Neuerscheinung: Ethische Anfragen an schulisches Handeln

Was sollte eine pädagogische Berufsethik leisten? Was ist unter einer pädagogischen Schulreform zu verstehen? – Diesen Fragen geht der Bildungs- und Sozialethiker Axel Bernd Kunze, der als Schulleiter tätig ist, in einem Beitrag in der aktuellen Ausgabev on „Glaube + Erziehung“ nach. Am Ende steht ein Plädoyer für Freiheit und Pluralismus im Bildungssystem

Axel Bernd Kunze: Ethische Anfragen an schulisches Handeln, in: Glaube + Erziehung. Zeitschrift für christliche Erziehung 75 (2023), H. 2 (April bis Juni), S. 14 f.

https://www.eleg.de/

Volksbegehren: „Stoppt Gendern in Baden-Württemberg“ nimmt erste Hürde

… und dies erstaunlich schnell: Wir sprechen alles – nur kein Genderdeutsch. Dieser Auffassung sind offenbar zahlreiche Baden-Württemberger: Mehr als zehntausend Wahlbürger aus neunhundertsechzig Kommunen, sowohl aus dem städtischen als auch ländlichen Kontext im Südwesten, haben das Volksbegehren unterstützt. Ziel des geplanten Volksentscheides ist, dass die Landesregierung sowie alle Behörden und Einrichtungen des Landes sich an die amtliche Rechtschreibung halten und auf Gendersprache verzichten. Weitere Informationen zum Volksbegehren finden sich hier:

Tagungsdokumentation: Political Correctness und Gendersprache – gesellschaftliche Sensibilisierung, Kitsch oder politische Kampfbegriffe?

Am 20. April 2022 fand im „Haus Erholung „in Mönchengladbach auf Einladung der Kommunalpolitischen Vereinigung Mönchengladbach ein Diskussionsaben unter dem Thema „Political Correctness“ und „Gendersprache“ – gesellschaftliche Sensibilisierung, Kitsch oder „Politischer Kampfbegriff“? statt. Mittlerweile liegt die Tagungsdokumentation in gedruckter Form vor, zusammen mit einem Diskussionsabend zur Frage „Was ist konservativ?“, der am 3. November 2022 ebenfalls im „Haus Erholung“ stattfand:

Axel Bernd Kunze: Vorstellung des Netzwerkes Wissenschaftsfreiheit, in: Arbeitskreis Stadt & Gesellschaft, hg. vom Arbeitskreis „Stadt & Gesellschaft“ der Kommunalpolitischen Vereinigung der CDU, Kreisverband Mönchengladbach, Essen (Ruhr): akadpress 2023, S. 9 f.

Erstveröffentlichung online unter:

Axel Bernd Kunze: Impulsvortrag Gendersprache, in: Arbeitskreis Stadt & Gesellschaft, hg. vom Arbeitskreis „Stadt & Gesellschaft“ der Kommunalpolitischen Vereinigung der CDU, Kreisverband Mönchengladbach, Essen (Ruhr): akadpress 2023, S. 10 – 13.

Erstveröffentlichung unter:

Zwischenruf: Soll das Streikrecht eingeschränkt werden?

Der Arbeitskampf im Öffentlichen Dienst nimmt Fahrt auf. Es könnte dieses Mal ein langer und harter Arbeitskampf der Beschäftigten des Bundes und der Kommunen werden. Versprechungen der Coronazeit, die Erwartungen geweckt haben, Inflation, aber auch angespannte Arbeitsbedingungen infolge von Fachkräftemangel und steigende Belastungen in Schulen, Kindergärten und Pflegeeinrichtungen sind mögliche Gründe. Und wie nicht anders zu erwarten, melden sich Stimmen zu Wort, Streiks im Öffentlichen Dienst gesetzlich einzuschränken. Wortführer sind die CDU-nahe Mittelstands- und Wirtschaftsunion sowie die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. Als Schreckgespenst wird der übermäßige Tarifabschluss der damaligen ÖTV von 1974 an die Wand gemalt, wobei die Zuwächse damals über dem Inflationsausgleich lagen – anders als die ver.di-Forderungen aktuell.

