Zwischenruf: Geistliche Leere und fehlende Aufarbeitung

Am Ostersonntag 2020 erklärte Heiner Wilmer im Deutschlandfunk, die leeren Kirchen seien ein Vorgeschmack auf eine Zukunft, die gar nicht mehr so fern sei. Die Religionsfreiheit sah der Hildesheimer Bischof nicht eingeschränkt. Die Kirche eines Landes, die sich mit einer solchen Zukunft anfreundet und keine missionarische Kraft mehr entwickeln will, zeigt eine geistliche Leere. Die 2-G-Gottesdienste, die im späteren Verlauf der Coronapolitik mancherorts stattfanden, können als geistliche Bankrotterklärung bezeichnet werden. Die Kirche, die sozialethisch gern von Teilhabe, Anerkennung und Inklusion spricht, hat bei einer freiheitsfeindlichen Coronapolitik mitgemacht, ohne sich um eine sorgfältige ethische Abwägung zu mühen, und ist schuldig geworden. Umkehr ist notwendig und wäre möglich, wenn sie wirklich gewollt wäre. Davon ist nichts zu erkennen. Die Kirche hat auch in diesem Bundestagswahlkampf allzu gern die regierungsamtlichen Narrative dupliziert. Wer anders denkt, wird vor die Tür gesetzt, wie ein Ministrant im Bistum Passau erleben musste. Wo die Aufarbeitung der Coronapandemie pastoral bereits begonnen habe, bleibt ein Rätsel von Bischof Bätzing (Die Tagespost, 10. April 2025, S. 10). Ein Lernverhalten der Kirchenleitungen ist bisher nicht erkennbar.

Bündnis für humane Bildung: Kritik an geplanter Schüler-ID

Als Mitunterzeichener des Appells vom März 2025 weise ich gern auf die neue Pressemitteilung des Bündnisses für humane Bildung hin. Den gläsernen Schüler brauchen wir nicht. Was wir brauchen, ist eine ehrliche Debatte über die Erziehungsprobleme in Familie, Gesellschaft und Schule – aber darüber zu reden, wäre schmerzhaft. Wir müssten uns Rechenschaft geben über die Orientierungswerte, denen wir folgen. Eine Schüler-ID ist nicht das, was unserem Bildungssystem fehlt. Sie wird am Ende vermutlich nur zu neuer Bürokratie führen, von datenschutzrechtlichen Bedenken noch abgesehen. Wir brauchen ein an Leistung, Eigenverantwortung, Mündigkeit und Freiheit orientiertes Bildungssystem und einen Kulturstaat, der verlässliche Rahmenbedingungen setzt, nicht auch noch einen gängelnden Planstaat, der Bildung und Pädgogik immer stärker seiner Kontrolle und Steuerung unterwirft. Das Bildungswesen steht unter der Aufsicht des Staates, nicht unter der vollständigen Steuerung des Staates.

Pressemitteilung des Bündnisses für humane Bildung vom 14. April 2025

Bildungsexperten fordern Korrektur des Koalitionsvertrag, weil „Bildungspolitik auf digitalen Irrwegen!“

Offenburg / Stuttgart, 14. April 2025. Das Bündnis für humane Bildung kritisiert, dass der neue Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD alte Irrtümer in neues digitales Gewand gießt – und damit die Bildungsprobleme in Deutschland verschärfen wird. Statt bewährter pädagogischer Konzepte soll erneut die Digitalisierung als Allheilmittel dienen. Weltweit machen Länder die Digitalisierung der Bildung rückgängig, der Koalitionsvertrag legt dagegen ihren Ausbau fest.

„Wer Ursachen der Bildungskatastrophe, u.a. die Digitalisierung, kennt und sie in Lösungen umdeutet, betreibt keine Politik, sondern Ideologie“, warnt Prof. Ralf Lankau, Sprecher des Bündnisses für humane Bildung. Der Koalitionsvertrag beschönige die Realität, ignoriere den Lehrkräftemangel und sichere das Geschäftsfeld Schule für die Tech-Konzerne. Lankau kritisiert, dass das Industrienarrativ „Ausbildung statt Bildung“ mit der einseitigen Orientierung an den MINT-Fächern zementiert wird. Die Abkehr vom humanistischen Bildungsideal sei eine Ursache der Bildungskatastrophe, denn immer weniger Schüler erreichten dadurch die Standards im Wortschatz, Sprechen, Lesen und Zuhören. Experten fordern dagegen schon lange den Ausbau der für die Bildung, Lern- und Intelligenzentwicklung zentralen Fächer Deutsch, Sport, Kunst und Musik.

