Neuerscheinung: Interkulturelle Bildung

Themenheft 1/2017 (35. Jahrgang) der Zeitschrift „Engagement“ widmet sich dem Thema Interkulturelle Bildung.

Im Rezensionsteil werden folgende Titel besprochen:

  1. Engagement Global gGmbH (Hg.): Orientierungsrahmen für den Lernbereich Globale Entwicklung im Rahmen einer Bildung für nachhaltige Entwicklung. Ein Beitrag zum Weltaktionsprogramm „Bildung für nachhaltige Entwicklung“, o. O. (Berlin) 2016 (Rez.: Axel B. Kunze).
  2. Doris Streber: Grundwissen Lehrerbildung: Umgang mit Heterogenität. Praxisorientierung, Fallbeispiele, Reflexionsaufgaben, Berlin 2015 (Rez: Matthias Bär).
  3. Sabine Digel, Josef Schrader (Hgg.): Diagnostizieren und Handeln von Lehrkräften – Lernen aus Videofällen in Hochschulen und Erwachsenenbildung, Bielefeld 2013 (Rez.: Gottfried Kleinschmidt).
  4. Oliver Decker u. a. (Hg.): Die enthemmte Mitte. Autoritäre und rechtsextreme Einstellung in Deutschland. Die Leipziger „Mitte“-Studie 2016, Gießen 2016 (Rez.: Karsten Lenz).
  5. Fritz Reheis: Politische Bildung. Eine kritische Einführung, Wiesbaden 2014 (Rez.: Axel B. Kunze).
  6. Anna Sieben u. a. (Hgg.): Menschen machen. Die hellen und die dunklen Seiten humanwissenschaftlicher Optimierungsprogramme, Bielefeld 2012 (Rez.: Joachim Fischer).
  7. Thomas Mikhail (2016): Pädagogisch handeln. Theorie für die Praxis, Paderborn 2016 (Rez.: Julian Daubaris).
  8. Kisten Boie, Jan Birck: Bestimmt wird alles gut, Leipzig 2016; Susanne Böse, Bettina Reich: So bunt ist meine Welt, München 2/2016 (Rez.: Rosemarie Griebel-Kruip).
  9. Esther Ehrlich: Nest, Hamburg 2016 (Rez.: Astrid Frey).
  10. Carla Maria de Almeida: Burder Wolf, Frankfurt a. M. 2016 (Rez.: Astrid Frey).

Kommentar zum päpstlichen Schreiben „Amoris laetitia“: Haben sich die Erwartungen über einen Neuanfang in der kirchlichen Sexualethik erfüllt?

Mit Spannung erwartet, hat Papst Franziskus am 19. März 2016, dem Jahrestag seiner Amtseinführung, mit dem Apostolischen Schreiben „Amoris laetitia“ die Ergebnisse der vom 4. bis 25. Oktober 2015 tagenden Bischofssynode zur „Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt heute“ zusammengefasst und autorisiert. Nicht wenige erhofften sich, die Synode werde den Reformstau auflösen und einen Neuanfang in der Familien- und Sexualmoral ermöglichen. Haben sich diese Erwartungen erfüllt?

Papst Franziskus hat verschiedentlich geäußert, eine stärker „synodale Kirche“ zu wollen: Die Bischöfe sollten stärker in gesamtkirchliche Entscheidungen eingebunden werden. Und diese wiederum sollten sich stärker am Alltag der Menschen orientieren. Auf dieser Linie begann die Bischofssynode mit einer großen Überraschung: Die vorbereitende außerordentliche Generalversammlung „zu pastoralen Herausforderungen der Familie im Kontext der Evangelisierung“, die vom 5. bis 19. Oktober 2014 zusammentrat, wurde durch zwei Umfragen begleitet.

