Neues Weblog: Theologia Dissidens

Am 2. Februar 2026 ist ein neues Weblog an den Start gegangen: THEOLOGIA DISSIDENS – ein Forum für dissidente Theologie oder dissidente Theologen. Wie auch immer, auf jeden Fall ein spannendes Projekt. Der Start in eine theologische Gegenwelt abseits der bekannten Konventionen. Widerspruch und Widerstand gegen die Konsenskathedralen gegenwärtiger Theologie. Beiträge werden jeweils am ersten und dritten Montag im Monat erscheinen, darunter auch Bildungs- und Sozialethisches:

“ Ein Riss geht durch die Gegenwart. Auf der einen Seite steht eine Kathedrale des Konsenses, betrieben von Wissenschaft, Medien und Kultur. Dazu gehören Teile der großen Kirchen, die sich befleißigen, den maroden Status quo zu rechtfertigen. Zusehends gerät diese Kathedrale ins Bröckeln. Auf der anderen Seite stehen Dissidenten aller Couleur. Widerborstig, widerspenstig setzen sie sich ab.

Die Ursachen für den Riss liegen sicher in den politischen Entscheidungen der letzten fünfzehn Jahre. Aber er durchzieht schon seit langem die tiefen, letztlich religiösen und geistlichen Ebenen des westlichen Denkens. Die Krise der Gegenwart ist auch eine metaphysische. Es zeichnen sich Auflösungen in allen Aspekten des Glaubens ab: eine formlose Idee von Schöpfung, die das Bestehende zur Verfügungsmasse macht. Eine aktivistische Ekklesiologie (so Kirche überhaupt noch denkbar ist). Eschatologie, die Lehre der „letzten Dinge“, bleibt oft ein begriffsloses Fragezeichen. Die Gotteslehre gilt tendenziell als Antwort auf Fragen, die keiner mehr stellt. Politische Theologie wird entweder verteufelt oder agiert bzw. agitiert anti-politisch. Die Bibel-Hermeneutik zieht sich auf Spezialfragen zurück oder wird auf zeitgeistige Geschmeidigkeit gebogen. Ohne reflektierte Rückbindung an den Glauben zerfasert die Vernunft selbst in subjektiv-beliebige Setzungen. All das spiegelt sich auch im Ästhetischen: im Grunde farblos und vermüllt, wird die Oberfläche auf Hochglanz poliert.

Andersherum sind die Verbindungen zwischen vielen Lebensbereichen und ihren religiösen Dimensionen fast völlig gekappt. Der Theologie wird vom Richterstuhl der Vernunft ein bescheidener Stehplatz zugewiesen, den einige allzu bereitwillig einnehmen, oder sie wird ganz aus dem Spiel verbannt. Dabei kann die Theologie allein aufgrund ihres allumfassenden „Gegenstandes“ die „zentrale Stange im Zelt der Wissenschaften“ (Judith Wolfe) sein.

Theologia dissidens formt sich in dem Moment, in dem die Dinge ins Rutschen geraten. Es brodelt, Mehrheiten verschieben sich. Die große Konsens-Kathedrale wankt. Ein ängstliches Raunen schallt durch den Blätterwald. Zu Recht. Die Standard-Narrative stehen ja massiv unter Druck: der enthusiastisch-aufgeklärte, alles integrierende Universalismus kollabiert. Kognitive Dissonanzen lassen sich nicht mehr wegdrücken. Zugleich gähnt es vor Langeweile angesichts ausgelatschter Gedankenpfade und vorhersehbarer Theorie-Fetzen.

Die Konsens-Kathedrale reagiert auf die negativen Folgen ihrer eigenen Entscheidungen meist mit Ratlosigkeit, Wegsehen oder Indifferenz. Dort, wo das nicht funktioniert, ähnelt sie einem Tyrannen. Sie vertauscht Täter und Opfer, fordert Verbote für Parteien, Institutionen oder Medien, tabuisiert letztlich den freien Austausch. Bücher werden depubliziert, Redner – auch Theologen – ausgeladen. Die zensorische Stimmlage hat einen hysterischen Oberton.

Wer innerhalb dieser Kathedrale dissident ist, tut das in Treu und Glauben. Er hofft auf die Kraft des Arguments. Dass die Gesellschaft zur Raison kommt, die Wirklichkeit wahrnimmt und Konsequenzen daraus zieht. Diese Mahner und Hinweisgeber sind eher unpolemisch. Sie bleiben – und das ist nicht jedem vergönnt – versöhnlich gestimmt. Ihre Dissidenz verhindert (noch) ein völliges Freidrehen der tragischen Dynamik, denn sie zwingt zum Argument. Ohne Streitlust entlarven innere Dissidenten – unter anderem – den grassierenden Gratismut, mit dem sich der Mainstream auch noch zum Widerstandshelden stilisiert.

