Rezension: KI und Transhumanismus – Zentralthemen des neuen Pontifikats?

„Vatikanastrologen“ erwarten für den ersten Herbst des neuen Pontifikats zahlreiche Entscheidungen und Weichenstellungen. Eine Frage, die medial diskutiert wird, lautet: Wird Papst Leo XIV. die Themen KI und Transhumanismus zu einem Schwerpunkt seiner Amtszeit machen? Und wenn ja: Wie wird er – in der Tradition seines Vorgängers Leo XIII. – diese Themen als neue Herausforderungen der Sozialen Frage heute deuten? Und wie wird er darauf reagieren?

Wer nach einer dezidiert christlichen Antwort auf den Transhumanismus sucht, wird bei Susanne Hartfiel fündig. Die Autorin ist Sozialwissenschaftlerin und Sozialpädagogin, sie studierte in Bremen, Siegen und an der Syracuse University in den USA. Ausdrücklich spricht sie von der Entscheidung zwischen einer Gott- versus Menschenzentrierung, welcher wir gegenwärtig gegenüberstehen. Und die Verlorenheit vieler Zeitgenossen angesichts dieser Entscheidungssituation äußert sich für Hartfiel in einer Identitätslosigkeit: „Viele Menschen wissen nicht mehr, wer sie sind, warum sie leben und was das Ziel ihres Lebens ist. Alles scheint irgendwie im Fluss zu sein“ (S. 9).

An dieser Stelle soll nur eine politische Folge dieser Orientierungslosigkeit und Entscheidungsunfähigkeit herausgestellt werden. Hartfiel spricht von einer „Rechteinflation“ (S. 174). Alles wird zum Recht, zum eigenen Anspruch umgedeutet: zum Recht auf Abtreibung (die aktuelle Kontroverse um die gescheiterte Bundesverfassungsrichterwahl vom Juli 2025 hat dieses Thema medial wieder auf die Vorderbühne gespielt), Recht auf ein eigenes Kind, Recht auf Sex … Übersehen wird dabei etwas ganz Entscheidendes: Es kann nicht etwas zum Recht, schon gar zum Grund- oder Menschenrecht, werden, wenn dadurch ein anderer Mensch mit gleichen Rechten und gleicher Würde als Mittel zum Zweck gemacht wird. Die Autorin zählt am Ende fünfzehn Punkte auf, welche transhumanistisches Denken charakterisiere (wobei es nicht einfach „den“ Transhumanismus gibt, wie Hartfiel zu Recht betonnt) – einer davon: die Aufhebung des Instrumentalisierungsverbotes des Menschen.

Die Folgen sollten klar vor Augen stehen. Und doch: Das transhumanistische Menschenbild fasziniert. Denn es verspricht die Überwindung von Leid und Krankheit, ja, selbst des Todes Auf einmal erscheint alles für den Menschen machbar. Am Ende bleibt für Hartfiel die persönliche Entscheidung – und zwar die Entscheidung, sich auf die Suche nach der wahren Natur des Menschen zu machen oder – in Anlehnung an die Rede Benedikts XIV. vor dem Deutschen Bundestag – nach einer ganzheitlichen, dem Menschen gerecht werdenden, humanen Ökologie.

Der Band bietet eine gut lesbare Einführung in die Debatte um den Transhumanismus – aus einer klaren christlichen Grundhaltung heraus. Damit kann er wichtige Impulse liefern für alle, die sich aus christlicher Perspektive an den kommenden, möglichen Debatten dieses Pontifikats beteiligen wollen. Denn eines ist klar: Die Kirche wird diesen Debatten nicht ausweichen können, wenn sie ihrer Verkündigungsauftrag treu bleiben will.

Susanne Hartfiel: Die Neuerfindung des Menschen, 2., ergänzte Auflage, Augsburg: Dominus 2023, 279 Seiten.

Rezension: Kirchliche Zeitgeschichte, Aufarbeitung und theologische Reflexion – zum innerkirchlichen Umgang mit dem früheren Par. 175 StGB

Gregor Schorberger: Liebende diskriminiert und verurteilt. Römisch-katholische „175er“ und ihre Kirche, Stuttgart: W. Kohlhammer 2024, 258 Seiten.