In Deutschland machte diese Fragebogenerhebung wenig überraschend deutlich, welch tiefe Kluft zwischen lehramtlichen Festlegungen und gelebter Praxis, zwischen kirchlicher Lehre und Lebenswirklichkeit im Bereich der katholischen Familien- und Sexualethik besteht. Mittlerweile sind die heftigen Kämpfe der unmittelbaren Nachkonzilszeit auch im inneren Zirkel der Gemeinden einem gepflegten Desinteresse gewichen. Für die katholische Kirche stellen die Diskrepanzen zwischen Lehramt und Gläubigen ein nicht zu unterschätzendes Glaubwürdigkeitsproblem dar. Süffisant, wie man es von ihm gewohnt ist, aber auch mit viel Sympathie für die spezifische Form katholisch gelebter Liberalität hat der Münsteraner Kirchenhistoriker Arnold Angenendt dieses am Beispiel seiner eigenen Lebensgeschichte in Worte gefasst: „Die Mutter des hier Schreibenden, die fast hundert Jahre alt geworden ist und jeden Tag den Rosenkranz betete, mußte ihrem geistlichen Sohn noch auf dem Sterbebett sagen: ‚Was die Pastöre früher den Frauen im Beichtstuhl gesagt haben, das war verkehrt‘“ (Ehe, Liebe und Sexualität im Christentum. Von den Anfängen bis heute, Münster 2016, 209).

Die Debatte hierzulande konzentriert sich vor allem auf drei Punkte, in denen eine Veränderung der kirchlichen Lehre eingefordert wird: das Verbot künstlicher Mittel der Empfängnisverhütung, den Ausschluss wiederverheiratet Geschiedener von der Kommunion sowie eine Ablehnung gleichgeschlechtlicher Lebensformen. Doch gehen die sexualethischen Vorstellungen, nicht zuletzt beim letztgenannten Thema, weltkirchlich weit auseinander. Entsprechend erbittert kämpften die kirchenpolitischen Lager im Umfeld der Synode darum, deren Verlauf zu beeinflussen. Der große Eklat blieb am Ende aus; die Synode verständigte sich auf einen Kompromiss, der zwar das Debattenklima entspannte, strukturell aber wenig veränderte. Was hat der Papst am Ende daraus gemacht?

Die geschilderten Konflikte könnten nicht einfach durch ein lehramtliches Machtwort entschieden werden – so Franziskus gleich zu Beginn seines Schreibens. Dem Papst geht es vorrangig um ein pastorales Anliegen: Sein Schreiben solle „den Familien in ihrem Einsatz und ihren Schwierigkeiten Ermutigung und Anregung bieten“ (Abs. 4). Als Herausforderungen, denen sich Familien heute gegenüber sehen, benennt er beispielsweise Fernsehsucht, Drogenabhängigkeit, Gewalt, Diskriminierung der Frauen oder neue Familienleitbilder: „In verschiedenen Ländern erleichtert die Gesetzgebung das Vordringen einer Vielfalt von Alternativen, so dass eine Ehe mit den Merkmalen der Ausschließlichkeit, der Unauflöslichkeit und der Offenheit für das Leben schließlich als ein veraltetes Angebot unter vielen anderen erscheint“ (Abs. 53). Mögliche pastorale Lösungen könnten sich nicht an allgemeinen Grundsätzen orientieren, sondern müssten örtliche Traditionen und kulturelle Unterschiede berücksichtigen.

Den größeren Teil des Papiers machen theologische Reflexionen zur „Berufung der Familie“, zur „Liebe in der Ehe“ und deren Fruchtbarkeit aus. Ehe und Familie „empfangen von Christus durch die Kirche die notwendige Gnade, um Gottes Liebe zu bezeugen und ein gemeinsames Leben zu leben“ (Abs. 63). Mehrfach wird betont, wie wichtig Ehe und Familie für die Kirche und die Gesellschaft seien, nicht zuletzt als Ort der Erziehung. Hervorzuheben ist, dass der Papst die eheliche Fruchtbarkeit nicht allein auf Zeugung von Kindern begrenzt: Jede Familie habe auch soziale Pflichten und eine öffentliche Verantwortung für das gesellschaftliche Zusammenleben. So manches Ehe- oder Familienleben stünde vielleicht besser dar, wenn diese päpstliche Mahnung berücksichtigt würde und die Familienmitglieder nicht allein selbstbezogen um sich selbst kreisten.

Unangenehmes lässt man sich nur ungern sagen … So ist in der Rezeption hierzulande vielfach ausgeblendet worden, dass der Papst in der aktuellen Kontroverse um genderorientierte Erziehungspläne ein an Schärfe kaum zu überbietendes Urteil fällt: „Gender“ sei eine Ideologie und höhle die anthropologische Grundlage der Familie aus. Wer die biologische Verschiedenheit zwischen

Mann und Frau leugne, verfalle der Sünde, den Schöpfer ersetzen zu wollen.

