In Württemberg besteht in der Kindheitspädagogik bereits seit langem ein Integriertes Studienmodell, an dem die Evangelische und Pädagogische Hochschule in Ludwigsburg sowie sechs evangelische Fachschulen beteiligt sind. Die Auszubildenden der Fachschulen melden sich zunächst nur zur Teilnahme an den Elementen einer gezielten Studienvorbereitung an (z. B. Kompaktwoche Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten mit Teilnahme am Tag der Hochschulen, wissenschaftspropädeutisches Wahlpflichtfach B.A. Kindheitspädagogik, Zusatzfach Wissenschaftliche Texthermeneutik, medienpädagogischer Projekttag). Die Formen variieren von Standort zu Standort. Die Studienvorbereitung können alle nutzen, die ein mögliches Studium, gleich in welchem Fach oder an welchem Studienort, im Anschluss an die Ausbildung in Erwägung ziehen. Später folgt dann die mögliche Bewerbung um Teilnahme am Integrierten Studienmodell.
Das Integrierte Studienmodell will engagierte Auszubildende darin zu bestärken, sich für Führungs- und Konzeptionsaufgaben akademisch weiter zu qualifizieren. Denn die fachlichen Anforderungen in der Kindertagesbetreuung werden nicht geringer, sondern wachsen, beispielsweise durch psychosoziale Problemlagen der Familien und Kinder, veränderte Herausforderungen in den Bereichen Inklusion, Diversity oder Interkulturalität. Träger haben die Chance, leistungsstarke Auszubildende zu gewinnen, die doppelt qualifiziert, regional verbunden und praxiserfahren sind. Das Integrierte Studienmodell passt sehr gut zum Anspruch der Fachschule, Bewerberinnen und Bewerbern mit unterschiedlichen Zugangsvoraussetzungen breitgefächerte Einstiegsmöglichkeiten in das Berufsfeld der Kindertagesbetreuung zu ermöglichen und gleichzeitig differenzierte Anschlussmöglichkeiten zur persönlichen und beruflichen Weiterentwicklung zu eröffnen. Wer möchte, kann über das Integrierte Studienmodell und ein anschließendes Masterstudium auch eine Lehrtätigkeit in der Erzieherausbildung auf Ebene des Höheren Dienstes anstreben. Die Fachschulen in freier Trägerschaft sind auf praxiserfahrene Lehrkräfte, die Freude am Unterrichten haben, angewiesen.
Auch wenn mittlerweile ein Studium nach den veränderten Rahmenvereinbarungen der Kultusministerkonferenz und der Anpassung des Landeshochschulgesetzes in Baden-Württemberg mit der staatlichen Anerkennung als Erzieher oder Erzieherin möglich ist, bietet das Integrierte Studienmodell wichtige Vorteile: Es garantiert eine gezielte Studienvorbereitung während des Studiums, einen gesicherten Studienplatz im Rahmen des schulischen Auswahlverfahrens, eine enge Verzahnung beider Qualifizierungswege und eine deutliche Verkürzung bis zur Doppelqualifikation. Und – nicht unwichtig: Mit der staatlichen Anerkennung können die Studierenden bereits als vollausgebildete Fachkräfte arbeiten und so die restlichen drei Vollzeitsemester finanzieren. Allerdings ist es wichtig, auch künftig Auszubildende zu motivieren, diesen Weg zu gehen; attraktive Berufsangebote sind in Zeiten des Fachkräftemangels heute auch bereits ohne Studium gegeben. Dennoch sollte die persönliche Weiterentwicklung im Rahmen eines Studiums nicht unterschätzt werden.
Zwanzig Jahre nach Einführung der ersten kindheitspädagogischen Studiengänge in Deutschland haben sich die Fachschulen erfolgreich als qualifizierte Ausbildungsorte und gleichberechtigte Partner in einer ausdifferenzierten Ausbildungslandschaft behauptet. Das Integrierte Studienmodell nutzt auf innovative Weise die Synergien, die sich aus dem Kopenhagenprozess ergeben: Die Erzieherausbildung wie ein kindheitspädagogisches Studium führen zum selben Kompetenzniveau auf Stufe 6 im Deutschen Qualifikationsrahmen. Die Hochschulen bestätigen in der Studienkommission des Integrierten Studienmodells die Gleichwertigkeit beider Qualifikationswege. Die Verknüpfung beider Wege führt allerdings noch einmal zu einem wahrnehmbar höheren Kompetenzaufbau, zu einem schnellen Berufseinstieg durch die hohe Praxiserfahrung und zu interessanten Aufstiegswegen in der Berufslaufbahn, auch in weiteren Arbeitsfeldern wie Jugendamt, Fachmedien oder Verbandswesen. Der Bundesverband evangelischer Ausbildungsstätten für Sozialpädagogik (BeA) fordert ausdrücklich innovative Kooperationen zwischen Fachschulen und Hochschulen, damit der Erzieherberuf auf Dauer als hochwertiger und moderner Bildungsberuf zukunftsfähig und attraktiv bleibt. Das Integrierte Studienmodell in Württemberg hat hier schon früh Maßstäbe gesetzt.
