Rezension: Neuentdeckung der Vorstellungskraft

Wer keine Vorstellungskraft besitzt, bleibt an die Welt der Erscheinungen gebunden und verharrt mit seinen Urteilen an der Oberfläche. Wer tiefer schauen und den Dingen auf den Grund gehen will, benötigt innere Distanz zum Vorgefundenen. Nur durch die Kraft der Imagination – so der Philosoph Immanuel Kant – ist der Mensch in der Lage, seinen Sinneseindrücken eine Bedeutung zuzuweisen und sich Alternativen zu erschließen. Damit ist die Vorstellungskraft ein entscheidendes Moment des Metaphysischen. Die heutige Orientierungskrise kann auch als ein Verlust an Vorstellungskraft gedeutet werden. Umgekehrt stärkt die Vorstellungskraft unseren Möglichkeitssinn – so der österreichische Theologe und Philosoph Clemens Sedmak: „Die Ausweitung der Vorstellungskraft kann befreiend wie auch entpflichtend wirken. Die Schärfung des Möglichkeitssinns kann Hoffnung geben und Kreativität wecken, aber auch zu einem akzeptanzmindernden und zufriedenheitsstörenden Verlangen nach Anderem führen“ (S. 36).

Mit diesen Worten beginnt eine Sammelrezension im aktuellen Heft der theologischen Fachzeitschrift CONCILIUM (61. Jg., Heft 5/2025, S. 585 – 589), das unter dem Titel „Schmerz und Trost“ steht. Der Erziehungswissneschaftler und Theologe Axel Bernd Kunze rezensiert darin die zwei folgenden Titel:

Tim Schlotmann: Vom Trost-Spenden zum Trost-Finden. Eine praktisch-theologische Untersuchung zeitgemäßer Seelsorge (Bildung und Pastoral; Band 10), Ostfildern: Matthias Grünewald 2025, 307 Seiten;

Clemens Sedmak: Wenn das Unvorstellbare geschieht. Durchbrochenes Denken und theologische Vorstellungskraft, Freiburg im Breisgau: Herder 2025, 264 Seiten.

Rezension: Weimar – ein deutsches Versprechen

Axel Bernd Kunze rezensiert in der aktuellen Ausgabe der „Schwarzburg“ (134. Jg., Heft 2/2025, S. 38 f.) den Band:

Helge Hesse: Ein deutsches Versprechen. Weimar 1756 – 1933, Ditzingen: Philipp Reclam jun 2023, 283 Seiten.

„Das Buch ist jedem zu empfehlen, der sich auf einen Besuch Weimars vorbereiten will. Aber es geht um mehr als einen Reiseführer für Kulturbürger. Der geistes- und ideengeschichtliche Durchgang durch die Jahre von 1756 bis 1933 zeigt, wie wichtig die Pflege der kulturell-moralischen Grundlagen für die geistige Vitalität, intellektuelle Tiefe und prägende Ausstrahlungskraft eines Gemeinswesens ist.“ (Axel Bernd Kunze)

Rezension: Tablet + KI = Digitale Bildung?

Tablet + KI = Digitale Bildung? – Diese Frage stellt Martin Frenkler in der aktuellen Ausgabe der „Schwarzburg“ (134. Jg., Heft 2/2025, S. 35 f.) in seiner Rezension des Bandes

Tim Raupach, Florian Fuchs (Hgg.): Bildungsautomaten? Beiträge zur Digitalisierung von Bildung und Lehre, Leipzig: SpringerVieweg 2025, ISBN 978-3-658-45541-5, 32,99 Euro.

In dem Band findet sich auch ein bildungsethischer Beitrag von Axel Bernd Kunze (Univ. Bonn): „Ausgehend von der bleibenden Bedeutung von Schulbibliotheken für das Hineinwachsen in eine Buch-, Lese-, Bildungs- und Wissenschaftskultur zeigt Kunze die Notwendigkeit von Räumen der Muße, in denen jenseits von Smartphone oder powerpointischer Oberflächlichkeit vertieftes Nachdenken und differenziertes Argumentieren gelernt weden kann. Gegen die Verwendung großer Sprachmodelle etwa als Co-Autor zur Erstellung differenzierter Unterrichtsmaterialien spricht dagegen nichts, solange die generierten Inhalte der wie bisher geltenden Verantwortlichkeit der Lehrkraft für ihren Unterricht unterworfen bleiben.“

Der Rezensent mahnt an, dass auch der Informatikunterricht eine wichtige Verantwortung im Prozess zunehmender schulischer Digitalisierung einnehmen müsse. Diese sei nicht allein zur Beherrschung der Hardware wichtig, sondern habe auch die Aufgabe „die Blackbox zu entzaubern“ und „einen Überblick über die mathematischen und die praktischen Grenzen der automatisierten Datenverarbeitung zu verschaffen“.