1994 fiel im wiedervereinigten Deutschland der Paragraph 175 Strafgesetzbuch, der homosexuelle Handlungen unter Männern unter Strafe stellte; eingeführt wurde dieser im Deutschen Kaiserreich im Zuge der Rechtsangleichung von 1871. 2017 wurden Verurteilungen im Zuge dieses Paragraphen aufgehoben und die Betroffenen rehabilitiert.

In den Fünfzigerjahren des zwanzigsten Jahrhunderts erwies sich die katholische Kirche als starke Verteidigerin des genannten Paragraphen, eine eher unrühmliche Rolle spielte dabei nicht zuletzt der Sittlichkeitsverein „Volkswartbund“, der sich später allerdings von der katholischen Kirche löste. Bis heute dauert die innerkirchliche Diskussion über den Umgang mit Homosexualität an. Doch hat sich die Wahrnehmung deutlich verändert.

In Frankfurt am Main, Stuttgart oder Münster gibt es schwul-lesbische Gottesdienstprojekte; beim silbernen Jubiläum der Münsteraner Queergemeinde – zwischenzeitlich einmal mit einem Eucharistieverbot belegt – stand ein Weihbischof dem Festgottesdienst vor, die Jubiläumsfeier konnte im diözesanen Theologenkonvikt gefeiert werden. 2022 gründete sich die Initiative „#OutinChurch – Für eine Kirche ohne Angst.“  Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen in gleichgeschlechtlichen Lebensformen  darf nach dem kirchlichen Arbeitsrecht nicht mehr ohne Weiteres gekündigt werden, wie die Generalvikare aus neunzehn Bistümern Anfang 2022 nach einer Fernsehdokumentation bestätigten. Mitarbeitern Und unter dem Motto „Wir lieben uns – welch ein Segen!“ hat das Bistum Rottenburg-Stuttgart im Juli 2025 eine Materialsammlung für Partnerschaftssegnungen jeder Art, darunter auch gleichgeschlechtliche Partnerschaften, vorgelegt. Das Bistum beruft sich dabei auf das Schreiben „Fiducia supplicans“ aus der Amtszeit von Papst Franziskus.

Aber es bleibt eine Menge aufzuarbeiten, wie Gregor Schorberger anhand der Lebensbilder von sieben Zeitzeugen – geboren zwischen 1929 und 1951 – in seinem Band „Liebende diskriminiert und verurteilt“ aufzeigt, teilweise in anonymisierter Form. Um der Betroffenen willen und um der historischen Aufrichtigkeit willen. Weihbischof Ludger Schepers und die Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Birgit Mock, schreiben in ihrem Vorwort zu Schorbergers Studie: „Die in dem Buch beschriebenen Leben der sieben Zeitzeugen zeigt auf, dass eine neue Betrachtung auf Homosexualität in der katholischen Kirche möglich ist“ (S. 7). Und der Verfasser unterstreicht in seiner Einleitung mit einem Zitat des ehemaligen Kirchentagspräsidenten Andreas Barner: „Was nicht aufgearbeitet ist, wirkt weiter“ (S. 21).

Es geht um den innerkirchlichen Umgang miteinander, um einen theologisch reflektierten Umgang mit sexueller Vielfalt und um ein verantwortliches Handeln der Kirchen nach innen und außen – und dies, wie Schorberger einleitend schreibt, gerade auch angesichts der aktuell wieder zunehmenden gesellschaftlichen Gewalt gegenüber Homosexuellen. Wichtig wäre allerdings, dass die Kirche die Kraft zu einem verantwortlichen Umgang mit Homosexualität aus eigener theologischer Tiefe findet – und nicht allein aus der affirmativen Übernahme aktueller kultur- und sozialwissenschaftlicher Theorien. Dann könnte die Kirche vielleicht auch im Sinne gesellschaftlich-kultureller Diakonie dazu beitragen, Polarisierung im öffentlichen Diskurs nicht zu replizieren oder sogar zu verstärken, sondern auflösen zu helfen.

Schorbergers Studie kann hierzu beitragen. Denn der erste Schritt theologischer Reflexion ist und bleibt das Hinhören auf die Erfahrungen Betroffener.

