Zwischenruf: Corona ist nicht beendet – oder: Mut zur Freiheit

Das Thema Coronapolitik ist nicht beendet. Die Verletzungen sitzen tief. Eingriffe in die Grundrechte auf körperliche Unversehrtheit, in die Berufsausbildungsfreiheit, in die Meinungsfreiheit und weitere Grundrechte, wie wir sie coronapolitisch erlebt haben, bleiben gravierende Grundrechtsverstöße. Es bleibt immer wieder an die Unteilbarkeit der Menschenrechte zu erinnern. Wo waren unsere tapferen Verfassungsrechtler, als ein Bundeskanzler eine Coronapolitik „ohne rote Linien“ angekündigt hat? Wo waren unsere wackeren Geistes- und Sozialwissenschaftler, die immer so oft und gern moralische Hochglanzbegriffe wie Inklusion, Partizipation, Anerkennung und Respekt im Munde führen, aber gegen die Aberkennung von Grundrechten Ungeimpfter kein Wort verloren haben? Wo waren unsere streitbaren Philosophen, Ethiker und Juristen, als ganze Grundrechte mit einem Federstrich einkassiert wurden? – und zwar: ersatzlos, ohne angemessene Verhältnismäßigkeitsprüfung und ohne differenzierte Güter- und Übelabwägung.Wo war der Widerspruch der Mediziner gegen einen politisch vermachteten Diskurs und gegen überzogene Heilsversprechen an schnell entwickelte, neuartige Impfverfahren, die schon bei einem soliden Biologiewissen aus der Schulzeit stutzig machen sollten? Und dass 2G-Regeln an Universitäten juristisch kassiert wurden, war auch nicht das Verdienst des Deutschen Hochschulverbandes.

Viele, allzu viele haben brav mitgemacht und waren willige Akteure einer freiheitsfeindlichen Coronapolitik. Wer politisch und geistig-kulturell etwas für die bedrohte Freiheit an unseren Hochschulen und in unserem Land erreichen will, für den reicht es nicht aus, sich punktuell zu einzelnen Eingriffen in die Wissenschaftsfreiheit zu äußern – so richtig und so wichtig diese Form der Solidarität ist. Wer ein erneuertes Freiheitsbewusstsein an unseren Hochschulen und im akademischen Leben uneres Landes will, muss auch den Willen haben, den Diskurs freiheitlich zu prägen. Hierfür braucht es Konstanz und einen langen Atem – und nicht zuletzt: einen wirklichen Mut zur Freiheit!

Dieser Mut zur Freiheit setzt dann allerdings auch voraus, dass die gravierenden Grundrechtseingriffe der Coronazeit nicht bagatellisiert werden. Der Wille zur Freiheit beginnt mit der Bereitschaft, offen darüber zu sprechen, was geschehen ist, und mit dem Willen zur Aufarbeitung und Aussöhnung. Ansonsten wird die sehenden Auges politisch herbeigeführte und von einer gesellschaftlichen Mehrheit gebilligte Spaltung des Landes fortdauern. Zaghaft gibt es erste Ansätze eines Aufarbeitungsdiskurses, aber insgesamt immer noch wenig Bereitschaft, sich der notwendigen Aufarbeitung  zu stellen. Wenn wir nicht aufpassen, wird die Polarisierung chronisch. Wir wissen es im Grunde: Vertrauen ist schnell zerstört, aber nur langsam wieder aufgebaut. Haben wir wieder Mut zur Freiheit. Nur so wird auch die  Polarisierung überwunden und aufgearbeitet werden können.

Alles Gute für das neue Schuljahr!

Sie beginnen heute Ihre Ausbildung hier bei uns an der Fachschule. Sie machen sich auf den Weg, sozialpädagogische Assistentin oder sozialpädagogischer Assistent, Erzieherin oder Erzieher zu werden. Sie möchten die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zu Ihrem Beruf machen.