Am Ende spricht der Papst praktische Fragen der Ehevorbereitung, Kindererziehung, Weitergabe des Glaubens in der Familie oder innerfamiliären Fürsorge an. Eine Gleichstellung homosexueller Lebensgemeinschaften mit der Ehe wird erwartungsgemäß abgelehnt. Ansonsten wiederholt der Papst wenig ambitioniert die bekannten Passagen des Weltkatechismus, wonach Homosexuellen mit Respekt zu begegnen sei. Im Umgang mit wiederverheiratet Geschiedenen verändert Franziskus die bestehenden Normen nicht, plädiert aber für eine „Logik der pastoralen Barmherzigkeit“. Im pastoralen Umgang könnten, eine kritische Selbstprüfung des eigenen Handelns und seiner Folgen vorausgesetzt, mildernde Umstände berücksichtigt werden. So seien pastorale Lösungen denkbar, die nicht verallgemeinerten, sondern darauf zielten, den Einzelnen in seiner Lebenssituation „zu verstehen, zu verzeihen, zu begleiten und vor allem einzugliedern“ (Abs. 312). Bleibt  am Ende die Frage: Ist das Glas nun halb voll oder halb leer?

Wie nicht anders zu erwarten, deckte das Echo auf „Amoris laetitia“ eine äußerst weite Bandbreite ab: Der Lesben- und Schwulenverband beklagte, dass nach dem Willen des Papstes für Schwule und Lesben die „Freude der Liebe“ weiterhin nicht gelte. Tatsächlich wird das innerkirchliche Reizthema Homosexualität in dem Papier weitgehend ausgespart. Konservative Stimmen in der Kirche beklagten, das päpstliche Schreiben breche mit der kirchlichen Tradition und lade dazu ein, praktizierten Missbrauch, z. B. zivile Wiederheirat ohne Annullierung der ersten Ehe, zu rechtfertigen oder durch eine nebulöse Barmherzigkeitsrhetorik zuzudecken. Die breite Masse der Bischöfe, Vertreter des Laienkatholizismus wie der Theologie betonte, dass „Amoris laetitia“ die kirchliche Lehre zwar nicht verändere, aber zu neuen pragmatischen Lösungen in der Seelsorge ermutige. Was die einen als Anzeichen für einen Klimawandel in der moraltheologischen Debatte werten, bleibt für die anderen theologisch unausgegoren, bewusst schwammig und analytisch unscharf. Statt belastbarer Kriterien oder klarer Begriffe, herrsche in diesem Pontifikat – so Christian Geyer in der F.A.Z. vom 9. Mai 2016 – ein Stil „okkasioneller Argumentationsmuster“ vor, aus denen jeder herauslesen könne, was er gern hören möchte. Die theologische Konsistenz päpstlicher Positionen löse sich durch Wohlfühlfloskeln zunehmend auf.

Wohlwollend interpretiert, kann man es so sagen: „Amoris laetitia“ verändert die herrschende Doktrin nicht, dies hat auch der Präfekt der römischen Glaubenskongegration, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, nach Erscheinen des nachsynodalen Schreibens betont. Aber der Papst setzt – mathematisch gesprochen – gleichsam ein anderes Vorzeichen vor die Klammer und verändert damit den gesamten Rechenweg. Auf diese Weise eröffnet der Papst neue Perspektiven für eine veränderte Beziehungsethik, die allerdings auch verantwortlich gelebte gleichgeschlechtliche Lebensformen einbeziehen müsste. Derweil wird diese Frage weiter vertagt. Es bleibt ein schaler Nachgeschmack, wenn die Kirche zwar Respekt gegenüber Homosexuellen einfordert, dies innerkirchlich, nicht zuletzt im Dienstrecht, aber folgenlos bleibt.

„Amoris laetitia“ ist ein erster Schritt, die traditionelle moraltheologische Engführung auf Fragen der Sexualität zu weiten. Dabei geht es nicht um Anpassung an den Zeitgeist. Christliche Ethik ist kein Kanon feststehender Normen. Christliche Nachfolge bedeutet, an Jesus Maß zu nehmen und immer wieder neu danach zu fragen, was es heißt, seinem Beispiel gemäß zu leben. Dabei sind humanwissenschaftliche Erkenntnisse als Quellen der Ethik ernst zu nehmen. Der Weg hin zu einer erneuerten Beziehungsethik und veränderten kirchlichen Praxis ist noch lang. Diesen Weg zu meistern, braucht die Kirche als Wegzehrung viel theologische Kraft, Freimut des Glaubens und auch den Mut zu strukturellen Veränderungen. Denn ungerechte Strukturen im Kirchenrecht oder in der kirchlichen Verwaltungspraxis beschränken konkret Lebenschancen von Gläubigen, die darunter leiden. Diese zu verändern, bleibt eine theologisch zu begründende, kirchenpolitische Aufgabe, die mehr verlangt als den Rekurs auf Barmherzigkeit. Gerechtigkeit ohne Barmherzigkeit wird grausam. Barmherzigkeit ohne Gerechtigkeit bleibt umgekehrt zufällig und letztlich unglaubwürdig.