Wer sind die sieben Zeitzeugen, die im Band zu Wort kommen? Karl Greth trat nach nicht ganz fünfzig Jahren wieder in die katholische Kirche ein – durch Kontakt mit dem Frankfurter Projekt schwul + katholisch, über das Schorberger promoviert hat (veröffentlicht 2013 unter dem Titel „schwul + katholische. Eine christliche Gottesdienstgemeinschaft“). Siegfried Schneider (anonymisiert) engagierte sich seit Kriegsende in der Frankfurter Schwulenbewegung und trat 1970 aus der Kirche aus. Bundesanwalt Manfred Bruns, bekannt durch seinen politischen Einsatz im Lesben- und Schwulenverband wie in der Ökumenischen Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche, machte die Erfahrung, dass ihm das Erzbistum Freiburg die Exkommunikation androhte. 1985 trat er dann – wie er selber es verstand – aus der Körperschaft des öffentlichen Rechts, nicht aber aus der katholischen Kirche als solcher aus. Hans-Joachim Hassemer tat dies 1983, entschloss sich aber 2015 zum Wiedereintritt und nimmt heute mit seinem Partei offen am Pfarreileben seines neuen Wohnortes teil. Peter H. (anonymisiert) erlitt durch einen nächtlichen Überfalle in lebenslanges Trauma. Er war Mitorganisator der ersten bundesweiten Homosexuellendemonstration 1972 auf dem Münsteraner Domplatz und ist heute Mitglied der dortigen Queergemeinde. Thomas Wagner, 2014 wieder in die Kirche eingetreten, hat sich publizistisch immer wieder mit dem Verhältnis der Kirche zu Homosexuellen beschäftigt, politisch u. a. engagiert in der Arbeitsgruppe „Verfolgung von Homosexuellen von 1933 – 1993 im Saarland“. Und schließlich: Alois Kannenmacher (anonymisiert), Diakon und Bistumsarchivar, der über berufliche Diskriminierung durch seinen kirchlichen Dienstgeber berichtet – und dennoch seinen eigenen Glaubensweg geht, den Schorberger so skizziert „Im Bewusstsein, von Gott geliebt zu sein und der daraus resultierenden Selbstannahme ist sein seelsorglicher Wille, auch andere Menschen die Liebe Gottes im Namen Jesu spüren zu lassen und sie zur Selbstannahme und Freiheit zu ermuntern, seine Hauptantriebsfeder“ (S. 195).

Schorberger gibt den Portraits sprechende Namen: Der Zeuge, Der Couragierte, Der Menschenanwalt, Der Liebende, Der Suchende, Der Prophet, Der Diakon. Ein umfangreicher Anhang dokumentiert zeithistorische Quellen und Briefe zur innerkirchlichen Auseinandersetzung über den Umgang mit Homosexualität. Auch wenn Schorberger dabei selber Akteur ist, lässt er die notwendige Distanz zur zeitgeschichtlichen Forschung nicht vermissen.

Die vorliegende Studie liegt quer zu den theologischen Disziplinen. Sie kann sowohl der kirchlichen Zeitgeschichte und Pastoraltheologie als auch der Moraltheologie und Aszetik wichtige Impulse liefern.

Axel Bernd Kunze (Rez.)

Rezension: Wie können Kinder aktiv in das Beschwerdemanagement in der Kindertagesbetreuung eingebunden werden?

Sabine Fischer: Beschwerden von Kindern in der Kindertagesbetreuung (Kinderrechte und Bildung; debus Pädagogik), Frankfurt am Main: Wochenschau Dr. Kurt Debus 2024, 88 Seiten.

