Replik: Gesellschaft für Bildung und Wissen antwortet auf Kritik am „Moratorium der Digitalisierung in KiTas und Schulen“

„Auf der Website der Gesellschaft für Bildung und Wissen ist eine Forderung nach einem Moratorium der Digitalisierung in KITAs und Schulen formuliert. Aktueller Anlass dieser Forderung dürfte die Entscheidung der schwedischen Regierung sein, den Tablet-Einsatz in Schulen der Primarstufe zu stoppen. Hintergrund sind Ergebnisse, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Karolinska-Instituts vorgelegt haben. […] Auf diese Positionierung hat Hans-Jürgen Elschenbroich (E.), Mathematiker und Informatiker, im journal des Verbandes zur Förderung des Mint-Unterrichtes (MNU) in der Rubrik „MNU-Standpunkt“ reagiert.“

Die Replik der Gesellschaft für Bildung und Wissen auf Hans-Jürgen Elschenbroich lesen Sie hier:

Zwischenruf: Aufarbeitung der Coronapolitik und Aussöhnung bleiben weiterhin notwendig

Bis heute verweigern sich die Funktionseliten unseres Landes der Aufarbeitung einer grundrechts- und freieitsfeindlichen Coronapolitik, die weiterhin unser Zusammenleben spaltet. Die Diskussion um die Preisverleihung des Netzwerkes Wissenschaftsfreiheit an den ehemaligen Präsidenten des Deutschen Hochschulverbandes, Bernhard Kempen, ist nur ein Beispiel hierfür. Ein kleiner Lichtblick kommt nun aus der Nordkirche und ein notwendiges Eingeständnis: Bischof Jeremias spricht öffentlich davon, dass „wir als Kirche schuldig geworden seien“. Dies ist ein anderes Zeichen als jenes, einen hochschulpolitischen Hauptakteur dieser desaströsen Coronapolitik mit einem Freiheitspreis auzuzeichnen.

Die Haltung gegenüber der damaligen Coronapolitik dürfte ein (nicht der einzige) Grund für den Niedergang der Kirchen sein, den wir gegenwärtig erleben. Ein trauriger Tiefpunkt und eine geistliche Bankrotterklärung waren die 2G-Gottesdienste an Weihnachten 2021. Im neuen Band „Menschenwürde im Intensivstaat?“ (Regensburg 2023) heißt es „Später waren es dann beispielsweise Gottesdienste unter 2G-Regeln, die gerade kirchentreue Gläubige vor den Kopf gestoßen haben. Dieser kirchliche Kern wird nicht aktivistisch lautstark austreten, sondern sich schleichend zurückziehen.“ Als Gesprächspartner für einen differenzierten und verantwortlichen Umgang mit den Wertkonflikten der Coronajahre sind die Kirchen seinerzeit nahezu vollständig ausgefallen, von wenigen persönlichen Ausnahmen abgesehen. Der Niedergang der Kirchen für unser Land und seine geistigen Orientierungswerte wird uns noch bitter auf die Füße fallen wird. Der autoritäre, biopolitische Neokollektivismus einer Coronapolitik „ohne rote Linien“ war ein Vorgeschmack, welch geistiger Klimawandel ins Haus stehen könnte. Noch schlimmer, wenn eine solche Politik auch noch mit Freiheitspreisen gewürdigt wird.

Dabei geht es nicht um die persönliche Schuld des Preisträgers, die er mit seinem Beichtvater ausmachen muss. Es geht um die politische Verantwortung eines langjährigen Funktionärs eines hochschulpolitischen Spitzenverbandes, von dem Kollegen, die coronapolitisch gravierenden Grundrechtseingriffen und berufliche Nachteile erfahren haben, keinerlei Unterstützung zu erwarten hatten. Dies bleibt für einen Berufsverband ein Armutszeugnis. Und über diese politische Verantwortung muss öffentlich diskutiert werden. Sie ist im Falle Kempens so groß, dass sich die Auszeichnung mit einem Freiheitspreis verbietet. Eine Aufarbeitung dieser Coronapolitik und ein Prozess öffentlicher Aussöhnung bleiben notwendig. Das Eingeständnis des Bischofs der Nordkirche ist ein erster kleiner Schritt dorthin.

Tagung: Würde ich gern zu mir in die Schule gehen?