Die Argumente sind hinreichend bekannt: Streiks im Öffentlichen Dienst treffen die Allgemeinheit, nehmen die Bevölkerung in Geiselhaft, wie gern gesagt wird, damit es dramatischer klingt. Doch stimmt das? Auch Streiks in der Wirtschaft können die Bevölkerung treffen, etwa in Form von Lieferschwierigkeiten, geplatzten Fristen und Handwerkerterminen. Der Unterschied mag sein, dass die Auswirkungen bei Streiks im Öffentlichen Dienst für den Einzelnen unmittelbarer spürbar sind. Doch wenn davon die Rede ist, solche Streiks richteten sich gegen die Bevölkerung, nicht gegen die Dienstgeber, ist das mindestens nur die Hälfte der Wahrheit.

Denn die Dienstgeberseite wird nicht in eigenem Auftrag tätig. Die öffentlichen Dienstgeber verdanken sich demokratischer Legitimation und haben letztlich ihren Auftrag, den Staat zu führen und zu gestalten, durch den Souverän erhalten. Und dieser ist eben nicht allein Betroffener eines Streiks im Öffentlichen Dienst. Nein, auch die Kehrseite ist zu beachten: Wie ein Arbeitskampf verläuft, hängt von Gewerkschafts- und Dienstgeberseite ab. Wenn der Souverän nun meint, die Dienstgeber hätten in einem Arbeitskampf anders verhandeln sollen, damit dieser sich etwa nicht über Gebühr ausweitet, dann müssen Sie bei der Wahl für andere politische Mehrheiten sorgen.

Auch Beschäftigte im Öffentlichen Dienst müssen das Recht haben, für angemessene Arbeitsbedingungen zu kämpfen. Wer staatliche Daseinsvorsorge von Arbeitsniederlegungen verschonen will, muss verbeamten. Es geht nicht, immer höhere Erwartungen an den Staat zu richten, der für immer mehr gesellschaftliche Bereiche zuständig sein soll, und Staatsaufgaben auszuweiten, den dort Beschäftigen dann aber Misstrauen entgegen zu bringen und deren Rechte zu beschneiden. Vielmehr hat der Souverän, der sich über Streiks beklagen mag, auch die Verpflichtung, für angemessene Arbeitsbedingungen der öffentlich Beschäftigten zu sorgen. Und um diese ist es nicht zum Besten bestellt, wie die Personalnot in Kindertageseinrichtungen oder der zu einem großen Teil politisch verursachte Lehrermangel an Schulen zeigen. Nur ein Beispiel: Es reicht eben nicht, „Wir schaffen das“ zu rufen, die Schulen dann aber mit den Folgen einer ungesteuerten Migrationspolitik allein zu lassen.

Die Forderungen, das Streikrecht im Öffentlichen Dienst einzuschränken, laufen Gefahr, den sozialen Zusammenhalt im Land und die Loyalität seiner öffentlich Beschäftigten, auf die ein leistungsfähiger Staat unverzichtbar angewiesen bleibt, zu gefährden. Beides sind hohe Güter, die nicht dadurch aufs Spiel gesetzt werden sollten, dass die öffentliche Gewalt ihre Rolle als Tarifpartner und Gesetzgeber vermischt. Tarifpolitik sollte Tarifpolitik bleiben. Noch hält sich der Bundeskanzler aus der aufkeimenden Debatte heraus – und das ist grundsätzlich richtig.

Volksbegehren: Stoppt Gendern in Baden-Württemberg!

Im Südwesten hat das Volksbegehren „Stoppt Gendern in Baden-Württemberg“ begonnen:

https://stoppt-gendern-in-bw.de/antrag-unterzeichnen/

Ein Volksbegehren ist noch kein Volksentscheid. Ich meine aber, dass die politischen Angriffe auf das zentrale Kulturgut unserer Sprache, einem wichtigen Merkmal unserer nationalen Identität, sich auf jeden Fall einem Volksentscheid stellen sollten. Solche grundlegenden Eingriffe in die deutsche Sprache, die an die Grundlagen unserer Verfassungsordnung und nationalen Kultur rühren, sollten nicht durch Verordnungen der Exekutive und auch nicht allein durch den Landtag erfolgen.