Digitale Sackgasse statt pädagogischen Fortschritts

Studien weltweit – von der UNESCO bis zur britischen Regierung – belegen, dass Digitalisierung keine besseren Lernergebnisse bringt, sondern sogar schadet. „Trotz aller Erkenntnisse soll der DigitalPakt 2.0 durchgepeitscht werde,“ kritisiert Lankau. Mit der geplanten „Schüler-ID“, einem Bildungsverlaufsregister für jede Schülerin/ jeden Schüler und KI-gestützten Lernsystemen droht die totale Verdatung von Lern- und Bildungsbiografien. „Kinder sollen von Avataren am Bildschirm unterrichtet werden – ein Modell aus den Konzernzentralen von Google, Apple, Microsoft, SAP & Co.“, so Lankau.

„Der gläserne Schüler ist keine Vision, sondern ein Albtraum, den die Bundesregierung festschreiben will,“ ergänzt Peter Hensinger, 2. Sprecher des Bündnisses für humane Bildung. „Es ist ein Skandal, dass der Koalitionsvertrag keine Zeile zur Behebung des Lehrermangels enthält, denn Lehrerinnen und Lehrer sollen offensichtlich durch automatisiert agierende Computersysteme ersetzt werden“, kritisiert Hensinger.

Die gesamte Stellungnahme des Bündnisses für humane Bildung zum Koalitionsvertrag mit einer Kurzanalyse der Ursachen der Bildungskatastrophe und Alternativen steht auf:
https://die-pädagogische-wende.de/koalitionsvertrag-ursachen-loesungen/

Forderung: Bildung neu denken!

In einem vom Bündnis für humane Bildung initiierten Appell, den 75 Experten unterzeichneten und der am 14. März an die Verhandlungskommissionen von CDU, CSU und SPD weitergeleitet wurde, wurde ein Richtungswechsel in der Bildungspolitik hin zu einer Erziehung zur Medienmündigkeit gefordert, u.a. bildschirmfreie Grundbildung, ein Verbot privater Smartphones und digitaler Endgeräte an Schulen, mehr Lehrkräfte statt mehr Technik – und eine Bildungspolitik, die Kinder als Menschen sieht, nicht als Datensätze.

Das Bündnis für humane Bildung fordert von der vermutlich neuen Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) als erste Maßnahmen einen Stopp der Digitalisierung, die Annulierung des Digitalpaktes 2.0 und Smartphone- und Socialmedia-Verbote bis zum 16. Lebensjahr.

Das waren die Forderungen an die Koalitionäre:

  • Bildschirmfreie Grundbildung: Kitas, Kindergärten und Grundschulen bleiben in der pädagogischen Arbeit bildschirmfrei. Die negativen Erfahrungen mit Frühdigitalisierung in den skandinavischen Ländern, der fehlende Nutzen, das Ablenkungspotenzial und sogar negative Auswirkungen von digitalen Endgeräten im Unterricht für Lernprozesse, Aufmerksamkeit und Konzentration begründen den Einsatz analoger und manueller Medien und Techniken (Bücher, Schreiben auf Papier, Zeichnen). Der Digitalpakt Schule wird für Kita und Grundschule ausgesetzt.
  • Smartphone- und Social-Media-Regulierungen: An Kitas und Schulen wird ein bundesweites Verbot privater digitaler Endgeräte (v.a. Smartphones, Tablets, Wearables/Smartwatches) eingeführt. Die Mediennutzung im Unterricht in höheren Klassen wird altersabhängig beschränkt.
    Siehe dazu auch die Empfehlungen zu Bildschirmmedien für Kinder und Jugendliche von den ersten Lebensjahren bis zu Sekundarstufe II, 2024 veröffentlicht im Kinder- und Jugendarzt, dem Verbandsorgan des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte Deutschlands.
  • Mehr Lehrkräfte statt mehr Technik: Notwendig sind für Kitas, Kindergärten und Schulen mehr Erzieher und qualifizierte Lehrkräfte, Psychologen, Sozialarbeiter. Das analoge Spiel und Naturerfahrung, der Ausbau von Sport, handwerkliches Lernen, Musik und Theaterspielen müssen schon in der Grundschule im Lehrplan verankert werden.
  • Unabhängigkeit von Tech-Konzernen: Werden digitale Geräte im Unterricht gebraucht, werden ausschließlich von der Schule gestellte Geräte genutzt, der Zugang zu Webdiensten ist zu unterrichtsrelevanten Seiten („White List“) möglich. Nutzung von Open-Source-Software und Datenschutz-konformer IT in Schulen. Die IT-Branche darf keine Sitze in den Beratungsgremien der Bildungspolitik haben.

