Neuerscheinungen: Pflegeethik, Sexualethik, Liturgie und Diakonie

In der Weihnachtspause sind noch einige Beiträge erschienen, die im Verlauf des vergangenen Jahres entstanden sind und die auf verschiedene Weise ethisch interessant sind.

Patrick Schuchter hat mit seinem Band „Sich einen Begriff vom Leiden anderer machen“ eine Grundlagenstudie für den zunehmend wichtiger werdenden Bereich Pflegeethik herausgebracht. Eine Besprechung des Bandes ist jetzt im Rezensionsportal Socialnet erschienen:

www.socialnet.de/rezensionen/21243.php

Am 19. März 2016 veröffentlichte Papst Franziskus mit dem Apostolischen Schreiben „Amoris laetitia“ die Ergebnisse der Bischofssynode zu Ehe und Familie. Roma locuta, causa finita? Der Brief der vier Kardinäle, die Ende des vergangenen Jahres idem Papst geschrieben haben, zeigt, dass die Diskussion um das Papier noch nicht beendet ist. Vieles wird davon abhängen, wie dieses Papier letztlich rezipiert werden wird. Axel Bernd Kunze fragt in der aktuellen Ausgabe der „Akdemischen Blätter“ (Heft III, S. 13 f.): „Was verändert sich mit Amoris laetitia?“

Akademische Blätter

„Jeder Tag wird aus dem dunklen Schoß der Nacht geboren. Jeder Morgen erinnert uns wieder neu an die Auferstehung. Dunkelheit und Tod werden nicht das letzte Wort haben. Es gibt viele Tode in dieser Welt […] Überall dort, wo sich Christen für Gerechtigkeit und Solidarität einsetzen, bricht bereits in dieser Welt der Ostersieg Christi durch. Die Nachtwache – die Vigil – will uns zum Einsatz gegen die vielen Tode in dieser Welt stärken. Sie ist ein Bild für die Wachsamkeit, die Christen aufgetragen ist: wachsam zu sein für das Kommen des Herrn und bereit zum Einsatz gegen die lebensfeindlichen Mächte, die usn bedrohen.“ Axel Bernd Kunze zeigt in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Bibel und Liturgie … in kulturellen Räumen“ am Beispiel der Vigil, wie Liturgie und Diakonie miteinander zusammenhängen. Der Beitrag vermittelt Anregungen, die Vigil mit Hilfe des neuen Gesangbuches „Gotteslob“ wieder neu zu entdecken. Die Zeitschrift wird herausgegeben vom Österreichischen Katholischen Bibelwerk:

Bibel und Liturgie 

Randnotiz: „Mittelmaß genügt nicht“

„Mittelmaß genügt nicht“ – so Heike Schmoll in der F.A.Z. vom 16.12.2016 im Blick auf die aktuelle Studie des Instituts für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen. Darin ist ihr zuzustimmen, wenn Deutschland seine Wettbewerbsfähigkeit erhalten will. Zuzustimmen ist auch ihrer Kritik an so manch fragwürdiger Methodik innerhalb der Grundschulpädagogik. Das Schreiben nach Gehör muss abgestellt werden, Rechtschreibung und Grammatik müssen wieder stärker eingeübt werden – nicht allein in der Primarstufe. Allerdings plädiert Heike Schmoll gleichzeitig für starke Einschnitte in die pädagogische Freiheit des Lehrers. Der Ursprung fragwürdiger Methoden liegt aber in den Hochschulen, Lehrerseminaren und Kultusverwaltungen. Widerstand dagegen kam, wenn überhaupt, von den Lehrkräften aus der Praxis. Wer den Kultusministerien mehr Macht gibt, vergrößert nur noch die Gefahr, dass sich Fehlentwicklungen flächendeckend durchsetzen. Was wir brauchen, ist gerade mehr Vertrauen in die pädagogischen Fähigkeiten der Lehrer vor Ort und eine Entlastung der Schule von gesellschaftsreformerischen Ideen. Wer Leistungsorientierung oder Begabtenförderung beständig als bildungsungerecht denunziert, muss sich nicht wundern, wenn am Ende Mittelmaß herauskommt.

Randnotiz: DHV kürt Wissenschaftsminister 2016 ohne Entscheid der Mitglieder

Im Wissenschaftsteil der F.A.Z. vom 14. Dezember 2016 setzt sich Heike Schmoll kritisch mit dem neuen Akkreditierungssystem auseinander, das die Kultusminister jetzt verabschiedet haben. Die Kritik an einem aufgeblähten Akkreditierungsrat, der das Zeug hat, zum bürokratischen Monstrum zu werden, ist nachvollziehbar. Die Neuregelung dürfte sich keineswegs als besser, freiheitlicher und ressourcenschonender erweisen als das bisherige Verfahren. Seltsam mutet allerdings an, wie der Deutsche Hochschulverband als Lobbyvereinigung der Professorenschaft seine Kritik an der politischen Entscheidung vorbringt. Zunächst verzichtet man beleidigt auf das übliche Ministerranking, dann erklärt der Vorstand par ordre du mufti Mathias Brodkorb aus Mecklenburg-Vorpommern, der sich als einziger der Neuregelung widersetzte, zum Wissenschaftsminister des Jahres. Vertraut die Verbandsführung nicht mehr darauf, dass die Mitglieder, hätte man sie befragt, zum selben Ergebnis gekommen wären? Haben mittlerweile die meisten Professoren, die innerhalb der „Bolognauniversität“ nach oben gekommen sind, ihren Frieden mit dem System der Akkreditierung geschlossen, sodass man ein Mitgliedervotum lieber umgehen wollte? Die Auszeichnung für Brodkorb hat durch das gewählte Verfahren deutlich an Überzeugungskraft und verbandspolitischer Glaubwürdigkeit verloren.

Neuerscheinung: Nobelpreis und Leistung – Beitrag jetzt online zugänglich

Mit dem morgigen Luziafest, das in Schweden eine besondere Rolle spielt, geht traditionell die Nobelpreiswoche zu Ende. Vor 115 Jahren wurde der Nobelpreis erstmals verliehen. Der nach seinem Stifter, Alfred Nobel, benannte Preis würdigt hervorragende Leistungen auf den Gebieten der Naturwissenschaften, der Medizin, der Literatur und der Förderung des Friedens. Die Zeitschrift „Katholische Bildung“ nahm dieses Jubiläum zum Anlass,  der pädagogischen Bedeutung des Leistungsbegriffs nachzuspüren. Der Beitrag ist mittlerweile auch in der Onlineausgabe leicht zugänglich:

http://www.vkdl.de/pdf/katholische-bildung/2016-12-10+Katholische-Bildung_12-2016.pdf

Axel Bernd Kunze: Vor 115 Jahren wurde der Nobelpreis erstmals verliehen: Ein Anlass, nach der Rolle von Leistung in Schule und Pädagogik zu fragen, in: Katholische Bildung 117 (2016), H. 12, S. 485 – 495.

Rezension: Brücklmeierverein würdigt „Rote Fahnen, bunte Bänder“

Manfred Blänkner, Axel Bernd Kunze (Hgg.): Rote Fahnen, bunte Bänder. Korporierte Sozialdemokraten von Lassalle bis heute, Bonn: J. H. W. Dietz Nachf. 2016.

Das Weblog des Brücklmeiervereins hat den Band „Rote Fahnen, bunte Bänder“ (hg. v. Manfred Blänkner und Axel Bernd Kunze) gewürdigt:

http://www.bruecklmeierverein.de/Aus_der_Forschung/Eintrage/2016/10/3_Rote_Fahnen%2C_bunte_Bander__Ein_Anfang%2C_der_Appetit_macht.html