Gründe gegen das sprachliche Gendern aus sozial- und bildungsethischer Sicht finden sich hier:

Ich hoffe, das Volksbegehren hat Erfolg, damit die ideologische Sprachzerstörung – nicht zuletzt an unseren Schulen und Hochschulen – beendet wird. Wem Sprache, Kultur und Freiheit ein Anliegen ist und in Baden-Württemberg wahlberechtigt ist, sollte unterschreiben.

Neuerscheinung: Schülerinnen und Schüler heute

Das neue Themenheft 2/2022 der Zeitschrift „engagement“ widment sich dem Thema „Schülerinnen und Schüler heute – Annäherungen an komplexe Lebensrealitäten“. Kommentiert werden die Fachbeiträge jeweils durch Stimmen heutiger Schüler und Jugendlicher.

Im Rezensionsteil werden besprochen:

  • Dario Schramm: Die Vernachlässigten. Generation Corona: Wie uns Schule und Politik im Stich lassen, München 2022 (Rez.: Silke Marchand).
  • Axel Bernd Kunze: Bildung und Religion. Die geistigen Grundlagen des Kulturstaates. Mit einem Geleitwort von Bernd Ahrbeck, Berlin 2022 (Rez.: Hans-Gerd Krabbe).

Zwischenruf: Landeskunde im Fremdsprachenunterricht

19. September 2022. Auch in unserem Land wehten die Fahnen vor den öffentlichen Gebäuden auf halbmast: eine Hommage an Königin Elisabeth II., die an jenem Montag im September zu Grabe getragen wurde, nach einer außergewöhnlich langen Regentschaft. Am 6. Februar 1952 hatte sie den Thron bestiegen. Die meisten von uns haben damals noch gar nicht gelebt. Die öffentliche Trauer, die unser Land zeigte, hebt hervor, welche Bedeutung der englischen Monarchie auch hierzulande beigemessen wird; wie stark die Verbundenheit mit dem Vereinigten Königreich – auch nach dem Brexit – weiterhin ist.

Die Projektwoche, die wir heute beschließen und die an unserer Fachschule schon eine längere Tradition besitzt, ist in diesem Schuljahr der Landeskunde Großbritanniens gewidmet.

Ein beliebter rhetorischer Kniff von Grußwortgebern ist der Griff in den Zitatenschatz. Erlauben Sie mir, dass auch ich davon Gebrauch mache. Und Zitate über England gibt es viele. Nicht alle davon sind allerdings schmeichelhaft: „Bekanntlich sind die Sprachen, namentlich in grammatischer Hinsicht, desto vollkommener, je älter sie sind, und werden stufenweise immer schlechter, vom hohen Sanskrit an bis zum englischen Jargon herab, diesem aus Lappen heterogener Stoffe zusammengeflickten Gedankenkleide“, spöttelte der deutsche Philosoph Arthur Schopenhauer in einem Kapitel „Über Sprache und Worte“. Aber es gibt auch andere Stimmen, etwa Montesquieu, der über die Engländer bemerkte: „Von allen Völkern der Welt hat es (England) am besten verstanden, drei große Dinge sich zunutze zu machen: die Religion, den Handel und die Freiheit.“ Nun gut, sein Zeitgenosse Voltaire sah dies ein wenig anders: „Die Engländer haben zweiundvierzig Religionen, aber nur zwei Saucen.“ Aber auch das gehört zum englischen Wesen, jedenfalls für den amerikanischen Publizisten und Geschäftsmann Franklin Jones: „Die Briten haben ein besonderes Talent, auch in einer nicht vorhandenen Krise gelassen zu bleiben.“

Wer auch immer von den Zitierten Recht hat: Sie können sich gleich selbst ein Bild an den Ständen und Präsentationen unserer Schülerinnen und Schüler aus dem Oberkurs machen. Ganz sicher ist auch in diesem Jahr wieder etwas Kulinarisches dabei – und Sie können erleben, dass die englische Küche mehr als nur zwei Saucen zu bieten hat. Und eines gehört auch zu jedem Thema dazu: Beschreibungen und Beschriftungen in englischer Sprache, die hoffentlich mehr sind als ein bloßer Jargon.

