Das große Zeichen der Osternacht ist das leere Grab, das die Frauen in der Morgenfrühe des dritten Tages nach der Kreuzigung vorfinden. Doch enthält dieses Grab noch keine Osterbotschaft. Das leere Grab bewirkt zunächst Erschrecken, Unverständnis, Irritation und Trauer.
Die österliche Botschaft lebt nicht vom leeren Grab, so wichtig dieses Zeichen auch ist. Was an Ostern geschehen ist, verstehen die Jünger und Frauen erst, als der Auferstandene ihnen persönlich begegnet. Sei es Maria Magdalena, die als „Apostolin der Apostel“ bezeichnet wird, weil sie als erste dem Auferstandenen begegnen durfte. Seien es die Emmausjünger, die den Auferstandenen bei ihrem Gang aufs Land und beim abendlichen Brotbrechen erkannten. Seien es die Jünger in Jerusalem, die sich aus Angst zunächst einmal hinter verschlossene Türen zurückgezogen hatten.
Nach und nach erkennen sie das atemberaubend Neue, das geschehen ist: An Ostern kehrt ein Verstorbener nicht einfach in sein früheres irdisches Leben zurück. Ostern setzt einen völligen Neubeginn, eine Neuschöpfung, in welcher der Tod überwunden ist. Gott vergibt die Sünde der Menschen und setzt einen neuen Anfang.
Der entscheidende Schlüssel zu diesem Verständnis ist das Wort der Schrift. Durch Jesu Wort werden den Jüngern gleichsam die Augen geöffnet und sie verstehen nach und nach die Absicht Gottes. Was sich in der Geschichte Jesu ereignet, ist die Erfüllung der Schrift, der alten Verheißungen Gottes an sein Volk.
Ostern bringt eine neue Wirklichkeit. Die Jünger erfahren den Auferstandenen auf eine ganz neue Weise. Die Osterevangelien machen deutlich, dass diese Erfahrung eine durchaus einschneidende ist, die alles Bekannte auf den Kopf stellt und zunächst einmal Betroffenheit, Bestürzung und Angst auslöst. Das erste Wort des Auferstandenen an seine Jünger ist daher auch: Friede sei mit euch!
Frieden – das ist auch die große Bitte in unseren Tagen. Allzu friedlos und krisenhaft erscheint unsere Welt. Nicht wenige wollen davon am liebsten gar nichts mehr wissen und reduzieren ihren Nachrichtenkonsum. Umso drängender stellt sich die Frage, wie wir als christliche Gemeinde angesichts einer alles andere als heilen Welt von der Osterbotschaft sprechen können.
Im Kommen Jesu in unsere Welt erfüllen sich die uralten Verheißungen der Schrift, bis zum Tod am Kreuz und der Auferweckung von den Toten. Diese Erfüllung ist unwiderruflich. Gott hat einen neuen Anfang gesetzt, indem er in seinem Sohn Teil unserer Geschichte geworden ist. Er hat seinen Sohn nicht im Grab gelassen, sondern zu neuem Leben auferweckt. Diese Treue Gottes, die an Ostern sichtbar geworden ist, gilt der gesamten Menschheit. Jesus Christus ist nicht der Einzige, sondern der Erstgeborene der neuen Schöpfung. In ihm ist uns allen Vergebung der Sünden verheißen, wie Petrus in seiner Rede an das Volk und der Verfasser des ersten Johannesbriefes deutlich machen.
Aber etwas anderes gehört auch zur nachösterlichen Erfahrung: Der Tod ist überwunden, aber noch nicht vernichtet. Auch nach Ostern sterben Menschen in dieser Welt, erfahren sie Krisen und Unheil. Es wäre ein Verrat an den uralten Verheißungen, dies schönzureden. Noch sind nicht alle Opfer der Geschichte gerechtfertigt. Wir Menschen könnten dies auch gar nicht.
Aber im Licht von Ostern wissen wir: Gottes Treue überwindet Grab, Tod und Sünde. Der gekreuzigte, erhöhte und auferstandene Herr lebt, er wirkt in dieser Welt und er wird einst wiederkommen, um Menschheit und Schöpfung zu vollenden. Wer diese Botschaft annimmt, wird gerettet werden.
Friede sei mit euch – das ist die erste Osterbotschaft des Auferstandenen. Die ökumenische Jahreslosung in diesem Jahr 2024 lädt uns ein, selbst zu Friedensbringern zu werden. Sie lautet: Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe. Die Worte sind dem ersten Korintherbrief entnommen.
