Neuerscheinung: 20. Juli 1944 – 2024

Die Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e. V. hat ein neues Arbeitspapier veröffentlicht:

Gedenken an den 20. Juli 1944 am 18. und 19. Juli 2024 in Bamberg (Arbeitspapiere der Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e. V.; 3/2024), hg. v. d. Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e. V.

Weitere Informationen zur Arbeit der Gesellschaft unter http://www.willy-aron.de.

Zwischenruf: Ethiker eiert herum

Der Wahlkampfdonner in Thüringen und Sachsen hat sich verzogen, das Ringen um Koalitionen und Machtoptionen hat begonnen. Peter Schallenberg, Moraltheologe in Paderborn und bisheriger Direktor der sich in Abwicklung befindlichen Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle in Mönchengladbach, hat selber im sächsischen Wahlkampf mitgemischt. Wie er in der Wochenzeitung „Die Tagespost“ vom 16. August 2024 schreibt, habe sein Lehrstuhl die Wahlprogramme der sechs aussichtsreichsten Parteien unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse habe er, so Schallenberg, in Vorträgen vor Ort vorgestellt – alles unter der Frage: „Wie christlich ist die sächsische Politik?“. So weit, so gut, auch wenn noch einmal genauer zu fragen bliebe, wie der Paderborner Ethiker christliche Politik im einzelnen definiert.

Liest man seine Kolumne vom 16. August 2024 weiter, reibt sich der Leser, der ein gutes Gedächtnis besitzt, allerdings verwundert die Augen. Denn für Schallenberg sind drei Dinge sehr wichtig: „Erstens sind Bildung und Gesundheit die zentralen Pfeiler des Sozialstaates, weil sie zur Freiheit befähigen. Zweitens steht die Nächstenliebe vor Fernstenliebe, Ehe und Familie vor Staatsvolk, Heimat und nationaler Staat vor Weltstaat, ohne dass der Blick für internationale Gerechtigkeit verloren gehen darf.“ Lassen wir an dieser Stelle einmal außen vor, ob familiäre Bindungen gegen nationale Zugehörigkeit ausgespielt werden können – für Christen sollte beides gleichermaßen wichtig sein. Es geht um den Kontext, über den wir sprechen. Oder sollten familiäre Beziehungen am Ende wichtiger sein als staatsbürgerliche Verantwortung? Wir erleben sehr deutlich, was es bedeutet, wenn Familien- und Clanzugehörigkeit rechtsstaatliche Bindungen aufhebt.

Hier geht es um etwas anderes: Erst am 10. Mai 2024 schrieb derselbe Ethiker in derselben Zeitung, Volk meine nach katholischer Auffassung „zunächst und grundsätzlich die gesamte Menschheit“. Und: „Gott kennt weder Blut noch Abstammung noch Nation.“ – anderes zu behaupten, sei „Unsinn“ oder „überholtes Heidentum“. Richtig ist: Das Neue Testament relativiert familiäre und nationale Bindungen, wenn es um die Zugehörigkeit zur christlichen Gemeinschaft geht. Aber es hebt diese Bindungen nicht auf. Überdies war es schon im Mai eine Unterstellung, das Staatsvolk werde von bestimmten politischen Kräften allein abstammungsmäßig definiert. Ein Blick in das Grundgesetz hätte genügt, um zu sehen, dass sich das deutsche Staatsvolk durch Abstammung und Einbürgerung bildet.

Was im Mai noch relativiert, vielleicht sogar negiert wird, soll jetzt vor dem Weltstaat stehen. Eine konsistente Staatslehre ist das nicht; Schallenberg eiert herum. Die Unentschlossenheit, zu dem zu stehen, was es zur Sicherung verlässlicher staatlicher Grundlagen braucht, zeigt sich in einer Ankündigungspolitik, die schon seit neun Jahren keine überzeugende migrationspolitische Antwort findet. Die Wähler in Thüringen und Sachsen haben gesprochen und ihre Antwort darauf gegeben. Will christliche Ethik ernstzunehmende Antworten auf die politischen Herausfordeungen unserer Tage leisten, benötigt sie wieder ein klares Staatsdenken, wie es einmal zur Tradition katholischer Soziallehre gehörte. Denn diese wusste darum, dass Gerechtigkeit und Gemeinwohl nur auf Grundlage verlässlicher staatlicher Strukturen gesichert werden können. Und es gehört zu den ethischen Verpflichtungen des Christen, an der Sorge um die Grundlagen unseres staatlichen Zusammenlebens aktiv teilzunehmen und diese sichern zu helfen.  