Der geniale Dichter und Satiriker aus meiner norddeutschen Heimat, Wilhelm Busch, sagte einmal:

„Ausdauer wird früher oder später belohnt – meistens später.“

Der heutige Tag ist ein Startpunkt. Eine Reihe an Unterrichtstagen, Praxistagen, Leistungsnachweisen und Prüfungen liegt vor Ihnen. Aber am Ende werden Sie hoffentlich Ihre staatliche Anerkennung erhalten. Und wir als Kollegium und Schulleitung werden Sie auf diesem Weg bestmöglich begleiten. Und auch schwierige Wegstrecken werden wir hoffentlich gemeinsam bewältigen. Scheuen Sie sich nicht, wenn es Probleme geben sollten, diese auch frühzeitig anzusprechen. Verbindungslehrkräfte, Schulseelsorge, Klassenleitungen und Schulleitungen haben ein offenes Ohr dafür.

Im Namen der Schulleitung und des gesamten Kollegiums heiße ich Sie heute bei uns in der Fachschule willkommen. Und ich wünsche Ihnen alles Gute, viel Erfolg und nicht zuletzt Gottes Segen für Ihren Ausbildungsweg. Sie wissen: Pädagogische Fachkräfte sind gegenwärtig sehr gefragt.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie frohen Mutes und zuversichtlich Ihren Ausbildungsweg hier bei uns beginnen können. Einiges wird anders sein, als Sie das aus Ihren Vorgängerschulen kennen. Dazu werden Sie heute und morgen und auch noch in den kommenden Tagen einiges von Ihren Klassenleitungen hören. Ein Wort des Naturforschers und Gelehrten Alexander von Humboldt möchte ich Ihnen heute mit auf den Weg geben:

„Man kann viel, wenn man sich nur recht viel zutraut.“                                 

Aber nicht alles haben wir selbst in der Hand. Darum ist es gut, wenn wir das neue Schuljahr und den neuen Lebensunterschnitt mit einem Gottesdienst beginnen und uns unter den Segen Gottes stellen. Das gibt unserem pädagogischen Tun Richtung und Ziel. Und das ist uns als Fachschule wichtig.

(aus einem Grußwort der Schulleitung im Schuljahresanfangsgottesdienst)

Ich wünsche allen einen guten Start in das neue Schuljahr, viel Erfolg und Gottes Segen!

Zwischenruf: Mariä Namen – war da etwas?

Am 12. September feiert die Kirche den Gedenktag Mariä Namen. Der Festtag, der in Österreich besonders festlich begangen wird, geht auf den Sieg über die Türken vor Wien zurück, und zwar am Sonntag in der Oktav des Festes Mariä Geburt 1683. Eingeführt wurde das Fest durch Innozenz XI. der die Christenheit zum Gebet an die Gottesmutter aufrief. Soweit die historischen Tatsachen. Aber über die darf man heute nicht mehr unbedingend schreiben. Wir wissen: Es gibt die Wahrheit, die Unwahrheit und die Politikerwahrheit. Und letzterer bedient sich „bonikids“, die Kinderzeitschrift des Bonifatiuswerkes der deutschen Katholiken. In der Herbstausgabe 2023 klingt es so: „Als fremde Soldaten vor der Stadt Wien standen, hatten die Christen große Angst.“ Eines ist unstreitig: Die Belagerung einer Stadt ist keine schöne Sache und verursacht Angst. Aber warum hatten „die Christen“ große Angst? Warum rief der Papst zum Gebet auf? Warum kämpften die christlichen Soldaten mit einem Marienbild auf ihren Fahnen? Dies alles bleibt unklar, weil über den historischen Kontext nur schwammig geredet werden darf. Wenn aus falscher Rücksichtnahme geschichtliche Kontexte nicht mehr thematisiert werden dürfen, werden geschichtliche Zusammenhänge nicht mehr verstanden. Aber vielleicht ist das auch nicht mehr gewollt, da das christliche Abendland sowieso schon längst Geschichte geworden ist, wie ein Münchner Kardinal meint. Wo Identität verleugnet wird, wo Frage der eigenen Identität und historischen Vergewisserung nicht mehr offen angesprochen werden dürfen, wächst Unsicherheit, zerbrechen Traditionszusammenhänge. Am Ende aber auch jene Lebenskräfte, die uns helfen Krisen zu bewältigen und komplexe Zusammenhänge zu verstehen. Nein, eine Kinderzeitschrift, die so mit der historischen Wahrheit umgeht, nimmt ihre jungen Leser nicht ernst und tut ihnen am Ende auch keinen Gefallen.  