Aber da sind auch die verstreuten Dissidenten außerhalb der Konsens-Kathedrale. Dieses Feld, sofern es überhaupt eins ist, ist äußerst bunt und divers. Es geht um bereits Entfernte, Gecancelte, Traditionalisten, Konservative aller Couleur, die gesichert Eingestuften. Ebenfalls dazu gehören seit jeher Nachdenkliche, von der Multi-Krise existenziell Betroffene und Geläuterte. Umdenker. Dem einen oder anderen mag man Querulanz nachsagen. Unbequem sind sie alle – und interessant.

Zugleich erleben wir ein Revival des Christentums, die Zuwendung zum traditionellen Katholizismus, zur Orthodoxie in Luthertum und den Ostkirchen. Dazu gehören Auswilderungs- und Renaturierungsversuche des Glaubens, sogar ein tech-versiertes Macho-Christentum. Der Glaube dient manchem durchaus als politische Waffe – was auch für die Konsens-Kathedrale gilt. Dabei gilt die eigentliche Sehnsucht einer neuen Geistigkeit und Befreiung, denn das Reich Gottes ist „nicht von dieser Welt“.

Theologia dissidens ist Teil dieser Entwicklung und bietet einen safe space für alle Dissidenten. Wo die Dinge ins Rutschen geraten, interessiert uns der freigelegte Berg nach dem Abgang der Mur. Was kommt als nächstes? Wie einen Weinberg bepflanzen? Dabei hegen wir keinerlei häretische Ambitionen. Im Gegenteil: wir sind der dissidente Mainstream. Wir stehen für erneuerte, auch radikale Orthodoxie im besten Sinne.  Wir betreiben den aufbauenden Abbruch des Unbrauchbaren. Unsere Ressource ist eine extrem reiche, fruchtbare Tradition, die beständig Neues hervorbringt. Ihre Stücke sind keine musealen Exponate, sondern gegenwärtig, auch als Konflikte. Sie hebeln uns in neue Möglichkeiten. Das Experiment und  probierendes Forschen gehören dazu.

Dissidenz ist heute in fast allen Bereichen gefragt: in Wissenschaft, Bildung, Politik, internationalem und Verfassungs-Recht, Kultur, natürlich auch den Kirchen. Auf ThD wollen wir diese Bereiche – und mehr – aus Sicht einer soliden christlichen Tradition angehen. Die wiederum soll für ein breites Publikum in ihrer akuten Relevanz zugänglich werden. Es geht um nichts weniger als gründliche, auch metaphysisch basierte Renovatio, ein Abendland für die Zukunft. Stabile Tradition(en), Attraktivität für die nächste Generation: in diese Richtung will ThD intervenieren.

Als Plattform für dissidente Theologen (generisches Maskulinum!) und theologisch Versierte gleichermaßen versammelt ThD Autoren aus allen großen Konfessionen. Sie ist damit katholisch im besten Sinn. Wir sind römisch-katholisch, evangelisch, lutherisch, anglikanisch, aber auch orthodox. Dabei singen wir nicht das Kumbayah einer fluffig-harmlosen Ökumene. Wir sehen nicht nur die Differenzen – sondern auch die Unterschiede zwischen den Differenzen. Das gilt ebenfalls für die zu anderen Religionen.“

https://theologia-dissidens.de/

Nachdruck: Historische Ansichtskarten aus Ottmachau

HEIMATHS-GRÜSSE

... auf Polnisch: Pozdrowienia z domu / Ojczyzny - unter diesem Titel hat Adrian Dwornicki ein Album mit alten Ansichtskarten aus Ottmachau nachgedruckt. Die Publikation ist ein Nachdruck des Originals von 1901, das sich im Archiv des Autors befindet. Über den Kontext seiner damaligen Entstehung ist wenig bekannt. Laut Widmung auf der mit „Rückkehr in die Heimat“ betitelten Eingangsseite ist das Album anlässlich eines siebzigsten Geburtstages entstanden: „Meinem lieben guten Vater zum 70. Geburtstage in treuer inniger Liebe, Verehrung und Dankbarkeit. Dein Karl“.
Der Nachdruck ist als kostenfreie Veröffentlichung für Teilnehmer an einer Stadtführung im Rahmen der 31. Europäischen Tage des Denkmals 2023 entstanden, die damals unter dem Motto „Lebendiges Erbe – Traditionen von Generation zu Generation“ standen. Die Europäischen Tage des Denkmals finden auf Initiative des Europarates jählich im September statt. Historische Stätten und Denkmäler werden dann zugänglich gemacht und mit Führungen, Workshops oder anderen Veranstaltungen für die Öffentlichkeit erschlossen.