Und damit kommen wir zur didaktischen Bedeutung der Projektwoche. „Landeskundliche Informationen dienen […] als Vehikel zur Sprachvermittlung“, heißt es in Wikipedia. Richtig: Eine englische Projektwoche ist Teil des Fremdsprachenunterrichts. Informationen sollen in der Zielsprache des Landes recherchiert, begleitende Texte in der Zielsprache formuliert werden. Englisch ist in der Erzieherausbildung zwar kein maßgebliches Fach, aber in einer „Weltgesellschaft der Bildung“ dennoch wichtig. Aber Landeskunde ist trotzdem nicht einfach nur ein „Vehikel zur Sprachvermittlung“.

Schüler und Schülerinnen sollen sich nicht nur funktional eine Sprache aneignen, sondern dem Gelernten auch eine Bedeutung zumessen, das Gelernte selber werten und eine persönliche Haltung dazu einnehmen. Und das heißt: Sie sollen sich auch mit der Kultur auseinandersetzen, die hinter einer Sprache steht und die sich nicht allein in grammatikalischen Strukturen erschöpft. Für Geert Hofstede sind es vier Dimensionen, an denen die Besonderheiten einer anderen Kultur deutlich werden: Symbole, Helden, Rituale und Werte. Und bei diesen vier Punkten geht es nicht allein um Politik und Wirtschaft, Geographie oder Geschichte eines Landes, sondern auch um „Alltagskunde“ und „Leutekunde“, wie es Ulrich Zeuner von der Technischen Universität Dresden formuliert: „Alltagskultur spielt eine überragende Rolle bei der Themenfindung. Alltagserfahrungen und universale Lebensbedürfnisse (Essen, Wohnen, Liebe, Streit …) sollen die Brücke vom Eigenen zum Fremden bilden. […] Ausgehend von eigenen Lebenserfahrungen finden die Lernenden so leichter Zugang in die fremde Lebenswelt der anderen Kultur.“

Darüber hinaus vermittelt die Projektwoche Kompetenzen in Projektarbeit, ästhetischer Gestaltung und Präsentationsmethoden, die für den pädagogischen Beruf wichtig sind.

[…]

Und Dank gebührt Ihnen, die Sie gekommen sind, die Ausstellung zu besuchen. Dies ist für unsere Schülerinnen und Schüler im Oberkurs ein wichtiges Zeichen der Wertschätzung und Anerkennung und eine zentrale Würdigung dessen, was sie geleistet haben.

Erlauben Sie mir zum Abschluss noch ein Zitat eines Zeitgenossen, das ich Ihnen auf den Rundgang mitgeben möchte – aus der Feder des deutschen Malers und Schriftstellers Erhard Blanck: „Frankreich hat über zweihundert Käsesorten, Deutschland über zweihundert Brotarten, Italien sicher auch zweihundert Nudelarten. England hat dafür nur eine feine englische Art.“ Und diese dürfen Sie jetzt erleben. Viel Freude und viel Vergnügen dabei!

(aus einem Grußwort der Schulleitung zur Ausstellungseröffnung am Ende einer Englisch- und Kunstprojektwoche)

Zwischenruf: … hat mit dem Beutelsbacher Konsens nichts mehr zu tun

Der Neuen Zürcher Zeitung ist zuzustimmen: Eine solche „Pädagogik der Überwältigung“ hat mit dem Beutelsbacher Konsens nichts mehr zu tun. Und es ist nicht allein grober Unfug im pädagogischen Umgang mit Sechsjährigen. Auch sonst gilt. Erzwungene Werturteile sind moralische wertlos.

Auf anderen Seiten: Peter J. Brenner zu Geschichte und Einfluss der Reformpädagogik

Peter J. Brenner auf KONTRAFUNK am 29. Januar 2022:

Die deutsche Reformpädagogik – eine schöne Illusion.

https://kontrafunk.radio/de/sendung-nachhoeren/podium-und-kanzel/audimax-das-kontrafunkkolleg/peter-j-brenner-die-deutsche-reformpaedagogik-eine-schoene-illusion

Der Autor beschönigt die Reformpädagogik nicht, er weist auf ihre dunklen Stellen und ihren problematischen Einfluss auf die Bildungsdebatten bis heute hin. Dieses Radioessay ist ein Hörgenuss!