Anna Maria Riedl kritisiert in ihrer Dissertation „Ethik an den Grenzen der Souveränität. Christliche Sozialethik im Dialog mit Judith Butler unter Berücksichtigung des Kindeswohlbegriffs“ (Leiden 2017) aus sozialethischer Perspektive, dass der Rekurs auf das Kindeswohl durch „die zentrale Permanenz der Asymmetrie und die damit einhergehenden Gefahren der Verabsolutierung oder Negation von Macht“ (Riedl, S. 38) grundsätzlich unter einem Beteiligungsdefizit leide. Sie fordert daher einen subjekt- und beteiligungsorientierten Kindeswohlbegriff, „der Kinder als Subjekte anerkennt und sie von Anfang gleichzeitig als zu Schützende und Beteiligte, als zu Erziehende und Selbstbestimmte, als noch Werdende und bereits Seiende, als sich von Erwachsenen Unterscheidende und dennoch mit gleicher Würde Ausgestattete sieht“ (ebd.). Nicht allein Nichtbeteiligung, sondern auch eine „graduelle Weniger-Beteiligung“ von Kindern bleibt für Riedl begründungspflichtig, wobei sie den bloßen Verweis auf entwicklungspsychologische Voraussetzungen nicht gelten lässt.

Mit der Betonung eigenständiger Bildungsansprüche der Kinder sollen diese stärker als bisher als selbständige Subjekte anerkannt und deren rechtlich begründete Beteiligungsansprüche ausgeweitet werden. Im jüngeren Bildungs- und Menschenrechtsdiskurs geschieht dies nicht selten zulasten des Elternrechts. Ein sensibler Punkt bleibt weiterhin die polare Spannung zwischen Schutz- und Beteiligungsansprüchen.

Dieser Schnittstelle widmet sich Sabine Fischer ihrer komprimierten und gut lesbaren empirischen Studie zum Beschwerdemanagement in Kindertageseinrichtungen. Und dies auf überzeugende Weise. Nach Kapiteln zum theoretischen Rahmen, Forschungsstand, zu den Zielen und der Methode ihrer Studie präsentiert die Autorin, die als Professorin für Pädagogik an der Evangelischen Hochschule Darmstadt – künftig ein Teil der neuen Evangelischen Hochschule Hessen – lehrt, in fünf Punkten: Was verstehen Kinder unter einer Beschwerde? Warum sollte es Beschwerdemöglichkeiten für Kinder geben? Wie können Kinder ihre Beschwerden äußern? An wen wenden sich Kinder mit ihren Beschwerden? Wie reagieren und interagieren Kinder in Beschwerdesituationen? Ihr Fazit: „Kinder wünschen sich eine Resonanz auf ihre Beschwerden und möchten mit diesen nicht allein gelassen werden. Sie wünschen sich Erwachsene, die sie bei der Situationseinschätzung und -klärung unterstützen und den Prozess der Klärung moderieren. Dies erfordert pädagogische Fachkräfte, die den Kindern in Beschwerdekontexten aktiv zuhören, den Dialog der Kinder untereinander anregen“ (Fischer, S. 59).

Es geht also um ein pädagogisch zu gestaltendes Beziehungsgeschehen. Die Autorin macht deutlich, warum es wichtig ist, nicht über, sondern mit Kindern zu sprechen: Nur dann könne es den pädagogischen Fachkräften gelingen, auch den kindlichen Eigensinn zu verstehen und nicht gleich eigene – professionelle – Deutungen über die Situation zu legen. Denn das Verhalten eines Kindes, so Fischer, könne immer unterschiedliche Ursachen haben. Allerdings, auch das macht die Darmstädter Pädagogin deutlich, müsse die Beteiligung von Kindern am Beschwerdemanagement in Kindertageseinrichtungen auch strukturell verankert werden. Die Kinder könnten dabei als Unterstützer oder Streitschlichter aktiv eingebunden werden – was zugleich, ohne dass Fischer dies explizit ausführt, auch eine Form früher politischer Bildung in der Kindertagesbetreuung sein kann.

Voraussetzung, damit ein solches Beschwerdemanagement gelingt, ist es, dass Trägerverantwortliche und Fachkräfte selber sich mit partizipationsfördernden Verhaltensweisen auseinandersetzten und diese für sich entwickelten. Gerade an diesem Punkt sieht Fischer weiteren Forschungsbedarf, wie sie zum Abschluss ihrer Studie formuliert.

Der aus einer pädagogischen Perspektive formulierte Band liefert wichtige Erkenntnisse für alle, die mit der Entwicklung, Implementierung oder Sicherung von Gewaltschutzkonzepten in Kindertageseinrichtungen oder auch Grundschulbetreuung beschäftigt sind.

Axel Bernd Kunze (Rez.)

