Zwischenruf: Simple Logik – einer Sozialethikerin, nicht der Kritiker konkreter Coronapolitik

Zu Recht verweist Ursula Nothelle-Wildfeuer in einem Interview für die Bistumspresse (Nr. 46, 20.11.2022, S. 4 f.), den bistumsübergreifenden Zusammenschluss der nord- und mitteldeutschen Kirchenzeitungen, auf den Zusammenhang von Freiheit und Verantwortung. Dieser wird aber missverstanden, wenn dadurch der Einzelnen für Zwecke der Gemeinschaft funktionalisiert wird. Eingriffe in personale Freiheitsrechte, wie wir sie bei Corona erlebt haben, bleiben im freiheitlichen Rechts- und Verfassungsstaat in hohem Maße begründungspflichtig. Der Sozialethikerin kommt es offenbar nicht in den Sinn, dass Kritiker der Coronamaßnahmen berechtigte Anliegen haben könnten und dass es ihnen ebenfalls um Verantwortung und Gemeinwohl geht (z. B. in der Sorge um schwere Impfschäden oder eine Polarisierung der Gesellschaft durch überzogene 2G-Regeln). Äußerst holzschnittartig unterstellt Nothelle-Wildfeuer den Kritikern gleich zu Beginn, Freiheit auf simple Weise mit Beliebigkeit zu verwechseln. Gerade die Sozialethik hätte auf die Verantwortung hinweisen sollen, dass Grundrechtseingriffe immer wieder sorgfältig auf ihre Verhältnismäßigkeit hin geprüft werden müssen. Dies war bei der Coronoapolitik häufig nicht der Fall; vielmehr wurden Andersdenkende auf üble Weise diffamiert oder ausgegrenzt. Leider setzt Nothelle-Wildfeuer diese Linie fort. So entsteht kein Mehr an gesellschaftlicher Verantwortung – im Gegenteil. 

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