Rezension: Christentum und Verfassung

Flagge und Kreuz gehören zusammen – unter diesem Titel würdigt der Sozialethiker und Erziehungswissenchaftler Axel Bernd Kunze in der aktuellen Ausgabe der Akademischen Monatsblätter einen Titel des Juristen und Philosphen Lothar Christian Rilinger:

Axel Bernd Kunze (Rez.): Flagge und Kreuz gehören zusammen, in:  Akademische Monatsblätter 137 (2025), H. 9, S. 296 f.

Rezension zu: Lothar Christian Rilinger: Christentum und Verfassung. Ein Dualismus oder doch eine Einheit? (Editiones Scholasticae)., Neunkirchen-Seelscheid 2025, 257 Seiten.

Buchtipp zum Advent: Nikolaus von Myra

Der Advent steht vor der Tür – und damit auch der Nikolaustag. Nikolaus zählt zu den bekanntesten und beliebtesten Heiligen. Doch was wir kennen, sind vor allem die liebevollen Legenden, die über ihn erzählt werden. Andreas von Kreta und Johannes vom Studitenkloster in Konstantinopel überliefern, dass Nikolaus am Konzil von Nizäa teilgenommen habe, das sich in diesem Jahr zum tausendsiebenhundertsten Male jährt. Die Reise des Papstes in dieser Woche, die ihn u. a. in die Türkei und in das heutige Iznik, das frühere Nizäa, führt, lenkt noch einmal das Interesse auf dieses Jubiläum. Nikolaus zählte im Bilderstreit theologisch zu den deutlichen Befürwortern der Ikonenverehrung.

Der Münchner Philosoph und Theologie Thomas Schumacher erschließt in seinem Band das geschichtliche Wissen über über den heiligen Bischof von Myra, sofern dieses noch für uns greifbar ist, sowie die Entwicklung der Nikolausverehrung. Nicht zuletzt die Translation seiner Reliquien im Jahre 1087 nach Bari förderte die Nikolausverehrung im westlichen Europa. Im Übergang zur Neuzeit wurde die religiöse Verehrung des heiligen Nikolaus deutlich zurückgedrängt: im Protestantismus als katholisierend teilweise sogar verboten, in der Gegenreformation verdrängt durch die Förderung anderer Heiliger. Doch mit der Aufklärung kamen die bis heute beliebten Nikolausbräuche wieder auf, wenn auch mit dem Signum einer zeittypischen Pädagogisierung. Mittlerweile steht der Nikolaustag sogar in der evangelischen Agende.

Nikolaus galt „als Himmelsbürger und Erdenbürger gleichermaßen“ (S. 9) und wurde verehrt, wie Schumacher herausarbeitet, da er bereits zu Lebzeiten als von himmlischer Verklärung ganz durchdrungen galt. Wenig ist aus dem Leben des Heiligen historisch greifbar, doch seine Person real, auch seine Konzilsteilnahme ist nicht gesichert. Dass Nikolaus dennoch kein fiktiver Heiliger gewesen sei, ist für Schumacher aus der schnell einsetzenden Verehrung und der Bewahrung seines Grabes ablesbar.

Wer jenseits der üblichen Adventsbücher zu Legenden und Brauchtum des heiligen Nikolaus, kirchengeschichtlich-theologischen Hintergrund über den prominenten Heiligen sucht, sollte zu Schumachers Werk greifen, das gut lesbar und leicht verständlich geschrieben ist.