Der Rezensent ist Privatdozent für Erziehungswissenschaft an der Universität Bonn und beruflich als Schulleiter einer Fachschule für Sozialpädagogik tätig.

Grußwort: Eine „sozialintegrative Unterrichtsform“

I. In den vergangenen Tagen wurde gewerkelt und gesprayt, gemalt und kreativ geschafft – ganz nach dem Motto: „Kreativ die Welt entdecken“. Das Schuljahr neigt sich dem Ende entgegen, die Noten sind gemacht, die Ferien zum Greifen nahe. Und damit stehen wieder Projekttage bei uns ins Haus. Dabei geht es aber nicht darum, einfach die Zeit bis zum letzten Schultag zu überbrücken. Es geht um mehr!

Projekte sind eine komplexe „sozialintegrative Unterrichtsform“, bei der die Inhalte, Ziele, Methoden und Begründungsfragen miteinander ausgehandelt und gemeinsam verantwortet werden – so haben es kluge Pädagogen ausgedrückt. Oder anders gesagt: Bei Projekten bestimmen nicht die Lehrkräfte. Es geht vielmehr um die gemeinsame Abstimmung der Interessen und Handlungsschritte innerhalb der gesamten Lehr- und Lerngemeinschaft, von Lernenden und Lehrenden gleichermaßen.

Doch genug der hohen Theorie: Heute darf gefeiert werden – ein wichtiger Schritt, der jedes Projekt abschließen sollte. Und sie dürfen heute erleben und entdecken, was in den vergangenen Tagen alles entstanden ist – an kreativen Ideen und Projektergebnissen. Es geht um Graffiti und Street Art, Mode und Naturmaterialien, Bewegungspädagogik – und vieles mehr. Nicht alles, was wir heute zu sehen bekommen werden, ist im Voraus schon bekannt. Wir dürfen gespannt sein. Gehen Sie auf Entdeckungsreise, lassen Sie sich in der Kreativwerkstatt inspirieren oder stärken Sie sich am Fingerfood-Buffet, das ebenfalls eine Projektgruppe vorbereitet hat.

II. Die Projektwoche wurde gemeinsam von der SMV, den einzelnen Projektgruppen und Lehrkräften geplant, vorbereitet und gestaltet – und dies teilweise schon weit im Vorfeld. Denn für Projekttage gibt es keinen Stundenplan oder festen Fahrplan – da sind viel Spontaneität wie Organisationsfähigkeit gleichermaßen, Improvisationstalent und auch eine gute Portion Gelassenheit notwendig. Herzlichen Dank für alles!

 III. „Kreativ die Welt entdecken“ – das bedeutet auch: Wir möchten Ihnen heute zeigen, wie kreativ und vielfältig Schule sein kann und wie vielgestaltig und abwechslungsreich eine Ausbildung zur Pädagogischen Fachkraft.

Unsere Fachschule bildet staatlich anerkannte sozialpädagogische Assistentinnen und Assistenten sowie staatlich anerkannte Erzieherinnen und Erzieher aus. Letztere erhalten am Ende der Ausbildung auch den Titel eines „Bachelor Professional in Sozialwesen“. Ferner bieten wir in Kooperation mit der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg ein Integriertes Studienmodell an, das neben dem Erzieherabschluss in verkürzter Zeit auch zu einem Bachelorabschluss in Bildung und Erziehung der Kindheit führt.

Der Einstieg ist mit ganz unterschiedlichen Zugangsvoraussetzungen möglich: mit dem Hauptschulabschluss in der Berufsfachschule für sozialpädagogische Assistenz, mit dem Realschulabschluss im einjährigen Berufskolleg für Sozialpädagogik oder mit einem höheren Schulabschluss unmittelbar in der Fachschule für Sozialpädagogik. Wir bieten Ausbildungsgänge in vollzeitschulischer, praxisintegrierter oder in Teilzeitform an.

Und Sie haben die Möglichkeit, im Rahmen der Ausbildung Ihren Schulabschluss aufzuwerten und einen gleichwertigen mittleren Bildungsabschluss oder die allgemeine Fachhochschulreife zu erwerben.