Rezension: „… dieses Buch gehört in jede Manteltasche, … sollte immer griffbereit sein“

… so Sebastian Sigler in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Auftrag und Wahrheit“ über den Band „Wiederentdeckung des Staates in der Theologie“ von Alexander Dietz, Jan Dochhorn, Axel Bernd Kunze und Ludger Schwienhorst-Schönberger (Leipzig 2020).

Das Thema des Bandes ist immer noch brennend aktuell. „Wir haben aus 2015 gelernt. 2015 wird sich nicht wiederholen“, waren – wie sich gegenwärtig deutlich zeigt – politische Schutzbehauptungen. Das Gegenteil ist der Fall. Und wohin ein ungeklärtes, irrationales Verhältnis zum Staat führt, hat eine Coronapolitik, in der verschiedene Grundrechte einfach ersatzlos und ohne differenzierte Güterabwägung einkassiert werden konnten, deutlich gezeigt. Ein Politiker wie Söder konnte sogar soweit gehen, zu fordern, der Staat solle die Entscheidungsgewalt bei der Impfung an sich ziehen und die Entscheidungshoheit der Bürger über ihre körperliche Selbstbestimmung, die zum innersten Kernbereich der Persönlichkeit gehört, suspendieren. Ein Kanzler Scholz konnte gegen jede Verfassung eine Politik „ohne rote Linien“ verkünden. Und dies alles ohne nennenswerten Widerspruch der Bürger und der sog. Zivilgesellschaft.
Es gibt Gründe genug, ein rationales Verhältnis zum Staat und seinen Aufgaben wiederzuentdecken, in der Theologie, aber auch anderswo. Sonst bleibt von unserer Freiheit noch nicht einmal mehr als eine „Floskel“ (auf welche Ebene die mit öffentlichen Zwangsgebühren finanzierte „Tagesschau“ zu Jahresbeginn diesen Zentralwert unserer Wert- und Verfassungsordnung schon ungerührt kleinredete).

Rezension: Bildung und Religion. Die geistigen Grundlagen des Kulturstaates

Bernhard Grün rezensiert in der aktuellen Ausgabe der „Schwarzburg“ den Band: Axel Bernd Kunze, Bildung und Religion. Die geistigen Grundlagen des Kulturstaates. Mit einem Geleitwort vo Bernd Ahrbeck (Zeitdiagnosen; Bd. 60), Berlin 2022.

Bernhard Grün: „Persönliches Fazit: Wenn wir uns jetzt nicht den Herausforderungen stellen, werden wir absehbar auch das verlieren, was wir jetzt noch besitzen – das aber wäre ein geflügeltes Goethezitat. Oder anders ausgedrückt: Es geht um die Fülle des Lebens.“

Bernhard Grün (Rez.): Nun sag‘, wie hast Du’s mit der Religion? Christsein in Schule und Gesellschaft heute, in: Die Schwarzburg 132 (2023), H. 1, S. 36.

Literaturhinweis: PädagogikUNTERRICHT, Sonderheft 2023

„Die Schwarzburg“ (132 Jg., Heft 1/2023, S. 39) weist auf das diesjährige Sonderheft der Zeitschrift PädagogikUNTERRICHT hin:

Das Heft richtet sich an Studenten, Referendare und weitere Interessierte, die sich für eine Lehrtätigkeit in der Erzieherausbildung interessieren. und sich über das Arbeitsfeld Fachschule bzw. Fachakademie informieren möchten. Weitere Informationen:

https://www.vdp.org/materialien/zeitschrift-pu

Zwischenruf: Radikal vernünftig? Radikal realistisch?