Rom hat gesprochen. Beendet ist die Sache in diesem Fall aber nicht. Entscheidend wird sein, welche Rezeption „Amoris laetitia“ in der kirchlichen Öffentlichkeit sowie auf Seiten des Amtes erfährt.

Textausgabe

Nachsynodales Apostolisches Schreiben AMORIS LAETITIA des Heiligen Vaters Papst Franziskus über die Liebe in der Familie. 19. März 2016 (Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls; 204), hg. v. Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, Bonn 2016.

Neuerscheinung: Welche Rolle spielt Bildung für die Soziale Arbeit?

In diesen Tagen ist die Dokumentation des letztjährigen Berliner Werkstattgespräches der deutschsprachigen Sozialethiker erschienen.Herausgeber sind Professor Dr. Markus Vogt, Professor für Christliche Sozialethik an der Ludwig-Maximilians-Universität München, sowie Msgr. Professor Dr. Peter Schallenberg, Professor für Moraltheologie und Ethik an der Theologischen Fakultät Paderborn und Direktor der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle in Mönchengladbach.

Axel Bernd Kunze fragt in dem Band, in welchem Zusammenhang Bildung und Soziale Arbeit zueinander stehen. Sein Beitrag zeigt am Beispiel der Sozialraumorientierung auf, wie Bildungs- und Soziale Arbeit voneinander profitieren können.

Markus Vogt, Peter Schallenberg (Hgg.): Soziale Ungleichheiten. Von der empirischen Analyse zur gerechtigkeitstheoretischen Reflexion (Christliche Sozialethik im Diskurs; 9), Paderborn: Ferdinand Schöningh 2017, 209 Seiten.

Aus der Verlagsankündigung:

„Zahlreiche Studien diagnostizieren weltweit wachsenden soziale Ungleichheiten. Andere sprechen von Erfolgen in der Überwindung der Differenzen. Wie aussagekräftig sind die jeweils zugrunde gelegten Parameter? Tendiert der Kapitalismus zu mehr finanzieller Ungleichheit, wie Thomas Piketty behauptet? Wie ist der Zusammenhang zwischen Ungleichheit und sozialer Exklusion in verschiedenen Kontexten von Armut und Reichtum näher zu bestimmen? Was ergibt sich daraus für den normativen Stellenwert der Gleichheit?
Vor dem Hintergrund dieser Debatten setzt sich das Buch sowohl mit Modellen, Ergebnissen und Bewertungen der empirischen Gerechtigkeitsforschung als auch mit philosophisch-konzeptionellen Fragen des Verhältnisses von Gleichheit und Gerechtigkeit auseinander. Einen dritten Schwerpunkt bilden Konkretionen in unterschiedlichen Handlungskontexten wie Erbschaftssteuer, globale Armut, Klimawandel oder Gesundheitsversorgung und Eurokrise.“

Weitere Informationen zu dem Band finden Sie hier.

Veranstaltungsbericht: Didacta

In diesem Jahr fand die „Didacta“, wieder einmal vor den Toren Stuttgarts statt. Die „Didacta“ ist die größte Bildungsmesse in Deutschland, auf der vom Kindergarten bis zur Hochschule und Erwachsenenbildung alles vertreten ist. Die Klassen der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt nutzten die Gelegenheit. Gemeinsam mit ihren Klassenleitungen erkundeten die Schüler Mitte Februar im Rahmen Pädagogischer Exkursionen die Messe und informierten sich über aktuelle Entwicklungen aus den Bereichen frühkindliche Bildung und Schule. Neben den Ständen der Aussteller lockte ein umfangreiches Vortragsprogramm. Wenn man durch die Messehallen schlenderte, sah man zahlreiche Besucher mit großen Koffern durch die Hallen rollen. Viele nutzen die Gelegenheit, sich mit Katalogen, neuen Materialien zu Messepreisen oder Fachliteratur einzudecken. An den Werktagen ist die Messe nur für Fachpublikum geöffnet.