Alle sozialpädagogischen Ausbildungsgänge bieten vielfältige Berufs- oder Anschlussmöglichkeiten. Sie können bei uns mit einem Hauptschulabschluss beginnen und sich bis zum Bachelorabschluss weiterqualifizieren. Mit der staatlichen Anerkennung als Erzieher oder Erzieherin ist in Baden-Württemberg auch ein Studium ohne Hochschulzugangsberechtigung möglich.

Ein Abschluss bei uns qualifiziert zum Arbeiten mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen – von 0 bis 27. Und das in vielfältigen Arbeitsfeldern: Krippe oder Kindergarten, Grundschulbetreuung oder Hort, Jugendzentrum, Jugendfarm oder Aktivspielplatz, Kinder- und Jugendarbeit oder Hilfen zur Erziehung, Wohngruppen oder stationäre Jugendhilfe.

Das alles kann sehr verwirrend sein, wenn man sich noch nicht näher mit diesem Berufsfeld beschäftigt hat. Was es für eine sozialpädagogische Ausbildung braucht und welche Chancen damit verbunden sind, lässt sich am besten im persönlichen Gespräch erklären.

Und nun genug der Vorreden: Das Schulfest ist eröffnet. Ich wünsche Ihnen allen einen kreativen, interessanten, frohen Nachmittag. Die einzelnen Angebote und Stände der Projekte sind bis 18.30 Uhr geöffnet.

Herzlichen Dank für Ihr Kommen, viel Spaß und viel Kreativität!

(aus einem Grußwort der Schulleitung zur Eröffnung des Schulfestes und Tages der offenen Tür am Ende der Projekttage)

Rezension: Bildung und Religion

Johannes Gutbrod in einer Rezension für die Pädagogische Rundschau (77. Jg., 2023, S. 391 – 394):

„Wer sich an Kunze und seinen Argumenten reiben möchte, kann dies tun. Der Autor schreckt nicht vor schwierigen Themen und besichtigen Aussagen zurück – dabei gilt es als Leser immer, die Argumente genau zu prüfen. Sie sind wohl überlegt und scharfsinnig formuliert und erweitern den Horizont, auch oder gerade dann, wenn man mit pädagogischer Literatur im christlichen Gewand bisher wenig oder keine Berührungspunkte hatte. Genau deshalb ist Kunzes Werk lesenswert. Es bietet durch die Stringenz des Textes und durch die Abgeschlossenheit der einzelnen Kapitel auch die Möglichkeit, es in Absätzen zu studieren, da jeder Aufsatz in sich geschlossen ist.“

Rede: Ein Bildungsberuf

Aus einem Schulleitungsgrußwort zur Abschlussfeier mit feierlicher Zeugnisübergabe:

Der Bereich frühkindlicher Erziehung, Bildung und Betreuung wurde in den vergangenen zwei Jahrzehnten – im Anschluss an die ersten PISA-Studien – stark ausgebaut. Die Gründe sind vielfältig. Vom Umbau der Krippen- und Kindergartenlandschaft zum Elementarbildungsbereich versprach man sich, so eine der Erwartungen, ein Mehr an Bildungsgerechtigkeit. Die Fachschulen für Sozialpädagogik konnten im Rahmen dieser Entwicklung politisch durchsetzen, dass die staatliche Anerkennung von Erziehern und Erzieherinnen im Deutschen Qualifikationsrahmen, der 2013 in Kraft trat, im Kompetenzniveau einem akademischen Bachelorabschluss gleichgestellt wurde.

Ferner haben die Bundesländer eigene Bildungspläne für den Elementarbereich erlassen. In Baden-Württemberg wurde erst am Montag vor einer Woche der neue, gänzlich überarbeitete Orientierungsplan für Bildung und Erziehung in Kindertagesbetreuung und Kindertagespflege öffentlich vorgestellt. Sie werden sich im Rahmen Ihrer Berufseinstiegsphase sicher noch intensiv mit diesem auseinandersetzen müssen.