Neuerscheinung: Kommentar zum Interview mit Ethikratsmitglied

Ethiker sollten kompetent sein, Grundrechtskonflikte differenziert zu beurteilen – sollte man meinen. In der Coronapandemie sah dies innerhalb der Christlichen Sozialethik anders aus. Die Disziplin hätte einiges aufzuarbeiten. Doch dazu fehlt die Kraft, wie ein aktuelles Interview mit dem Berliner Ethiker und Ethikratsmitglied Andreas Lob-Hüdepohl zeigt. Das „Christliche Forum“ übernimmt den Kommentar zu diesem Interview mit dem Internetportal katholisch.de:

Zwischenruf: Sozialethik wäscht Hände in Unschuld

„Corona-Aufarbeitung darf nicht nur Rachegelüste befriedigen“ – platter geht es wohl nicht. Dabei sollte man meinen, eine Mitgliedschaft im Nationalen Ethikrat verpflichte. Wie der Adel. Aber nein, hier wird der Mainstream bedient, der Konvention gehuldigt. Und diese wollen keine Fehler bei der Coronapolitik entdecken. Alles richtig gemacht, bescheinigt Ethikratsmitglied Andreas Lob-Hüdepohl, der in der Impfpflichtdebatte kräftig moralischen Druck aufgebaut hatte, in einem Interview mit dem kirchenoffiziösen Internetportal katholisch.de auch den Kirchen. Das ist durchschaubar: Ein Funktionär entlastet andere Funktionäre. Weitere Drittmittel sind dadurch sicher nicht gefährdet.

Die massiven Grundrechtseinschränkungen der Coronazeit, die soziale Ausgrenzung Andersdenkender und deren Diffamierung – alles vergessen. Nein, sie gehen weiter. Wer meint, dies sollte in einem freiheitlichen Rechts- und Verfassungsstaat aufgearbeitet werden, der wird weiter diffamiert – mit der Unterstellung, er wolle Rachegelüste bedienen. Das alles ist mehr als durchschaubar: Der Pilatus im Ethikrat wäscht seine Hände in Unschuld. Verdächtig macht sich hingegen, wer die Grundrechtsordnung unseres Rechtsstaates verteidigt.

Machen wir es kurz: Die Christliche Sozialethik, die in ihrer hochschulisch-institutionalisierten Fassung längst zu einer Agenda- bzw. Akzeptanzherstellungswissenschschaft verkommen ist, hat in der Coronazeit versagt. Man redet gern über Anerkennung und Respekt, Menschenwürde und Menschenrechte, Haltung und Vielfalt, aber eben nicht über die massiven, massenhaften Grundrechtseinschränkungen der Coronajahre. Schweigen allenthalben. Corona hat das Land, aber ebenso die Kirchen gespalten. Und diese Spaltung wird sich fortsetzen, wenn keine ehrliche, unabhängige, ergebnisoffene Aufarbeitung in Gang kommt. Mit Funktionären wie Lob-Hüdepohl wird eine solche nicht gelingen. Ach ja, man habe es damals ja nicht besser gewusst – keine Kunst: Andersdenkende Stimmen wurden gezielt unterdrückt, diffamiert, kriminalisiert. Aber davon darf heute keine Rede sein. Doch mit Grundrechten spielt man nicht. Eine unverhältnismäßige Politik, wie sie damals passiert ist, kann wieder geschehen, wenn wir das Geschehene nicht aufarbeiten. Mit Menschenwürde, Grundfreiheiten und Grundrechten spielt man nicht.