Der Appell der 75 Experten vom 12. März 2025 mit einem Konzept zur pädagogischen Wende ist abrufbar unter https://die-pädagogische-wende.de/aufruf-bildungspolitik-2025

Pressekontakt: Ralf Lankau / Tel. 0781 / 205-349 / presse@aufwach-s-en.de

Bündnis für humane Bildung: Hochschullehrer, Wissenschaftler und engagierte Bürger gründeten 2017 das „Bündnis für humane Bildung“. Ihre Überzeugung lautet: Bildung lässt sich nicht digitalisieren! Digitale Instrumente können Bildungsprozesse nur unterstützen. Alternativen sind gefragt.

Website: http://www.aufwach-s-en.de

Bündnis für humane Bildung
als Interessengemeinschaft (IG) vertreten durch:
Prof. Dr. phil. Ralf Lankau und Peter Hensinger, M.A.

Neuerscheinung: PädagogikUNTERRICHT 1/2025

VUCA – steht für Volatilität, Ungewissheit, Komplexität und Ungewissheit (benannt nach den englischen Begriffen). Der neue Jahrgang der Fachzeitschrift PädagogikUNTERRICHT widmet sich den pädagogischen Herausforderungen, die sich aus dieser Gesellschaftsdiagnose für den Pädagogikunterricht und die pädagogische Fachdiaktik ergeben: Herausforderungen in der VUCA-Welt (45. Jahrgang, Heft 1 vom April 2025).), Dem Wissenschaftlichen Beirat gehören an: Prof. Dr. K. G. Gather (Köln) und PD Dr. A. B. Kunze (Bonn).

https://www.vdp.org/materialien/zeitschrift-pu

GKP: Publizistenverband begrüßt Aussagen im Koalitionsvertrag zum Informationsfreiheitsgesetz