Die Gesellschaft für Bildung und Wissen e. V. lädt zu einer neuen Tagung ein:

Die pädagogische Wende.
Über die notwendige Besinnung auf das Erziehen und Unterrichten
12. bis 13. April 2024, Universität Augsburg

Programm: https://bildung-wissen.eu/fachbeitraege/tagung-2024-an-der-univ-augsburg.html  

Zwischenruf: Die Opfer der Coronapolitik sind vergessen, auch an den Universitäten

Wie die „Tagespost“ in ihrer Ausgabe vom 8. Februar 2024 berichtet, wurde der langjährige, frühere Präsident des Deutschen Hochschulverbandes, Bernhard Kempen, mit dem Positivpreis für Wissenschaftsfreiheit des gleichnamigen Netzwerkes Wissenschaftsfreiheit ausgezeichnet. Der Preis wurde in diesem Jahr am 2. Februar 2024 erstmalig vergeben.

Der Preisträger habe, so heißt es in dem Bericht, einen „nachdenklichen Blick auf den Zustand der Universitäten“ geworfen. Schon früh kritisierte Kempen, dass der europäische Bolognaprozess zu einem „Scheuklappenstudium“ führe, wie Sebastian Sasse in der „Tagespost“ erinnert. In der Folge seien jüngere Wissenschaftler oft gar nicht mehr in der ganzen Breite der eigenen Disziplin verwurzelt. Auch die jüngere Bildungsforschung, die einen enormen Zuwachs an empirischen Studien gebracht hat, bietet hierfür genug Anschauungsmaterial. Gerade junge Wissenschaftler spürten, so heißt es in der „Tagespost“, einen Konformitätsdruck.

Eine „Cancel Culture“ ist auch an deutschen Universitäten nicht mehr zu übersehen. Seinem eigenen Verband bescheinigt Kempen, angesichts derartiger Entwicklungen viel geleistet und wichtige Akzente in der hochschulpolitischen Debatte gesetzt zu haben. Bemerkenswerte Akzente hat der Verband allerdings auch in anderer Hinsicht gesetzt: Mit seiner Preispolitik bei der Kür der „Hochschullehrer des Jahres“ in den Coronajahren 2021 und 2022 hat der Verband mehr als deutlich die regierungsamtliche Linie einer grundrechts- und freiheitsfeindlichen Coronapolitik unterstützt. 2021 wurden die Virologen Christian Drosten und Sandra Ciesek, 2022 die BioNTech-Gründer Özlem Türeci und Ugur Sahin ausgezeichnet.

Stimmen, die sich kritisch mit der herrschenden Coronapolitik und den Grundrechtseingriffen, von denen auch zahlreiche Wissenschaftler betroffen waren, auseinander setzten, wurden vom Deutschen Hochschulverband gezielt ignoriert, totgeschwiegen oder in der vom Verband herausgegebenen Zeitschrift „Forschung und Lehre“ zensiert. Zu dieser Verbandspolitik, für die Kempen als langjähriger Präsident eines hochschulpolitischen Spitzenverbandes maßgeblich die politische Verantwortung trägt, hätte man sich ebenfalls einen „nachdenklichen Blick“ gewünscht, ja mehr noch: deutliche Selbstkritik. Der Deutsche Hochschulverband hat in der Coronakrise politisch und moralisch versagt. Mitglieder, die in dieser Zeit abweichende Meinungen vertraten und gravierenden Eingriffen in ihre Grundrechte, etwa auf körperliche Unversehrtheit, Wissenschaftsfreiheit oder Berufsausübungsfreiheit, ausgesetzt waren, duften von ihrem Berufsverband keinerlei Unterstützung erwarten.

Eine Aufarbeitung dieses Versagens steht noch aus. Und so lange dies so ist, hinterlässt die Preisentscheidung des Netzwerkes Wissenschaftsfreiheit mehr als einen schalen Nachgeschmack. Der Preisträger „ragte“ dann auch in den Coronajahren alles andere als „durch einen Einsatz für die Freiheit von Forschung und Lehre hervor“, wie die Vorsitzende des Netzwerkes in einer Pressemitteilung vom 29. Januar 2024 betont. Wer angesichts einer zunehmenden Polarisierung, Politisierung, Moralisierung, Ideologisierung und Emotionalisierung die Wissenschaftsfreiheit robust verteidigen will, sollte auf einem substantiellen Freiheitsverständnis bestehen und die Unteilbarkeit der Grundrechte verteidigen. Für beides steht der erste Preisträger des neugeschaffenen Preises für Wissenschaftsfreiheit nicht. Sein Stifter, das Netzwerk Wissenschaftsfreiheit, positioniert sich mit seiner Nominierung im politisch-gesellschaftlichen Mainstream, in dem freiheitlich-konservative Stimmen überdeutlich an den Rand gedrängt werden.