Der Grund für das Versagen der katholischen Sozialethik liegt in einem Freiheitsverständnis, das nicht mehr von der Vorrangigkeit des Individuums und einer formalen Auslegung der Grundrechte ausgeht, sondern Freiheit sozial rückbindet. Frei sein darf, wer sich sozial wohlverhält. So waren unser Grundgesetz und sein Grundrechtskatalog nicht gemeint gewesen. Wer Sozialethik auf ein solches Freiheitsverständnis baut, negiert den christlichen Personalismus und betreibt Aktivismus statt wissenschaftlich saubere Reflexion.

PS: Wer Gründe sucht, warum eine unvoreingenommene, faire Aufarbeitung der freiheitsfeindlichen Coronapolitik unerlässlich bleibt, dem sei folgender Band empfohlen:

Erklärung von Wissenschaftlern: Widerspruch gegen Spahns Erklärung zur „Pandemie der Ungeimpften“

Das „Christliche Forum“ weist auf die Erklärung einer Wissenschaftlergruppe hin, die sich kritisch mit den aktuellen Ausführungen des ehemaligen Bundesgesundheitsministers, Jens Spahn, auseinandersetzt. Initiiert hatte die Stellungnahme der Münsteraner Mediziner und Molekularbiologe Paul Cullen:

https://christlichesforum.info/wissenschaftler-widersprechen-spahns-erklaerung-zur-pandemie-der-ungeimpften/?utm_source=mailpoet&utm_medium=email&utm_source_platform=mailpoet&utm_campaign=die-letzten-newsletter-total-beitrage-unseres-blogs_1

Neuerscheinung: Wissenschaftlergruppe widerspicht einer „Pandemie der Ungeimpften“

Stimmt es, dass auf den Intensivstationen häufiger Ungeimpfte als Geimpfte lagen, wie der frühere Gesundheitsminister Jens Spahn behauptet? Eine große Gruppe von Wissenschaftlern unter Federführung des Münsteraner Mediziners Paul Cullen, Facharzt für Laboratoriumsmedizin und Molekularbiologe, widerspricht. Der Vorwurf einer „Pandemie der Ungeimpften“ sei nicht gerechtfertigt. Das Onlinemagazin „Tichys Einblick“ dokumentiert die Stellungnahme:

Grüne Reihe der KSZ endet: Bisherige Ausgaben digital zugänglich

Zum 31. Dezember 2024 wird die Katholische Sozialwissenschaftliche Zentralstelle (KSZ) in Mönchengladbach, das bisherige Sozialinstitut der Deutschen Bischofskonferenz und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, geschlossen. Die im Frühjahr bestätigte Schließung nach über sechzig Jahren rief vergleichbar wenig Protest hervor. Langjähriger, profilierter Direktor war der Jesuit Anton Rauscher, Sozilethiker in Augsburg, gewesen. Der aktuelle Direktor, Peter Schallenberg, Sozialethiker in Padernborn, hatte versucht, die Einrichtung an die verschiedenen Flügel innerhalb der sozialethischen Disziplin anschlussfähig zu machen – mit erkennbaren Anbiederungen an den akademischen Zeitgeist. Das Netzwerk Wissenschaftsfreiheit e. V. führt die von der KSZ mitverantwortete Zeitschrift AMOSinternational in seiner Onlinedokumentation auf den netzwerkeigenen Internetseiten als einen Fall deutscher „Cancel Culture“ auf, da Autoren, die sich dem Zwang zum sprachlichen Gendern nicht beugen wollen, dort „gecancelt“ werden.