Der Plakatwahlkampf in Bayern hat begonnen. Und die Liberalen versprechen eine „radikal vernünftige“ Politik. Die den Grünen nahestehende Heinrich-Böll-Stiftung fordert klimapolitisch einen „radikalen Realismus“. Und zwar: „jetzt!“

Ein neues Zauberwort ist gefunden: radikal. Und wer wollte widersprechen? Wer will schließlich schon unvernünftig oder unrealistisch sein. Je mehr Vernunft, je mehr Realismus, desto besser. Sollte man meinen. Dann kommen die richtigen politischen Lösungen schon von selbst. Kein Streit mehr, keine Hahnenkämpfe, keine Machtspiele. Ja, am Ende bräuchte es wohl auch keine Wahlkämpfe mehr, wenn doch alle nur vernünftig und realistisch wären.

Ist unvernünftig – oder nur nicht radikal vernünftig genug, wen jetzt langsame Zweifel beschleichen. Wer sich ein nüchternes Urteil in politischen wie ethischen Fragen bewahrt hat, sollte wissen, dass das Optimum nicht schon immer das Richtige und Vernünftige ist. In einer unvollkommenen Welt, in der immer wieder konfligierende Interessen oder widerstreitende Werte miteinander in Konflikt geraten, braucht es das differenzierte, abwägende, maßvolle Urteil, braucht es ethische Vorzugsregeln, braucht es das faire, argumentative Ringen um den gangbaren und sinnvollen Weg.

Wer sich radikal vernünftig verhalten wollte (wie immer man sich das auch vorstellen wollte), negiert die urteilende Vernunft, blendet alles andere aus und wird zum differenzierten, abwägenden Urteil unfähig. Der wird zum Gesinnungstäter, der blind einem Prinzip folgt, ohne nach der Verantwortung für sein Handeln zu fragen. Beispiele hierfür gibt es in der Politik zuhauf, früher wie heute. Und wer sich radikal realistisch verhalten wollte (wie immer man sich das auch vorstellen wollte), übersieht, dass die Welt nicht einfach so ist, wie er sie gernhätte. Auch er wird zum differenzierten, abwägenden Urteil unfähig.

Politik, die vernünftig und realistisch sein will, braucht Alternativen. Und um diese muss gestritten werden, nicht nur in Wahlkampfzeiten. Vorsicht vor einfachen Lösungen, so radikal vernünftig oder realistisch sich diese auch geben mögen. Politische Verantwortungsethik sieht anders aus.

Zwischenruf: Haltung zeigen – mit vorgestanzten Phrasen

Wie ernst ist die Situation?, fragt die Onlineausgabe der Münsteraner Bistumszeitung „Kirche und Leben“ angesichts der aktuellen Umfragewerte der AfD. Und nimmt diese zum Anlass, „kluge Köpfe“, wie man redaktionell vorausschickt, zu befragen: aus Episkopat, Ordensleben und Laienkatholizismus, aus Sozialethik, Geschichtswissenschaft und Philosophie. Eines vorweg: Es herrscht Alarmstimmung. Eine Regierungsbeteiligung der AfD müsse auf jeden Fall verhindert werden. Die Partei sei rechtsradikal, rassistisch und antidemokratisch, gibt die Redaktion den Duktus bereits vor. Und keiner der Funktionäre und Wissenschaftler, die hier zu Wort kommen, macht sich die Mühe, genauer nachzufragen. Das Urteil steht fest, eine unvoreingenommene Prüfung des Selbstverständnisses der Gegenseite ist dann auch überflüssig.