Der Gemeinsame Rahmen der Länder für die frühe Bildung in Kindertageseinrichtungen, auf dem die Orientierungs-, Rahmen- oder Bildungspläne für den Elementarbereich in den einzelnen Ländern aufbauen, verzichtet bewusst auf eine Abgrenzung zwischen Bildung und Erziehung. Dort heißt es: „Der Bildungsprozess des Kindes umfasst alle Aspekte seiner Persönlichkeit. Bildung und Erziehung werden als ein einheitliches, zeitlich sich erstreckendes Geschehen im sozialen Kontext betrachtet.“ Zwischen den Zeilen ist die Warnung vor einer „Verschulung“ des Kindergartens herauszulesen. Vermieden werden soll ein Bildungsverständnis, wie es schulischer Didaktik zugrunde liegt, bei der die Auseinandersetzung zwischen Lernenden und Lehrenden immer primär über einen methodisch strukturierten Bildungsinhalt verläuft – Zitat: „Eine Fächerorientierung oder Orientierung an Wissenschaftsdisziplinen ist dem Elementarbereich fremd. Eine Beschreibung von Themenfeldern, in denen sich kindliche Neugier artikuliert, aber ist sinnvoll, weil sie die Angebote der Kindertageseinrichtung konkretisiert.“ In der Elementardidaktik soll sich der „Prozess der Weltaneignung“ vorrangig aus sozialen Situationen ergeben, also alltagsbasiert erfolgen. Bildung geschieht über die lern- und entwicklungspsychologisch angemessene Gestaltung von Beziehungen, Situationen, Zeiten und Räumen.

Doch dieser Bildungsanspruch von Kindertageseinrichtungen ist im Zuge des Fachkräftemangels unter Druck geraten: „Der Erziehungs- und Bildungsauftrag tritt in den Hintergrund, der Betreuungsauftrag in den Mittelpunkt“, formuliert der Bundesverband evangelischer Ausbildungsstätten für Sozialpädagogik (BeA), dem auch unsere Fachschule angehört, in einem aktuellen Positionspapier mit dem sprechenden Titel: „Betreuung statt Bildung? – Ohne uns!“ Weiter heißt es: „Indem wir dafür einstehen, dass Bildung und Erziehung genuine Aufgaben von Kindertagesstätten bleiben, engagieren wir uns für zentrale Zukunftsaufgaben, die gesellschaftliche Entwicklung sowie ein humanes, friedvolles und gemeinwohlorientiertes Zusammenleben sichern.“

Im März dieses Jahres wurden die Forderungen der bundesweit mehr als fünfundfünfzig evangelischen Fachschulen, die sich im BeA zusammengeschlossen haben, im Rahmen einer Strategie 2030 und einer Ausbildungsoffensive Sozialpädagogik konkretisiert.

Wichtig ist uns dabei:

  • Sie haben sich mit Ihrer Ausbildung, die Sie heute erfolgreich beenden, für einen anspruchsvollen Bildungsberuf entschieden. Das Berufsethos Pädagogischer Fachkräfte basiert darauf, dass Sie die Selbstbestimmungsfähigkeit und Mündigkeit der Ihnen anvertrauten Kinder fördern wollen.
  • Diese Arbeit ist äußerst anspruchsvoll und verlangt nach einer hohen Fachlichkeit. Und sie ist eine wichtige gesellschaftliche Zukunftsaufgabe, die öffentliche Anerkennung verdient. Und diese Arbeit wird angesichts gesellschaftlicher Entwicklungen nicht an Bedeutung abnehmen, sondern gewinnen.
  • Die hohe Bildungs- und Erziehungskompetenz Pädagogischer Fachkräfte sichert die hohe Professionalität der Berufsgruppe, die Attraktivität Ihres Berufsbildes und das gesellschaftliche Ansehen.
  • Das evangelische Bildungsprofil stärkt diese Anliegen. Religiöse Bildung ist ein wichtiger Teil der Persönlichkeitsentwicklung und fördert darüber hinaus interkulturelle und interreligiöse Kompetenzen.

Dies alles dürfen auch Sie sich auf die Fahne schreiben, wenn Sie heute Ihr Abschlusszeugnis, Ihre staatliche Anerkennung und darüber hinaus auch den Titel eines „Bachelor Professional in Sozialwesen“ in Empfang nehmen. Bildung sichert Zukunft. Oder anders gesagt: Sie sichern Zukunft. Sie tragen entscheidend dazu bei, den Kindern ihr Recht auf Bildung und Erziehung zu sichern.