Nachgespräche zeigten allerdings, dass die Zeit großer (oder zumindest groß angepriesener) Neuheiten vorbei zu sein scheint. Es gab Weiterentwicklungen, Anpassungen (z. B. an die Auswirkungen der Migrations- und Flüchtlingskrise), Neuauflagen … – aber keine wirklichen Neuheiten, auch nicht im Bereich der digitalen Medien. Einige Aussteller aus früheren Jahren suchte man vergebens, die Hallen zeigten noch einiges an Freifläche. Und noch etwas fiel auf: Die Farben im Bildungsbereich werden wieder matter. Dominierten vor einigen Jahren noch intensive Signalfarben, kehren die Schulausstatter nun zu Pastelltönen zurück. Eine Ausstellerin erklärte dies als Reaktion auf eine abnehmende wirtschaftliche Entwicklungen. Werden die Zeiten schlechter, werden die Farben beruhigender. Man mag diese Farbpsychologie sehen, wie man will. Vielleicht, so der Eindruck am Ende des Messetages, ist die Zeit großer Bildungsinnovationen, die mit einem riesigen Anspruch daherkommen, vorbei. Vielleicht brauchen Bildung und Erziehung wieder mehr Ruhe. Vielleicht ist die pädagogische Beziehung am Ende doch wichtiger als der Glaube an immer neue Methoden und Medien, die, bei Lichte besehen, oft mehr versprochen haben, als sie halten konnten.

Rezensionen: Lässt sich Gewaltfreie Kommunikation lernen? Gelten die Menschenrechte für alle?

Zwei neue Rezensionen im Onlineportal SOCIALNET gehen folgenden Fragen nach:

Was ist Gewaltfreie Kommunikation? Wie lässt sich diese in Psychologie, Therapie und Pädagogik einsetzen? Welche Rolle spielt Empathie für das Einüben gewaltfreier Kommunikation? Wie lassen sich empathische Kompetenzen fördern?

Axel Bernd Kunze (Rez.): Rezension zu „Sabine Geiger, Sibylle Baumgartner (Hrsg.): Empathie als Schlüssel. Gewaltfreie Kommunikation in Psychotherapie und Beratung. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2015. 300 Seiten“, in: Socialnet, 10. Januar 2017.

www.socialnet.de/rezensionen/20126.php

Gelten die Menschenrechte tatsächlich für jeden, wie ihr Universalitätsanspruch behauptet? An welchen Stellen produzieren die Menschenrechte selbst diskriminierende Ausschlüsse? Wie gehen die Menschenrechte mit unterschiedlichen sexuellen Orientierungen und geschlechtlichen Identitäten um?

Axel Bernd Kunze (Rez.): Rezension zu „Imke Leicht: Wer findet Gehör? Kritische Reformulierungen des menschenrechtlichen Universalismus. Verlag Barbara Budrich (Opladen, Berlin, Toronto) 2016. 208 Seiten. Reihe: Politik und Geschlecht, Bd. 29“, in: Socialnet, 13. Februar 2017.

www.socialnet.de/rezensionen/21317.php

Themenangebote für Bildungsveranstaltungen

Das neue Themen- und Referentenverzeichnis der Katholischen Erwachsenenbildung im Erzbistum Bamberg ist erschienen:

Themen und Referent.innen 2016 – 2019, hg. von der KEB – Katholischen Erwachsenenbildung im Erzbistum Bamberg e. V. in Zusammenarbeit mit dem Diözesan-Erwachsenenbildungswerk im Erzbistum Bamberg (DBW), o. O. (Bamberg) o. J. (2015) [mit Onlinedatenbank: www.keb-erzbistum-bamberg.de].

Axel Bernd Kunze (PD, Dr. theol., Dipl.-Päd.), Privatdozent für Erziehungswissenschaften und Dozent für Pädagogik, bietet darin folgende Themen an:

  1. Gleichgeschlechtliche Lebensformen – Und was sagt die Kirche dazu?
  2. … damit unser Tun nicht ins Leere läuft. Was bietet das neue „GOTTESLOB“ für die Feier der Tagzeiten in der Gemeinde?
  3. Ist Bildung ein Menschenrecht?
  4. Wie sollen wir mit gesellschaftlicher Vielfalt umgehen? – Interkulturelle Pädagogik
  5. Parteien zwischen Affären und Verantwortung
  6. Bildung auf Weltniveau? – Globales Lernen
  7. Braucht Bildung Religion? Braucht Religion Bildung?