Wer die Wissenschaftsfreiheit robust verteidigen will, darf über die coronapolitischen Angriffe auf das Recht auf körperliche Unversehrtheit, die wir erlebt haben, nicht schweigen. Alle, welche die Coronapolitik und die damit verbundene Umdeutung des Freiheitsverständnisses unterstützen, so schrieb die Vorsitzende des Netzwerkes Wissenschaftsfreiheit, Sandra Kostner, noch 2022 in ihrem Sammelband „Pandemiepolitik? Freiheit unterm Rad“ (Stuttgart 2022) sollten sich fragen, „ob sie wollten, dass andere darüber bestimmen können, welche pharmakologischen Substanzen sie ihrem Körper zuführen. Denn es könnte der Tag kommen, an dem es um Substanzen geht, die sie nicht verabreicht bekommen möchten. Der Geist, der das ermöglicht, ist aus der Flasche. Es ist an uns, ihn dort wieder hineinzubekommen und als Lehre aus den Pandemiejahren künftig darauf zu achten, dass er nicht mehr entweichen kann.“

Dieser Geist ist nun eines Freiheitspreises würdig. Die Opfer einer freiheitsfeindlichen Coronapolitik sind hingegen vergessen, auch an den Universitäten.

Rezension: Pädagogisches Programm angesichts der Digitalisierung

Axel Bernd Kunze bespricht in der aktuellen Ausgabe des Magazins „Publik -Forum“ (Nr. 2/2024 vom 26. Januar 2024, S. 57) den Essay „Alles und nichts sagen“ von Eva Menasse (Kiepenheuer & Witsch, 188 Seiten, 22 Euro):

„Menasses Essay will aufzeigen, wie dringend es wäre, wieder zum rechten Maß der Debatte zurückzufinden – denn es steht viel auf dem Spiel, sollte die freie Gesellschaft dem digitalen Stress zum Opfer fallen. Ihr Rat: Bleibe du selbst, selbstkritisch, unbeirrt gegenüber den digitalen Machtansprüchen. Dies könnten zum pädagogischen Programm nicht für, sondern angesichts der Digitalisierung werden.“

Zwischenruf: Idee eines „Bildungsjahres“ überzeugt nicht

Bildungsjahr – so nennt der Kölner Sozialethiker Elmar Nass sein Modell eines allgemeinen Dienstjahres, über das gegenwärtig in der Politik diskutiert wird. Mit diesem Etikett versehen, soll eine Dienstpflicht für junge Menschen die für soziale Berufe notwendige professionelle Kompetenz in die gesellschaftliche Breite tragen und obendrein noch die Demokratiekompetenz fördern. Ja, mehr noch: Ein solches Jahr im Dienst am Gemeinwohl könne auch die Resilienz junger Menschen stärken, nicht den falschen Heilsversprechen autoritärer Despoten in die Hände zu fallen. China wird als warnendes Beispiel genannt. Kleiner geht es offenbar nicht.

„Aus sozialethischer Sicht ist ein solches Bildungsjahr sehr zu begrüßen“, gibt sich Nass in der katholischen Wochenzeitung „Die Tagespost“ vom 18. Januar 2024 überzeugt. Und er nimmt die Kirchen in die Pflicht, sich führend dabei einzubringen. Für die Organisationen, die dabei mitwirken, winkt ein „Gemeinwohl-Siegel“.

Das allgemeine Bildungsjahr soll Wissen, Ethik und Tun verbinden. Das klingt nach Freiheit und Selbstbestimmung – und nicht mehr so nach Zwang wie Wehrpflicht und Dienstjahr. Ob es bei einem solchen Pflichtjahr allerdings tatsächlich um Bildung und Selbstbestimmung ginge, sei hier einmal dahingestellt. Allzu sehr hört sich Bildung in dieser Konzeption doch eher als Mittel zum Zweck an. Was die Politik nicht mehr richtet, was die Gesellschaft an Integration und Selbstregulierung nicht mehr leistet, soll nun durch pädagogische Steuerung erreicht werden. Nur ist es dieses Mal nicht die Schule, die als Reparaturwerkstatt für alles Mögliche herhalten muss, sondern eine neu aufzubauende Bildungs- und Sozialadministration: „Für die konkrete Umsetzung ist ein begleitendes Curriculum nötig, das bestehende Programme entsprechend der Prinzipien und Leitlinien weiterführt. Entsprechendes Bildungspersonal ist dafür essenziell.“

Dieses ließe sich aus den wachsenden Kultur- und Sozialwissenschaften möglicherweise noch gewinnen. Der Öffentliche Dienst würde weiter wachsen. Eine genaue Kostenrechnung, was ein solches „Bildungsjahr“ kosten würde, macht Nass in seinem Beitrag  allerdings nicht auf. Ebenso wenig fragt der Autor, ob ein verpflichtendes Dienstjahr die von ihm favorisierten wertkonservativen Ziele überhaupt verfolgen würde. Vermutlich würden die Curricula und ihre praktische Umsetzung schnell in den üblichen links-liberalen Mainstream umkippen.

