Rezension: Bildung und Religion

Johannes Gutbrod in einer Rezension für die Pädagogische Rundschau (77. Jg., 2023, S. 391 – 394):

„Wer sich an Kunze und seinen Argumenten reiben möchte, kann dies tun. Der Autor schreckt nicht vor schwierigen Themen und besichtigen Aussagen zurück – dabei gilt es als Leser immer, die Argumente genau zu prüfen. Sie sind wohl überlegt und scharfsinnig formuliert und erweitern den Horizont, auch oder gerade dann, wenn man mit pädagogischer Literatur im christlichen Gewand bisher wenig oder keine Berührungspunkte hatte. Genau deshalb ist Kunzes Werk lesenswert. Es bietet durch die Stringenz des Textes und durch die Abgeschlossenheit der einzelnen Kapitel auch die Möglichkeit, es in Absätzen zu studieren, da jeder Aufsatz in sich geschlossen ist.“

Rezension: Verlorene Wissenschaft

Martin Frenkler würdigt in der neuen Ausgabe 1/2025 der „Schwarzburg“ den Band „Die verlorene Wissenschaft“:

Martin Frenkler (Rez.): Verlorene Wissenschaft, in: Die Schwarzburg 134 (2025), H. 1, S. 54 f.

Martin Frenkler: „Eine neue Perspektive eröffnet der Beitrag [von] Axel Bernd Kunze […] mit der Beschreibung eines CancelCulture-Falles: Im Jahr 2019 hatte die Arbeitsemeinschaft Christliche Sozialethik der im Kontext des Dominikanerordens erscheinenden Zeitschrift ‚Die neue Ordnung‘ den Charakter der Wissenschaftlichkeit abgesprochen […] Kunze dann aber sehr zurecht den Gedanken von der Frage nach der politischen Correctness auf die wissenschaftliche Frage nach einer Bibliotheksethik: Die Tübinger Universitätsbibliothek als Herausgeberin des Index Theologicus hatte aufgrund des Protestes die für die Fachwelt wichtige Auswertung der Fachaufsätze dieser Zeitschrift beendet – nun war aber der Leiter des Index einer derer, die als Arbeitsgemeinschaft den Boykottaufruf formuliert hatten. […] Kunzes Fazit: Wo die Freiheit der Wissenschaft unter die Räder kommt, steht die Leistungsfähigkeit eines ganzen Landes in Frage. […] Der in sich folgerichtig augebaute inhaltlich streitbare Sammelband lohnt der Lektüre unabhängig davon, ob man die gesellschaftspolitische Verortung der Autorenschaft teilt – auf die Argumente kommt es an, nicht auf die Haltung.“

Axel Bernd Kunze: Erklärung oder Boykottaufruf? Zur Rolle von Fachgesellschaften am Beispiel des Streits um die Neue Ordnung, in: Klaus Buchenau/Matthias Fechner (Hgg.): Die Verlorene Wissenschaft. Versuch einer Katharsis nach Corona (Klartext. Schriften zu Politik und Gesellschaft; 2), Stuttgart: ibidem 2024, S. 289 – 307 [auch E-Book];

Zwischenruf: Der lange Schatten von Corona – oder: Was Corona mit der gescheiterten Richterwahl zu tun hat

Immer stärker greift ein soziales Freiheitsverständnis Raum, das die Grundregel einer freiheitlichen Gesellschaft auf den Kopf zu stellen droht: Erlaubt ist nicht mehr alles, was nicht verboten ist, sondern vielmehr wird Freiheit zugeteilt. Interessant ist, dass heute in der WELT vom 17. Juli 2025 Plagiatsjäger Stefan Weber in einem Gastkommentar einen Zusammenhang zwischen den „Plagiatsvorwürfen“ gegen Frauke Brosius-Gersdorf und ihrer freiheitsfeindlichen Haltung in der Impffrage herstellt. Ich lasse jetzt mal außen vor, ob die Plagiatsvorwürfe entkräftet sind oder Herr Weber zu recht an seinem Vorwurf festhält – das ist eine andere Debatte. Ich lasse auch außen vor, ob die Plagiatsjäger immer lautere Motive haben. Stefan Weber schreibt in seinem Gastkommentar, dass die vorerst gescheiterte Richterkandidatin nicht nur eine freie Impfentscheidung angesichts unzureichend getesteter neuer Impfverfahren für rechtmäßig hielt, sondern auch noch forderte, dass ungeimpft Erkrankte eine finanzielle Strafe für ihr sozialfeindliches Verhalten zahlen sollten. Lassen wir mal außen vor, ob eine Erkrankung in diesem Fall wirklich durch Impfverweigerung wahrscheinlicher wird – hieran müssen Zweifel erlaubt sein. Am Ende jedenfalls schreibt Weber in seinem Kommentar: „Wichtiger ist, dass sich in den Schriften von Brosius-Gersdorf ein Menschenbild offenbart, das zumindest mir das Blut in den Adern gefrieren lässt.“ Weniger pathetisch ausgedrückt: Auch die Wissenschaft hätte guten Grund, ihre Ethik zu reflektieren und ihre Verfehlungen in der Coronazeit aufzuarbeiten. Aber auch das wird nicht passieren, so lange Kempen, Drosten und Co. als ehrenwerte Preisträger für Wissenschaftsfreiheitspreise und Hochschullehrerehrungen gelten. Wissenschaft ohne Ethik verkommt zur bloßen Technik. Wissenschaft ohne saubere Methodik verkommt zur Moralisierung. Wissenschaft braucht beides. Ich möchte mir meine Freiheit nicht nach Gutdünken und Zeitgeist zuteilen lassen – weder von Wissenschaftlern noch von Politikern.