Thomas Schumacher: Der heilige Nikolaus. Bischof von Myra. Annäherungen aus Geschichte, Legenden, und Theologie, München: Pneuma 2018, 136 Seiten.

https://www.pneuma-verlag.de/

Rezension: … auf Augenhöhe

Im neuen Themenheft von CONCILIUM, das der komparativen Theologie gewidmet ist, rezensiert Axel Bernd Kunze die folgenden Titel:

  • Lukas Wiesenhütter: Hiobs Begegnung. Islamische und christliche Perspektiven auf Theodizee und Theodizeesensibilität, Paderborn: Brill-Schöningh 2024, 401 Seiten.
  • Christian Frevel/René W. Dausner: Schulter an Schulter. Ein Studienbuch zur Rolle des Judentums in christlicher Theologie (Kohlhammer Studienbücher Theologie; 26), Stuttgart: W. Kohlhammer 2024, 352 Seiten.

Axel Bernd Kunze (Rez.) Miteinander auf Augenhöhe – konkrete Begegnung – gemeinsame Lernprozesse, in: Concilium (2025), H. 4, S. 455 – 459.

Rezension: Forschung zur Lehrerbildung und Lehrerprofessionalisierung

Axel Bernd Kunze rezensiert im Onlineportals Socialnet den folgenden Band:
Stefanie Schnebel, Robert Grassinger, Marion Susanne Visotschnig, Thomas Wiedenhorn, Markus Janssen (Hrsg.): Begleitung und Beratung. Konzepte zur Unterstützung professioneller Entwicklung im Lehramtsstudium. Waxmann Verlag (Münster, New York) 2023. 158 Seiten. ISBN 978-3-8309-4782-0. 27,90 EUR.

https://www.socialnet.de/rezensionen/31964.php

Rezension: Auftrag zur Erziehung

Weimar – oder: nicht mit der deutschen Identität hadern. Unter diesem Titel würdigt der Bonner Erziehungswissenschaftler und Bildungsethiker Axel Bernd Kunze in einer Sammelrezension folgende Titel:

  • Marita Lanfer: Säen bei Nacht. Der Deutsche Widerstand als Auftrag zur Erziehung, Bad Schussenried: GHV 2021, 467 Seiten.
  • Helge Hesse: Ein deutsches Versprechen. Weimar 1756 – 1933, Stuttgart: Reclam 2023, 283 Seiten.

In: Theologisches. Katholische Monatsschrift 55 (2025), H. 09/10, Sp. 365 – 368.

Rezension: Pädagogische Zeitdiagnose

Axel Bernd Kunze (Rez.): Krise der Imagination, in: Glaube + Bildung. Zeitschrift für christliche Erziehung 77 (2025), H. 4, S. 30. Rezension zu: Roland Reichenbach: Krise der Imagination. Zum Verlust von Urteilskraft und Gemeinsinn (Gegenwartsfragen), Gießen: Psychosozial 2025, 170 Seiten.

„Warum sollte man das Buch lesen? Es gibt einen Anstoß, über ein vielfach vorherrschendes Verständnis, das Bildung allein als soziale Anpassungsleistung zu sehen vermag, hinauszudenken. Bildung fördert Imagination, wehrt Allmaschts- wie Ohnmachtsphantasien ab und hilft, die Welt zu verstehen und sich in ihr zu orientieren.“

Gedenkschrift und Gedenkfeier: Für Studentenhistoriker Harald Lönnecker

Die aktuellen Burschenschaftlichen Blätter berichten über die Gedenkstunde der Gesellschaft für burschenschaftliche Geschichtsforschung zu Ehren Prof. Dr. Dr. Harald Lönneckers im Rahmen des diesjährigen Deutschen Burschentages:

Nils Kowalewski: Gedenkveranstaltung für Prof. Dr. Dr. Harald Lönnecker, in: Burschenschaftliche Blätter 140 (2025), H. 3, S. 124.

Christian Oppermann: Rede anlässlich der Gedenkstunde der Gesellschaft für burschenschaftliche    Geschichtsforschung für Prof. Dr. Dr. Harald Lönnecker am 14. Juni 2025 im Berghotel in Eisenach, in: Burschenschaftliche Blätter 140 (2025), H. 3, S. 125 – 127.

Nils Kowalewski: Rezension zu Band 24 der Darstellungen und Quellen zur Geschichte der deutschen      Einheitsbewegung im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert, in: Burschenschaftliche Blätter 140     (2025), H. 3, S. 123.