Zwischenruf: Kulturstaatlicher Schutzauftrag oder staatlicher Übergriff?

Yvonne Dorf kritisiert in Forschung & Lehre 5/2024, der Zeitschrift des Deutschen Hochschulverbandes, staatliche Vorgaben, die sog. Gendersprache ausschließen, als übergriffig. Und sie empfiehlt den Gegnern des sprachlichen Genderns mehr Gelassenheit. Nein, ein Zwang hierzu bestehe nicht. Das ist reichlich naiv, die Realität sieht gerade in den Geistes- und Sozialwissenschaften mittlerweile faktisch anders aus. Wissenschaftler, die sich weigern, ihre Aufsätze zu gendern, finden immer weniger Publikationsmöglichkeiten. Zu Recht sieht das Netzwerk Wissenschaftsfreiheit darin eine Form von „Cancel Culture“. Anlässlich der Rechtschreibreform der 1990er Jahre hatte das Bundesverfassungsgericht von einer „grundrechtlich verbürgten Kommunikationsmöglichkeit“ gesprochen, die „im gesamten Sprachraum ein hohes Maß an Einheitlichkeit“ voraussetze. Unsere Sprache ist ein zentrales Identitätsmerkmal der Kulturnation. Das Gendern politisiert und emotionalisiert den Sprachgebrauch, beeinträchtigt die Verständlichkeit, führt zu fehlerhaften oder unklaren Konstruktionen und zerstört sprachliche Differenzierungsfähigkeit. Der öffentliche Raum, zu dem auch Universitäten gehören, darf nicht einseitig durch radikalkonstruktivistische Theorien besetzt werden. Hier besitzt der Kulturstaat einen Schutzauftrag, auch gegenüber dem Einzelnen, der sich regelwidrige Gendersprache nicht aufzwingen lassen will. Wenn sich Universitäten, wie in Frankfurt geschehen, über diesen stellen, sollten sie sich konsequenterweise privat und nicht über Steuermittel finanzieren.

Pädagogikunterricht: Abschied aus dem Wissenschaftlichen Beirat

Prof. Dr. Armin Bernhard, Professor für Allgemeine Pädagogik an der Universität Duisburg-Essen, ist mit Heft 4/2023 aus Ruhestandsgründen aus dem Wissenschaftlichen Beirat der Zeitschrift „Pädagogikunterrichtö“ und des Verbands der Pädagogiklehrer und Pädagogiklehrerinnen ausgeschieden. „Pädagogikunterricht“ ist die größe deutschsprachige Zeitschrift für pädagogische Fachdidaktik. Ich danke für die kollegiale Zusammenarbeit imi Wissenschaftlichen Beirat.

Neuerscheinung: Verlorene Wissenschaft – Versuch einer Katharsis nach Corona

Klaus Buchenau, Matthias Fechner (Hgg.): Verlorene Wissenschaft – Versuch einer Katharsis nach Corona (Klartext. Schriften zu Politik und Gesellschaft; 2), Stuttgart: ibidem 2024.

Die Corona-Maßnahmen der Jahre 2020 – 2022 wurden mit Verweis auf „die Wissenschaft“ legitimiert. „Wissenschaft“ stand im Rampenlicht und wurde als Rettung gepriesen. Der Preis für diesen Ruhm war allerdings hoch – wenn Wissenschaft der Politik eindeutige Ansagen machen sollte, dann musste die wissenschaftliche Normalität, der Meinungsstreit mithilfe rationaler Argumente, ausgehebelt werden. Dieser Band zeichnet für verschiedene Disziplinen – von den Naturwissenschaften über die Medizin bis zu den Geisteswissenschaften – nach, wie dies gelingen konnte und wie Medien diesen Prozess unterstützten, indem sie ebenfalls den kritischen Blick vergaßen. Die übergreifende These ist dabei, dass die Instrumentalisierung der Wissenschaft nicht aus heiterem Himmel kam, sondern durch längerfristige Entwicklungen ermöglicht wurde. Weil die Beiträger selbst aus Wissenschaft und Medien kommen, wissen sie, wovon sie sprechen.