Zwischenruf: Es geht nicht allein um Corona, sondern um unser Freiheitsverständnis

Die geplante Enquetekommission des Deutschen Bundestages zur Aufarbeitung der Coronapolitik wird an der einen oder anderen Stelle feststellen, dass Maßnahmen falsch waren, aber in der Gesamtbetrachtung wird man die Coronapolitik angesichts der „großen Herausforderungen“ durchwinken und erklären, man müsse daraus Schlüsse für künftige Großereignisse ableiten – die dann wieder in derselben Spur bleiben. Einen Willen zu echter Aufarbeitung und Aussöhnung ist nicht zu erkennen, wenn ja sich die Vorabstatements ansieht. Weder politisch noch gesellschaftlich. Dafür sitzen weiterhin die Verantwortlichen an den Schalthebeln der Macht. Dafür dürfen sich sich akademische Verfechter der Coronapolitik wie Herr Kempen, Herr Drosten oder die BioNTechgründer sich weiterhin ihrer Positivpreise für Wissenschaftsfreiheit oder ihrer Hochschullehrerpreise erfreuen.

Und damit sind wir bei einem weiteren Grund, warum die durch die Coronapolitik verursachte gesellschaftliche Spaltung weiter andauert: Wir brauchen eine Diskussion über unser Freiheitsverständnis. Die freiheitsfeindlichen Entscheidungen in der Coronapolitik sind die Spitze eines Eisbergs, der aus einem sozialen Freiheitsverständnis besteht. Die Freiheit wird politisch, wissenschaftlich und gesellschaftlich zunehmend sozial und institutionell gebunden umgedeutet. Nicht mehr die Integrität des Einzelnen steht im Vordergrund. Das Individuum wird zur Verfügungsmasse von Funktionären und Institutionen. Freiheit ist nicht mehr ursprünglich mit der Menschenwürde gegeben, sondern wird zugeteilt. Freiheit genießt, wer sich wohlverhält und anpasst. Freiheit wird zur Passgenauigkeit zwischen Individuum und Sozialstruktur, eine Widerständigkeit des Subjekts ist nicht mehr vorgesehen. Akademisch ist eine solche Umdeutung des Freiheitsverständnisses und der damit zusammenhängenden Grundrechte schon seit mehr als zwei Jahrzehnten zu beobachten. Mittlerweile hat es sich in den Parteien durchgesetzt.

Und die einzige Partei, die noch dagegen aufbegehrt, soll am besten verboten werden. Bleibt am Ende noch die Frage, wer eine solche Enquetekommission leiten und wer ihr angehören soll. Seien wir uns sicher: Man wird schon von vornherein dafür sorgen, dass die Kommission in der Spur des immer enger werdenden, noch zugelassenen Meinungskorridors der vermeintlich gesellschaftlichen Mitte bleiben wird.

Zwischenruf: Pervertierte Selbstbestimmung

Es war damit zu rechnen … – in einem Land, das sich immer mehr von einem individuellen Freiheitsverständnis verabschiedet. In der neuen Legislaturperiode soll wiederum versucht werden, eine Widerspruchslösung bei der Organspende durchzusetzen:

https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/organspende-antrag-bundestag-102.html

Mit einer Wiedervorlage dieses Themas war auch unter einer unionsgeführten Bundesregierung zu rechnen. Auch die C-Parteien haben sich schon lange von einem christlichen Personalismus abgewandt. Der Einzelne wird kollektiviert, bis in den innersten Kernbereich seiner leiblichen Integrität – und perverserweise nennt man das dann auch noch Selbstbestimmung. Aber eine selbstbestimmte Entscheidung, bei der das Ziel der Entscheidung politisch schon determiniert ist, ist eine Perversion von Selbstbestimmung.