Bei Interesse nehmen Sie bitte gern Kontakt auf: Kunze-Bamberg[at]t-online.de

Neues berufsethisches Fortbildungsmodul

„Kindergarten Kunterbunt“ bietet mittags nur ein Schweinefleischgericht an, „Kindergarten Sonnenschein“ hingegen ein Gericht mit Putenfleisch und alternativ noch ein vegetarisches Gericht. – Engagiert diskutierten die Teilnehmerinnen der laufenden Fortbildung zur Nachqualifizierung Pädagogischer Fachkräfte nach Paragraph 7 Kindertagesbetreuungsgesetz an der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt über die beiden fiktiven Speisepläne. Schnell wurde deutlich: Hier geht es nicht nur um Fragen der Küchenorganisation. Hinter beiden Speiseplänen stecken Wertentscheidungen: Was ist einer Einrichtung wichtiger? Geht es in öffentlichen Kindergärten in erster Linie um Gleichheit oder um die Berücksichtigung unterschiedlicher Interessen? Und was fördert Integration besser?

Die Diskussion war Teil eines neuen Fortbildungsmoduls, das für die laufende Fortbildungsreihe unter der didaktischen Leitung von Herrn PD Dr. Kunze neu konzipiert und Ende Februar 2016 erstmals erprobt wurde. Herr Kunze ist habilitierter Bildungsethiker und stv. Schulleiter der Fachschule. Die Teilnehmer beschäftigten sich mit ethischen Konflikten im Berufsalltag und lernten einen Leitfaden kennen, mit dem sozialpädagogische Teams auch ohne größere ethische Fachkenntnisse eine ethische Fallbesprechung durchführen können. Schnell wurde klar, an wie vielen Stellen im Berufsalltag einer Kindertageseinrichtung ethische Konflikte auftreten können.

Berufsethische Fragen finden in der Sozialpädagogik zunehmend Beachtung. Die Evangelische Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt reagiert mit dem neu entwickelten Fortbildungsmodul auf diese Entwicklung und möchte dadurch zugleich das diakonische Profil ihrer Fortbildungsangebote schärfen.

Grundkurs Menschenrechte vollständig

„Der Menschenrechtsbildung […] kommt insofern ein anderer Status zu, als sie einen Eigenwert als Querschnitt-Aufgabe hat: Neben dem ‚harten‘, also gesetzten und einklagbaren Charakter der Rechte zielt die Menschenrechtsbildung auf die ‚weiche‘ Seite: auf die Bildsamkeit von Menschen, die dann auch doch auch wieder in klare und deutliche Handlungsperspektiven münden soll. ‚ Auch wen die Menschenrechte unteilbar sind, kommt dem Recht auf Bildung menschenrechtspolitisch gleichwohl eine besondere Aufgabe zu. Denn die Menschenrechte bedürfen selbt der Förderung durch pädagogisches Handeln und sind zugleich ein wichtiger Schlüssel für die Inanspruchnahme anderer Rechte‘ (Kunze 2013: 19 f.).“

aus: Otto Böhm/Doris Katheder: Grundkurs Menschenrechte. Die 30 Artikel. Kommentare und Anregungen für die politische Bildung, Band 5, Würzburg: Echter 2015, S. 21 f.

Zitat: Axel Bernd Kunze: Das Recht auf Bildung. Anforderungen an die rechtliche und politische Implementierung, Münster (Westf.) u. a.: Waxmann 2013.

 

Mit Band 5 liegt der an der Bamberger Bistumsakademie Caritas-Pirckheimer-Haus in Nürnberg entstandene „Grundkurs Menschenrechte“ nun vollständig vor. Das fünfbändige Kommentarwerk wendet sich vor allem an Jugend- und Erwachsenbildungsreferenten, die in der Menschenrechtsbildung tätig sind. Band 5 kommentiert die Artikel 24 bis 30 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948, darunter auch das Recht auf Bildung (Art. 26 AEMR 1948). Jeder Band enthält zudem einen eigenen inhaltlichen Schwerpunkt; in diesem Fall geht es um die „Menschenrechte als kommunales Entwicklungsfeld“ (S. 232 ff.).Die Einleitung des Bandes erläutert – unter Bezug auf den Aufbau des Kommentarwerks – zentrale didaktische Aspekte, die für die Menschenrechtsbildung von Bedeutung sind.