Dies gilt für Ihre konkrete berufliche Tätigkeit in Krippe oder Kindertagesstätte, Grundschulbetreuung oder Hort, Jugendarbeit oder Hilfen zur Erziehung. Dies gilt aber auch gesellschaftlich: Sie sind wichtige Botschafterinnen und Botschafter für den Bildungsauftrag Pädagogischer Fachkräfte – dort, wo Sie stehen:  im Rahmen der Erziehungspartnerschaft mit den Eltern; in der Praxisanleitung, wenn Sie in zwei Jahren vielleicht selbst als Mentor oder Mentorin aktiv sein werden; im Rahmen Ihres Trägers, in der Kommunalpolitik, in Berufs- und Fachverbänden oder überhaupt in der gesellschaftlichen Öffentlichkeit.

Wiederabdruck: Kontroverses Lernen statt Konformitätsdruck

Die „Schwarzburg“ weist in ihrer Ausgbe 1/2025 auf den Beitrag „Kontroverses Lernen statt Konformitätsdruck“ hin, der Anfang des Jahres ursprünglich im Magazin „Wissenschaftskommunikation“ erschienen ist Es geht um bildungsethische Vorschläge, wie ein faire Diskussionskultur neu eingeübt werden kann:

https://www.wissenschaftsmanagement.de/news/kontroverses-lernen-statt-konformitaetsdruck

Rezension: Verlorene Wissenschaft

Martin Frenkler würdigt in der neuen Ausgabe 1/2025 der „Schwarzburg“ den Band „Die verlorene Wissenschaft“:

Martin Frenkler (Rez.): Verlorene Wissenschaft, in: Die Schwarzburg 134 (2025), H. 1, S. 54 f.

Martin Frenkler: „Eine neue Perspektive eröffnet der Beitrag [von] Axel Bernd Kunze […] mit der Beschreibung eines CancelCulture-Falles: Im Jahr 2019 hatte die Arbeitsemeinschaft Christliche Sozialethik der im Kontext des Dominikanerordens erscheinenden Zeitschrift ‚Die neue Ordnung‘ den Charakter der Wissenschaftlichkeit abgesprochen […] Kunze dann aber sehr zurecht den Gedanken von der Frage nach der politischen Correctness auf die wissenschaftliche Frage nach einer Bibliotheksethik: Die Tübinger Universitätsbibliothek als Herausgeberin des Index Theologicus hatte aufgrund des Protestes die für die Fachwelt wichtige Auswertung der Fachaufsätze dieser Zeitschrift beendet – nun war aber der Leiter des Index einer derer, die als Arbeitsgemeinschaft den Boykottaufruf formuliert hatten. […] Kunzes Fazit: Wo die Freiheit der Wissenschaft unter die Räder kommt, steht die Leistungsfähigkeit eines ganzen Landes in Frage. […] Der in sich folgerichtig augebaute inhaltlich streitbare Sammelband lohnt der Lektüre unabhängig davon, ob man die gesellschaftspolitische Verortung der Autorenschaft teilt – auf die Argumente kommt es an, nicht auf die Haltung.“

Axel Bernd Kunze: Erklärung oder Boykottaufruf? Zur Rolle von Fachgesellschaften am Beispiel des Streits um die Neue Ordnung, in: Klaus Buchenau/Matthias Fechner (Hgg.): Die Verlorene Wissenschaft. Versuch einer Katharsis nach Corona (Klartext. Schriften zu Politik und Gesellschaft; 2), Stuttgart: ibidem 2024, S. 289 – 307 [auch E-Book];

Neuerscheinung: Wie kann ein fairer Diskurs gelingen?

… diese Frage war Thema der Festrede zum 35. Stiftungsfest der Münsteraner Damenverbindung ADV Helenia Monasteria, das im Januar gefeiert wurde. Die „Schwarzburg“, Zeitschrift des Schwarzburgbundes (SB), dokumentiert die Festrede in ihrer aktuellen Ausgabe:

Axel Bernd Kunze: Wie kann ein fairer Diskurs eingeübt werden? (Blick über den Horizont),in: Die Schwarzburg 134 (2025), H. 1, S. 22 – 27.

Siehe hierzu auch: