Zwischenruf: Sondervermögen – das neue Zauberwort

Für Ilse Wehrmann, so im Interview mit der WELT am 9. August 2023 („Die ganze Bildungsbiografie wird dadurch beeinträchtigt“, im Interview mit Sabine Menkens, S. 5), hat Deutschland Geld genug. Doch das wird sich ändern, wenn die wirtschaftliche Lage sich verschlechtert, Energie dauerhaft teuer bleibt, die Kreditwürdigkeit des Landes möglicherweise zurückgestuft wird sowie Finanzierungslücken bei Kommunen und Sozialversicherungen immer deutlicher werden. Dann trägt auch sprachliche Verschleierung nicht mehr: Denn Schulden sind Schulden, auch wenn man sie Sonder-„Vermögen“ nennt. Und diese muss die nachfolgende Generation schultern.

Geld allein macht es nicht. Wo ausreichend qualifizierte Bewerber fehlen, nützt weder ein  Ausbau an Ausbildungsplätzen, die in der Elementarbildung in der Tat – anders als Wehrmann, Autorin des Bandes „Der Kita-Kollaps“ glauben machen will – in den vergangenen zehn Jahren erheblich ausgeweitet worden sind, noch eine Vollakademisierung, die geeignete Kräfte ohne Hochschulzugangsberechtigung aus dem Berufsfeld ausschließt. Wir brauchen in vielen Politikfeldern wieder eine nüchterne, realistische, an nationalen Interessen orientierte Politik – auch  und gerade im Interesse der nachfolgenden Generation.

Wenn wir unser Gemeinwesen leistungs- und zukunftsfähig erhalten wollen, müssen politische Glaubenssätze auf den Prüfstand. Ein Mehr an Kinderbetreuung bedeutet keineswegs ein Mehr an Bildung. Immer mehr außerhäusliche Betreuung garantiert keineswegs eine immer bessere Förderung. Ungeregelte Zuwanderung belastet auf Dauer ein Bildungssystem, auch wenn darüber wie über den berühmten Elefanten im Raum nicht geredet werden soll. Solide Haushaltspolitik bleibt der beste Grund für eine krisenfeste Sozialpolitik. Die Wirtschaft läuft nicht von allein, sie braucht geeignete Rahmenbedingungen. Der Fachkräftemangel war absehbar, wurde aber verdrängt. Solide Frühförderung ist wichtig, keine Frage; aber ein Bildungssystem wird nicht besser, wenn Gelder einseitig, wie Wehrmann fordert, einseitig in den Kinderngarten umgelenkt werden – und dan an anderen Stellen im Bildungssystem fehlen werden.

Auf fremden Seiten: Medizinergruppe widerspricht Ständiger Impfkommission

Anfang Juni hatte ich auf meiner Seite den Brandbrief einer Tübinger Ärztegruppe und Post-Vac-Selbsthilfegruppe an die Ständige Impfkommission (STIKO) veröffentlicht. Die Mediziner hatten darin die STIKO aufgefordert, die Impfempfehlung für die Covid-19-Impfstoffe auszusetzen, bis ihre Fragen vollständig geklärt sind. Zwischenzeitlich haben die Ärzte eine Antwort von STIKO-Chef Thomas Mertens erhalten. ‚Die Antworten von Herrn Mertens entsprechen in der Argumentation nicht dem wissenschaftlichen Forschungsstand und weisen logische, sachliche und methodische Fehler auf‘, beklagten die Mediziner nun: ‚Dies belegen wir in einem Antwortbrief mit Unterstützung der Professoren Cullen, Kuhbandner und Ullrich mit wissenschaftlich fundierten Ausführungen.‘ Weiter schreiben die Ärzte: ‚Wir sind überzeugt, dass unsere Ausführungen und insbesondere auch die Antworten von Herrn Mertens von größtem öffentlichen Interesse sind, deshalb bitten wir Sie, diese auf Ihrem Portal zu veröffentlichen.'“ (aus: http://www.reitschuster.de, 8. August 2023)

Der Brief der Medizinergruppe findet sich hier.

Es ist wichtig, die Debatte über das, was coronapolitisch geschehen ist, fortzuführen – auch gegen die bekannten Versuche, jetzt alles vom Tisch zu wischen, mit der lapidaren Bemerkung, es hätten eben alle Fehler gemacht. Aufklärung tut weiter not, zumal die gesundheits- und infektionsschutzpolitischen „Spielregeln“ eher verschärft als verbessert werden.

Weitere Informationen zum Thema: https://7argumente.de/

Tagung: Wissenskommunikation und Landessprache

Die Akademie für Politik und Zeitgeschichte sowie der Arbeitskreis Deutsch als Wissenschaftssprache laden im Oktober zu einer Tagung im Kloster Banz ein:

Wissenskommunikation und Landessprache.

Die gesamtgesellschaftliche Verantwortung von Forschung und Lehre

Weitere Informationen:

https://www.hss.de/veranstaltungen/wissenskommunikation-und-landessprache-die-gesamtgesellschaftliche-verantwortung-von-forschung-und-lehre-3230204002/

Veröffentlichungen: Studentengeschichtliches online

Das Magazin „tabularasa“, Zeitschrift für Gesellschaft und Kultur, hat online Beiträge des Arbeitskreises der Studentenhistoriker übernommen:

Veröffentlichung zur Medienpädagogik und Didaktik: Gestörte Kommunikation

Axel Bernd Kunze: Gestörte Kommunkation. Eine bildungsethische Spurensuche in flüchtigen Zeiten, in: Harald Kuypers (Hg.): Pädagogisch Handeln. Festschrift für Prof. Dr. Volker Ladenthin [zum 70. Geburtstag] (Pädagogik in Europa in Geschichte und Zukunft; 22), Bonn: Verlag für Kultur und Wissenschaft Dr. Thomas Schirrmacher 2023, S. 119 – 129.

… jetzt einsehbar im Wissenschaftsportal Academia.edu.

https://www.academia.edu/105022387/Gest%C3%B6rte_Kommunikation_Eine_bildungsethische_Spurensuche_in_fl%C3%BCchtigen_Zeiten

Zwischenruf: Gendern – oder: Abschied von der Bildungsnation

Wer heute die Stuttgarter Zeitung gelesen hat, sieht, dass es ganz andere Baustellen im Bildungssystem gibt, über die wir uns dringend Gedanken machen sollten, als über vermeintliche sprachliche Diskriminierung, die mit Sprachzerstörung bekämpft werden soll. Nach den Sommerferien müssen Lehrer im neuen Schuljahr zwei Klassen leiten. Ein Drittel der Grundschüler hat in Baden-Württemberg mittlerweile Sprachförderbedarf. Die grundlegenden Kulturleistungen werden am Ende der Grundschule von immer mehr Schülern nicht beherrscht. Die Berufsschule verlassen nur noch 78 Prozent der Schüler, ein historischer Tiefstwert, in Baden-Württemberg mit einem Abschluss. Die Erziehungsschwierigkeiten nehmen zu.

Die Folgeprobleme der geschilderten Ergebnisse der neuesten Bildungsstudie in Baden-Württemberg kann sich jeder ausmalen. Und der Lehrerberuf wird durch solche Befunde auch nicht attraktiver werden. Also: Abschied von der Bildungsnation – auf ganzer Linie. Die Forderungen nach sprachlichem Gendern lenken herrlich von der Bildungsmisere im Land ab.

Aber ob Hochschule oder Schule: Es ist einfacher, sich über Politaktivismus zu verständigen und Gesinnungsschnüffelei zu betreiben, als sich über Bildungs- und Erziehungsfragen ernsthaft auseinandersetzen – und dann auch wirklich Verantwortung gegenüber der nachwachsenden Generation zu übernehmen. Es bleibt zu hoffen, dass das Gendervolksbegehren erfolgreich sein wird. Aber ich bleibe mehr als skeptisch: Entweder knickt das sogenannte Bürgertum ein oder man wird ein unerwünschtes Ergebnis beim Volksentscheid „rückgängig machen“.

Volksbegehren: Rund 15.000 Unterschriften für „Stoppt Gendern in Baden-Württemberg“

14.549 Unterschriften hat die Initiative „Stoppt Gendern in Baden-Württemberg“ gesammelt. Die Mobilisierung für dieses Volksbegehren war außerordentlich hoch und dynamisch. Das Alter der Unterstützer reicht von 16 bis 102. Zustimmung kommt aus allen Kommunen im Südwesten. Dies alles stimmt zuversichtlich, wenn es im kommenden Jahr gilt, für einen Volksentscheid zu mobilisieren. Denn trotz Unterstützung aus der CDU- und F.D.P./DVP-Fraktion ist eine parlamentarische Mehrheit für das Anliegen nicht in Sicht.

Wer für den Erhalt unseres zentralen Kulturgutes, einer einheitlichen, von Politisierung und Ideologisierung freien Sprache, eintreten will, sollte das „Stoppt Gendern in Baden-Württemberg“ oder ähnliche Initiativen in anderen Bundesländern unterstützen.

Weitere Informationen:

Neuerscheinung: Dankbarkeit und Umkehr

Der 1. Oktober ist in diesem Jahr ein Sonntag, in der katholischen Liturgie der Sechsundzwanzigste Sonntag im Jahreskreis, zugleich Erntedankfest, der letzte Sonntag in der Ökumenischen Schöpfungszeit, die am 4. Oktober endet, und Auftakt des Rosenkranzmonats. Ein Gottesdienstmodell in der Zeitschrift „WortGottesFeiern an allen Sonn- und Feiertagen“ greift diese Gedanken auf:

Axel Bernd Kunze: Dankbarkeit und Umkehr, in: WortGottesFeiern an allen Sonn- und Feiertagen 20 (2023), Heft 5, S. 877 – 891.

„Die Lesungen dieser Sonntage erzählen immer wieder von Gleichnissen aus dem Weinberg, von der Ernte, die eingebracht wird und der Arbeit, die damit verbunden ist. Auch wenn heute Technik unsere Arbeit erleichtert, haben wir nicht alles in der Hand. Letztlich ist es allein die Hand des Schöpfers, aus der wir leben. Gott schenkt das Wachsen und Gedeihen. Als Christen glauben wir an einen Gott, der in seiner Schöpfung wirkt. Wir glauben an einen Gott, der zu einem jeden von uns eine persönliche Beziehung hat, der unser Leben erhält und der uns nahe ist. Ja, mehr noch: der in seinem Sohn in diese Welt gekommen ist und unser Leben voll und ganz erfahren hat.“ (S. 878)

Guido Reni: Hl. Dominikus empfängt den Rosenkranz (um 1596 bis 1598)

„Maria ist die Erstlingsgabe der neuen Schöpfung und die erste Frucht der Erlösung. Im Oktober ehren wir sie in besonderer Weise. Wir schmücken ihr Bild mit Rosen und singen der Rosenkranzskönigin zu Ehren.“ (S. 891).