Der Brücklmeiererein bietet eine Plattform an, von der aus wichtige Aspekte der corpsstudentischen Geschichte in ihrem zeithistorischen Bezug zu Kriegen und Konflikten – zum  „Widerstand“ – erforscht und beschrieben werden können. Der vom Brücklmeierverein gewählte Forschungsansatz ist generell wissenschaftlich. Bezogen auf die Korporationslandschaft ist dieser Ansatz verbändeübergreifend, nicht zuletzt, weil die alten, landsmannschaftlich geprägten Kösener Corps schon bald nach ihrer Stiftung von konkurrierenden oder sie imitierenden Verbindungen umgeben waren. Die Forschungsergebnisse sollen so auf größerer Ebene anwendbar werden, den Belangen des gesamten Korporationswesens in Mitteleuropa soll Rechnung getragen werden.

Der nächste Bundestagswahlkampf steht vor der Tür, doch das Parteiensystem befindet sich nicht im besten Zustand. Die politischen Parteien verlieren aus verschiedenen Gründen an Ansehen und erscheinen immer häufiger austauschbar. Nicht wenige fragen sich, für welche Werte die einzelnen Parteien heute noch stehen. Der vorliegende Band, der im Auftrag des Lassallekreises herausgegeben wurde, schaltet sich in die politische Wertedebatte ein und macht deutlich, welch wichtige Rolle Parteien wie Studentenverbindungen gleichermaßen für den Erhalt gesellschaftlicher Orientierungswerte spielen. Am Beispiel der Sozialdemokratie wird deutlich, wie parteipolitisches und couleurstudentisches Engagement gegenseitig bereichern können.

Eine öffentliche Vorstellung des Bandes durch Professor Dr. Rainer Blasius (Frankfurter Allgemeine Zeitung)  ist für das neue Jahr in Stuttgart geplant. Bei Interesse erhalten Sie weitere Informationen unter Kunze-Bamberg@t-online.de.

Neuerscheinung: Pädagogische Gedanken zum Leistungsbegriff – aus Anlass des Nobelpreisjubiläums

Seit 1901 wird am 10. Dezember, dem Todestag seines Stifters, alljährlich der Nobelpreis verliehen, der mithin in diesem Monat 115 Jahre alt wird. Die Zeitschrift „Katholische Bildung“ hat dies zum Anlass genommen, nach der Bedeutung des Leistungsgedankens für Schule und Pädagogik zu fragen:

Axel Bernd Kunze: Vor 115 Jahren wurde der Nobelpreis erstmals verliehen: Ein Anlass, nach der Rolle von Leistung in Schule und Pädagogik zu fragen, in: Katholische Bildung 117 (2016), Heft 12, S. 485 – 495.

Neuerscheinung: CONCILIUM-Themenheft zur Religionsfreiheit

Heiner Bielefeldt, Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für das Recht auf Religionsfreiheit, zog in diesem Jahr zum Ende seiner Amtszeit ein ernüchterndes Fazit: Er habe miterleben müssen, wie dieses Menschenrecht weltweit unter Druck geraten sei, nicht zuletzt im Nahen Osten, wo der „Islamische Staat“ brutal gegen orientalische Christen oder Jesiden vorgehe. In Deutschland und anderen westlichen Ländern wird angesichts von Massenmigration und Terrorgefahr darüber diskutiert, wie mit dem Islam umgegangen werden soll. Die Debatte über ein Burkaverbot ist nur ein Beispiel hierfür. Nicht wenige Stimmen plädieren dafür, Religion um des gesellschaftlichen Zusammenhalts und gelingender Integration willen aus dem öffentlichen Leben herauszuhalten;  gefördert werden solle stattdessen vielmehr eine vermeintlich neutrale Erziehung für Demokratie, Menschenrechte und Zivilgesellschaft.

Religion erscheint in der politischen Debatte der Gegenwart nicht selten als etwas, das den gesellschaftlichen Frieden bedroht und nach Möglichkeit vom Staat gezähmt werden sollte. In dieser Situation stellt sich von neuem die Frage, wie sich ein individuelles Menschen- und Grundrecht auf Religionsfreiheit begründen lässt, wie weit dieses reicht und wo dessen Grenzen liegen. Diese Fragen diskutiert eine Sammelrezension im aktuellen Themenheft „Religionsfreiheit“ der internationalen Zeitschrift für Theologie CONCILIUM:

Axel Bernd Kunze (Rez.): Individuelle Freiheit zur Religion, in: Concilium 52 (2016), H. 4, S. 510 – 514.