Das Album enthält sechsundzwanzig Ansichtskarten. Diese zeigen u. a. das Stadtwappen, Gesamtansichten der Stadt, das Schloss, den Ring, das Rathaus, das Kriegerdenkmal, das Postamt, die Kirche, den Stadtpark, die Zuckerfabrik, das Wehr oder Flusspartien der Neisse. Die Ansichtskarten scheinen teilweise nachkoloriert worden zu sein; eine Karte trägt die Aufschrift „Ottmachau vor 100 Jahren“.
Dwornicki, Herausgeber und Graphiker, betreibt unter www.otmuchow-wortal.pl ein Internetportal für Denkmäler und Sehenswürdigkeiten Ottmachaus. Er bezeichnet in seiner Einführung den vorliegenden Nachdruck als sein wichtigstes Werk. Das Anliegen der von ihm veranstalteten Stadtspaziergänge sei es, die Teilnehmer gedanklich in frühere Zeiten mitzunehmen, die heute noch im Stadtbild sichtbar seien. Die Publikation steht für das Bemühen jüngerer polnischer Historiker, sich mit der deutschen Vergangenheit zu beschäftigen. Unsere Familie hat das Heft als Geschenk von der polnischen Familie erhalten, die heute im Haus meiner Großeltern wohnt.

Andrian Dwornicki: Heimaths Grüsse. Pozdrowienia z domu / Ojczyzny, Otmuchów 2023.

					

Verein Selige Märtyrer von Dachau: Neue Seligsprechungen

Dachau (01.09.2025). Fünf weitere ehemalige Häftlinge des Konzentrationslagers Dachau werden am Samstag, dem 13. Dezember 2025, seliggesprochen. Sie gehören zu einer Gruppe von 50 Franzosen, die 1944 und 1945 als Opfer des Nationalsozialismus das Martyrium erlitten. Kardinal Jean-Claude Hollerich vertritt Papst Leo XIV. bei der Zeremonie in der Kathedrale Notre-Dame de Paris. Victor Dillard, Pierre de Porcaro, Henri Euzenat, René Boitier und Jean Bernier und die anderen hatten im Zweiten Weltkrieg verbotene Seelsorge für Landsleute betrieben, die zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt worden waren. Zwei starben in Dachau. Zwei weitere erlebten noch die Befreiung, erlagen aber kurz darauf den Folgen der unmenschlichen Haftbedingungen. Einer wurde aus Dachau ins KZ Mauthausen verlegt und dort im Außenlager Gusen getötet. Ab dem 13. Dezember wird damit 62 Selige Märtyrer von Dachau geben.

Quelle: Pressemitteilung des Vereins Selige Märtyrer von Dachau e. V.

https://www.selige-kzdachau.de/index.php/neuigkeiten/2025/5-neue-selige-aus-frankreich

GKP: Publizistenverband begrüßt Aussagen im Koalitionsvertrag zum Informationsfreiheitsgesetz