Die bekannte „Grüne Reihe“ der KSZ bricht bereits mit Heft 511 im Juni 2024 ab. Die Ausgaben werden künftig über eine eigene Internetseite online zugänglich sein:
https://www.gruene-reihe.eu/

Leserbrief: Geist zurück in die Flasche

„Verbum peto“ ist das Recht des freien Mannes, in Studentenverbindungen zum Glück noch gepflegt. „Verbum peto“ ist auch der Namen der Leserbriefrubrik in der ACADEMIA, der Zeitschrift des Cartellverbandes Katholischer Deutscher Studentenverbindungen (CV). Und dort hat man den kritischen Leserbrief zur Ehrung des ehemaligen Präsidenten des Deutschen Hochschulverbandes (DHV), Bernhard Kempen, Ehrenmitglied der K.D.St.V. Markomannia Würzburg, mit dem Positivpreis des Netzwerkes für Wissenschafts veröffentlicht – hier ein Auszug: „Es wäre gut gewesen, wenn der eigene Verband unter seiner Ägide auch 2021 und 2022 einer solchen Maxime gefolgt wäre. Die damaligen Auszeichnungen zum „Hochschullehrer des Jahres“ an den Virologen Christian Drosten sowie die Gründer von BioNTech haben sehr deutlich Partei die regierungsamtliche Linie einer freiheitsfeindlichen Coronapolitik gestützt. Zu den Grundrechtseingriffen, etwa in die körperliche Unversehrtheit, die Wissenschafts- oder Berufsausübungsfreiheit, von denen auch zahlreiche Wissenschaftler betroffen waren, hat der DHV hingegen geschwiegen. Kollegen mit abweichenden Meinungen wurden mit Nichtachtung bestraft oder ausgegrenzt. Für diese Verbandspolitik trägt Kempen als langjähriger Präsident eines hochschulpolitischen Spitzenverbandes maßgeblich die politische Verantwortung. Und so hinterlässt die Preisvergabe des Netzwerkes Wissenschaftsfreiheit mehr als einen schalen Nachgeschmack. Wer angesichts einer zunehmenden Polarisierung, Politisierung, Moralisierung und Emotionalisierung die Wissenschaftsfreiheit robust verteidigen will, sollte auf einem substantiellen Freiheitsverständnis bestehen und die Unteilbarkeit der Grundrechte verteidigen.“

Axel Bernd Kunze: Geist zurück in die Flasche, in: ACADEMIA 117 (2024), H. 4, S. 58.

Rezension: Einigkeit und Recht und Freiheit?

Bernhard Grün rezensiert in der aktuellen Ausgabe der „Schwarzburg“ den Band „Menschenwürde im Intensivstaat? Theologische Reflexionen zur Coronakrise (von Oleg Dik, Jan Dochhorn und Axel Bernd Kunze, Regensburg: S. Roderer 2023):

Bernhard Grün (Rez.): Rote Linien. Einigkeit und Recht und Freiheit?, in: Die Schwarzburg 133 (2024), H. 1, S. 42 f.

Der Rezensent schreibt über den Band der drei Autoren: „Ihre Erkenntnis – wie bedenkenlos über alle grundgesetzlichen Hürden hinweg der Rechtsstaat von den Funktionären der Macht weggeklickt wurde. Wie unbekümmert wohlfeile Begründungen gefunden wurden, wie erbarmungslos Politik gegen die ‚Pandemie der Ungeimpften‘ in Gang gesetzt wurde. Sprache kann diabolisch sein.“

Der Band enthält folgende Beiträge:

  • Oleg Dik: Die zerrissene Menschenwürde. Corona als Symptom einer theologischen Krise.
  • Jan Dochhorn: Paradoxogia Theologica. Ansätze zu einer Gesellschaftskritik aus theologischer Sicht.
  • Axel Bernd Kunze: Gesprächsstörungen – Eine sozial- und bildungsethische Ursachensuche.
  • Axel Bernd Kunze: Intensivstaat und zivilgesellschaftliche Staatsbedürftigkeit – Sozial- und freiheitsethische Betrachtungen.

Neuerscheinung: 80. Todestag des Widerstandskämpfers Hans Wölfel

Mechthildis Bocksch, Axel Bernd Kunze (Red.): „Denken Sie manchmal an mich einsamen Kämpfer“. Gedenken anlässlich des 80. Todestages von Hans Wölfel (1902 – 1944). 3. Juli 2024 (Arbeitspapiere der Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e. V.; Ausgabe 2/2024), o. O. (Bamberg) 2024.

Weitere Informationen: www.willy-aron.de