Besprochen werden folgende Werke:

Karl Gabriel, Christian Spieß, Katja Winkler: Wie fand der Katholizismus zur Religionsfreiheit? Faktoren der Erneuerung der katholischen Kirche (Katholizismus zwischen Religionsfreiheit und Gewalt; 2), Paderborn: Ferdinand Schöningh, 324 Seiten.

Karl Lehmann: Toleranz und Religionsfreiheit. Geschichte und Gegenwart in Europa, Freiburg i. Brsg.: Herder 2015, 144 Seiten.

Paul Tiedemann: Religionsfreiheit – Menschenrecht oder Toleranzgebot? Was Religion ist und warum sie rechtlichen Schutz verdient, Berlin/Heidelberg: Springer 2012, 193 Seiten.

Hans-Georg Ziebertz (Hg.): Religionsfreiheit. Positionen – Konflikte – Herausforderungen (Würzburger Theologie; 12), Würzburg: Echter 2015, 237 Seiten.

Tag der Freien Schulen Baden-Württemberg am 25. November 2016

Den heutigen 25. November 2016 hat die Arbeitsgemeinschaft Freier Schulen in Baden-Württemberg erneut zum „Tag der Freien Schulen“ ausgerufen. Die Trägerverbünde der Freien Schulen möchten mit diesem Tag auf die Vielfalt und Innovationskraft, die von der Arbeit der Freien Schulen ausgeht, aufmerksam machen. Die Freien Schulen sind wichtiger und etablierter Bestandteil der baden-württembergischen Schullandschaft und bereichern diese auf vielfache Weise durch alternative Lern- und Lehrkonzepte. Die Besuche in den Freien Schulen ermöglichen den Landespolitikern nicht nur, deren Schulalltag kennen zu lernen, sie können sich darüber hinaus auch über neue Konzepte und Ideen informieren, mit denen die Freien Schulen den Herausforderungen begegnen, die Gesellschaft und Bildungspolitik an die Schulen stellen.

Anlässlich des „Tages der Freien Schulen“ konnte Gesamtschulleiter PD Dr. Axel Bernd Kunze Herrn Claus Paal, den örtlichen Landtagsabgeordneten aus Weinstadt, an der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt begrüßen. In einem Hintergrundgespräch mit der Schulleitung und der Fachschaft Gemeinschaftskunde informierte er sich über Ausbildungsmöglichkeiten, Fortbildungsangebote und Schwerpunkte der Schulentwicklung. Beide Seiten waren sich darin einig, dass die Freien Schulen in Baden-Württemberg verlässliche finanzielle und personalpolitische Rahmenbedingungen benötigen. Beeindruckt zeigte sich der Arbeits- und Wirtschaftspolitiker nicht zuletzt von der hohen Durchlässigkeit und Anschlussfähigkeit der Ausbildungsmöglichkeiten, welche die Fachschule anbietet: Die Bandbreite reicht von der Kinderpflegeausbildung für Bewerber mit Hauptschulabschluss über die Erzieherausbildung für Realschüler und Gymnasiasten bis zum Erwerb eines Bachelorabschluss im Integrierten Studienmodell, das die Schule künftig mit der Evangelischen und Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg anbieten wird. Vereinbart wurde eine Zusammenarbeit mit der neugegründeten „Forscherfabrik Schorndorf“. Dadurch kann nicht zuletzt der Profilbereich „Forschen und Experimentieren“ weiter gestärkt werden.