Katholische Publizisten begrüßen Festhalten
am Informationsfreiheitsgesetz
Marl, 9. April 2025. Die Gesellschaft Katholischer Publizistinnen und Publizisten Deutschlands (GKP) begrüßt das Festhalten der künftigen Regierung am Informationsfreiheitsgesetz (IFG). Entgegen einer in den Verhandlungspapieren von CDU/CSU und SPD erwogenen Streichung ist im Koalitionsvertrag nun eine Reform des IFG „mit einem Mehrwert für Bürgerinnen und Bürger und Verwaltung“ vorgesehen. „Transparenz schafft Vertrauen. Deshalb steht Informationsfreiheit einem demokratischen Rechtsstaat gut an“, erklärt der GKP-Vorsitzende Joachim Frank. „Das Informationsfreiheitsgesetz ist ein bedeutendes Instrument für die journalistische Recherche, mit dessen Hilfe schon viele Missstände aufgedeckt wurden. Eine Reform darf daher das geltende Gesetz nicht schwächen. Vielmehr braucht es einen Abbau bestehender Hürden für Informationsfreiheit – etwa durch den Verzicht auf Gebühren und durch verpflichtende Transparenzregelungen für Behörden. Standardmäßige Offenlegung statt Informationsfreiheit auf Verlangen entlastet Behörden und Auskunftssuchende, da viele Informationen nicht erst durch umständliche, langwierige Anträge ans Licht kommen.“ Diese Grundsätze müssen nach Ansicht der GKP auch bei der ebenfalls im Koalitionsvertrag angekündigten „Verschlankung“ des Umwelt-Informationsgesetzes (UIG) zum Tragen kommen. Flankierend fordert die GKP ein Bundespressegesetz, das Auskunftsansprüche von Journalistinnen und Journalisten gegenüber Bundesbehörden und -organen klar regelt. „Das Ziel muss sein, dass eine Reform des IFG und des UIG Deutschland hinsichtlich der Informationsfreiheit endlich aus dem Keller holt“, fordert der stellvertretende GKP-Vorsitzende Felix Neumann. Er erinnerte daran, dass das geltende Recht von der Staatengruppe gegen Korruption des Europarates GRECO als mangelhaft bewertet wird und Deutschland im „Right to Information Ranking“ der UNESCO nur auf Platz 127 von 140 liegt. „Der Anspruch unseres Landes muss sein, bei allen Freiheitsrechten an der Spitze zu stehen. Das gilt auch für die Informationsfreiheit“, so Neumann. Für die GKP ist das 2005 beschlossene Informationsfreiheitsgesetz ein bedeutender Beitrag zur Förderung der demokratischen Kontrolle von Politik und Verwaltung. „Die Möglichkeit für alle, auf Antrag amtliche Informationen von Behörden zu verlangen, ist nicht nur für den Journalismus ein wichtiges Werkzeug”, betont Frank. „Jeder einzelne Bürger, jede einzelne Bürgerin kann sich so umfassend informieren. Das ermöglicht informierte und selbstbestimmte Teilhabe.“
Über die GKP   Die Gesellschaft Katholischer Publizistinnen und Publizisten Deutschlands e.V. (GKP) ist ein Zusammenschluss von mehr als 550 Medienschaffenden. Auf der Basis des christlichen Glaubens trägt sie zur Meinungsbildung in der Öffentlichkeit bei, insbesondere im Zusammenhang mit Fragen des publizistischen Bereiches. Seit 1984 verleiht die GKP die Franz-von-Sales-Tafel an Menschen, die sich als katholische Publizistinnen und Publizisten besondere Verdienste erworben haben.

Gesegnete Kar- und Ostertage

Noli me tangere.

Fra Angelico, San Marco (Florenz), um 1440

Liebe Leserinnen und Leser!

Das ist der Tag, den der Herr gemacht, wir wollen jubeln und uns über ihn freuen.Der Vers ist dem Psalm 118 entnommen. Der Beter des Psalms hat viel Gutes erfahren, von Gott. Nun soll gesungen werden. Nun soll ein Dankfest gefeiert werden. Dieser Psalmvers ist in der christlichen Liturgie zum österlichen Freudenruf geworden. Zu Recht: Denn Gott hat uns Gutes erfahren lassen. Mehr als wir Menschen uns ausdenken können. Durch die Auferstehung seines Sohnes hat er uns Hoffnung auf neues Leben geschenkt, das allen Tod überwindet.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen gesegnete Kar- und Ostertage, ein frohes Osterfest sowie erholsame Ferientage. Ihr Axel Bernd Kunze

Münster: Abschiedsvorlesung im Sommersemster 2025

Die bisherige Direktorin des Instituts für Christliche Sozialwissenschaften der Universität Münster, Prof. Dr. Marianne Heimbach-Steins, hält Ende dieses Sommersemesters ihre Abschiedsvorlesung: am Freitag, 11. Juli 2025, um 11 Uhr im Audimax in der Johannisstraße 12 – 20. Die Sozialethikerin kann als Pionierin einer Sozialethik der Bildung gelten. Das von ihr in Bamberg und später in Münster geleitete DFG-Forschungsprojekt „Das Menschenrecht auf Bildung: Anthropologisch-ethische Grundlegung und Kriterien der politischen Umsetzung“ hat zentrale Grundlagen für einen eigenständigen Bildungsdiskurs innerhalb der Disziplin gelegt. Später hat sie sich verstärkt anderen Themen zugewandt, etwa der Pflegeethik. Die Münsteraner Forscherin wird nach ihrem Abschied als Seniorprofessorin weiterarbeiten.

In der aktuellen Ausgabe der Münsteraner Universitätszeitung findet sich ein Portrait über Marianne Heimbach-Steins:

https://www.uni-muenster.de/news/view.php?cmdid=14614