutlichem Gespür für die individuelle Freiheit vorgetragen. „Wer schweigt, stimmt zu“ war der programmatische Titel eines Buches, das es auf die Spiegelbestsellerliste schaffte, durchaus zum Missfallen der Hochschulverantwortlichen in Bonn. Noch stärker wurde der Gegenwind, als die Politikwissenschaftlerin sich eine eigene, pointierte Meinung angesichts des Krieges gegen die Ukraine erlaubte. Man wird wohl nicht zu weit gehen, annehmen zu wollen, dass die Universität Bonn mit der Berufung Guérots deren Impactfaktor, wie es heute so gern heißt, gern einkaufte. Dieser verdankte sich nicht zuletzt dem europapolitischen Engagement der Hochschullehrerin, mit dem man sich gern schmücken wollte. Doch mit ihrer eigenständigen corona- und sicherheitspolitischen Kritik hatte man Schwierigkeiten. Jetzt wurde Guérot unbequem. Das Plagiatsverfahren erschien als günstige Gelegenheit, die unbequem gewordene Denkerin wieder los zu werden.

Es bleibt zu unterscheiden zwischen der berechtigten Überprüfung von Plagiatsvorwürfen und einem arbeitsrechtlichen Verfahren. Erstere sollte objektiv auf Basis transparenter wissenschaftlicher Kriterien durchgeführt werden, wobei in diesem Fall die Autorin eigenes Fehlverhalten längst selber eingeräumt hat. Aber – wie der vorliegende Band deutlich macht – wurden die von Guérot gemachten Angebote zum Gespräch allesamt ausgeschlagen. Für das zweite gelten in Deutschland zu Recht hohe arbeitsschutzrechtliche Hürden. Anders als die Unschuldsvermutung im Rechtsstaat es nahelegt, war für Kritiker die Sachlage schon vor Prozessbeginn klar. Und diese gilt weiterhin – denn Ulrike Guérot hat angekündigt, gegen das Bonner Arbeitsgerichtsurteil in Revision zu gehen.

Und das ist auch gut so. Denn dieser Fall könnte Präzedenzwirkung im Umgang mit „Cancel Culture“ und Wissenschaftsfreiheit hierzulande haben. Es lohnt sich daher, den weiteren Prozessfortgang zu verfolgen. Wer mehr über die (wissenschafts-)politischen Hintergründe dieser polarisierenden Auseinandersetzung wissen will, findet sowohl in den Beiträgen wie im Dokumentationsanhang des vorliegenden Bandes breite Hintergrundinformationen. Und dann gilt hier wie auch sonst: Sapere aude! Der Leser bilde sich seine eigene Meinung.

Rezension: Unterwegs zum Geheimnis

Axel Bernd Kunze, Bildungs- und Sozialethiker an der Universität Bonn, rezensiert in der aktuellen, deutlich verspätet erschienenen Ausgabe 2/2023 (S. 154 f.) von „engagement. Zeitschrift für Erziehung und Schule“ das neue Handbuch der Liturgiepädagogik:

Michael Langer, Andreas Redtenbacher, Clauß Peter Sajak (Hgg.): Unterwegs zum Geheimnis. Handbuch der Liturgiepädagogik, Freiburg i. Brsg.: Herder 2022, 347 Seiten.

„Die Artikel sind kurz und prägnant gehalten. Das lädt dazu ein, den Band immer wieder zur Hand zu nehmen und sich immer wieder neu in das Thema einzulesen. Vielleicht könnte es auch sinnvoll sein, einzelne Themen als Impuls am Beginn einer religionspädagogischen Fachkonferenz anzusprechen.“

Neuerscheinung: Multiprofessionalität und multiprofessionelle Kooperation in Schule

Unter diesem Titel ist mit deutlicher Verspätung Heft 2/2023 der schulpädagogischen Fachzeitschrift „engagement“ erschienen.

Im Rezensionsteil werden besprochen:
a) Elmar Philipp: Multiprofessionelle Teams. Auf den Punkt gebracht, Frankfurt a. M. 2019 (Rezensent: Matthias Ball);

b) Michael Langer, Andreas Redtenbacher, Clauß Peter Sajak (Hgg.): Unterwegs zum Geheimnis. Handbuch der Liturgiepädagogik, Freiburg i. Brsg. 2022 (Rezensent: Axel Bernd Kunze);

c) Martin Göth, Paul Weininger, Rolf Krenzer: Schöpfung unterm Regenbogen. Lieder, Geschichten, Impulse und Ideen sowie Tänze und Gottesdienstmodelle zur Bewahrung des „gemeinsamen Hauses“ Erde für Kita, Grundschule und Gemeinde, Landshut 2022 (Rezensentin: Ruth Herb).

Rezension: Menschenwürde

Axel Bernd Kunze rezensiert in der Ausgabe 8/2024 vom 26. April 2024 des Magazins „Publik-Forum“ (S. 57) eine Arbeit Stefanie Buchenaus, tätig als Dozentin am Institut für Kultur und deutsche Sprache der Universität Paris, zu den historischen Wurzeln der Menschenwürde in der Aufklärungsphilosophie. Die anspruchsvolle Arbeit zeigt ohne vordergründige Aktualisierungen, wie facettenreich und vielgestaltig Autonomie zu verstehen ist. Nicht nur zur Zeit der Aufklärung, sondern auch heute:

Stefanie Buchenau: Menschenwürde. Verlag Meiner, 372 Seiten, 58 Euro.

Neuerscheinung: engagement 1/2023

Mit deutlicher Verspätung ist Heft 1/2023 der schulpädagogischen Fachzeitschrift „engagement“ erschienen. Das Themenheft trägt den Titel: Freiheit und Demokratie – der Beitrag katholischer Schulen.

Im Rezensionsteil werden besprochen:

  • Jan-Werner Müller (2020/6. Auflage) Was ist Populismus? Ein Essay, Frankfurt am Main (Rez.: Clauß Peter Sajak).
  • Jochen Krautz (2022): Bilder von Bildung. Für eine Renaissance der Schule, München (Rez: Walter Eykmann).
  • Susanne Lin-Klitzing, David Di Fuccia, Thomas Gaube (Hgg.) (2022): Globalisierung und Internationalisierung als Herausforderung für das Gymnasium?, Bad Heilbrunn (Rez.: Axel Bernd Kunze).

Rezension: Krieg und Frieden

Im aktuellen Themenheft „Krieg und Frieden“ von CONCILIIUM (60. Jg., Heft 1/2024, S. 105 – 111) rezensiert Axel Bernd Kunze folgende Titel:

Rose Marie Berger, Ken Butigan, Judy Coode, Marie Dennis (Hgg.): Gewaltfreiheit und Gerechten Frieden in Kirche und Welt fördern. Biblische, theologische, ethische, pastorale und strategische Dimensionen der Gewaltfreiheit. Katholische Initiative für Gewaltfreiheit – Ein Projekt von Pax Christi International. Aus dem Englischen von Ingrid von Heiseler, Ostfildern: Matthias Grünewald 2023, 320 Seiten.

Alexander Deeg, Christian Lehnert (Hgg.): Krieg und Frieden. Metaphern der Gewalt und der Versöhnung im christlichen Gottesdienst (Beiträge zu Liturgie und Spiritualität; 34), Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt 2022, 182 Seiten.

Die Zeitschrift erscheint ab dem aktuellen Jahrgang künftig im Verlag Karl Alber.

Festschrift vorgestellt: 75 Jahre GKP

Vor 75 Jahren wurde die Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands (GKP) gegründet. Aus diesem Anlass ist eine Festschrift erschienen. Diese enthält Gründungsdokumente und weitere Archivalia aus der Verbandsgeschichte, persönliche Rückblicke sowie aktuelle Positionen zu berufsverbandlich relevanten Themen. Die Festschrift wird in der aktuellen Ausgabe der GKP-Informationen, der Mitgliederzeitschrift des Verbandes, vorgestellt (Jg. 41, Heft April 2024, S. 3). Die Festschrift ist als Druck- und Onlineausgabe erschienen und einsehbar unter: https://www.gkp.de/haltung-festschrift-75-jahre-gkp/