Die Wehrpflicht war ein bewährtes, traditionelles Modell zur Sicherung der Verteidigungsfähigkeit unseres Landes. Dieses haben wir aufgegeben. Ein Nachfolgemodell zu finden, wird nicht leicht fallen. Vielmehr ist anzunehmen, dass die Debatte in unzählige Vorschläge zerfallen wird. Nass hat diesem Chor an Vorschlägen nur einen weiteren hinzugefügt, der nicht besonders überzeugt.

Ein Zwang zur Bildung um erwünschter staatlicher Ziele willen wäre das Gegenteil, was Humboldt, sofern man sich an ihn noch erinnern will, einmal die Freisetzung der Einzelnen zur Selbsttätigkeit nannte. Wohlwissend, dass der Staat letztlich niemanden „bebilden“ kann. Freiwilligendienste mit attraktiven Rahmenbedingungen sind das eine – und als Orientierungsjahr von vielen jungen Menschen geschätzt. Ein verpflichtendes Bildungsjahr unter staatlicher Kontrollbürokratie aber etwas anderes. Für die erhofften Bildungseffekte dürfte dies nicht unerheblich sein.

Und damit sind wir beim Menschenbild und Staatsverständnis, das hinter dem vorgeschlagenen Bildungsjahr sichtbar wird: Ein verpflichtendes Dienstjahr, ob zur Landesverteidigung, im Sozialsektor oder als Bildungsjahr verkleidet, bleibt ein gravierender Eingriff in die Grundrechte. Doch diesem gegenüber bleibt der von Nass vorgelegte Vorschlag stumm. Dabei sollten Grundrechtskonflikte und Freiheitseingriffe ein genuines Thema sozialethischer Reflexion sein. Gravierende Grundrechtseingriffe sind in höchstem Maße begründungspflichtig. Im Falle der Wehrpflicht ist dies möglich, wenn es um den Erhalt des Gemeinwesens und die Verteidigung der nationalen Sicherheit geht, und damit um die Verteidigung unserer Grundrechts- und Freiheitsordnung. Hier stoßen grundrechtsrelevante Güter aufeinander.

Dies ist aber anders, wenn Grundrechtseingriffe mit dem Anliegen staatlicher Steuerung von erwünschten politischen oder gesellschaftlichen Einstellungen begründet wird. Der Grundrechtsträger ist der Souverän und muss es bleiben. Es widerspricht dem liberalen Rechts- und Verfassungsstaat, den Einzelnen zum Mittel staatlicher Zwecke zu machen. Vielmehr muss der Staat Eingriffe in den grundrechtlich geschützten Kernbereich der Persönlichkeit sorgfältig begründen. Der Vorschlag, den Nass vorgelegt hat, leistet dies gerade nicht. Indem dieser über die gravierenden Grundrechtseingriffe gar kein Wort verliert, wird er weder dem Personalitäts- noch Gemeinwohlprinzip katholischer Soziallehre gerecht.

Die noch nicht allzu lang zurückliegende Coronapolitik hat uns gezeigt, welche – bis heute fortwirkende – Polarisierung droht, wenn Grundrechtseingriffe nicht sorgfältig abgewogen, begründet und beständig auf ihre Verhältnismäßigkeit hin geprüft werden.

Auf anderen Seiten: Schule in Deutschland – eine Verlustgeschichte

„Seit gut zwanzig Jahren haben die Pisa-Studien das deutsche Schulwesen nicht nur massiv kritisiert, sondern zugleich auch umfassend transformiert. Aber ihre Befunde zielen an den wahren Problemen des deutschen Schulwesens, besonders auch der beruflichen Schulen, weit vorbei. Tatsächlich ist es die Migrationspolitik, die seit Jahrzehnten die deutschen Schulen vor immer größere Belastungsproben stellt, die regional bereits zum Kollaps geführt haben. Wie es weitergeht, weiß niemand. Wahrscheinlich wird es auf eine immer stärkere Abschottung einzelner gesellschaftlicher und schulischer Milieus hinauslaufen.“

https://kontrafunk.radio/de/sendung-nachhoeren/kultur-und-wissenschaft/audimax-das-kontrafunkkolleg/peter-j-brenner-schule-in-deutschland-eine-verlustgeschichte#id-article