In der Arbeitsgemeinschaft Freier Schulen Baden-Württemberg (AGFS) arbeiten Verbände von Bildungseinrichtungen in freier Trägerschaft (Privatschulen) zusammen. Die AGFS vertritt rund sechshundertvierzig allgemein und berufsbildende Ersatzschulen – einschließlich Sonderschulen – mit rund hundertzwanzigtausend Schülern. Hinzu kommen rund fünfhundert Ergänzungsschulen, die keine staatliche Entsprechung haben. Die AGFS bündelt die Interessen aller privaten Bildungseinrichtungen – sie erarbeitet Grundsätze und Ziele für das freie Bildungswesen und ist Ansprechpartnerin für Politik, Regierung und Schulaufsicht. Sie setzt sich für ein vielfältiges Schulwesen, größtmöglichen Gestaltungsspielraum und für gleiche finanzielle Rahmenbedingungen für die Privatschulen ein. Schulen in freier und staatlicher Trägerschaft bilden das öffentliche Bildungswesen.

Tagungsbericht: Forum Sozialethik 2016

Im aktuellen Heft 4/2016 der internationalen Zeitschrift für Christliche Sozialethik AMOSinternational ist ein Tagungsbericht zum diesjährigen „Forum Sozialethik“ erschienen. Die jungen Sozialethikerinnen und Sozialethiker diskutierten Anfang September in der Katholischen Akademie in Schwerte zu den Themen „Flucht – Zuwanderung – Integration“. Leider werden im Tagungsbericht kontroverse Streitfragen stark geglättet. Die bekannten gesellschaftlichen Kontroversen zur gegenwärtigen Migrationspolitik waren im Rahmen des Forums durchaus stärker spürbar:

http://www.kommende-dortmund.de/kommende_dortmund/medien/1859/original/71/amos_16-4-S52-54-Tagungsbericht.pdf

Der Beitrag des Weblogverfassers zu den Chancen und Grenzen schulischer Integration wurde im September in diesem Weblog veröffentlicht:

https://bildungsethik.wordpress.com/2016/09/07/vortrag-chancen-und-grenzen-schulischer-integration/

Bildungspolitik: Durchlässigkeit und Anschlussfähigkeit der Erzieherausbildung

Durchlässigkeit und Anschlussfähigkeit der Erzieherausbildung sind in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen, gerade auch im Hinblick auf Möglichkeiten der akademischen Weiterqualifizierung (die folgende Darstellung berücksichtigt vor allem die Situation in Baden-Württemberg).

Die an der Fachschule für Sozialpädagogik im Rahmen der Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin/zum staatlich anerkannten Erzieher erworbene Qualifikation entspricht im Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR)  der Niveaustufe 6, das Kompetenzniveau am Ende der Ausbildungist damit einem Bachelorabschluss vergleichbar

Im Rahmen der Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin/zum staatlich anerkannten Erzieher ist es möglich, die allgemeine Fachhochschulreife erwerben. Schüler und Schülerinnen, die sich dazu entschließen, erhalten nach dem erfolgreichen Bestehen der Prüfung am Ende der schulischen Ausbildung ein „Zeugnis der Fachhochschulreife“, das ihnen die allgemeine Fachhochschulreife vermittelt. Mit dieser ist die Studienberechtigung nicht auf eine bestimmte Fachrichtung beschränkt. Das Zeugnis der Fachhochschulreife entspricht der Rahmenvereinbarung über Fachschulen der Kultusministerkonferenz vom 07. November 2002, derzeit in der Fassung vom 12. Dezember 2013.

Mit dem Erwerb der Fachhochschulreife stehen Erzieherinnen und Erziehern zahlreiche akademische Anschlussmöglichkeiten und Studiengänge offen:

So können sie mit der Fachhochschulreife grundsätzlich an einer Fachhochschule aufgenommen werden. Auch das Studium der Kindheitspädagogik an einer Pädagogischen Hochschule ist möglich. Über zusätzlich zu erbringende Voraussetzungen (z. B. Praktika, Aufnahmeprüfungen) informieren die Zulassungsstellen der Hochschulen.

Baden-Württemberg bietet mit der sogenannten zentralen, fachunabhängigen Deltaprüfung mittlerweile auch Schülerinnen und Schülern mit Fachhochschulreife die Möglichkeit, sich um einen Studienplatz zu bewerben, für den normalerweise das Abitur notwendig ist. Die Prüfung wurde so benannt, weil sie ermöglicht, das „Delta“ zwischen dem eigenen Schulabschluss und einem möglichen Wunschstudium zu schließen. Für Erzieherinnen und Erzieher mit Fachhochschulreife bietet dies zusätzliche interessante Anschlussmöglichkeiten in universitären Studiengängen (z. B. in einem Studium für das Lehramt).

In einigen Bundesländern können staatlich anerkannte Erzieherinnen und Erzieher mit Fachhochschulreife unter bestimmten Umständen auch ein Bachelorstudium an einer Universität aufnehmen.

In Baden-Württemberg stehen gegenwärtig an neun Hochschulen Bachelorstudiengänge der Frühen Kindheit zur Verfügung.

Ein Studium der (Frühen) Kindheit oder der Frühkindlichen Bildung und Erziehung kann als Möglichkeit der Weiterbildung und des beruflichen Aufstiegs für Leitungsfunktionen oder für eine Aufgabe als Fachberaterin/Fachberater genutzt werden.

Die erfolgreich abgeschlossene Ausbildung an der Fachschule für Sozialpädagogik kann mit bis zu 60 Credits auf ein Bachelorstudium der Frühen Kindheit angerechnet werden. Dies entspricht einer Studienzeitverkürzung um ein Drittel bzw. zwei Semester.

Die evangelischen Fachschulen in Württemberg bieten überdies die Möglichkeit zur Teilnahme an einem Integrierten Studienmodell, das in Kooperation mit der Evangelischen Hochschule und der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg angeboten wird. Wissenschaftspropädeutische Lehrveran­staltungen im Oberkurs bereiten bereits während ihrer schulischen Ausbildung auf das Studium vor. Während des Berufspraktikums arbeiten die Studierenden vier Tage in ihrer Praktikumseinrichtung, daneben sind sie bereits an der Hochschule immatrikuliert und absolvieren einen Studientag pro Woche. Auf diese Weise benötigen sie im Anschluss an die Verleihung der staatlichen Anerkennung zur Erzieherin/zum Erzieher, mit der das Berufspraktikum abschließt, nur noch drei Vollzeitsemester an der Hochschule bis zum Bachelor.

Die Katholische Hochschule Freiburg bietet gleichfalls eine Kooperation mit Fachschulen an. Dort steht für Absolventen kooperierender Schulen der Bachelorstudiengang Pädagogik offen, bei dem gleichfalls bis zu 60 Credits angerechnet werden können. Die Inhalte reichen von der Elementarbildung bis zur Erwachsenenbildung.

Nach dem erfolgreichen Erwerb eines Bachelorabschlusses (BA) kann das Studium in einem Masterstudiengang fortgesetzt werden. Ein Masterabschluss (MA) eröffnet Berufsaussichten im Höheren Dienst oder auch die Möglichkeit zur Promotion. Die Zugangsregelungen können sich zwischen einzelnen Bundesländern und Hochschulen unterscheiden; hierüber informiert die Zulassungsstelle der jeweiligen Hochschule.

Mit dem erfolgreichen Abschluss einer Fachhochschule erwerben Studenten in der Regel eine der allgemeinen Hochschulreife entsprechende Qualifikation, sodass sie von der Fachhochschule in einen verwandten universitären Studiengang wechseln können. Dabei ist die Anrechnung von bis zu 60 Credits während der ersten zwei Fachsemester an der Universität möglich. Teilweise bestehen für den Wechsel von der Fachhochschule zur Universität in den verschiedenen Bundesländern unterschiedliche Regelungen.

Auch wer während der Erzieherausbildung keine Fachhochschulreife erworben hat, kann heute an zahlreichen Hochschulen als beruflich Qualifizierter unter bestimmten Voraussetzungen ein Studium aufnehmen. Vorausgesetzt wird in der Regel eine mindestens dreijährige Berufserfahrung.