Ein großes Wort. Und doch: Wir dürfen es wagen, unsere Aufgaben – als christliche Gemeinde wie auch jeder Einzelne persönlich – „in Liebe“ anzugehen und so diese Welt ein wenig friedvoller zu gestalten, weil Gott uns zuerst geliebt hat – in Jesus Christus, seinem Sohn.
(Predigtvorschlag aus: WortGottesFeiern an allen Sonn- und Feiertagen, H. 2/2024)
Allen Lesern von BILDUNGSETHIK wünsche ich gesegnete Kar- und Ostertage, Ihr Axel B. Kunze
Bärbel Bas (Interview „Wir wollen keinen Gesinnungs-TÜV“, in: WELT am Sonntag, 24. März 2024, S. 4) fordert einmal mehr eine Quotierung des Parlaments, wobei es für sie in diesem Fall auf einmal doch nur zwei Geschlechter zu geben scheint. Und sie stellt damit die Verfassungsordnung auf den Kopf. Will die Bundestagspräsidentin sagen, dass Abgeordnete ihre Entscheidungen vornehmlich nach Geschlecht treffen!? Diese werden gewählt, damit sie im Parlament über das allgemeine Wohl des Landes verhandeln. Ansonsten müsste ja auch die Verteilung anderer Merkmale in der Bevölkerung eins zu eins im Parlament abgebildet werden. Dann könnten wir uns die Wahl ganz schenken und die Zusammensetzung des Bundestages mit KI nach Daten des Statistischen Bundesamtes berechnen lassen. Beteiligung, die von oben gesteuert wird, verkommt zur Pseudobeteiligung. Quoten passen nicht zu den Spielregeln einer freiheitlichen Gesellschaft. Wer Quoten für das Parlament fordert, hat das Prinzip der Repräsentation nicht begriffen.
Die Einnahme von Arkona 1169, König Waldemar und Bischof Absalon, Gemälde von Laurits Tuxen
Die Kirche gedenkt am 21. März des sel. Absalon von Roskilde (1128 – 1201), Stadtgründer Kopenhagens, Vater der dänischen Nation, Erzbischof von Lund und Bischof von Roskilde. Das Bild zeigt ihn bei Bekehrung der heidnischen Wenden auf Rügen. Axel ist eine nordische Kurzform von Absalon.
Der Kardinal-von-Galen-Kreis hat die zehnte Zivilcouragerede der Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e. V., gehalten am 30. Juni 2023 im historischen Priestersaal des Bistumshauses St. Otto in Bamberg, veröffentlicht:
Axel Bernd Kunze: Über Freiheit und Zivilcourage, in: Reinhard Dörner/Ingo Potthast (Hgg.): Konzilien – Zeichen der Leitung durch den Heiligen Geist?, o. O.: Kardinal-von-Galen-Kreis e. V. o. J. (2024), S. 251 – 279.
Die Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg erinnert an den Sozialdemokraten, Widerstandskämpfer und Waffenstudenten Willy Aron, der bereits im Mai 1933 im Konzentrationslager Dachau umgebracht wurde.
Die Tagungsbeiträge der Pfingstakademien des Kardinal-von-Galen-Kreises aus den Jahren 2022 und 2023 sind in Schriftform erschienen. Die Bände sind über den Kardinal-von-Galen-Kreis zu beziehen: www.kvgk.de.
In der aktuellen Tagungsdokumentation findet sich folgender bildungsethischer Beitrag:
Axel Bernd Kunze:Zum Umgang mit Konfessionalität im Bildungssystem – mit einem Blick auf die Erklärung des Zweiten Vatikanischen Konzils über die Erziehung „Gravissimum educationis“, in: Reinhard Dörner/Ingo Potthast (Hgg.): Konzilien – Zeichen der Leitung durch den Heiligen Geist?, o. O.: Kardinal-von-Galen-Kreis e. V. o. J. (2024), S. 215 – 250.