Weiteres zum Thema:

Neuerscheinung: Theologische Ethik der Bildung

„Die Würde des Menschen – semiotisch, informationstheoretisch, bildungsethisch“, lautet das neue Themenheft der NEUEN ORDNUNG. Aus bildungsethischer Perspektive findet sich darin:

Axel Bernd Kunze: Pädagogische Selbstbestimmung. Überlegungen aus der Perspektive einer theologischen Ethik der Bildung, in: Die Neue Ordnung 79 (2025), H. 3, S. 208 – 220.

Veranstaltung: Gedenken an Bamberger Widerstandskämpfer Willy Aron

Die Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e. V. erinnert an das öffentliche Gedenken an Willy Aron. Es findet am Dienstag, dem 3. Juni 2025, um 14:00 Uhr am Mahnmal für Widerstand und Zivilcourage (Harmoniegarten) in Bamberg statt. Gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern des Franz-Ludwig-Gymnasiums und der Maria-Ward-Realschule gestaltet der Verein die Gedenkveranstaltung an seinen Namensgeber.

Willy Aron wurde am 3. Juni 1907 in Bamberg geboren. Er war Schüler der Gangolfschule und des Neuen Gymnasiums in Bamberg, engagierte sich in der jüdischen Jugendarbeit und wurde Mitglied der Jugendorganisation der Sozialdemokraten bei. Als Student der Rechtswissenschaften trat er der Studentenverbindung „Wirceburgia“ bei und verteidigte zusammen mit Thomas Dehler als Vorstandsmitglied des Schutzbundes „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold“ in Bamberg die Weimarer Demokratie gegen demokratiefeindliche Angriffe. Als Referendar geriet er ins Visier der Nationalsozialisten und wurde als sofort nach Machtübernahme der NSDAP in Bayern mit weiteren Sozialdemokraten in Bamberg verhaftet, später in das KZ-Dachau überstellt und am 17. Mai 1933 als erster Bamberger im KZ-Dachau grausam zu Tode gequält.

Willy Aron wurde nur 26 Jahre alt.

Die Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e. V. freut sich über zahlreiche Teilnahme.

Leserbrief: Kritik an Widerspruchslösung bei der Organspende

aus.sicht. Aus Kirche und Gesellschaft – das Magazin der Verlagsgruppe Bistumspresse GmbH – übernimmt in Nr. 5/2025 vom 2. März 2025 Leserbrief zum Thema Organspende und Widerspruchslösung: Kritik an möglicher Neuregelung. Axel Bernd Kunze: „Wenn in einem Leserbrief davon die Rede ist, niemand werde gezwungen, verkehrt das die Grundprinzipien unseres freiheitlichen Verfassungsstaates ins Gegenteil: Bei wirklich zwingenden Eingriffen in Grundrechte ist der Staat in höchstem Maße begründungspflichtig, nicht der freiheitsberechtigte Souverän.“

Neuerscheinungen: Arbeitspapiere der Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e. V.

Die an den gleichnamigen Bamberger Widerstandskämpfer erinnernde Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e. V. hat in ihrer Publikationsreihe „Arbeitspapiere der Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e. V.“ (hg. v. Mechthildis Bocksch, Andrea Wolff, Andreas Ullmann und Raimund Roth; Konzeption und Layout v. Mechthildis Bocksch; Redaktion und Endkorrektur v. Axel Bernd Kunze) zwei neue Ausgaben herausgebracht:

  • Ausgabe 4/2024: Anne Bradley, Peter Bradley u. a., The Last Train and Fritz Brandes, the Bamberger who became the Englishman.
  • Ausgabe 6/20234: 32 Stolpersteine für Menschen jüdischen Glaubens in ZeDeSch. 14. Oktober 2024.

Weitere Informationen: https://www.willy-aron.de/

Veröffentlichungen zu Korporation und Widerstand

Der Brücklmeierverein e. V. widmet sich der Forschung zu Korporationen und Widerstand. Dort finden sich etwa Beiträge über den Bamberger Waffenstudenten und Widerstandskämpfer Willy Aron oder eien Rezension des Bandes „Rote Fahnen, bunte Bänder“:

https://bruecklmeierverein.de/?s=Axel+Bernd+Kunze