Entsprechend vorgestanzt lesen sich die Antworten, die direkt aus der kirchlich-theologischen Phrasendreschmaschine kommen. Wer die vermeintlich richtige Haltung hat, ist offenbar von der Pflicht zur intellektuell-argumentativen Auseinandersetzung entbunden. Es reicht, mit den „richtigen“ Phrasen um sich zu werfen, und schon ist alles gesagt, was es nach Ansicht der veröffentlichten Meinung zu sagen gibt. Pflichtbekenntnis abgelassen, Haltung gezeigt, diese bekräftigt, Diskussion erledigt. Mehr braucht es nicht, denn kritische Nachfragen sind von Journalisten, die sich demselben Leitbild des Haltung-Zeigens, verpflichtet sehen, nicht zu erwarten. Nein, solche Bistumszeitungen, deren Auflagen kontinuierlich sinken, braucht kein Leser. Was bleibt, ist eine geistige (und in diesem Fall auch geistliche) Wüste.

Wer soll auf diese Weise überzeugt werden? Aber darum geht es auch gar nicht. Wer die Interviewserie liest, gewinnt den Eindruck, dass Demokratie vor allem bedeutet, andere auszugrenzen. AfD-Mitglieder können aus kirchlichen Verbänden ausgeschlossen werden, gibt sich ein Kirchenrechtler überzeugt (dem mittlerweile allerdings schon kollegial widerspochen wurde). Die ZdK-Präsidentin fordert an der Kirchentür (oder sollte man besser sagen: vor dem kirchlichen Sitzungssaal) eine Gesinnungsprüfung: Wer christliche und demokratische Werte nicht teilt, soll gleich wieder gehen. Diskursverweigerung als Ausweis der richtigen Gesinnung. Ein angstfreier, streitbarer, fairer, offener und pluraler Diskurs in der Kirche, den die Interviewten ansonsten so gern einfordern, wenn es um ihre eigenen Anliegen geht, sieht anders aus.

Stattdessen beherrschen nun Unterstellungen, Diffamierungen, Pauschalurteile und Vereinfachungen das Wort. Ach, nein, das machen ja nur die anderen, denen man aus sozialethischer Perspektive eine „pauschal ablehnende Haltung gegenüber Menschen, die als anders oder fremd wahrgenommen werden“, unterstellt – ohne zu sehen, dass man selber die ganze Zeit so argumentiert. Oder ist die Aussage, eine Partei richte sich „gegen alles, was für eine sozial gerechte und ökologisch tragfähige Zukunftsentwicklung notwendig ist“, kein Pauschalurteil? „Die anderen“ wollten nur Ängste schüren, seien an Lösungen gar nicht interessiert, heißt es aus Bischofsmund. Doch keines der Interviews macht sich die Mühe, sich mit den Argumenten der Gegenseite auseinander zu setzen. Offenbar steht schon vor jeder politischen Debatte für die Berufenen aus Kirche und Theologie fest, was tragfähig und notwendig ist. Kirche sollte sich vor Heilsgewissheit in vorletzten Fragen hüten, sie hat sich historisch schon häufiger daran die Finger verbrannt.

Unterschiede gibt es allein in der Problemwahrnehmung: Während die ZdK-Präsidentin weiterhin zufrieden ist, wie Deutschland die Herausforderungen von Corona bis Klimaschutz anpackt (kein Wort an dieser Stelle zu den verursachten Polarisierungen oder wirtschaftlichen Verwerfungen), werden von anderen zumindest Zweifel geäußert. Die Regierung nehme die Probleme nicht hinreichend wahr, verrenne sich in Hahnenkämpfen, sei nicht hinreichend handlungsfähig. Es geht allein um strategische und organisatorische Fragen, um die berühmten Vermittlungsprobleme, von denen Politiker auch so gern sprechen. Eine Sozialethik, die mehr als Haltungsfragen einstudiert hat, sollte aber fragen, ob es nicht möglicherweise auch an inhaltlich falschen Weichenstellungen liegt, dass das Vertrauen in die Kräfte der sogenannten Mitte immer mehr schwindet. Möglicherweise gibt es außerhalb der Blase des eingespielten Funktionärsbetriebs eine sehr viel realistischere Einschätzung der drängenden Probleme im Land. Aber um diese Fragen stellen zu können, müsste man zunächst einmal vom hohen Ross herabsteigen – oder besser noch: hinauf in den Hohen Olymp ernsthafter theologischer Forschung jenseits vorgestanzter Phrasen.