Leserbrief in der WELT vom 21. März 2024 (Nr. 58, S. 7)zu: Online-Register zu Organspenden gestartet vom 19. März 2024:
Ein Ja zur Organspende ist jetzt auch digital möglich. Wohlgemerkt: ab 16. Das Elternrecht wird weiter abgebaut. Doch zufrieden ist Karl Lauterbach nicht. Er will die Widerspruchslösung. Diese kehrt die Beweislast um. Wer seinen Widerspruch nicht rechtssicher dokumentiert hat, dem wird die Verfügug über den eigenen Körper und den eigenen Sterbeprozess entzogen. Dahinter steht ein verqueres, autoritäres Menschenbild, das eines Rechtsstaates unwürdig sein sollte: Der Staat will eine selbstbestimmte Entscheidung erzwingen, indem er massiv in Grundrechte eingreift. Grundrechtsträger aber ist der Souverän, nicht der Untertan. Anreize für Spendebereitschaft ja, aber unter Beachtung des freien Willens mündiger Bürger.
Ein Ja zur Organspende ist jetzt auch digital möglich – so berichtet etwa DIE WELT in ihrer Ausgabe vom 19. März 2024 unter dem Titel „Online-Register zu Organspenden gestartet“. Wohlgemerkt: ab 16. Das Elternrecht wird weiter abgebaut.
Doch zufrieden ist Karl Lauterbach nicht. Er will die Widerspruchslösung. Diese kehrt die Beweislast um. Wer seinen Widerspruch nicht rechtssicher dokumentiert hat, dem wird die Verfügug über den eigenen Körper und den eigenen Sterbeprozess entzogen.
Dahinter steht ein verqueres, autoritäres Menschenbild, das eines Rechtsstaates unwürdig sein sollte: Der Staat will eine selbstbestimmte Entscheidung erzwingen, indem er massiv in Grundrechte eingreift. Grundrechtsträger aber ist der Souverän, nicht der Untertan. Anreize für Spendebereitschaft ja, aber unter Beachtung des freien Willens mündiger Bürger.
Die Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands (GKP) wird 75 Jahre alt: ein Ereignis, das mit einer Festschrift gefeiert wird. Ein Beitrag der Festschrift widmet sich aus kultur-, publizistik- und bibliotheksethischer Perspektive dem gegenwärtigen Streit- und Diskursklima in Deutschlands. Immer wieder kommt es zu Auseinandersetzungen, weil missliebige Positioen von Herausgebern oder Redaktionen nicht veröffentlicht oder umstrittene Zeitschriften in Bibliotheken nicht mehr geführt werden sollen. Leider muss an dieser Stelle aber gesagt werden, dass der Titel der Festschrift, der dem Verfasser vorab nicht bekannt war, das Gesagte konterkariert, insofern er selber für einen Journalismus steht, der auf moralischen Druck setzt. Wenn Festschriften immer auch ein Spiegel der Zeit sind, präsentiert sich der katholische Publizistenverband auf diese Weise äußerst „zeitgemäß“.
Axel Bernd Kunze: Moralischer Druck auf die Publizistik. Zum Umgang mit kontroversen Positionen aus christlicher Perspektive, in: Felix Neumann/Michaela Pilters (Red.): Haltung. 75 Jahre Gesellschaft Katholischer Publizistinnen und Publizisten Deutschlands e. V., Kürten 2024, S. 84 – 91.
Bei Johannes empfangen die Jünger den Heiligen Geist, indem der Auferstandene sie anhaucht. So wie der erste Adam, der alte Mensch, erschaffen wurde, weil Gott ihm seinen Lebensatem eingehaucht hat, so wird der erlöste Adam, der österliche Mensch, neugeschaffen durch den Hauch des Geistes. Was an Ostern geschieht, ist nicht eine Fortsetzung des Bisherigen. Der Auferstandene kehrt nicht einfach in sein früheres Leben zurück, auch wenn ihn die Jünger an den Malen seiner Hände und seiner Seite erkennen können. Was an Ostern geschieht, ist eine wirkliche Neuschöpfung.
Was wir im Licht von Ostern glauben und erhoffen dürfen, ist nicht eine Erneuerung unseres irdischen Lebens. Im Heiligen Geist sind wir hineingenommen in die Gemeinschaft Jesu mit seinem Vater. Unsere gesamte Existenz wird verwandelt werden, sodass wir Anteil erhalten am Leben Gottes.
aus einem Gottesdienstmodell zum Pfingstfest:
Axel Bernd Kunze: Lebensatem Gottes [Lesejahr B. Pfingsten], in: WortGottesFeiern an allen Sonn- und Feiertagen 21 (2024), H. 3.443 – 457.