Eine Leseprobe finden Sie hier: https://issuu.com/ibidempress/docs/isbn1922_x1_issuu

Axel Bernd Kunze, Bildungs- und Sozialethiker, beschäftigt sich im genannten Band mit Einschränkungen der Wissenschaftsfreiheit, die aus der Wissenschaft selber kommen:

Axel Bernd Kunze: Erklärung oder Boykottaufruf? Zur Rolle von Fachgesellschaft am Beispiel des Streits um die Neue Ordnung, in: ebd., S. 290 ff.

Auf mediale Schnittmengen wagt sich Axel Bernd Kunzes Artikel, der akkurat rekonstruiert, wie mit der ‚Neuen Ordnung‘ eine wissenschaftliche Zeitschrift auf den Index der politischen Korrektheit gesetzt und desavouiert wurde. Dabei geht es hier nicht darum, die Inhalte der Zeitschrift subjektiv „gut“ oder „schlecht“ zu finden, sondern um den Nachvollzug eines komplexen Prozesses, der zu einem Verlust an Meinungsfreiheit in der Wissenschaft geführt hat. [Matthias Fechner, in: ebd., S. 20 f.]

Neuerscheinung: Bildungsethische Impulse für eine pädagogisch fundierte Ethik des Digitalen

Jetzt druckfrisch erschienen:

Axel Bernd Kunze: Kommunizieren wir uns zu Tode? Bildungsethische Überlegungen zu einer pädagogisch fundierten Ethik des Digitalen,

in: Ralf Lankau (Hg.): Die pädagogische Wende. Über die notwendige (Rück-)Besinnung auf das Unterrichten, Weinheim/Basel: Beltz 2024, S. 77 – 88.

Neuerscheinung: engagement 1/2023

Mit deutlicher Verspätung ist Heft 1/2023 der schulpädagogischen Fachzeitschrift „engagement“ erschienen. Das Themenheft trägt den Titel: Freiheit und Demokratie – der Beitrag katholischer Schulen.

Im Rezensionsteil werden besprochen:

  • Jan-Werner Müller (2020/6. Auflage) Was ist Populismus? Ein Essay, Frankfurt am Main (Rez.: Clauß Peter Sajak).
  • Jochen Krautz (2022): Bilder von Bildung. Für eine Renaissance der Schule, München (Rez: Walter Eykmann).
  • Susanne Lin-Klitzing, David Di Fuccia, Thomas Gaube (Hgg.) (2022): Globalisierung und Internationalisierung als Herausforderung für das Gymnasium?, Bad Heilbrunn (Rez.: Axel Bernd Kunze).

Neuerscheinung: Interventionsmut aus dem Krisenmodus?

… so der Titel der neuen Ausgabe von PÄDAGOGIKUnterricht, der größten Fachzeitschrift für pädagogische Fachdidaktik im deutschsprachigen Raum: 44. Jg., Heft 1 v. April 2024. Die Zeitschrift wird herausgegeben vom Verband der Pädagogiklehrer und Pädagogiklehrerinnen (VdP). Dem Wissenschaftlichen Beirat gehören an: Prof. Dr. Bauer (Univ. Bielefeld), Prof. Dr. Beyer (Univ. Köln), Prof. Dr. Gather (Univ. Paderborn) und PD Dr. Kunze (Univ. Bonn).

Vorankündigung: Verlorene Wissenschaft

In Kürze erscheint in der Reihe „Klartext. Schriften zu Politik und Gesellschaft“ des ibidem-Verlages der Sammelband:

Verlorene Wissenschaft, hg. v. Klaus Buchenau und Matthias Fechner, Stuttgart: ibidem 2024.

Axel Bernd Kunze beschäftigt sich in dem Band aus bildungs-, wissenschafts- und bibliotheksethischer Sicht mit dem Boykottaufruf der Arbeitsgemeinschaft Christliche Sozialethik wider die sozialethische Fachzeitschrift „Die Neue Ordnung“ und ordnet diesen in die aktuelle Debatte um Wissenschaftsfreiheit und „Cancel Culture“ (Löschkultur) in Deutschland ein.