Schlaglicht: Methodenkenntnis verfällt – nicht nur in der Universität

Wenn ich an meine Disziplin, die Sozialethik, denke, dann wird mittlerweile ernsthaft auf wissenschaftlichen Tagungen darüber diskutiert, ob Nächstenliebe Grenzen kennt. Früher waren die Unterscheidung zwischen der guten Tat und dem moralisch Richtigen, zwischen Wohl-Wollen und Wohl-Tun, das Wissen um ethische Vorzugsregeln und Kritieren einer rationalen Güter- und Übelabwägung gängiges Lehrbuch- und Handbuchwissen. Agendawissenschaft braucht kein solides methodisches Handwerkszeug mehr. Das ist verfallen.

Der Verfall an Methodenkenntnis hat leider auch über die Universitätswelt hinaus gesamtgesellschaftliche Dimensionen. Er äußert sich in einem moralisierten, affekt- und ressentimentgeladenen öffentlichen Diskurs, der nicht mehr zu rationaler, differenzierter ethischer Güterabwägung bereit ist, ja, die gravierenden Wertkonflikte erst gar nicht mehr wahrzunehmen in der Lage ist. Ich denke etwa an den Migrationsdiskurs, in dem ethische Vorzugsregeln nahezu unbekannt geworden sind. Ich denke an den aktuellen impfpolitischen Diskurs, der den Boden von Anstand, Würde und Humanität schon längst verlassen hat und zur Hetze gegen Teile des eigenen Volkes verkommen ist.

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