Katholische Publizisten begrüßen Festhalten
am Informationsfreiheitsgesetz
Marl, 9. April 2025. Die Gesellschaft Katholischer Publizistinnen und Publizisten Deutschlands (GKP) begrüßt das Festhalten der künftigen Regierung am Informationsfreiheitsgesetz (IFG). Entgegen einer in den Verhandlungspapieren von CDU/CSU und SPD erwogenen Streichung ist im Koalitionsvertrag nun eine Reform des IFG „mit einem Mehrwert für Bürgerinnen und Bürger und Verwaltung“ vorgesehen. „Transparenz schafft Vertrauen. Deshalb steht Informationsfreiheit einem demokratischen Rechtsstaat gut an“, erklärt der GKP-Vorsitzende Joachim Frank. „Das Informationsfreiheitsgesetz ist ein bedeutendes Instrument für die journalistische Recherche, mit dessen Hilfe schon viele Missstände aufgedeckt wurden. Eine Reform darf daher das geltende Gesetz nicht schwächen. Vielmehr braucht es einen Abbau bestehender Hürden für Informationsfreiheit – etwa durch den Verzicht auf Gebühren und durch verpflichtende Transparenzregelungen für Behörden. Standardmäßige Offenlegung statt Informationsfreiheit auf Verlangen entlastet Behörden und Auskunftssuchende, da viele Informationen nicht erst durch umständliche, langwierige Anträge ans Licht kommen.“ Diese Grundsätze müssen nach Ansicht der GKP auch bei der ebenfalls im Koalitionsvertrag angekündigten „Verschlankung“ des Umwelt-Informationsgesetzes (UIG) zum Tragen kommen. Flankierend fordert die GKP ein Bundespressegesetz, das Auskunftsansprüche von Journalistinnen und Journalisten gegenüber Bundesbehörden und -organen klar regelt. „Das Ziel muss sein, dass eine Reform des IFG und des UIG Deutschland hinsichtlich der Informationsfreiheit endlich aus dem Keller holt“, fordert der stellvertretende GKP-Vorsitzende Felix Neumann. Er erinnerte daran, dass das geltende Recht von der Staatengruppe gegen Korruption des Europarates GRECO als mangelhaft bewertet wird und Deutschland im „Right to Information Ranking“ der UNESCO nur auf Platz 127 von 140 liegt. „Der Anspruch unseres Landes muss sein, bei allen Freiheitsrechten an der Spitze zu stehen. Das gilt auch für die Informationsfreiheit“, so Neumann. Für die GKP ist das 2005 beschlossene Informationsfreiheitsgesetz ein bedeutender Beitrag zur Förderung der demokratischen Kontrolle von Politik und Verwaltung. „Die Möglichkeit für alle, auf Antrag amtliche Informationen von Behörden zu verlangen, ist nicht nur für den Journalismus ein wichtiges Werkzeug”, betont Frank. „Jeder einzelne Bürger, jede einzelne Bürgerin kann sich so umfassend informieren. Das ermöglicht informierte und selbstbestimmte Teilhabe.“
Über die GKP   Die Gesellschaft Katholischer Publizistinnen und Publizisten Deutschlands e.V. (GKP) ist ein Zusammenschluss von mehr als 550 Medienschaffenden. Auf der Basis des christlichen Glaubens trägt sie zur Meinungsbildung in der Öffentlichkeit bei, insbesondere im Zusammenhang mit Fragen des publizistischen Bereiches. Seit 1984 verleiht die GKP die Franz-von-Sales-Tafel an Menschen, die sich als katholische Publizistinnen und Publizisten besondere Verdienste erworben haben.

Festschrift: 50 Jahre Gemeinschaft für Deutsche Studentengeschichte

Kurz vor Weihnachten ist die neue Ausgabe 4/2024 des STUDENTEN-KURIERS erschienen. Die Zeitschrift für Studentengeschichte, Hochschulen und Korporationen berichtet u. a. über das fünfzigjährige Jubiläum der Herausgeberin, der Gemeinschaft für deutsche Studentengeschichte, das im November in Würzburg gefeiert wurde.

Zugleich mit dem Studenten-Kurier wurde die Festschrift, die anlässlich des Goldenen Jubiläums von Matthias Asche im Auftrag des Vorstands der Gesellschaft und der Stiftung Deutsche Studentengeschichte herasugegeben wurde, versandt.

Als Mitglied im Beirat gratuliere ich zum fünfzigjährigen Jubiläum der Gemeinschaft für deutsche Studentengeschichte und wünsche weiterhin eine erfolgreiche Arbeit: Ad multos annos!

Weitere Informationen über die Gemeinschaft für deutsche Studentengeschichte finden Sie hier:

Grüne Reihe der KSZ endet: Bisherige Ausgaben digital zugänglich

Zum 31. Dezember 2024 wird die Katholische Sozialwissenschaftliche Zentralstelle (KSZ) in Mönchengladbach, das bisherige Sozialinstitut der Deutschen Bischofskonferenz und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, geschlossen. Die im Frühjahr bestätigte Schließung nach über sechzig Jahren rief vergleichbar wenig Protest hervor. Langjähriger, profilierter Direktor war der Jesuit Anton Rauscher, Sozilethiker in Augsburg, gewesen. Der aktuelle Direktor, Peter Schallenberg, Sozialethiker in Padernborn, hatte versucht, die Einrichtung an die verschiedenen Flügel innerhalb der sozialethischen Disziplin anschlussfähig zu machen – mit erkennbaren Anbiederungen an den akademischen Zeitgeist. Das Netzwerk Wissenschaftsfreiheit e. V. führt die von der KSZ mitverantwortete Zeitschrift AMOSinternational in seiner Onlinedokumentation auf den netzwerkeigenen Internetseiten als einen Fall deutscher „Cancel Culture“ auf, da Autoren, die sich dem Zwang zum sprachlichen Gendern nicht beugen wollen, dort „gecancelt“ werden.

Die bekannte „Grüne Reihe“ der KSZ bricht bereits mit Heft 511 im Juni 2024 ab. Die Ausgaben werden künftig über eine eigene Internetseite online zugänglich sein:
https://www.gruene-reihe.eu/