Während die Bildungsethik gegenüber den neueren Entwicklungen im deutschen Bildungssystem weitgehend stumm bleibt, während früher nahezu jede neue empirische Bildungsstudie kommentiert wurde, arbeitet Peter J. Brenner im Kontrafunkkolleg Audimax vom 28. Januar 2024 heraus, warum die Schule gegenwärtig nahezu scheitern muss – und das nicht allein am Lehrermangel. Die Probleme, welche die Schulen belasten, sind politisch erzeugt, etwa mangelnde Deutschkenntnisse in weiten Teilen der Schülerschaft, ein ungeheuer gewachsenes Übergangssystem im berufsbildenden Schulwesen oder eine Unwucht zwischen Auszubildenden- und Studentenzahlen. Diese Probleme können pädagogisch nicht gelöst werden, sie müssen politisch angegangen werden. Doch dazu fehlt bislang der Wille.

Rezension: Menschenwürde im Intensivstaat?

Die erste Rezension zum neuen Band „Menschenwürde im Intensivstaat? Theologische Reflexionen zur Coronakrise“ (von Oleg Dik, Jan Dochhorn und Axel Bernd Kunze, Regensburg 2023) ist erschienen. Der Historiker und Journalist Sebastian Sigler bespricht den Band in „tabularasa“. Der Staat wird immer übergriffiger gegenüber der Lebenswelt der Einzelnen, die Kirchen verlieren rasend schnell an Bedeutung. Beide Institutionen leiden unter einem Vertrauensverlust. Sigler sieht einen deutlichen Zusammenhang zwischen der gegenwärtigen Staatskrise und der gegenwärtigen Gottesferne – er schreibt:

Könnte es sein, daß die Eingriffe in die Persönlichkeitsrechte während der Coronakrise eine Vertrauenskrise in diesem Land heraufbeschworen haben? Natürlich ist das so. Oleg Dik, Jan Dochhorn und Axel Bernd Kunze decken diese politische Krise, deren Folgen wir drastisch spüren, punktgenau auf. Zu ihr konnte es, so sagen die Autoren, überhaupt erst kommen, weil ohnehin schon lange eine Glaubenskrise schwelt.

Das jüngst im Roderer-Verlag, Regensburg, erschienene Buch „Menschenwürde im Intensivstaat? Theologische Reflexionen zur Coronakrise“ ist geeignet, die anstehende, aber bislang erfolgreich verdrängte Aufarbeitung des landauf, landab zu beobachtenden, staatlichen Corona-Unrechts ordentlich anzuschieben. Denn die staatlicherseits auferlegten Beschränkungen durch die Corona-Krise sind längst als überzogen und übergriffig enttarnt. Diese Erkenntnis wird vielerorts verlegen bemäntelt, wobei Verantwortlichen auch zugutegehalten werden, dass es keine Handlungsschemata gab, nach denen sie hätten entscheiden können.

Unaufgeregt wird im Vorwort die Problemlage dargestellt. Der Staat hat die Unversehrtheit des Körpers durch Impfpflicht und Nachteile für Menschen, die zweifelten, missachtet. Die Amtskirchen haben munter mitgemacht, ja, vielfach die staatlichen Regeln für sich und im eigenen Hause noch verschärft. Der im Grundgesetz nach wie vor verankerte Bezug auf den christlichen und damit zugleich jüdischen Gott wurde auf diese Weise stark deformiert. Oder wurde hier dem Staatswesen gar ein noch nicht zur Gänze erkennbarer, aber unheilbarer Bruch zugefügt? […]

Und wer denn etwa hoffte, bei Kunze, Dochhorn und Dik mit fundamentalistischen Alternativen bedient zu werden, wird enttäuscht. Doch die Sache ist, folgt man den drei Autoren, schlimm genug, denn der „Intensivstaat“, den sie als längst bestimmenden Faktor in unserer aktuellen „Ampel“-Gesellschaft betrachten, ist zwar durch die Gottesferne in einer weitverbreiteten Glaubenskrise vorbereitet, aber erst durch die Ungerechtigkeiten der Corona-Krise heraufbeschworen worden.

Die vollständige Rezension lesen Sie hier:

Tagungsbericht: Stiftungs- und Vereinsfest des W.K.St.V. Unitas Palatia zu Darmstadt im Sommersemester 2023

Jan Zimmermann berichtet in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „unitas“ über das 103. Stiftungsfest und das Vereinsfest des W.K.St.V. Unitas Palatia zu Darmstadt: Jan Zimmermann: Neue Prunkfahne geweiht, in: unitas 163 (2023), Heft 4, S. 44 f. Festrede und Festvortrag sind auf „Bildungsethik“ dokumentiert: